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Wie schwer ist es für Deutsche, das Russische Alphabet zu lernen?

Von Florence, veröffentlicht am 26/11/2018 Blog > Sprachen > Russisch > Wie schwer ist es für Deutsche, das Russische Alphabet zu lernen?

Viele Schüler lernen in Deutschland Russisch. Nach Englisch, Französisch, Lateinisch und Spanisch steht Russisch an fünfter Stelle der meist gelernten Fremdsprachen.

Die Tendenz ist sogar steigend. Zusammen mit Spanisch ist Russisch die Sprache, die gerade einen Aufwärtstrend in Deutschland erlebt. Prozentual gesehen lernt aber immer noch ein kleiner Anteil deutscher Schüler Russisch, nur 1,5 %. In anderen Ländern Westeuropas ist es sogar noch weniger.

Ein deutscher Tourist in Sankt Petersburg wird sich nicht vorher gefragt haben, ob er das russische Alphabet lernen soll. Bei einer Reise nach Portugal oder ins italienische Neapel stellt sich die Frage natürlich erst gar nicht.

Das Alphabet ist für die Russen ganz anders, als wir es mit unseren lateinischen Buchstaben gewohnt sind.

Ein anderes System fordert auch eine andere Logik. Was Du dafür tun musst? Umdenken!

Genau damit werden wir uns jetzt befassen: Was fällt Deutschsprachigen am russischen Alphabet besonders schwer… oder auch besonders leicht?

Kleine Einführung in das kyrillische Alphabet

Die Geschichte des kyrillischen Alphabets reicht mehr als 1000 Jahre zurück.

Es waren Method und Kyrill, zwei Brüder, Mönche und Missionare, die im karolingischen Zeitalter ein System von 30 Phonemen entwickelt haben, um die bisher rein mündlichen slawischen Sprachen zu verschriftlichen.

Die beiden Brüder haben die Schriftzeichen vom griechischen Alphabet abgeleitet und für Laute, die darin nicht vorkamen, haben sie glagolitische Zeichen eingesetzt, die sie selbst entwickelt haben.

Wusstest Du, dass Method und Kyrill die kyrillische Schriftsprache entwickelt haben? Kyrill und Method bringen die Gebeine vom hl. Clemens nach Rom, Fresko in der St. Clemens Basilika in Rom. | Quelle: Wikipedia Commons

Dieses System hat sich im Laufe der Jahrhundert verbreitet, weiterentwickelt und viel verändert.

Das Altslawisch zählt immer noch als die älteste slawische Schriftsprache. Sie wurde zu Anfangs nur im kirchlichen Kontexte gebraucht und daher wird ihr auch oft der Name „Altkirchenslawisch“ gegeben.

Aus ihr sind viele andere Schriftsysteme entstanden, die russische Sprache hat wegen der Anzahl der Sprecher und ihrem kulturellen Einfluss jedoch eine Vorrangsposition.

Heute zählt das kyrillische Alphabet 33 Buchstaben. Im 18. Jhdt. waren es noch 40! Weißt Du wie man russische Schriftzeichen auf einer gängigen deutschen, also einer QWERTZ Tastatur schreibt?

Freut euch geehrte Russophilen! Es gab noch nie so wenige russische Buchstaben zu lernen wie im 21. Jhdt.

Diese Veränderungen und Kürzungen hängen mit Rechtschreibreformen zusammen, die eng mit der Natur der russischen Sprache verbunden sind: Ihre Funktionsweise ist zutiefst phonetisch und nicht etymologisch.

Die Grammatik ist äußert anspruchsvoll, aber auch sehr präzise. Dank ihr gibt es im Grunde wenige Rechtschreibfallen, was einem Deutschsprachigen beim Schreiben eines russischen Textes zu Gute kommt.

Aber das soll Dich nicht täuschen, die russische Grammatik muss gut studiert sein! Sie ist stark flektierend und kennt drei grammatische Geschlechter. Die grammatischen Geschlechter werden ferner nach belebten und unbelebten Substantiven unterschieden. Und zu guter Letzt gibt es sechs Fälle und nicht nur vier wie im Deutschen.

