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Wie konjugiert man Verben auf Arabisch?

Von Anna, veröffentlicht am 18/02/2019 Blog > Sprachen > Arabisch > Das arabische Verbsystem

„Ich verbringe meine ganze Zeit damit, die Zeit zu verstehen.“ – Alain Bosquet (1919-1998)

Um die Verbkonjugation im Arabischen zu lernen, muss man schon ein paar Monate Arabisch gelernt haben, denn zunächst einmal muss man natürlich das arabische Alphabet beherrschen, also Arabisch lesen und vielleicht auch schon etwas schreiben können.

Arabisch wird in Deutschland immer wichtiger und immer mehr Menschen möchten es lernen. Allerdings kann man in Deutschland Arabisch in der Regel nicht in der Schule lernen. Dafür aber an einigen Universitäten sowie an der VHS.

sWenn man dann also etwas fortgeschritten ist, geht es wie in vielen anderen Sprachen auch an die Verbkonjugation. Schauen wir uns das doch mal genauer an. Welche Zeitformen gibt es überhaupt im Arabischen?

Die Verben in der vollendeten Form

Im Hocharabischen (Modern Standard Arabic) Ägyptens – das am häufigsten unterrichtet wird – und auch im dialektalen (gesprochenen) Arabischen gibt es den vollendeten Aspekt. Dieser beschreibt eine Handlung, die bereits abgeschlossen ist oder kurz davor steht, abgeschlossen zu werden. Somit kann die Handlung in der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft sein: Das ist die Crux, wenn man über Zeitformen im Arabischen spricht.

Das mag einem erst einmal komisch und schwierig erscheinen, schließlich sind die Zeiten im Deutschen sehr deutlich definiert; doch es ist alles eine Frage des Lernens und der Übung. Nicht-Deutsche müssen sich auch erst einmal an die vier Fälle gewöhnen …

Das Verb im Arabischen wird anhand des Kontexts, in dem sich die Tätigkeit abspielt, konjugiert, und nicht anhand der Zeit, wie das in den romanischen Sprachen (Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Rumänisch) oder den germanischen Sprachen (Deutsch, Englisch) der Fall ist.

Wie lange dauert es, bis man perfekt Arabisch spricht? Arabisch lernen ist ein langer, aber auch schöner Prozess. | Quelle: Unsplash

Die Buchstaben des arabischen Alphabets basieren (wie in allen semitischen Sprachen) auf einem Konsonantensystem, in dem die Grapheme Konsonanten sind und die Vokale implizit durch die Aussprache (Phonologie) eingefügt werden.

Die arabischen Verben stehen am häufigsten in der vollendeten Form, die auf jeweils drei Buchstaben basiert. Diese drei Konsonanten nennt man Radikal oder Wurzelkonsonant. Die Verben werden oft in der ersten Person Singular konjugiert, indem man einen oder zwei Vokale hinzufügt, um auszudrücken, wann die Handlung geschieht.

Der vollendete Aspekt drückt meist Vergangenes aus (Imperfekt oder Perfekt). Er wird mit Präfixen und Suffixen (Vorsilben und Endungen) gebildet, die nach Person, Numerus und Genus angeglichen werden.

Nehmen wir als Beispiel den Radikal k-t-b und das darauf basierende Verb kataba (كَتَبَ) („schreiben“), das in der dritten Person maskulin im Singular steht. Diese Form (3. Pers., mask., Sg.) entspricht unserer Infinitivform, bedeutet aber gleichzeitig auch „Er hat geschrieben“.

Außerdem muss man feststellen, dass im Arabischen das Verb „haben“ nicht existiert: Man sagt nicht „Ich habe ein Buch“, sondern „Bei mir: ein Buch“ – indi kitab (عِـندي كِـتَاب).

Schauen wir uns aber nun einmal an, wie man das Verb „sein“ in der Vergangenheit (vollendete Form) konjugiert (wir schreiben die arabischen Verben in lateinischer Schrift nach ihrer Aussprache):

  • Ich war, ich bin gewesen: kountou
  • Du warst, du bist gewesen (maskulin): kounta
  • Du warst, du bist gewesen (feminin): kounti
  • Er war, er ist gewesen: kana
  • Sie war, sie ist gewesen: kanat
  • Wir waren, wir sind gewesen: kounna
  • Ihr wart, ihr seid gewesen: kountoum
  • Sie waren, sie sind gewesen (maskulin): kanou
  • Sie waren, sie sind gewesen (feminin): kounna

Für eine richtige arabische Verbkonjugation muss man (wie oben zu sehen ist) auch die Personalpronomen beherrschen.

