Privatunterricht Sprachen Nachhilfe Musik Sport
Teilen

Kulturelle Partner: Was verbindet Deutsche und Franzosen?

Von Nelly, veröffentlicht am 15/09/2018 Blog > Sprachen > Französisch > Frankreich Deutschland: Kultur verbindet!

Spricht man von deutsch-französischer Kooperation, so geht es häufig um die Zusammenarbeit der beiden Länder auf wirtschaftlicher Ebene.

Man denkt an die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, an die Römischen Verträge und die Europäische Union.

Doch die beiden Nachbarländer kooperieren auch auf weiteren Ebenen.

Kooperationen und Partnerschaften zu bilden war nach den beiden Weltkriegen, in denen sich Deutschland und Frankreich als Feinde gegenüberstanden, besonders wichtig.

Eine deutsch-französische Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen zeugt von der Bereitschaft zur Versöhnung.

Die beiden Länder sind heute allerdings nicht nur wirtschaftlich eng miteinander verbunden. 

Die Freundschaft, die sie heutzutage miteinander pflegen, basiert auch auf Kooperationen in Domänen fernab der Wirtschaft.

„Vive l’amitié franco-allemande“ (Angela Merkel)
„Es lebe die deutsch-französische Freundschaft“ (Emmanuel Macron)

So wurden im Laufe der Zeit beispielsweise im Bereich der Kultur zahlreiche Institutionen ins Leben gerufen. Initiatoren sind dabei häufig die deutsche und/oder französische Regierung sowie europäische Institutionen.

Doch auch private Gruppen und Gemeinschaften haben die Gründung von Partnerschaften bewegt.

Das Who-is-Who der deutsch-französischen Kulturprojekte

Der 2003 gegründete deutsch-französische Kulturfonds verfolgt das Ziel, Kulturprojekte der beiden Länder zu fördern.

Diese Projekte werden durch den deutsch-französischen Fonds auch in Drittländern verbreitet.

Dabei werden Beiträge aus diversen Kultursparten wie beispielsweise Mode, Architektur, Kino und Theater unterstützt.

So kann der deutsch-französische Kulturfonds auf zahlreiche Projekte zurückblicken, die in über 150 Ländern weltweit durchgeführt wurden.

So auch das Projekt „La peur de l’autre“ (deutsch: Die Angst vor dem Fremden): In diesem Fall wurde das Angstphänomen untersucht, welches durch Migrationen in Frankreich, Deutschland und Peru entstehen kann.

Viele Aufführungen werden von deutsch-französischen Initiativen auf die Beine gestellt Die diversen deutsch-französischen Initiativen untersützen Projekte aus verschiedenen Kulturbereichen, beispielsweise Ballet und Tanz | Quelle: pixabay

Im künstlerischen Bereich sind über die Jahre hinweg drei sehr spezifische deutsch-französische Fonds entstanden:

  • Impuls neue Musik: 2009 gegründet setzt sich die Initiative für die Förderung zeitgenössischer Musik von Künstlern der beiden Länder ein. So werden Künstler beispielsweise durch Werbemaßnahmen für Festivals oder beim Erlangen eines Sendeplatzes unterstützt.
  • Perspektive: Seit dem Gründungsjahr 2015 werden unter diesem Namen Partnerschaften und Austausche im Bereich der zeitgenössischen Architektur und Kunst gefördert. Die Mission des Austausches und Dialogs im Hinterkopf, organisiert der Fonds zahlreiche Seminare, Konferenzen und Ausstellungen und ruft mittels Wettbewerben zur Teilnahme an der Verbreitung von Ideen zwischen beiden Ländern auf.
  • Transfabrik: Dieser Fonds wurde 2015 gegründet und widmet sich dem Bereich der darstellenden Künste. Als Koproduktionspartner fördert er anteilig deutsche und französische Projekte in den Kategorien zeitgenössischer Tanz, zeitgenössisches Theater, Nouveau-Cirque, Figuren-, Objekt- und Straßentheater.

Diese Fonds werden finanziell unterstützt durch das Institut français, das französische Kulturministerium und das Goethe Institut.

Darüber hinaus tragen auch Mäzenen, häufig deutsche und französische Unternehmen, zur Deckung der Kosten bei.

Auch der deutsch-französische Kulturrat trägt zum kulturellen Austausch zwischen beiden Ländern bei.

Das Gremium, welches sich aus Experten in verschiedenen Kulturbereichen wie beispielsweise Kunst, Medien oder Geisteswissenschaften zusammensetzt, spricht dem deutschen Bundeskanzler und dem französischen Präsidenten Empfehlungen für gemeinsame Kulturinitiativen aus.

Doch auch über die ratgebende Funktion hinaus ist es Aufgabe des Gremiums, deutsch-französische Kooperationen und Initiativen zu fördern, bewerben und umzusetzen.

Neben diesen Organisationen bleiben das Institut français Deutschland und das Goethe Institut Frankreich dennoch die ersten Ansprechpartner, wenn es um die Förderung im Bereich der Kultur und der Sprache geht.

