Farben mischen fühlt sich am Anfang oft an wie ein kleines Glücksspiel: Du gibst etwas Gelb dazu, ein bisschen Blau und plötzlich ist da … irgendwas. Manchmal wunderschön, manchmal eher „Matschbraun“. Die gute Nachricht: Mit ein paar Grundlagen und einfachen Regeln wird Farbmischung schnell planbar und du kommst gezielt zu genau dem Ton, den du dir vorstellst.

In diesem Leitfaden lernst du Schritt für Schritt, wie Primär-, Sekundär- und Tertiärfarben zusammenhängen, welche Mischungen welche Ergebnisse ergeben und wie du Helligkeit, Sättigung und Wärme/Kälte bewusst steuerst.

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Und los geht's

Farben mischen verstehen – die wichtigsten Grundlagen

Bevor du selbst zum Pinsel greifst, lohnt sich ein kurzer Blick auf die grundlegenden Prinzipien der Farbmischung.1

Additive vs. subtraktive Farbmischung

Beim Farbenmischen begegnen dir zwei unterschiedliche Systeme und die erklären auch, warum eine Farbe auf dem Bildschirm oft ganz anders aussieht als auf Papier oder Leinwand.

Additive Farbmischung (RGB)

Die additive Farbmischung betrifft Lichtfarben. Sie kommt bei Bildschirmen, Smartphones, Fernsehern oder Beamern zum Einsatz. Die Grundfarben heißen hier Rot, Grün und Blau (RGB). Je mehr Lichtfarben kombiniert werden, desto heller wird das Ergebnis.

Mischt man alle drei vollständig, entsteht Weiß. Dieses System ist wichtig fürs digitale Arbeiten, spielt beim klassischen Malen aber keine Rolle.

Subtraktive Farbmischung (RYB / CMY)

Beim Malen, Zeichnen oder Drucken arbeitest du mit Pigmenten, also mit Farbe, die Licht schluckt (subtrahiert). Deshalb spricht man von subtraktiver Farbmischung.

Eine Box mit bunten Filzstiften.
Wenn du malst, nutzt du die subtraktive Farbmischung.
  • Für Einsteiger und Künstler ist das RYB-System (Rot, Gelb, Blau) am gebräuchlichsten.
  • Im Design- und Druckbereich wird häufig mit CMY (Cyan, Magenta, Gelb) gearbeitet, da sich damit besonders saubere und leuchtende Mischungen erzielen lassen.

Warum Farben auf dem Bildschirm anders wirken

Ein Monitor leuchtet von selbst – Acryl-, Gouache- oder Aquarellfarben reflektieren hingegen nur das vorhandene Licht. Deshalb erscheinen digitale Farben oft intensiver, während gemischte Pigmente schnell dunkler oder gedämpfter wirken.

Primärfarben, Sekundärfarben, Tertiärfarben

Fast alle Farben lassen sich aus wenigen Grundtönen mischen, wenn man weiß, wie.

Primärfarben

Primärfarben sind die Basis jeder Farbmischung. Sie können nicht aus anderen Farben gemischt werden.

  • Im RYB-System: Gelb, Rot, Blau
  • Im CMY-System: Cyan, Magenta, Gelb

Sekundärfarben

Sekundärfarben entstehen durch das Mischen von zwei Primärfarben:

  • Gelb + Rot = Orange
  • Rot + Blau = Violett
  • Blau + Gelb = Grün

Je ausgeglichener das Mischverhältnis, desto klarer und leuchtender wirkt der Farbton.

Tertiärfarben

Tertiärfarben entstehen, wenn du eine Primärfarbe mit einer benachbarten Sekundärfarbe mischst. So entstehen Zwischentöne wie Gelbgrün, Blauviolett oder Rotorange. Diese Farben wirken natürlicher und spielen vor allem bei Haut-, Natur- und Erdtönen eine große Rolle.

Der Farbkreis als „Spickzettel“

Der Farbkreis ist eines der wichtigsten Werkzeuge beim Farbenmischen und dein bester Freund, wenn du unsicher bist.

