Du hast ein Kunstwerk geschaffen, das du gerne verkaufen möchtest, aber wie bestimmst du den richtigen Preis? Für viele junge Künstler:innen ist das gar nicht so einfach. Denn anders als bei Produkten im Supermarkt gibt es für Kunst keine festen Richtlinien oder Preisschilder. Und oft steht man am Anfang vor der großen Frage: Was ist meine Arbeit eigentlich wert?
Verkaufst du zum ersten Mal ein Bild oder suchst einfach faire und nachvollziehbare Preise? In diesem Artikel zeigen wir dir, worauf es bei der Preisfindung ankommt. Du erfährst, welche Faktoren den Wert deiner Kunst beeinflussen, wie der sogenannte Künstlerfaktor funktioniert und warum du deine Preise nicht „einfach so“ festlegen solltest.
Was beeinflusst den Preis eines Kunstwerks?
Der Preis eines Kunstwerks ist nicht einfach aus dem Bauch heraus erfunden. Es gibt viele verschiedene Faktoren, die bestimmen, wie viel du für dein Bild verlangen kannst und solltest.
Größe, Technik & Materialkosten
Je größer das Werk, desto mehr Material brauchst du. Das klingt logisch, oder? Aber auch die verwendete Technik spielt eine Rolle: Ein aufwendiges Acrylbild mit vielen Schichten oder eine Collage mit Spezialmaterialien kostet mehr als eine einfache Zeichnung.
Wie viel Zeit und Material habe ich investiert?
Welche Technik habe ich verwendet?
Ist das Werk ein Unikat oder Teil einer Serie?
Habe ich schon Ausstellungen, Verkäufe oder Presseberichte?
Will ich mehr verkaufen oder meinen Marktwert langsam steigern?
Hinzu kommen Rahmen, Passepartout und die Qualität der Farben oder Leinwand. Diese Kosten solltest du nicht unterschätzen. Sie sind die Grundlage für eine faire Kalkulation.
Bekanntheit & Marktwert des Künstlers
Dein persönlicher „Marktwert“ beeinflusst den Preis deines Bildes ganz direkt. Hast du schon Ausstellungen gemacht? Bist du in sozialen Medien aktiv?
Hast du Werke verkauft oder Preise gewonnen? All das steigert deinen künstlerischen Ruf und damit auch den Preis, den du verlangen kannst. Gerade am Anfang ist dein Marktwert vielleicht noch niedrig, aber mit jeder Ausstellung und jedem Verkauf steigt er.
Ausstellungsort, Präsentation & Kontext

Wo dein Bild gezeigt wird, macht einen großen Unterschied: Ein Werk in einem renommierten Museum wirkt automatisch „wertvoller“ als dasselbe Bild im Café nebenan.
Auch die Art der Präsentation: saubere Hängung, gute Beleuchtung, professionelle Rahmung – spielt mit.
Ein Kunstwerk, das hochwertig präsentiert wird, lässt sich meist auch zu einem höheren Preis verkaufen.
Einmaligkeit: Unikat, Auflage oder Druck
Ist dein Werk ein echtes Unikat oder Teil einer limitierten Auflage? Einzigartige Werke sind in der Regel teurer, weil es sie nur ein einziges Mal gibt. Bei Kunstdrucken oder Fotografien entscheidet oft die Höhe der Auflage über den Preis: Je kleiner die Auflage, desto exklusiver und desto wertvoller das einzelne Exemplar.
Methoden zur Preisfindung
Wie bestimmt man nun den richtigen Preis für ein Kunstwerk? Dafür gibt es verschiedene Wege – vom reinen Bauchgefühl bis zur konkreten Formel. Hier zeigen wir dir die drei wichtigsten Methoden.
Bauchgefühl & Intuition
Gerade am Anfang entscheiden viele Künstler und Künstlerinnen einfach aus dem Gefühl heraus: Was bedeutet mir das Bild? Wie viel Arbeit steckt drin? Würde ich es für diesen Preis abgeben wollen?

