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Schulversagen bekämpfen mit kostenfreien Lernhilfen

Von Melanie, veröffentlicht am 30/10/2017 Superprof Blog DE > Privatunterricht > Nachhilfe suchen > Ganztagesschule, kostenlose Hausaufgabenbetreuung – welche Alternativen für Nachhilfe bietet die Schule?

„Schulversagen“ = das Versagen (1a) eines Schülers, einer Schülerin vor den Anforderungen der Schule (1)

Aber liegt Schulversagen wirklich am Versagen eines Schülers oder ist das System und die Schule dafür verantwortlich?

Jedenfalls sind die Zahlen alarmierend:

Der im Jahre 2000 erstmals in Deutschland veröffentlichte PISA-Test löste bei den meisten Menschen Angst und Schrecken aus.

Der Grund: Deutschlands Schüler schnitten unterdurchschnittlich schlecht ab – und das in allen drei Wissensdisziplinen (Lesekompetenz, mathematische Kompetenz und naturwissenschaftliche Grundbildung).

Außerdem wurde dadurch klar: Ein Fünftel der 15-jährigen Schüler in Deutschland können schlecht lesen und rechnen – nämlich nur auf Grundschulniveau.

Außerdem wurde durch die PISA-Studie 2000 endlich das belegt, was schon lange vermutet wurde:

Der Bildungserfolg hängt vom sozialen Status ab.

Werfen wir daher doch einmal einen Blick auf den Zustand der schulischen Bildung in Deutschland und die Faktoren, die Private Nachhilfe begünstigen.

PISA und seine Folgen – das deutsche Bildungssystem in Aufruhr

Die Veröffentlichung der Ergebnisse der ersten PISA-Studie löste im Jahr 2000 ein wahres Erdbeben in der deutschen Bildungslandschaft aus.

Die Testergebnisse der deutschen Schüler im Rahmen der darauf folgenden Tests entwickelten sich zunächst in eine positive Richtung, allerdings musste Deutschland beim Test im Jahre 2015 erneut einen Rückschlag erleiden.

Obwohl die deutschen Schüler mittlerweile in allen drei Wissensdisziplinen dem besseren Drittel angehörten, verschlechterten sich die Leistungen im Vergleich zu den Tests vor drei und sechs Jahren.

Während die deutschen Schüler im Jahre 2012 in den Naturwissenschaften noch eine Punktzahl in Höhe von 524 erreichten, waren es im Jahre 2015 nur noch 509 Punkte.

In Mathematik sah es ähnlich aus: Von 514 Punkten im Jahr 2012 fiel die Punktzahl 2015 auf 506 Punkte.

Die Punktezahl in der Lesekompetenz blieb in etwa gleich, beziehungsweise stieg um einen Punkt von 508 auf 509 an.

Wer hilft den jungen Schülern bei den Herausforderungen des deutschen Bildungssystems, wenn nicht die Lehrer? Eine Herausforderung im deuschen Schulsystem ist es auch, nicht zu verzweifeln, sondern an sich oder den Schüler zu glauben. | Quelle: visualhunt

Aktuelle Herausforderungen für Lehrer an deutschen Schulen

Lehrermangel

Ausgefallener und nicht vertretener Unterricht – sehr zur Freude der Schüler in der Gegenwart, denn ausgefallener Unterricht (besonders beliebt: Sport in der 7. oder 8. Stunde oder die letzte Stunde Mathe-Unterricht) bedeutet zunächst einmal Freizeit – wird den Schülern wohl spätestens zum Zeitpunkt der Prüfungen, Zeugnisse oder gar beim Abitur das Lachen genommen haben.

Auch wenn es Schüler bis zu einem gewissen Alter mangels Reife und Zukunftsvoraussicht sicher freut, früher nach Hause gehen zu dürfen – spätestens die älteren Schüler oder die Eltern freuen sich ganz und gar nicht über ausgefallenen Unterricht.

Denn die Konsequenzen sind hart:

  • Lücken im Stoff
  • Schlechte Noten
  • Nicht bestandene Prüfungen
  • Schlechte Vorbereitung auf Prüfungen
  • Enormer Druck, der sowohl auf Schülern aber auch auf Lehrern lastet
  • Gefahr des Schulabschlusses und somit der Zukunft der jungen Generation
  • Steigende Verantwortung der Eltern im Hinblick auf private Nachhilfe, um die Lücken auszugleichen

Es sind also schließlich nicht nur die Schüler, die an ausgefallenem Unterricht leiden.

Auch für Lehrer ist ausfallender Unterricht eine große Herausforderung.

