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Literarische Revolution und französische Poeten & Dramatiker

Von Tobias, veröffentlicht am 24/08/2018 Blog > Sprachen > Französisch > Der Einfluss der Schriftsteller auf die Französische Sprache

„Mein Vaterland, das ist die französische Sprache“, erklärte schon der große Albert Camus.

Französisch genießt im Ausland einen exzellenten Ruf und wurde mindestens seit dem westfälischen Frieden von 1648 auch stets als Diplomatensprache genutzt.

So schön und bedeutend die Sprache auch ist – einfach zu lernen ist sie bestimmt nicht! Manchmal sind sogar Akademiker mit ihrem Latein am Ende …

Aber wie sah das eigentlich früher aus, vor einigen hundert Jahren?

Wir nehmen Euch mit auf eine kleine Reise durch die Geschichte und begeben uns auf die Spuren der wichtigsten französischen Schriftsteller und Schriftstellerinnen, die diese Sprache im Laufe der Jahrhunderte geprägt haben.

Mit humanistischen Schriftstellern sein Französisch verbessern

Die Renaissance markiert das Ende des Mittelalters und den Beginn der Neuzeit.

Ausgegangen ist sie von Italien und den burgundischen Niederlanden.

In Frankreich setzte sie sich erst Mitte des 16. Jahrhunderts durch und löste dann eine humanistische Bewegung aus.

Die Menschheit entwickelte sich immer parallel zur Literatur weiter Frankreich war Vorreiter in humanistischen Gedanken | Quelle: Pixabay

Altgriechisch und Latein standen immer weniger auf dem Programm und viele Schriftsteller begannen, in ihrer Muttersprache große Werke zu schreiben.

François Rabelais ließ unter dem Regime von François 1er den Roman wiederaufleben, indem er Pantagruel und Gargantua in die Welt setzte.

Dieser geistreiche Humanist führte die Feder mit einem wahren Freiheitsdrang und wagte es, sich über alles und jeden lustig zu machen. Dafür nutzte er die ganze Bandbreite der französischen Sprache und die griffigsten Synonyme.

Es kam zu einer wahrhaftigen spirituellen Revolution, die mit alltäglichem Französisch in die Welt hinausgetragen wurde.

Er war jedoch nicht der einzige, der diese Epoche prägte: Der Gascon Guillaume von Bartas, Etienne Pasquier (ein Anti-Humanist), Maurice Silva und andere hatten ebenfalls viel Erfolg zu dieser Zeit.

Die zwei anderen Giganten aus dem Zeitalter der Religionskriege sind Michel de Montaige und Etienne de la Boetie, zwei untrennbare Freunde.

Letzterer wurde berühmt durch seinen Discours de la servitude volontaire, Ersterer eher durch seine in Aufsätzen zu Papier gebrachten, sehr modernen Gedanken.

Als hoher Beamter in Bordeaux vergrößerte er sein historisches, philosophisches, literarisches und naturwissenschaftliches Wissen noch einmal erheblich.

Er behandelt alle Themen, die mit menschlichem Handeln in Berührung kommen. In französischen Schulen sind seine Werke heute zur Pflichtlektüre geworden.

Gleichzeitig blieb die Poesie des 16. Jahrhunderts dominiert von italienischen Einflüssen. Besonders fein kam das im Chansonnier von Pétarque zur Geltung.

Joachim du Bellay drückt dem gehoben Französisch seinen Stempel auf mit Defense et Illustration de la langue francaise (1549).

Pierre de Ronsard lässt Dinge sich auf Rosen reimen und begibt sich wie viele andere Künstler unter royalen Schutz.

Kurz gesagt: Gemäß dem Edikt von Villers-Cotterêts hat das humanistische Jahrhundert Latein aus dem Alltag zurückgedrängt, zugunsten von Französisch. Dazu gehörten eine ganze Reihe an Akzenten, eine Rechtschreib-Reform sowie andere literarische Vorgänge.

Französischunterricht nehmen mit Schriftstellern des 17. Jahrhunderts

Nach dem teilweise ungewöhnlich anmutenden Sprachverständnis der Humanisten, trug das „große“ 17. Jahrhundert zur Normierung des Französischen bei.

Die „Académie française“ wurde im Jahre 1635 nach Auftragt von Kardinal Richelieu gegründet.

Ziel war die Erstellung eines Wörterbuchs sowie einer allgemeinen Grammatik.

