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Mit Filmen Französisch Lernen – geht das?

Von Tobias, veröffentlicht am 24/08/2018 Blog > Sprachen > Französisch > Französische Filme als Botschafter für Französische Sprache & Kultur

Es waren die Brüder Lumière, die in Frankreich das Kino erfunden haben.

Dieses hat sich seit 1895 enorm weiterentwickelt und so einiges durchgemacht.

Vom Stummfilm in Schwarz und Weiß haben wir uns über die Farbe bis hin zu 3D-Animationen entwickelt.

Jede Epoche geht mit einer bestimmten Mentalität einher, die sich auch in der Art des Filmens und der Erwartungen des Publikums wiederspiegelt.

Aber anstatt uns in diesem Artikel auf eine bestimmte kinematographische Epoche zu beschränken, wollen wir uns lieber damit beschäftigen, wie man Filme einsetzen kann, um Französisch zu lernen und sich mit der französischen Kultur vertraut zu machen.

Unsere Gesellschaft ist heute geprägt von Schnelllebigkeit und Trends, die kommen und gehen.

Das gilt auch für die Welt der Kunst, wo Generationen heute verschiedenste Strömungen durchlaufen. Diese sind stets abhängig von den Entwicklungen in der Gesellschaft, ihren Werten und sprachlichen Besonderheiten.

Diese Entwicklungen waren schon immer das Thema von Philologen und Soziologen und mittlerweile hat auch das Kino Einzug in die zeitgenössische Geschichte gefunden.

Ein jeder, der Französisch unterrichten will – sei es ein Französischlehrer mit Zertifikat oder ein Französisch Privatlehrer ohne besondere Qualifikationen – kann sich die Welt des Films zu nutzen machen und sogar interaktive Elemente mit in den Französischunterricht einfließen lassen.

Den Schülern macht das Spaß und sie lernen damit umso schneller die Sprache von Vaugelas.

Vielleicht wird die Geschichte des Kinos schon bald fester Bestandteil des Schulunterrichts werden.

Der erste Trend im französischen Kino war – wie überall anders auch – fast 30 Jahre lang der Stummfilm. Das lag natürlich auch an den begrenzen technischen Möglichkeiten dieser Zeit.

Kinos erfreuten sich in den 1920ern großen Zulaufs Früher waren die Menschen ganz scharf darauf, ins Kino zu gehen / Quelle: Pixabay

Berühmte Persönlichkeiten in Frankreich waren während dieser Phase Georges Méliès, Jean Lizièr, Ferdinand Zecca und Albert Capellani. Das Ende dieser ersten Ära wurde geprägt von Louis Feuillade und dem unvergesslichen Jean Renoir.

Da es noch keine mündlichen Dialoge gab, ist diese Art des Kinos dominiert von einem gewissen humanistischen Internationalismus. Die Regisseure bauen das Geschehen auf Gestik und Mimik auf, gemäß sozialen Konventionen.

Die Tatsache, dass Tonaufnahmen im Kino noch nicht möglich waren, bedeutete nicht, dass die französische Sprache noch keinen Einzug ins Kino gefunden hatte. Meist wurde einzelne, erklärende Sätze am Ende von einer Szene eingeblendet.

Nach und nach wurden auch gesprochene Dialoge im Kino möglich und revolutionierten die Filmwelt von Grund auf, ungefähr ab 1929.

Am Beispiel von Marcel Pagnol, Autor und Sohn eines Lehrers, vollzog sich die Verbindung von Kino und französisch Literatur auf ganz natürliche Art und Weise.

Nach dem zweiten Weltkrieg prägt die „Qualité française“ (eine Bezeichnung, die 1854 von Truffaut entwickelt wurde) das Kino in Frankreich. Man stützte sich dabei auf Stars wie Jean Gabin, Pierre Fresnay oder Fernandel.

Eine avantgardistische Bewegung ist dennoch vorhanden. Diese lässt surreale Elemente aus der Literatur mit einfließen, darunter von Breton und Gracq. Diese wurden z.B. von Jean Cocteau dann verfilmt.

Ab den 1950er Jahren weckt die Nouvelle Vague (Neue Welle) die Zuschauer wieder ein wenig auf.

Die „Nouvelle Vague“: Spiegel einer jungen, sich im Wandel befindenden Gesellschaft

Diese Bewegung, die weltweit zweifelsohne die Bekannteste im französischen Film ist, hat die Grundfesten des Kinos in Frankreich erschüttert, sowohl was die Umsetzung als auch das Personal angeht.