Frankreich Deutschland: Geteilte Kultur in Schule und Universität

Zwischen Frankreich und Deutschland existieren Partnerschaften in fast jedem denkbaren Bereich.

Die Königsdisziplin der beiden Länder ist allerdings der Austausch auf Schul- und Hochschulebene. Gerade in dieser Kategorie besteht ein starkes Netzwerk mit unzählbaren Partnern.

Das deutsch-französische Jugendwerk (DFJW) setzt sich ebenfalls stark für den deutsch-französischen Austausch im schulischen und universitären Bereich ein.

So nehmen jährlich 200.000 junge Menschen an verschiedenen Aktivitäten und Austauschprogrammen des DFJW teil.

Ein binationales Doppeldiplom? Die DFH macht's möglich! Auch auf Schul- und Hochschulebene bestehen langjährige Partnerschaften zwischen Deutschland und Frankreich | Quelle: pixabay

Beliebt ist hier beispielsweise das Voltaire-Programm, welches junge Menschen für 6 Monate zu einer Gastfamilie in das Partnerland schickt. Im Anschluss an diese 6 Monate empfangen die Teilnehmer einen Austauschpartner bei sich – ebenfalls für 6 Monate.

Mit der Teilnahme an Austauschprogrammen eröffnen sich Teilnehmern Chancen auf dem Arbeitsmarkt, entdecken neue Umgebungen und lernen, sich an diese anzupassen.

Nach Abschluss der Schule können Teilnehmer und Interessenten an Programmen der deutsch-französischen Hochschule teilnehmen.

Diese fördert die Zusammenarbeit der beiden Länder auf universitärer Ebene, in erster Linie durch Partnerschaften zwischen deutschen und französischen Hochschulen.

So bietet sie jungen Forschern die Möglichkeit, an Doppeldiplom-Programmen teilzunehmen und unterstützt sie in ihrer universitären Karriere.

Na, hast Du jetzt Lust, Dein Französisch zu verbessern?

Deutschland Frankreich: Partner in Film und Fernsehen

Denkt man an die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich im Bereich des Fernsehens, so denkt man zunächst an den binationalen Sender ARTE.

Initiiert wurde der Sender durch den Präsidenten François Mitterrand und den Kanzler Helmut Kohl, die in der Idee eines gemeinsamen Fernsehsenders etwas besonderes sahen: ein Werkzeug, um die Völker Europas wieder zu vereinen. 

Neben der Einführung eines gemeinsamen Fernsehsenders folgte im Jahr 2000, unter dem Einfluss des Kanzlers Gerhard Schröder und des Präsidenten Jacques Chirac, die Gründung der deutsch-französischen Filmakademie.

Hauptziel der Akademie ist es, der Filmbranche in Europa Aufwind zu geben und die Entstehung eines Europas des Films zu fördern, indem die Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland in vier Bereichen verstärkt wird:

  • Produktion
  • Vertrieb und Verleih
  • Entstehung
  • Kulturelles Erbe

Kino vermittelt Kultur Auch in der Filmbranche arbeiten Frankreich und Deutschland Hand in Hand | Quelle: pixabay

Tatsächlich kommt der Europäische Film lange nicht an die amerikanischen Hollywood Produktionen heran.

Umso wichtiger sind Organisationen, die lokale Filmemacher unterstützen!

Sie befindet sich unter der Aufsicht des französischen Centre National de la Cinématographie (CNC) und des deutschen Beauftragten für Kultur und Medien (BKM).

Die deutsch-französischen Filmtreffen widmen sich einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen deutschen und französischen Künstlern.

Dieses Branchentreffen wird abwechselnd in Deutschland und in Frankreich gehalten. In den letzten Jahren fand das Treffen unter anderem in Leipzig, Nancy, Berlin, Paris, Heidelberg oder Straßburg statt. 

Deutsch-Französische Zusammenarbeit in Literatur und Journalismus

Doch Kultur ist mehr als Film, Kunst und Tanz. Es gibt noch weitere Bereiche, in denen binationale Partnerschaften bestehen.

Bereits 1983 wurde der deutsch-französische Journalistenpreis  zum ersten Mal vergeben.

Auch heute noch werden dabei die vier Kategorien Audio, Multimedia, Textbeitrag und Video ausgezeichnet und die Preise mit insgesamt 30.000 Euro dotiert.

Teilnehmen kann jeder, dessen Beitrag inhaltlich in besonderem Maße zu einem besseren Verständnis der deutsch-französischen, aber auch der europäischen Beziehungen und Einigung beigetragen hat. 

Auch Journalisten aus Drittländern können teilnehmen. Wichtig ist nur, dass der Beitrag ein deutsch-französisches Thema behandelt.

Neben den vier klassischen Kategorien wird jährlich auch ein Preis an junge Talente vergeben. Dieser richtet sich an Journalisten unter 30 Jahren.

Doch es gibt noch weitere Preise und Auszeichnungen in diesem Bereich!