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Die größten Unterschiede zwischen lateinischem und russischem Alphabet

Man braucht nur ein Alphabet neben das andere zu stellen, um den eklatanten Unterschied zwischen dem lateinischen Alphabet der deutschen Sprache und dem kyrillischen System der russischen Sprache zu sehen.

In diesen grundlegend anderen Buchstaben liegt die große Herausforderung für Deutsche, die gerne das Schreiben in Russisch lernen möchten.

Philologen wissen jedoch, dass die beiden Zeichensysteme verwandt sind. Die deutschen Buchstaben stammen direkt vom Latein ab, das im Römischen Reich universalisiert worden war, und das Latein wiederum gehört wie das Griechische, von dem die kyrillischen Schriftzeichen abstammen, zur indoeuropäischen Sprachfamilie.

Wusstest Du, dass die slawische Schriftsprache von Mönchen entwickelt wurde? Altkirchenslawisches Vater Unser. | Quelle: Wikipedia Commons

Man muss aber zugeben, dass das Alpha, Beta, Omikron oder Sigma der Griechen, wie viele andere Buchstaben, den lateinischen Buchstaben doch mehr ähneln, als den russischen Schriftzeichen. Das macht das kyrillische Alphabet für die Deutschen so schwierig.

Es gibt aber auch eine gewisse Reihe an Ähnlichkeiten. Die Schreibprinzipien bleiben die gleichen, und erinnern an die ersten Schuljahre, als wir alle zum ersten Mal schreiben gelernt haben. Wenn Du Dir richtig Mühe gibst, sollte die Spitze des Stiftes vor Ende des Wortes nicht den Kontakt zum Papier verlieren. So ist das Schreiben flüssig.

Wir vergessen manchmal, dass die Typografie im Deutschen auch so geregelt ist… Und für die slawischen Sprachen ist das nicht anders, die Druckschrift, wie die Kursivschrift, folgt genauen Formvorgaben und wer sie kennt, kann jeden handschriftlichen Text verstehen, egal ob er aus Nowgorod oder Wladiwostok kommt…

Die russische Sprache hat wie die deutsche Vokale und Konsonanten. In den eurasischen Steppen sind die Funktionsweisen aber etwas komplexer: die Konsonanten können weich oder hart ausgesprochen werden, für sich stehen, oder durch Vokale palatalisiert (= durch Anhebung des vorderen Zungenrückens gegen den vorderen Gaumen erweicht) werden.

Noch ein Hindernis, das Du überwinden musst… Es ist aber machbar!

Anders als im Deutschen gibt es im Russischen echte tonische Akzente, die jedoch nicht niedergeschrieben werden.

Damit Dir das Schreiben leichter fällt, solltest Du eine kyrillische Tastatur kaufen!

Welche Sprachen sind für Deutsche schwer zu erlernen?

Es stimmt schon, die Unterschiede zwischen deutscher und russischer Rechtschreibung sind groß. Wenn Du vorhattest schöne Passagen aus Tschechow’s oder Gogol’s Werken zu kopieren, solltest Du jetzt aber nicht aufgeben.

Die russische Sprache ist schwer, im Grunde genommen gibt es aber Sprachen, die noch sehr viel komplexer für einen Deutschsprachigen sind.

Denn wenn Du Deutsch sprichst, wird Dir das Erlernen einer alphabetischen Schrift immer mehr oder weniger leicht fallen. Das Russische gehört wie das Deutsche zur Kategorie der alphabetischen Schriften. Das Ungarische fällt auch darunter, auch wenn es trotz lateinischem Alphabet mit seinen vielen Akzenten und 40 Buchstaben (44 mit den Charakteren q, w, x und y die eingeführt wurden um fremde Termini auszudrücken) sehr komplex ist.

Eine Sprache, die mobile Schriftzeichen für sich und in Kombination mit anderen benutzt, führt zu mehr Rechtschreibfehlern, ist aber für die meisten Europäer die Norm: in diesem Sinne gibt es zwischen russischer und deutscher Schrift von vornherein Verständigungsaffinitäten.