Warum?

Sie müssen zum einen permanent damit rechnen, als Vertretungslehrer eingesetzt zu werden, was die Arbeitslast erhöht.

Zum anderen tragen Lehrer eine hohe Verantwortung in Bezug auf die optimale Vorbereitung auf den Schulabschluss, welcher es auch sein mag.

Es ist toll, wie sehr sich einige Lehrer genau zu diesem Zwecke engagieren, und vielleicht noch die eine oder andere Klasse „gerade so“ übernehmen, nach dem Unterricht für Schüler da sind, um Fragen zu beantworten, oder sogar ihre private Telefonnummer zur Verfügung stellen, sollten Fragen auftauchen.

Weiter so, liebe Lehrer – ihr seid alle Superprofs!

Allerdings sollten Lehrer auch auf die eigene Gesundheit hören und auf sich selber acht geben, denn nicht selten hört man von Lehrkräften, die an Burnout erkrankt sind.

Gründe dafür sind zweifellos die hohe Arbeitslast und der hohe Druck, verstärkt durch den akuten Lehrermangel.

Profitieren kann von dieser Entwicklung vor allem einer: der Markt für Private Nachhilfe in Deutschland…

G8

Besagter hoher Druck wird nicht unbedingt erleichtert durch eine G8-Reform

Ein Abitur in nur 12 Jahren – das bedeutet ein ganzes Jahr weniger Zeit zum Lernen. Und der Lernstoff? Der bleibt mehr oder weniger der gleiche und wird einfach überall „reingequetscht“.

Als hätten Lehrer, Eltern und besonders Schüler in Deutschland nicht schon genug Lasten zu tragen.

Nun hat jeder das Recht, seine eigene Meinung zu dieser Reform zu haben, die sowohl Vor- als auch Nachteile hat.

Fakt ist jedoch, dass dadurch schlichtweg die ohnehin schon langen Schultage verlängert und der ohnehin schon umfangreiche Stoff noch umfangreicher wird und in noch weniger Zeit zu lernen ist.

Wann haben Schüler eigentlich mal Freizeit? Einige Schüler müssen sich auch am Sonntagnachmittag bei Kaffee, Tee oder Keksen an die Arbeit machen, um in der Schule den Anschluss nicht zu verlieren. | Quelle: visualhunt

Naturgemäß führt dies zur Überforderung bei einigen Schülern, Eltern, aber auch Lehrern, die Lerndefizite bei ihren Schülern beobachten müssen.

Allerdings gehen auch immer mehr Schüler dazu über, freiwillig ein Jahr „sitzenzubleiben“, um noch etwas mehr Zeit zu haben, in ihrem eigenen Tempo zu lernen (was wiederum die Ziele der G8-Reform ad absurdum führt…).

Vielleicht ist es besser, ein Jahr länger in der Schule zu sein, aber dafür mit besseren Noten und einem positiven Selbstwertgefühl die Schule zu verlassen? Wer weiß.

Überfüllte Klassen

Die Anzahl der Schüler, die in einem deutschen Klassenzimmer sitzen, erreicht oft mindestens 30, wenn nicht sogar 35 Schüler.

Sicherlich ist dies auch eine logische Konsequenz des Lehrermangels, denn wenn nicht genügend Lehrer vorhanden sind, muss man die Klassenräume eben entsprechend „ausnutzen“.

Für diejenigen Lehrer, die in diesen Klassen unterrichten, ist allerdings ein wahrer Balance-Akt angesagt – zwischen den verschiedenen Lernrhythmen, Lerntypen und Persönlichkeiten.

Gar nicht mal so einfach! Danke an alle Profs für Euer Engagement.

Kostenlose Angebote für Lernhilfe an Schulen

Während sich sämtliche kommerzielle Nachhilfe Anbieter in Deutschland angesichts dieses Zustands die Hände reiben, bleiben doch auch die Schulen nicht untätig.

Hamburg – Fördern statt wiederholen

Das in Hamburg unter dem Namen „Fördern statt wiederholen“ laufende Projekt soll allen Schülern und Schülerinnen im Rahmen von kostenloser Hausaufgabenbetreuung unter die Arme greifen, die schwache schulische Leistungen aufweisen oder schwer mit dem Stoff zurechtkommen sowie andere Lernschwierigkeiten aufweisen und Unterstützung benötigen.

Das Projekt erlebt einen derart großen Erfolg, dass sein Etat von 1,2 Millionen auf 7,8 Millionen Euro ausgeweitet wurde.