Der Farbkreis von Itten.
Der Farbkreis von Itten hilft dir beim Mischen.
  • Farben, die im Farbkreis nebeneinander liegen, lassen sich besonders harmonisch mischen. Sie ergeben weiche Übergänge und natürliche Nuancen.
  • Farben, die sich im Farbkreis gegenüberliegen, nennt man Komplementärfarben (z. B. Rot–Grün oder Blau–Orange). Sie erzeugen starke Kontraste und sind perfekt, um eine Farbe gezielt abzudämpfen, Schatten zu erzeugen oder zu neutralisieren.2

Die Basis-Mischungen – was kommt bei welchen Farben raus?

Viele Farben lassen sich mit wenigen Grundtönen erstaunlich gezielt mischen. Wenn du weißt, welche Farben zusammengehören und in welchem Verhältnis sie reagieren, verlierst du schnell die Angst vor „falschen“ Mischungen. Besonders für Anfänger lohnt es sich, sich ein paar klassische Kombinationen einzuprägen.

Die folgende Tabelle zeigt dir die wichtigsten Sekundär- und Tertiärfarben sowie einige häufig genutzte Mischfarben, die in der Praxis immer wieder gebraucht werden.

KategorieZiel-FarbeMischung
SekundärfarbeOrangeGelb + Rot
SekundärfarbeGrünBlau + Gelb
SekundärfarbeViolettBlau + Rot
TertiärfarbeGelborangeGelb + Orange
TertiärfarbeRotorangeRot + Orange
TertiärfarbeGelbgrünGelb + Grün
TertiärfarbeBlaugrünBlau + Grün
TertiärfarbeRotviolettRot + Violett
TertiärfarbeBlauviolettBlau + Violett
MischfarbeBraunRot + Grün oder alle Primärfarben
MischfarbeBeige / SandBraun + Weiß + etwas Gelb
MischfarbeOlivgrünGrün + etwas Rot oder Braun
MischfarbeHautton (hell)Weiß + Rot + Gelb + Hauch Blau
MischfarbeGrauSchwarz + Weiß oder Komplementärfarben
MischfarbeSchwarz (malerisch)Dunkelblau + Braun

Nun fragst du dich vielleicht: Aber welches Blau soll ich denn benutzen? Im Kunstfachhandel gibt es unzählige Blau- Gelb und auch Rottöne. Wenn du möglichst farbklare Ergebnisse erzielen möchtest, kannst du dich zunächst ans CMY-System halten. Doch mit der Zeit wirst du feststellen, dass es total spannend ist, mit unterschiedlichen Tönen zu experimentieren, wenn du das Grundprinzip einmal verstanden hast.

Wenn du Cyan mit Zitronengelb mischt, kommt ein anderes Grün heraus, als wenn du Ultramarin mit Primärgelb mischt. Genau daran liegt also auch die Kreativität. Wenn du viel experimentierst, wirst du irgendwann deine Lieblingstöne zum Mischen haben.

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Schritt-für-Schritt: So mischst du deine Wunschfarbe

Farben mischen ist weniger Zauberei als vielmehr ein kontrollierter Prozess. Mit der richtigen Vorbereitung und einer festen Reihenfolge vermeidest du typische Fehler und kommst deutlich schneller zu dem Farbton, den du dir vorstellst.

palette
Häufige Problemfälle

🎨 „Matschbraun“, warum passiert das?
Meist landen zu viele Farben gleichzeitig auf der Palette oder warme und kühle Töne werden unbewusst gemischt. Auch Komplementärfarben können sich gegenseitig „auslöschen“.
👉 Reduziere dich auf 2–3 Farben, arbeite mit einer sauberen Palette und halte eine klare Farbrichtung ein.
🌑 „Zu dunkel!“
Ein paar Tropfen dunkler Farbe zu viel und schon kippt der Ton.
👉 Helle mit Weiß oder der helleren Grundfarbe auf (bei deckenden Farben nicht mit Wasser!). Wenn nichts mehr hilft: lieber neu ansetzen, statt weiter zu rühren.
„Zu grell!“
Manche Farben wirken plötzlich zu laut oder unruhig.
👉 Gib eine Mini-Menge der Komplementärfarbe hinzu.