Der vollendete Aspekt kann in der Vergangenheit nochmal aufgeteilt werden. Wie im Englischen oder Französischen unterscheidet man zwischen einer einfachen Form und einer Verlaufsform („I ate“ vs. „I was eating“ bzw. „j’ai mangé“ vs. „je mangeais“). Die Verlaufsform bildet man im Arabischen, indem man die vollendete Form des Verbs „sein“ nimmt (Hilfsverb), gefolgt von der unvollendeten Form des Hauptverbs.

Verwirrt? Hier ein Beispiel:
Das Hilfsverb „sein“ in der vollendeten Form heißt kana (كـان), „Er ist gewesen.“ Um die Aktivität „schreiben“ in der Verlaufsform in der Vergangenheit auszudrücken („He was writing“), muss man die Form wie folgt bilden: „Er ist gewesen + schreiben in der Vergangenheitsform“. Das ergibt: kana yaktub.

Wenn man die Vorvergangenheit bilden will (Plusquamperfekt), muss man an die vollendete Form des Verbs „sein“ die vollendete Form des Hauptverbs anfügen: kana kataba (كان كتب).

Widmen wir uns nun der Entsprechung des Präsens im Arabischen: der unvollendeten Form.

Wie konjugiert man arabische Verben in der unvollendeten Form?

„Wahre Leidenschaft hat etwas Unvollendetes. Ansonsten fällt sie der Zeit zum Opfer.“ – Claire Deleuze.

In der arabischen Sprache (die in geopolitisch wichtigen Regionen wie Saudi-Arabien gesprochen wird) bezeichnet die unvollendete Form eine Handlung, die noch nicht abgeschlossen ist, regelmäßig stattfindet oder gerade im Moment ausgeführt wird.

Abgesehen von Aspekt (einfache Form oder Verlaufsform) und Zeit gibt es auch noch drei Modi:

  • Den Indikativ (Wirklichkeitsform), der die Handlung als sicheres Ereignis markiert.
  • Den Konjunktiv (Möglichkeitsform), der eine unsichere, aber potentiell mögliche Handlung beschreibt.
  • Der Apokopat, der eine Variante des arabischen Konjunktiv ist, ein hypothetisches Konditional.

Das Arabische ist eine Sprache, in der jeder Buchstabe einer Silbe entspricht. Das macht die Aussprache auf jeden Fall leichter.

Ist die arabische Aussprache schwierig? Kontakt mit Arabisch-Muttersprachlern hilft, die Aussprache zu verbessern. | Quelle: Unsplash

Sobald man die Hauptbuchstaben des Alphabets und dann die 117 möglichen Formen der Buchstaben verinnerlicht hat, kann man sich den Vorsilben und Endungen widmen. Bei der unvollendeten Form des Verbs hängt man je nach Person, Numerus und Genus eine bestimmte Vorsilbe (Präfix) oder Endung (Suffix) an.

Man muss außerdem zwischen der Aussprache des letzten Radikals und der Anwesenheit oder Abwesenheit des Buchstabens ن unterscheiden.

Der Indikativ der unvollendeten Form des Verbs entspricht dem Indikativ Präsens der Konjugation im Deutschen.

Um ein Verb zu konjugieren, braucht man zunächst das zur Person passende Pronomen, das Äquivalent des Infinitivs (das Verb in der 3. Person Singular maskulin) und die richtige Endung. Für das Verb „trinken“ (charriba) sieht das wie folgt aus:

  • Ich trinke: achrrabou
  • Du trinkst, sie trinkt: tachrrabou
  • Wir trinken: nachrrabou

Hier ein weiteres Beispiel, das Verb „sein“:

  • Ich bin: akounou (das Pronom ﺃ, „ana“ = „ich“, gefolgt von der Endung in der 1. Person)
  • Du bist (maskulin): takounou
  • Du bist (feminin): takounin
  • Er ist: yakounou
  • Sie ist: takounou
  • Wir sind: nakounou
  • Ihr seid: takounoun
  • Sie sind (maskulin): yakounoun
  • Sie sind (feminin): yakounna

Warum sollte ich Arabisch lernen? Arabischkenntnisse können im Urlaub hilfreich sein. | Quelle: Pexels

Wenn man einen Fortgeschrittenenkurs Arabisch macht, lernt man auch, zwischen Aktiv und Passiv zu unterscheiden. Um die passive Form zu bilden, muss man ein Fatha an den vorletzten Radikal und ein Damma an das Pronomen hängen (s. unten).