Wusstest Du, dass die tschetschenische Sprache 13 Fälle benutzt, und dass die Deutschen nur 4 Fälle haben? Lass Dich nicht von der Klarheit des Kesenoiam Sees täuschen: Die komplexe tschetschenische Sprache benutzt das lateinische Alphabet, hat 13 Fälle, 31 Konsonanten und etwa 27 Vokale und Diphthonge. | Quelle: Visualhunt

Die russische Sprache wird für eine(e) Deutsche(n) immer noch einfacher sein, als die Konfrontation mit einer Silbensprache (das Japanische zum Teil) oder einer Schrift wie dem Chinesischen, die hauptsächlich aus Logogrammen, Piktogrammen, Symbolen und Ideogrammen besteht. Für den Alltag alleine musst Du in etwa 3000 bis 5000 Schriftzeichen kennen. Das Verwechslungspotential zwischen den Ideogrammen ist außerdem hoch und für einen Europäer ist die chinesische Kalligraphie nicht immer einfach zu erfassen.

Wenn Du Arabisch lernen willst, wirst Du wieder auf andere Herausforderungen stoßen: Du musst von rechts nach links schreiben und hast kaum Vokale, nur a, i und u. Gar nicht so einfach für einen deutschen Schüler!

Letztlich wird Dir beim Russisch Lernen die Aneignung der Schrift wahrscheinlich leichter fallen, als die Wortschatz Erweiterung. Die russischen Vokabeln sind sehr divers und haben oft mit unseren nicht viel zu tun. Aber das macht eine neue Sprache ja auch so spannend!

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Häufige Fallen beim Russisch Lernen

Würde es Sinn machen nur Russisch Sprechen, aber nicht Schreiben zu lernen?

Im Grunde ist der Anfang für beide Sprachkompetenzen ja der gleiche: Du musst erst einmal das russische Alphabet auswendig lernen, um alle Buchstaben zu erkennen und verstehen zu können.

Im Anschluss kommt das Schreiben.

Du solltest die Etappen nicht überspringen und nicht den Stift in die Hand nehmen, bevor Du das kyrillische Alphabet in und auswendig kennst. Sonst werden Dich die Verwechslungen schnell aus der Bahn werfen.

Das Lernen der Buchstaben ist einfach, wenn Du es richtig machst. Nimm dir ein Model, und kopiere immer wieder die gleichen Buchstaben… Wenn Du die einzelnen Buchstaben beherrschst, kannst Du ganze Wörter oder gar Texte abschreiben. Du hast das alles schon einmal in der Vorschule gemacht… Nur in Deutsch.

Vielleicht fühlst Du Dich ja wieder in Deine Kindertage zurückversetzt? Denke bloß nicht, dass Du Deine Zeit verlierst, oder dass diese Arbeit zu mühselig ist. Ob Du Tamil, Koreanisch oder Russisch lernen willst, um diese Etappe kannst kommst Du nicht drum herum.

Wusstest Du, dass Juri Gagarin, der erste Mensch im Weltraum, Russe war? Juri Gagarin war der erste Mensch im Weltraum. Vielleicht wirst Du der/die erste Russischsprachige in Deiner Familie? | Quelle: Visualhunt

Egal wie alt Du bist, wenn Du Russisch lernst, solltest Du von Anfang an die Schreibschrift kennen. Wunder Dich nicht, wenn Dir ein Russisch Lehrer erst einmal ein Schreiblernheft in die Hand drückt und Dir Deine ersten Stunden mehr wie Mal- als Sprachunterricht vorkommen.

So wirst Du von Anfang an eventuelle Blockaden aus dem Weg räumen und keine Berührungsängste mit kyrillischen Schriftzeichen haben. Du kannst in fast allen Städten Russisch Lehrer finden und bald schon Russisch-Deutsch bilingual werden!

Das Wichtigste ist bei Schwierigkeiten nicht alleine zu bleiben: Hole Dir kompetente Hilfe. Und wenn Du niemanden passenden in nächster Umgebung kennst, kannst Du immer noch im Internet suchen. Das E-Learning macht’s möglich!

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