Die Förderung soll an allen Hamburger Schulen, egal ob Gesamtschule, Hauptschule, Gymnasium oder Förderschule, angeboten werden.

Laut den Mitgründern der Initiative hilft die Wiederholung einer Klassenstufe nicht unbedingt immer weiter, da das wirkliche Problem oft in einer Lernschwäche liegt, die natürlich durch eine alleinige Wiederholung des Stoffes, wenn er auf die gleiche Weise nochmals gelernt wird, nicht gelindert wird.

Und wie finanziert sich das Ganze?

Schulen können vom Staat eine Finanzierung beantragen, wodurch die Lehrkräfte mit einem Satz von etwa 15,97 € pro Stunde für die Hausaufgabenbetreuung bezahlt werden.

Das kleine Plus: Bis zu 40% der Fördermittel können auch für andere Zwecke eingesetzt werden, wie zum Beispiel neue Lehrstellen.

Anhand dieser Förderung können bis zu zwei Stunden/Woche kostenlose Hausaufgabenbetreuung je Schüler organisiert werden.

Ist die Wiederholung einer Klassenstufe eine Lösung? Sitzenbleiben ist nicht immer die beste Lösung, da das Problem nicht an der Ursache geklärt wird. | Quelle: visualhunt

Außerdem werden an vielen anderen Schulen im Land bereits Angebote für kostenlose Hausaufgabenbetreuung eingerichtet oder eine kostenlose Lernförderung angeboten.

So bietet das Königin-Charlotte Gymnasium in Stuttgart beispielsweise eine kostenlose Hausaufgabenhilfe für die Unterstufe, d.h. für die 5. bis 7. Klasse, an.

Diese kostenlose Hausaufgabenbetreuung wird von Schülern höherer Jahrgänge angeboten, die daran interessiert sind, jungen Schüler und Schülerinnen in der Unterstufe eine kostenlose Hausaufgabenbetreuung anzubieten, und bereits Erfahrungen mit Kindern haben.

Weitere Beispiele sind:

  • Die Gertrudius-Grundschule in Bochum
  • Das Arndt-Gymnasium in Krefeld
  • Das Albert-Einstein-Gymnasium in Ulm-Wiblingen
  • …und viele, viele mehr.

Private Nachhilfe: Darum sollte sie lediglich eine Ergänzung zum Schulunterricht sein

Der Markt für Private Nachhilfe in Deutschland boomt.

Private Nachhilfe – das bedeutet konkret, dass Eltern ihre Kinder privat unterstützen, entweder durch kostenlosen oder bezahlten, privaten und zusätzlichen Unterricht.

So weit, so gut.

Wenn ein Kind Probleme in der Schule hat, sollte es Unterstützung erhalten, klar.

Aber das Problem entsteht in dem Moment, wenn Nachhilfe zum Regelfall wird und jeder, ja, jeder Schüler grundsätzlich Nachhilfe erhält. Ganz nach dem Motto: Man kann ja nie wissen – und sei es nur, um Schulversagen vorzubeugen.

Wirklich?

Was passiert, wenn Nachhilfe zum Regelfall für alle Schüler wird, und was bedeutet das für das deutsche Bildungssystem?

Nun: Wenn Private Nachhilfe zu Hause nach der Schule zum Regelfall für alle Schüler wird, werden Kinder aus einkommensschwachen Familien noch mehr abgehängt, da ihre Eltern nicht in der Lage sein werden, die regelmäßige außerschulische Nachhilfe finanziell zu tragen.

Daraus wird resultieren, dass Kinder aus einkommensschwachen Familien einen wesentlichen Nachteil gegenüber Kindern aus einkommensstarken Familien haben werden, welcher sich von der Schule bis zur Hochschulbildung fortsetzen kann.

Kann private Nachhilfe den Schulunterricht ersetzen? Private Nachhilfe sollte stets als Ergänzung zur Schule betrachtet werden. | Quelle: visualhunt

Darüber hinaus sollte die Schule ihre Verantwortung über die Bildung der deutschen Kinder und Jugendlichen in die Hand nehmen.

Das System sollte so funktionieren, dass eigentlich keinerlei „externe Hilfsmittel“ mehr notwendig sind, um überhaupt die nächste Prüfung zu bestehen.

Außerdem bürden Eltern, die ihrem Kind zu viel Privatunterricht zumuten, diesem damit auch gleichzeitig eine enorme Doppelbelastung neben dem regulären Schulunterricht auf.

Die Hauptverantwortung für die Bildung sollten immer noch die Lehrer beziehungsweise die deutsche Bildungspolitik tragen…

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