Das brauchst du

Für sauberes und kontrolliertes Mischen brauchst du kein Profi-Equipment, aber ein paar Basics sollten griffbereit sein:

  • Palette oder Mischfläche (Porzellan, Kunststoff oder Papier)
  • Pinsel oder Mischspachtel
  • Testpapier zum Probieren der Farbe
  • Wasser oder Malmedium (je nach Technik)
  • Küchenpapier oder Lappen zum Reinigen

Ein Tipp zu Beginn: Notiere dir gelungene Mischungen kurz, zum Beispiel als kleines „Farb-Rezept“. So kannst du Lieblingsfarben später gezielt wieder nachmischen.

Die goldene Mischregel

Eine einfache Regel erspart dir viel Frust:

  • Starte immer mit der helleren Farbe und füge dunkle Farben nur in winzigen Schritten hinzu.
  • Teste jede Mischung zuerst auf einem separaten Blatt, bevor du eine größere Menge anrührst.

So behältst du die Kontrolle und vermeidest das Verschwenden großer Farbmengen.

Mischtechnik in 5 Schritten

  1. Zielton festlegen
    Überlege dir vor dem Mischen, wie die Farbe wirken soll: warm oder kühl, hell oder dunkel, kräftig oder eher gedämpft.
  2. Grundton mischen
    Mische zunächst zwei Farben, um den Basisfarbton zu treffen (z. B. Blau + Gelb für Grün).
  3. Nuance verschieben
    Passe den Ton an, indem du eine der Ausgangsfarben leicht erhöhst – so wird ein Grün etwa gelblicher oder bläulicher.
  4. Helligkeit & Sättigung einstellen
    Mit Weiß oder dem nächst Helleren Ton auf dem Farbkreis (Bei Grün zum Beispiel Gelb) hellst du auf, mit Komplementärfarben dämpfst du zu grelle Farben.
  5. Trocknen lassen & final anpassen
    Viele Farben verändern sich beim Trocknen. Warte kurz ab und korrigiere dann gezielt nach.

Helligkeit, Sättigung, Temperatur

Ob eine Farbe frisch und leuchtend, ruhig und gedeckt oder warm und einladend wirkt, hängt stark davon ab, wie du sie veränderst. Beim Farbenmischen geht es deshalb nicht nur darum, welche Farben du kombinierst, sondern wie du mit ihnen arbeitest. Besonders wichtig sind dabei Helligkeit, Sättigung und Temperatur.

Aufhellen, Abdunkeln, Entsättigen

Um eine Farbe aufzuhellen, greifen viele sofort zu Weiß. Das funktioniert zwar, führt aber oft zu pastelligen, etwas „milchigen“ Tönen. Natürlicher wirkt es, wenn du zuerst im Farbkreis bleibst und die Farbe mit ihrem nächst helleren Nachbarn aufhellst.

Ein Grün wirkt lebendiger, wenn du es zunächst mit Gelb aufhellst, statt direkt Weiß hinzuzumischen. Auch Rot lässt sich harmonisch in Richtung Orange verschieben, bevor du es weiter aufhellst. Weiß eignet sich dann eher für den letzten Feinschliff.

Beim Abdunkeln ist Vorsicht geboten. Schwarz macht Farben zwar schnell dunkler, kann sie aber auch stumpf und leblos erscheinen lassen. Oft ist es besser, einen dunkleren Nachbarton zu verwenden. Grün lässt sich zum Beispiel mit Blau vertiefen, Rot mit einem Hauch Blau oder Violett.

Besonders natürliche Schatten entstehen, wenn du die Farbe, von der du einen Schatten haben möchtest, mit der Komplementärfarbe mischt, so bleibt der Farbton lebendig und spannend.

Für z. B. einen gelben Schatten, kannst du einmal einen Stupser Violett ins Gelb mischen. Das gibt einen lebendigen Schatten und ist natürlicher, als das Gelb mit Schwarz zu verdrecken.

brush
Pigmentierung der Farben

🧪 Nicht jede Farbe mischt gleich!
Manche Farben sind deutlich stärker pigmentiert als andere und übernehmen schnell die Kontrolle in einer Mischung.
🔍 Schau auf die Farbtube:
Viele Hersteller kennzeichnen ihre Farben mit Symbolen oder Begriffen wie
🟥 deckend
🟧 halbdeckend / halbtransparent
🟦 transparent
Mische stark pigmentierte Farben immer nur in winzigen Mengen bei, sie sind oft intensiver, als man denkt.

