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10 gute Gründe, Latein zu lernen

Von Julia, veröffentlicht am 11/06/2019 Blog > Sprachen > Latein > 10 gute Gründe, Latein zu lernen

Die lebenden Sprachen von heute sind die Erben der Sprachen von früher. Daher kommt es, dass wir manchmal idiomatische Ausdrücke verwenden.

Unter einer Vielzahl an Redewendungen gibt es zum Beispiel den lateinischen Ausdruck „non plus ultra“, der wortwörtlich übersetzt „nicht mehr weiter“ bedeutet und den wir im Deutschen sehr gerne verwenden, um eine Sache zu beschreiben, die nicht besser sein könnte.

Es kann super nützlich sein, einen Lateinkurs zu besuchen, um Texte zu übersetzen oder große literarische Werke von Cicero, Ovid, Titus oder Horaz zu verstehen!

Latein- und Altgriechischunterricht gehören nicht zu den beliebtesten Fächern bei den deutschen Schülern – immer weniger Schüler entscheiden sich freiwillig für Latein in der Oberstufe.

In den meisten deutschen Gymnasien können Schüler ab der 6. Klasse Latein als Wahlpflichtfach belegen, manchmal auch schon ab der 5. Klasse. Vor Beginn der Oberstufe haben die Schüler dann die Möglichkeit, Latein weiterhin zu belegen oder abzuwählen. Mit dem Abitur erreicht man automatisch das Latinum – eine Beurkundung zur Fähigkeit, lateinische Texte zu verstehen und zu übersetzen.

Oft wird Lateinunterricht öffentlich kritisiert und wird als nutzlos, veraltet, einschläfernd und rückschrittlich bezeichnet.

In diesem Artikel versucht Superprof, Euch vom Gegenteil zu überzeugen: Hier sind die 10 wichtigsten Gründe, Latein zu lernen.

1. Lernt Latein, um schöne Buchstaben und Ausdrücke lesen zu können

Wie bereits angesprochen wird Latein immer wieder dafür kritisiert, als Unterrichtsfach nutzlos und veraltet zu sein. Oft wird den altsprachlichen Fächern vorgeworfen, dass sie zu schwer, zu abstrakt und zu theoretisch seien.

Viele lateinische Sprichwörter sind fester Bestandteil unserer deutschen Sprache. Quelle: VisualHunt

Nur wenige Menschen kommen auf die Schönheit der lateinischen Sprache zu sprechen!

Eine Sprache zu lernen ist immer eine Kunst: Aber im Gegensatz zu Japanisch oder Arabisch können diejenigen unter Euch, die Latein beherrschen, Phrasen oder Begriffe aus einem lateinischen Text in einen deutschen Text oder Gespräch einbauen!

Oft ist es von Vorteil, den lateinischen Ausdruck gegenüber dem deutschen Pendant zu bevorzugen, um einen authentischen, professionellen  Text zu produzieren. Die Verwendung lateinischer Wörter verleiht einen speziellen Charakter und betont außerdem die Bedeutung von Wörtern.

Sind die Sätze ex ante (vorher), ex post (nachher), ex nihilo (aus dem Nichts), mare nostrum (unser Meer), magna est vis consuetudinis („Mächtig, ist die Kraft der Gewohnheit“) nicht schön?

Das Lesen der lateinischen Sprache führt zu einer Form von gesungenem gesprochenem Latein, das sich wunderbar anhört!

Natürlich liegt die Ästhetik dieser Sprache im Auge des Betrachters.

2. Latein lernen, um kognitive Fähigkeiten zu fördern

Latein zu lernen erfordert mehrere Stunden pro Woche, die Ihr an Freizeit einbüßen müsst, um zu üben und Euer Wissen zu vertiefen.

Wenn Ihr lernt, lateinische Verben zu konjugieren, das grammatikalische System versteht und das Lesen von Texten in Julius Caesars Sprache übt, hilft Latein Euch  – vielleicht sogar mehr als jede andere nicht-romanische Sprache – dabei, Eure kognitiven Fähigkeiten zu erweitern.

Mit anderen Worten: Latein zu lernen, veranlasst Euch dazu, beide Gehirnhälften gleichzeitig zu nutzen.

Ihr werdet davon nicht zwingend intelligenter. Latein ist jedoch eine flektierende Sprache mit einer Vielzahl von Deklinationen und Fällen: Das Lernen stimuliert die Gedächtnisfunktionen Eures Gehirns.

Darüber hinaus entwickeln Lateinschüler eine logische Denkweise und ein kritisches Denkvermögen, was für das zukünftige Leben sehr hilfreich sein kann.

3. Erlernen der lateinischen Sprache, um Sorgfalt und bestimmte Methoden zu erlernen.

Latein lernen lässt Euch übrigens ganz schön intelligent aussehen und in der Gesellschaft glänzen! Doch das Studium der lateinischen Sprache ist nicht nur Menschen der sozialen Elite vorbehalten und ist nicht nur zum Lesen liturgischer Literatur nützlich.