Der deutsch-französische Franz Hessel Preis zeichnet zeitgenössische Literatur aus. Verwaltet wird dieser auf französischer Seite von der Villa Gillet in Lyon, auf deutscher Seite durch die Stiftung Genshagen.

Namensgeber dieses Preises, der mit 10.000 Euro dotiert ist, ist der Schriftsteller und Übersetzer Franz Hessel (1880 -1941). Sein Leben und Werk machen aus ihm einen Mittler zwischen beiden Ländern und Kulturen.

Järhlich werden jeweils ein deutscher und ein französischer Autor ausgezeichnet. Das Preisgeld ermöglicht es den Gewinnern, ihr Werk in die jeweils andere Sprache übersetzen zu lassen.

Einige Journalisten haben sich auf deutsch-französische Themen spezialisiert. Im journalistischen Bereich können sogar deutsch-französische Preise gewonnen werden | Quelle: pixabay

Darüber hinaus gibt es den deutsch-französischen Jugendliteraturpreis, welcher die zeitgenössische Jugendliteratur beider Länder bekannter machen möchte und den literarischen Dialog fördert.

Dabei wählt die binationale Jury jährlich das beste Kinder- und Jugendbuch aus Deutschland oder Frankreich.

Im Feld der Geistes- und Sozialwissenschaften wird auch interkulturelle Arbeit zwischen beiden Ländern geleistet. So veröffentlicht die Online-Zeitschrift Trivium Übersetzungen aus Fachzeitschriften, wodurch diese Inhalte aus dem Nachbarland allen Lesern zugänglich gemacht werden.

Wie Ihr seht, gibt es auch im journalistischen Bereich diverse Möglichkeiten zur Kooperation und Zusammenarbeit mit unserem Nachbarland!

Ergänzende Informationen zu den Handelsbeziehungen zwischen Frankreich und Deutschland findet Ihr hier.

Weitere symbolträchtige Partnerschaften zwischen Frankreich & Deutschland

Städtepartnerschaften zwischen deutschen und französischen Städten tragen ebenfalls seit Jahrzehnten zu einem besseren Verständnis und einer Annährung beider Kulturen bei.

Denn in den meisten Fällen bedeutet dies mehr als eine Partnerschaft auf dem Papier.

Es werden über die Partnerschaftsvereine häufig Fahrten, Events und auch Sprachkurse angeboten.

Oft sind die Partnerschaftsvereine auch auf lokalen Festen mit einem Stand vertreten und steigern auf diese Weise ihre Sichtbarkeit.

Tatsächlich sind die meisten großen Städte in Deutschland und Frankreich über Städtepartnerschaften verschwistert. So bestehen beispielsweise Partnerschaften zwischen:

  • Marseille und Hamburg,
  • Lyon mit Frankfurt und Leipzig,
  • Toulouse mit Düsseldorf,
  • Nizza und Nürnberg,
  • Lille mit Köln,
  • Straßburg mit Stuttgart und Dresden,
  • Bordeaux mit München,
  • Nancy mit Karlsruhe,
  • Dijon mit Mainz,
  • Perpignan und Rouen mit Hannover,
  • oder Nantes und Saarbrücken.

Insgesamt gibt es Partnerschaften mit über 2.000 französischen Städten!

Der Strand und die Promenade von Nizza, der Partnerstadt von Nürnberg Seit 1954 ist Nizza die Partnerstadt von Nürnberg | Quelle: pixabay

Sowohl die französische Botschaft in Berlin als auch die deutsche Botschaft in Paris sind natürlich bestens über Partnerschaften und die Beziehungen zwischen den beiden Ländern informiert.

Auf einen Blick:

  • Damit zwei Länder erfolgreich miteinander zusammenzuarbeiten, braucht es mehr als nur wirtschaftliche Kooperation. Sowohl Deutschland als auch Frankreich haben kulturell viel zu bieten – und vereint in Partnerschaften können dabei wahre Kunstwerke entstehen.
  • Zahlreiche Initiativen privater und staatlicher Natur setzen sich dabei für diese Partnerschaften ein. Neben fachübergreifenden (beispielsweise dem deutsch-französischen Kulturrat) gibt es auch spezifische Gremien und Organisationen, die sich exklusiv mit Austauschprogrammen, Kino und Film, Journalismus oder Bühne und Kunst befassen. So entstehen zahllose deutsch-französische Kulturprojekte, die dazu beitragen, die Kultur des Nachbarlandes jeden Tag ein bisschen besser zu verstehen.
Teilen

Wir freuen uns über Feedback von unseren Lesern
Enthält dieser Artikel die Informationen, nach denen Du gesucht hast?

Dieser Artikel war totaler Käse? Wirklich?Okay, beim nächsten Mal wird's besserNur Durchschnitt? Was fehlte Dir konkret?Danke Dir! Stelle verbliebene Fragen gerne untenWir freuen uns, dass wir Dir helfen konnten :) (Aktuell gibt es hierzu noch keine Bewertung)
Loading...

Einen Kommentar posten

avatar