Die traditionellen Regeln sind aufgehoben, neue Elemente finden Eingang. Die Zuschauer werden dazu aufgefordert, am Film aktiv teilzunehmen – soweit das möglich war.

Junge Schauspieler und Regisseure der Generation von Truffaut, Malle, Godard, Rohmer und Chabrol betreten die Bühne.

Nach den „Trente Glorieuses“, dem Wirtschaftswunder Frankreichs nach dem zweiten Weltkrieg und der anschließenden Ölkrise, wird der Fokus aufs alltägliche Leben gelegt.

Häufig werden scheinbar harmlose Dialoge eingesetzt, die aber mithilfe einfacher aber effizienter Deko stark in Szene gesetzt werden.

Das Kino wurde in den 1950ern mehr auf den Alltag zugeschnitten Wie viel eine Kinokarte wohl in der Nachkriegszeit gekostet hat? / Quelle: Pixabay

So zum Beispiel bei „Ma nuit chez Maud“ (wo man sich auf schöne und große Philosophien beschränkt) oder „Perceval le Gallois“ (Eigentlich ein gefilmtes Theaterstück).

Der Realismus wird zauberhaft kombiniert mit einer Art sozialer Neo-Romantik. Die kleinen Leute, die Studenten, romantische Intrigen, einsame Menschen, Arbeiter und die Routine im Alltag zählen zu den wichtigsten Themen.

Der Rhythmus ist relativ entspannt. Die Wirkung von Eindrücken, Gefühlen und Emotionen wird voll und ganz ausgeschöpft.

Die Alltagssprache bestimmt diese Werke, ohne dabei vulgär oder zu familiär zu wirken.

Die wichtigsten französischen Schauspielerinnen und Schauspieler auf Weltebene

Die „Nouvelle Vague“ hat die ganze Welt beeindruckt und beeinflusst, besonders in lateinischen und angelsächsischen Ländern in der Mittel- und Oberschicht.

Die wichtigsten Schauspieler waren Jean-Paul Belmondo, Brigitte Bardot oder Jeanne Moreau.

Zu diesem Zeitpunkt war die französische Komödie weltweit auf dem Höhepunkt Ihrer Beliebtheit angelangt.

Das Duo Funès-Bourvi setzt dem Ganzen die Krone auf mit der extrem erfolgreichen Produktion von „La Grande Vadrouille“.

Man wagt sich nach und nach an die Themen des zweiten Weltkriegs und der deutschen Besatzung heran, was Menschen aus aller Welt besonders begrüßen. Wer weiß, wie viele davon sich danach entschieden haben, Französisch als Fremdsprache zu lernen?

Ohne den Film wäre Frankreich nie so populär geworden, wie es heute ist Hat die Kamera für einen Aufschwung des Französischen in der Welt gesorgt? / Quelle: Pixabay

Audiard versuchte stets, einen Mittelweg zu finden zwischen lustigen Elementen (mit unnachahmlichen Dialogen und manchmal völlig verrückten Szenen, so wie in „Archimède le clochard“ (Archimedes der Penner) und Krimis wie „Tonton flingueurs“.

Die Helden-Epen „de cape et d’épée“ verhelfen dem französischen Film ebenfalls zu großem Ansehen im Ausland.

Gerard Philipe spielt Fanfan die Tulpe, während die Romane von Dumas und Hugo ebenfalls nach und nach auf den Bildschirm oder die Leinwand gebracht werden.

Der schicke und eloquente Jean Marais begründet eine Ära die Gérard Depardieu mit Cyrano und Bergerac auf bezaubernde Art und Weise beschließt.

Letzterer zählt noch heute zu den absoluten Stars auf der französischen Bühne, auch wenn er sich inzwischen nach Russland abgesetzt hat.

Man kann hier noch weitere Namen hinzufügen, wie z.B. Marion Cotillard und Jean Dujardin, die das Unmögliche wahr gemacht haben und in den USA Erfolg als Schauspieler gehabt haben, dank schwierigster Rollen.

Auch Jean Reno, Guillaume Canet und Chrstian Clavier sind Teil dieser schauspielerischen Elite, die es Frankreich erlaubt haben, die kleine Krise zu überwinden, die auf die „Nouvelle Vague“ gefolgt war.