In der Tat findet man Latein nicht nur in Kirchen oder in religiöser Literatur, sondern auch in wissenschaftlichen Büchern. Denn wie Ihr sicherlich wisst, sind viele wissenschaftliche Begriffe lateinischen Ursprungs: Zum Beispiel in der Medizin, Botanik, Geologie oder Geschichte!

Das methodische Erlernen der lateinischen Sprache hilft, an Präzision zu gewinnen, ohne dabei unbedingt ein Fachmann zu sein.

Bibliotheken und ein deutsch-lateinisches Wörterbuch sind Eure besten Freunde, wenn Ihr Latein lernen wollt!

4. Erweitert Euer Allgemeinwissen, indem Ihr Latein lernt!

Latein ist auch die Sprache des Römischen Reiches. Die römische Zivilisation dominierte fast 800 Jahre lang Europa, Nordafrika und den Nahen Osten.

Lateinkenntnisse – und Publikationen zur Geschichte und Archäologie – werden dazu beitragen, das tägliche Leben der Römer, Bräuche, Normen, die Geschichte der römischen Literatur oder das politische Leben des Reiches unter Caligula, Vespasian, Trajan oder M. Aurèle, besser zu verstehen.

Lernt Latein und verbessert Euer Allgemeinwissen! Quelle: VisualHunt

Latein war die Lingua franca Roms in allen Herrschaftsgebieten, auch noch nach dem Fall des alten Roms.

So steht die lateinische Sprache seit mehr als zehn Jahrhunderten in ständigem Kontakt mit anderen nicht-lateinischen Kulturen – die die Römer Barbaren nannten -, was zu sprachlichen Übermittlungen zwischen den einzelnen Dialekten an den Grenzen des Reiches führte.

In gewisser Weise ist das Lernen von Latein ein spezieller Exkurs in die europäische Geschichte, eine Einblick in die Vergangenheit, um unsere Gegenwart zu verstehen.

5. Leichteres Erlernen moderner Sprachen

So wie die lateinische Sprache oder die Beherrschung des Lateinischen dazu beiträgt, die Sprache und Kultur der römischen Welt in der Antike besser zu verstehen, gibt es noch einen weiteren positiven Nebeneffekt, den Ihr durch diese Kompetenzen erhalten werdet: Das leichtere Erlernen moderner Sprachen.

Vulgäres Latein – das in den von Rom annektierten Provinzen gesprochen wurde – hat in Europa im Laufe der Jahre zur Entstehung vieler Sprachen geführt.

Diese aufeinander folgenden Vermächtnisse sind heute die Amtssprachen der europäischen und amerikanischen Staaten, die von mehr als einer Milliarde Menschen weltweit gesprochen werden: die romanischen Sprachen (Italienisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Rumänisch).

Lateinkenntnisse ermöglichen es Euch, direkt und ganz ohne Sprachunterricht in Französisch, Spanisch oder Italienisch Ähnlichkeiten mit den Wurzeln der lateinischen Wörter, mit dem lateinischen Wortschatz und der lateinischen Grammatik beim Schreiben moderner europäischer Sprachen zu erkennen.

Ein weiteres wichtiges Argument:
Während einer Reise in Länder romanischer Sprachen in Westeuropa oder Lateinamerika kann Euch ein Grundwissen in Latein dabei weiterhelfen, in das kulturelle und sprachliche Leben vor Ort einzutauchen und die Muttersprachler besser zu verstehen!

6. Latein lernen, um besser Französisch zu verstehen?

Die Mehrheit des französischen Wortschatzes – 80% der Wörter – stammt aus dem Lateinischen!

Viele lateinische Wörter oder Ausdrücke wurden in den französischen Wortschatz aufgenommen, ohne dass dabei die Rechtschreibung verändert wurde. Ihr werdet feststellen, dass diese Wörter auch im deutschen Wortschatz wiederzufinden sind!

  • Alibi,
  • Bonus,
  • Index,
  • Curriculum Vitae,
  • Omnibus,
  • Lavabo,
  • Veto,
  • Aquarium,
  • Agenda,
  • Lapsus,
  • A priori,
  • In extenso,
  • In extremis,
  • In situ,
  • Et cetera.

Bis zu einem gewissen Grad werden die französischen Schüler der Mittel- und Oberstufe erkennen, dass sie alle Latein sprechen, ohne es zu wissen und ohne es gelernt zu haben. Sie sind eben Teil des französischen Wortschatzes!

Viele Wörter des Altfranzösischen sind Überbleibsel des Vulgärlateinischen und wurden im Laufe der Zeit französisiert, ebenso wie die Wörter „bon“ (bonum), „eau“ (aquam), „facile“ (facilis), etc.