Wenn eine Farbe zu grell oder unruhig wirkt, hilft Entsättigen. Auch das gelingt mit einer Spur der jeweiligen Komplementärfarbe. Auf diese Weise entstehen gedämpfte, harmonische Töne, die sich ideal für Hintergründe, Schatten, Hautfarben oder Naturmotive eignen.

Warm oder kühl mischen

Jede Farbe hat eine Temperatur. Rot kann warm wirken (mit Orangestich) oder kühl (mit Blaustich). Gleiches gilt für Blau: Ein Türkis wirkt warm, ein Ultramarin eher kühl. Diese Unterschiede sind entscheidend für saubere Mischungen.

Ein typischer Anfängerfehler in der Farbenlehre zeigt sich beim Mischen von Violett: Wird ein warmes Rot mit einem warmen Blau kombiniert, entsteht oft ein bräunlicher Ton. Der Grund dafür ist ein versteckter Gelbanteil, der die Mischung trübt. Klarere Ergebnisse erhältst du, wenn du Farben mit passender Temperatur kombinierst, z. B. ein kühles Rot mit einem kühlen Blau.

Deckkraft vs. Transparenz

Auch das Malmedium beeinflusst das Ergebnis stark. Aquarellfarben sind transparent und verändern sich beim Trocknen deutlich.3 Schöne Mischungen entstehen hier oft durch Schichten. Gouache und Acrylfarben sind deckender und behalten ihre Intensität besser, wirken im getrockneten Zustand aber häufig etwas dunkler.

Ein Aquarellfarbkasten.
Wie du deine Farben am besten mischst, kommt auch auf das Malmedium an. | Credits: Elena Mozhvilo

Wichtig ist dabei: Verdünnen bedeutet nicht automatisch entsättigen. Mehr Wasser macht eine Farbe zunächst nur transparenter. Wenn du sie wirklich ruhiger oder neutraler machen möchtest, brauchst du gezielte Mischpartner.

Übungen für das Farbenmischen

So, genug der Theorie. Farben mischen lernst du am besten durchs Ausprobieren. Mit diesen drei kurzen Übungen bekommst du in kurzer Zeit ein deutlich besseres Gefühl für Farbverhältnisse, Nuancen und Kontrolle.

Übung 1: Mini-Farbkreis selbst malen

Mische dir aus deinen Primärfarben einen kleinen Farbkreis. Beginne mit den drei Grundfarben und ergänze anschließend die Sekundär- und Tertiärfarben dazwischen. Schon diese einfache Übung hilft enorm dabei, Farbverwandtschaften zu verstehen und harmonische Mischungen intuitiver zu erkennen.

Übung 2: Tonleiter einer Farbe

Wähle einen Farbton und mische ihn Schritt für Schritt heller und dunkler. Arbeite dich von der Ausgangsfarbe bis zur hellsten Tönung und zur dunkelsten Variante vor. Töne das zum Beispiel einmal mit Weiß und Schwarz ab und ein weiteres mal mit anderen Farben auf dem Farbkreis.

Also Grün z. B. erst mit Gelb aufhellen und mit Blau abdunkeln, bis du dann Weiß einsetzt, um die Farbe noch heller zu machen. So lernst du, Helligkeit kontrolliert zu steuern.

Übung 3: Gleiche Farbe nachmischen

Mische einen Farbton, notiere dir grob das „Rezept“ und lasse die Farbe trocknen. Nach einer Pause versuchst du, denselben Ton erneut zu mischen, ohne direkt zu vergleichen. Diese Übung schult dein Farbgedächtnis und zeigt dir, wie reproduzierbar deine Mischungen bereits sind.

Wusstest du, dass Farben auch für unser Unterbewusstsein Bedeutung haben? Mehr darüber lernst du in der Farbenpsychologie.

Referenzen

  1. Küppers, H. (2005). Farbenlehre.
  2. Wiegand, F. (2023b). Das Fest der Farben - Farben und ihre Beziehungen.
  3. Ratgeber - Aquarellmalerei. Ein paar einfache Regeln.  | Gerstaecker Blog. (n.d.). https://www.gerstaecker.de/blog/ratgeber/ratgeber-aquarellmalerei-ein-paar-einfache-regeln/

Mit KI zusammenfassen:

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Lea

Ich liebe die Naturwissenschaften, meine große Leidenschaft ist das Meer. Das Schreiben und die Kreativität habe ich schon als Kind geliebt.