Die wichtigsten Regisseure, die Filme in französischer Sprache produziert haben

Die Schauspieler, die wir gerade aufgezählt haben und all die, für die der Platz hier nicht gereicht hat, die aber trotzdem in aller Ehren gehalten werden sollten, wären niemals so weit gekommen, ohne Regisseure, die sie dabei unterstützt hätten.

Ein Fabrice Luchini schuldet einem Rohmer so einiges, genau wie Alain Delon einem Visconti.

Ein genialer Regisseur hebt sich ab von der Masse durch die Wahl der Themen, aber auch durch sein technisches Verständnis.

Regisseure sind die absoluten Chefs am Dreh Ein Regisseur muss ständig alles im Blick haben / Quelle: Pixabay

Die Art zu filmen und die Schauspieler zu managen, die Montage zu überwachen und bestimmte Emotionen gezielt darzustellen machen den gewissen Unterschied aus. Heute verbreitet eine Vielzahl an französischen Regisseuren die Filmkunst aus unserem Nachbarland in der Welt, egal ob sie Nachfahren der „Nouvelle Vague“ oder einer anderen kineastischen Strömung sind.

Luc Besson hatte einen Hang fürs Unspektakuläre, was besonders in seinem Film „Grand Bleu“ zum Vorschein kam.

Jean-Pierre Jeunet produzierte im Jahre 2001 „Die fabelhafte Welt der Amelie“, ein großer Erfolg auf der ganzen Welt, der auch von der „Nouvelle Vague“ durchaus beeinflusst wurde.

In dieser Hinsicht sind auch die Werke der jungen, aber unabhängigen und erfolgsversprechenden Cheyenne Carron zu nennen, die uns in eine Art „Nouvelle Vague“ des neuen Jahrtausends zu führen scheint.

Francis Veber wiederum hat ganz besondere Komödien geführt, teilweise auch recht düster und dabei so große Namen wie Thiery Lhermitte, Jacques Villeret und Francis Huster angeleitet.

Alain Chabat und Michel Hazanavicius fallen da in die gleiche Sparte.

Aber was wären diese Schauspieler und Regisseure (manchmal sogar beides in einer Person) ohne Produzenten, die das finanzielle Risiko auf sich nehmen und ihren Talenten vollstes Vertrauen schenken?

Alain Attal, Pascal Caucheteux und Thomas Langmann, genau wie viele weitere, haben dafür gesorgt, dass Kunstwerke im Film entstanden sind, die sonst vielleicht nie das Licht der Welt erblickt hätten oder nie über die Grenzen Frankreichs hinausgegangen wären.

Auch wenn das italienische Kino die Nachkriegswelt bestimmt hat und danach Hollywood groß im Kommen war, hatte das französische Kino nie das Nachsehen.

Obwohl die finanziellen Mittel nicht immer da waren, haben es die Franzosen immer geschafft, außerordentliche und qualitativ hochwertige Filme zu produzieren.

Das hat auch dazu geführt, dass die französische Kultur und Sprache über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden ist und französisch heute von mehr Leuten denn je gesprochen wird.

Es sind weniger die geopolitischen oder militärischen Erfolge, sondern eher die Eroberungen im Geiste, die für die Menschheit am entscheidendsten sind!

Und das französische Kino hat da sicherlich in den letzten hundert Jahren einige Erfolge verzeichnen können!

Wenn Ihr gerade dabei seid, Französisch zu lernen und dieses tolle Land und seine Kultur kennen zu lernen, dann beschäftigt Euch doch einmal mit dem französischen Film! Ihr werdet sehen, es ist wirklich für jeden was dabei und Ihr werdet die Sprache bald viel besser beherrschen!

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Andrea Bachmann
Gast
Bonjour Das größte Schaufenster des frankophonen Films in Deutschland sind die Französischen FIlmtage Tübingen | Stuttgart, die in diesem Jahr zum 35. Mal stattfinden. In einer Woche zeigen wir etwa hundert Filme aus der gesamten Frankophonie, erwarten viele Gäste, veranstalten Diskussionen, Partys, Konzerte, Workshops. Das ganze in der bezaubernden Universitätsstadt Tübingen, in Stuttgart, Rottenburg und Reutlingen. Für Französischlehrer*innen besonders interessant: in der Reihe „Ciné-Ècole“ zeigen wir Filme, die für Jugendliche besonders geeignet sind, für die wir Material für die Aufarbeitung im Unterricht bereit stellen. Schauen Sie es sich mal an – vielleicht haben Sie Lust, etwas dazu zu machen? Ich… Read more »