Die Kenntnis der lateinischen Sprache ermöglicht es daher, die französische Grammatik und die etymologischen Wurzeln der französischen Wörter besser zu verstehen, was für französische Schüler einen doppelten positiven Effekt hat: die Verbesserung ihres schriftlichen Ausdrucks und die Auseinandersetzung mit der eigenen Sprache.

Es gibt auch viele deutsche Wörter, die aus indogermanischer Verwandtschaft zum Lateinischen entstanden sind! Hier einige Beispiele:

  • est – ist
  • habere – haben
  • nasus – Nase
  • fenestra – Fenster
  • familia – Familie

Außerdem wird Euch beim Latein Lernen auffallen, dass viele grammatikalische Regeln mit denen der deutschen Sprache identisch sind. Zum Beispiel gibt es im Lateinischen genau dieselben Wortarten und Zeiten wie im Deutschen.

7. Verbessert Eure Ausdrucksfähigkeit mit Latein!

Wenn Ihr Latein lernt, werdet Ihr nicht um Übersetzungen vom Lateinischen ins Deutsche oder umgekehrt herumkommen. Auf den ersten Blick mag das eine sehr mühsame und unschöne Arbeit sein – doch Ihr werdet einen langfristigen Nutzen daraus ziehen!

Ihr werdet schnell merken, dass sich Eure Ausdrucksfähigkeit verbessert, wenn Ihr lateinische Texte ins Deutsche übersetzt. Außerdem könnt Ihr dabei Euren Wortschatz erweitern!

Lateinunterricht kann Eure sprachlichen Kompetenzen langfristig verbessern!

8. Latein lernen: ein Pluspunkt für die Hochschulausbildung?

Das Erlernen alter Sprachen, auch bekannt als tote Sprachen, ist manchmal auch Voraussetzung für den Eintritt in eine höhere Bildungsstufe sein.

Zu den Studiengängen, die das Latinum als Zulassungsvoraussetzung haben, zählen zum Beispiel klassische Archäologie, klassische Philologie und Theologie. Grundkenntnisse in Latein sind aber auch für viele Studiengänge, bei denen das Latinum keine Pflichtvoraussetzung ist, sehr nützlich – zum Beispiel für Jura oder Medizin.

In vielen wissenschaftlichen Bereichen werden eine Menge lateinischer Fachbegriffe verwendet. Quelle: VisualHunt

In der Tat können Lateinkenntnisse dazu beitragen, alte Texte der Autoren der griechisch-römischen Zivilisation analysieren und ihren Inhalt im sozialhistorischen Kontext der Antike einordnen zu können (Aristophanes, Homer, Seneca, Plato, Plinius der Junge und Plinius der Ältere, etc.).

In der Wissenschaft haben viele Wörter einen lateinischen Ursprung: Viele lateinische Bezeichnungen sind in unterschiedlichen Bereichen erhalten geblieben: in der Biologie, Mathematik, Medizin, Botanik, Geowissenschaften oder Geologie.

9. Dank Latein einen außergewöhnlichen Karriereweg einschlagen?

Das Erlernen alter Sprachen ermöglicht es, sich der Kultur und den Gründungsmythen der westlichen Zivilisation zu öffnen: Literatur, Philosophie, Wissenschaft und politische Ideen!

Tatsächlich werden Lateiner ihre berufliche Laufbahn verbessern können – aber nur, wenn sie zu den Besten gehören.

Hier sind die Berufe, die mit dem Lateinischen kompatibel sind:

  • Französischlehrer/in,
  • Universitätsprofessor/in,
  • Lehrbeauftragte/r für die Erforschung der Antike,
  • Historiker,
  • SoziologIn, spezialisiert auf Latein
  • ArchäologIn,
  • EthnologIn,
  • SprachwissenschaftlerIn,
  • SchriftstellerIn,
  • Fachmann/frau in der Philologie der alten Sprachen.

10. Filme und Serien über das Römische Reich verstehen

Nichts hat Filmemacher und Drehbuchautoren jemals mehr fasziniert als das Römische Reich. Unzählige Filme wurden bereits über das antike Griechenland, die römische Mythologie und die römische Zivilisation gedreht.

Oftmals fokussieren sich Filme und Serien in ihren Drehbüchern auf eine bestimmte Epoche der Geschichte, zum Beispiel auf einen punischen Krieg oder auf die Herrschaft eines bestimmten Kaisers.

Die Filme Pompeii, Asterix und Obelix oder Gladiator sind weltberühmt. Ihr kennt bestimmt auch die Comichefte von Asterix und Obelix – und es gibt noch eine Menge andere!

Wer kennt sie nicht? Asterix und Obelix! Quelle: VisualHunt

Latein zu sprechen wird zwar nicht dabei helfen, den Film besser zu verstehen als jemand, der kein Latein kann – aber ein paar sprachliche Kenntnisse oder ein Studium der Geisteswissenschaften werden Euch dabei helfen, mögliche historische Fehler oder Anachronismen zu erkennen!

Wie Ihr seht – Latein ist doch gar nicht so tot, wie es scheint!

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