Frankreich war Heimat vieler bedeutender Schrifsteller Schriftsteller sind der Spiegel der Gesellschaft – so auch im Frankreich des 17. Jahrhunderts | Quelle: Pixabay

Die französische Sprache sollte „entschlackt“ werden, indem man versuchte, die sprachlichen Eigenheiten Aquitaniens zu verbannen und den zu großen Einfluss von Rabelais und Montaigne einzuschränken, die sich sehr viele literarische Freiheiten genommen hatten.

Die Versbildung wurde grundlegend genormt von Malherbe, während französische Gymnasiasten sich noch heute grundlegend mit Vaugelas beschäftigen.

Ein Satz von Boileau veranschaulicht das ganze „Was man gut versteht, das kann man auch klarer wiedergeben.“

Man könnte sich einen eigenen Lehrer nehmen, nur um sich mit dem Französisch des 17. Jahrhunderts zu beschäftigen.

Diese „alten“ Themen sind präsenter denn je, wie z.B. die Tragödien von Racine. Seine Verse sind zweifelsohne die reinsten in der französischen Nationalgeschichte und seine Alexandriner grenzen an Perfektion.

Das Gegenteil, die Komödie, wird von Molière geschickt und gekonnt eingesetzt.

Auch Märchen sind in Mode. Charles Perrault wird dabei zum Günstling vom Sonnenkönig. Die Fabeln von Lafontaine vervollständigen die literarische Palette.

Neben den von der Antike geliehenen Themen beschäftigt man sich zu dieser Zeit auch gerne mit Themen der Nachbarstaaten. So wird der Cid von Pierre Corneille ein großer Erfolg unter Louis XIII, obwohl sich Frankreich gerade mit Spanien im Krieg befindet!

Zwischen Barock und Klassizismus tummeln sich zahlreiche Autoren und laufen sich auf den königlichen und fürstlichen Höfen ständig über den Weg.

Wenn Ihr Euch für diese Epoche interessiert, dann schlagt doch Eurem Französischlehrer einmal vor, einen dieser Autoren gemeinsam näher kennenzulernen.

Madame de Lafayette huldigt dem Roman mit ihrer La Princesse de Clèves während La Rochefoucauld sich mit seinen Maximes einen Namen gemacht hat.

Auch die Philosophie profitierte von der Entschlackung der Sprache und brachte große Denker hervor wie Pascal und Descartes.

Große Redner – wie Bossuet, Bourdaloue und Fléchier – verzaubern die Ohren ihrer Zuhörer, während ein Fénelon sich bereits in Richtung Aufklärung bewegte.

Heutige Anwälte können oft nur träumen von ihren rhetorischen Fähigkeiten. Aber Reden kann man lernen!

Zwar gibt es nur wenige Lehrer, die Rhetorik-Unterricht geben, aber auf Superprof sind sie in jedem Fall zu finden!

Théophraste Renaudot leitet mit der Gründung der La Gazette in Frankreich erfolgreich den Erfolg des Journalismus ein.

Auch die Memoirenschreiber nehmen sich immer mehr Freiheit und schreiben nun in erster Linie für sich selbst. So wurden die Mémoires vom Grafen von Saint-Simon zum Verkaufsschlager, genau wie die historischen Aufzeichnungen des Kardinals von Retz.

Auch die Literaturwissenschaft kommt langsam auf, auch wenn man sie eher dem nächsten Jahrhundert zuschreibt.

Die Aufklärung: Wendepunkt der französischen Sprache

Nach dem strengen System Louis XIV zieht in Frankreich mit Louis XV wieder etwas mehr Freiheit in die Sprache ein.

Man bevorzugt den „Geist“ und den Sinn der Formulierungen. Man knüpft an Rabelais an und die Literatur erfindet sich neu, auch im Bereich der Enzyklopädien.

Der Briefroman kommt in Mode, auch wenn diese Texte meist nur frei erfunden sind. La Nouvelle Heloise von Rousseau, die Lettres Persanes von Montesquieu oder die Liaisons dangereuses von Laclos fallen einem dabei ein.

Die Aufklärung ist der wichtigste Einflussfaktor dieser Epoche. Voltaire ist Teil dieser Revolution, die alle Aspekte der Literatur neu hinterfragt, darunter auch das Theater, Gedichte und Märchen.

Die Aufklärung sorgte für eine Revolution in der Literatur und Gesellschaft Auch ohne Schreibmaschine fingen immer mehr Menschen des 18. Jahrhunderts mit dem Schreiben an | Quelle: Pixabay

Das philosophische Märchen erblickt durch Diderot das Licht der Welt, während Beaumarchais das Theater immer mehr auf die aktuelle Politik ausrichtet.

Die Anziehung gegenüber England ist in den Gedanken von Montesquieu spürbar. Er bereitet Frankreich auf die Gewaltenteilung vor in seinem Esprit des lois von 1748.