Um gut Arabisch sprechen zu können und in arabischsprachigen Ländern einwandfrei verstanden zu werden, muss man außerdem den Konjunktiv beherrschen (vergleichbar mit dem Subjonctif im Französischen).

Du willst die arabische Verbkonjugation und auch die restliche Arabischgrammatik perfekt lernen? Wie wäre es mit Privatunterricht bei einem Lehrer/einer Lehrerin von Superprof? Dort findest Du viele Muttersprachler und erfahrene Lehrkräfte, die Dir effizient Arabisch beibringen können.

Eine andere Möglichkeit, um erstmal reinzuschnuppern und einen ersten Eindruck zu gewinnen, sind natürlich zahlreiche Videos auf YouTube. Dort findest Du auch Anleitungen, wie Du am besten das arabische Alphabet lernen kannst.

Oder wie wäre es mit einem Intensivkurs, um danach in die arabischsprachige Welt zu reisen, wo Du Dein Arabisch natürlich noch leichter perfektionieren kannst?

Die Arabischkonjugation im Imperativ und Futur

Beim Imperativ im Arabischen muss man beachten, dass es diese Form nur in der 2. Person Singular und Plural (wie im Deutschen) sowie im Dual gibt (eine besondere Form, bei der nur genau zwei Elemente oder Personen gemeint sind).

Es gibt keinen Imperativ in der 1. Person Plural, wie das im Deutschen der Fall ist („Gehen wir!“).

Um den Imperativ im Arabischen zu bilden, konjugiert man das Verb mit Präfixen und Suffixen, die nach Genus und Numerus variieren.

Für das Verb „machen“ (faschala, فَعَلَ ـَ) zum Beispiel:

  • Mach, maskulin Singular: ifschal, فْعَلْ
  • Macht, maskulin Plural: ifschalu, اِفْعَلُوا
  • Macht, Dual: ifschala, اِفْعَلَا
  • Macht, feminin Singular: ifschali, فْعَلِي
  • Macht, feminin Plural: ifschalana, اِفْعَلْنَ

Das geschriebene Alif – der Name des ersten Buchstaben des arabischen Alphabets – verschwindet, wenn dem Verb ein beigefügtes Pronomen folgt: اُكْتُبُوها = „schreib sie“.

Und schließlich noch die letzte Zeitform: die Zukunft, das Futur.

Man bildet die nahe Zukunft, indem man das Präfix sa (سَ) vor das konjugierte Hauptverb (im Indikativ der vollendeten Form) stellt.

Manchmal setzt man auch stattdessen den Partikel sawfa vor das Verb, um eine Handlung in einer weiter entfernten Zukunft auszudrücken:

  • Nahe Zukunft des Verbs „schreiben“: sayaktubu („er wird schreiben“; bald), سَيَكْتُبُ
  • Weiter entfernte Zukunft des Verbs „schreiben“: sawfa yaktubu („er wird schreiben“; in weiter entfernter Zukunft), سَوْفَ يَكْتُبُ

Sa (سَ) wird sehr viel öfter verwendet als sawfa (سَوْفَ).

Wie liest man im Arabischen? Dass man im Arabischen von rechts nach links liest, kann anfangs verwirrend sein. | Quelle: Unsplash

Doch wie bildet man die negative Form im Futur? Kann man nicht auch sagen „Ich werde nicht schreiben“? Die Verneinung bildet man mithilfe des Partikels lan, gefolgt vom unvollendeten Konjunktiv.

Um ein konjugiertes Verb im Futur ins Passiv zu setzen („Er wird geschrieben werden“), fügt man ein Fatha – ein Hilfszeichen zur Vokalisierung des kurzen Vokals a – auf dem vorletzten Radikal hinzu, und ein Damma – in Hilfszeichen zur Vokalisierung des kurzen Vokals u – auf dem pronominalen Präfix. Das gilt für alle Verben:

  • Er wird schreiben: sayaktubu, سَيَكْتُبُ
  • Er wird geschrieben werden: yuktabu, سَيُكْتَبُ

Wenn man diese Regeln zur Verbkonjugation verinnerlicht hat, wartet auch schon die nächste Herausforderung: die unregelmäßigen Verben. Wie auch in anderen Fremdsprachen quälen einen diese Ausnahmen. Doch so zeigt man auch, dass man das Arabische wirklich beherrscht.

Übrigens: Das Arabische ist eine gutturale Sprache. Das macht die Aussprache vieler Wörter schwierig für uns. Doch mit genug Übung und Kontakt zu Muttersprachlern kann man auch diese Challenge meistern!

Du wirst sehen: Es ist gar nicht so schwierig, Arabisch zu lernen.

 

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