Philosophische Lehrbücher beschäftigen sich in dieser Zeit meist mehr mit der Literatur als mit der Moral.

So legt Rousseau die Grundlagen für die Romantik und führt eine angenehmere Sprache ein, während die Enyclopédie sich nicht nur auf polemische Prozesse beschränkt.

Die Autobiographie wird mit Les Confessions wiedergeboren, eine Art Bestätigung des Ichs und des Individuums, was wiederum den individuellen Liberalismus in die Wege leitet.

Das 18. Jahrhundert steht für die Emanzipation des Individuums und des Geistes und damit auch der Feder der Autoren. Die teilweise schrecklichen Ereignisse der französischen Revolution (z.B. Saint-Juste, Mirabeau, Danton oder Robespierre) sind fester Bestandteil dieser Entwicklung.

Mit Realisten und Romantikern auf Französisch Fortschritte machen

Nach den Schrecken der Revolution braucht die Kunst eine Weile, um sich wieder zu erholen.

Nach Napoleon und der Restauration, die auf seine Niederlage folgten, bringen Maistre, Chateaubriand, Lamennais und andere die französische Sprache wieder ganz nach vorne.

Die Literatur wird demokratisiert und die Autoren immer zahlreicher, auch, weil immer mehr Menschen schreiben konnten.

Das 19. Jahrhundert ist gekennzeichnet durch eine gewisse Schwermut, die auch in der Literatur ihren Platz findet.

Zwei wesentliche Trends setzen ein: Die Romantik und der Realismus. Teilweise ist es nicht ganz einfach, eine klare Linie zwischen den Beiden zu ziehen. Der ausschweifende Honoré de Balzac bezeichnete sich selbst als authentischer Romantiker, obwohl viele ihm eher dem Realismus zuordnen würden.

Generell lassen Romantiker die Gefühle und Emotionen spielen und bedienen sich dafür aller fünf Sinne.

Romantisch wie ein Lavendelfeld - die Literatur des 19. Jahrhunderts Die Romantik durchdrang Frankreich im 19. Jahrhundert und spielte mit den Sinnen der Leser | Quelle: Pixabay

Da gibt es Stendhal, Dumas und Lamartine – Männer, die nebenbei teilweise auch politisch aktiv sind.

Victor Hugo, der Star dieser Epoche, bringt die Erklärung über das Recht des Hässlichen, die nach der Schlacht von Hernani begann, erfolgreich zu Ende.

Das Image des Mittelalters wird wieder aufpoliert, mit Notre-Dame de Paris oder Aloysius Bertrand. Manche übertreiben dabei ein wenig mit der Melancholie, wie z.B. Nerval oder Musset…

Baudelaire und Rimbaud verschreiben sich selbst einem sicheren fatalen Ende, was sie dazu bringt, neue Wörter und Ausdrücke zu erfinden. Die Literatur ist so erfinderisch wie nie zuvor.

Gegen Ende des Jahrhunderts findet der Realismus vor allem in Romanen Eingang. Die beiden großen Namen sind dabei Flaubert und Maupassant, aber auch Emile Zola.

Die Entwicklung der französischen Sprache im 20. Jahrhundert

Das 20. Jahrhundert wird bestimmt durch zwei schreckliche Weltkriege und beginnt zunächst im klassischen Realismus, mit Autoren wie Maurice Barrès, Paul Bourget und Anatole France.

Nach und nach, zunächst mit dem Futurismus, später mit dem Dadaismus und dem Surrealismus, erleidet die Literatur einige harte Schläge. Man verschmäht nach allen Regeln der Kunst.

Mit Paul Valéry und Paul Claude verlor die Poesie jegliche Metrik.

Auch das Theater wird absurd mit d’Artaud und Camus.

Romane werden immer freier und La Recherche von Prous sowie die Bücher von Celine sind Vorreiter eines völlig neuen Genres. Plumpheit und Grobheit finden Einzug in die Literatur.

In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts scheint die Originalität ein wenig den Bach hinunterzugehen und die Quelle an Inspiration versiegt.

Französisch wird für Ausländer immer zugänglicher und nimmt viele fremde Elemente, besonders aus dem Englischen, auf.

Das 21. Jahrhundert nimmt diese Entwicklung weiter auf und die sprachlichen Regeln werden immer flüssiger. Rechtschreibreformen sollen dem entgegenwirken und eine einheitliche Sprache herstellen, ähnlich wie in Deutschland.

Bis die SMS-Sprache aber wieder aus den Köpfen der jungen Leute ausgelöscht werden kann, ist es noch ein langer Weg!

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