Diese Methode kann funktionieren, vor allem bei persönlichen Werken oder Einzelstücken. Aber: Sie ist schwer nachvollziehbar, oft ungenau und macht einen professionellen Auftritt schwieriger. Wenn du deine Kunst regelmäßig verkaufen willst, ist ein klareres System oft hilfreicher.
Zeit & Kostenkalkulation
Wie ein Handwerker kannst du auch als Künstler deine Materialkosten (Leinwand, Farben, Rahmen ...) und deine Arbeitszeit berechnen. Diese multiplizierst du dann mit einem fairen Stundensatz z. B. 30 bis 50 €.
Dazu kommen anteilige Kosten für Strom, Werbung, Verpackung und Co. Diese Methode ist logisch, aber in der Praxis oft schwer umzusetzen. Denn: Wie misst man genau, wie lange ein Bild wirklich gebraucht hat? Und soll ein schnelles Werk automatisch günstiger sein als ein langsames?
Die Künstlerfaktor-Formel
Diese Methode ist besonders beliebt, auch bei Galerien. Du rechnest einfach:
(Breite + Höhe in cm) × Künstlerfaktor = Preis
Beispiel: Ein Bild ist 80 × 100 cm groß und dein Faktor liegt bei 4. Dann wäre der Preis: (80 + 100) × 4 = 720 €.
| Künstlerfaktor | Berechnung | Preis (EUR) |
|---|---|---|
| 3 | (80 + 100) × 3 | 540 |
| 4 | (80 + 100) × 4 | 720 |
| 5 | (80 + 100) × 5 | 900 |
| 6 | (80 + 100) × 6 | 1080 |
| 7 | (80 + 100) × 7 | 1260 |
Der Vorteil: Du brauchst nicht jedes Mal neu zu überlegen und kannst Preise fair, konsistent und nachvollziehbar gestalten. Wenn dein Marktwert steigt, passt du einfach deinen Faktor an. So wächst der Preis mit deiner künstlerischen Entwicklung mit.
Den eigenen Künstlerfaktor bestimmen
Der Künstlerfaktor ist eine einfache Zahl, aber sie hat große Wirkung. Sie steht für deinen künstlerischen „Marktwert“ und bestimmt, wie viel du für deine Bilder verlangen kannst. Je höher dein Faktor, desto teurer deine Werke. Klingt einfach? Ist es auch, wenn du weißt, wie du ihn festlegst.
Wovon hängt der Künstlerfaktor ab?
Der Faktor richtet sich danach, wie weit du als Künstler:in schon bist. Dabei zählen z. B.:
- Ausstellungen (vor allem juriert oder in Galerien)
- Verkäufe & Kundenfeedback
- Medienberichte über dich oder deine Werke
- Ausbildung an einer Kunsthochschule oder bei einem renommierten Künstler
- Preise, Stipendien oder Förderungen
- Reichweite auf Social Media oder in Online-Galerien
Je mehr du vorzuweisen hast, desto höher kann dein Faktor sein.
Mit welchem Faktor sollte man starten?
Wenn du ganz am Anfang stehst, empfehlen viele Kunstportale einen Start-Faktor zwischen 3 und 5. Wenn du schon verkauft hast, eine gute Reichweite hast oder eine Ausbildung vorweisen kannst, ist ein Faktor von 6–10 realistisch.
Wichtig: Wähle lieber einen moderaten Faktor, den du steigern kannst, denn Preise sollten später nicht mehr gesenkt werden.
Tipps zur Preisgestaltung am Anfang
Am Anfang ist es gar nicht so leicht, einen guten Preis für die eigene Kunst zu finden. Du willst nicht zu teuer sein, aber auch nicht so günstig, dass deine Arbeit unter Wert verkauft wird. Hier ein paar Tipps, die dir helfen können:
Nicht zu niedrig, aber auch nicht unrealistisch
Ein häufiger Fehler: Aus Unsicherheit setzen viele den Preis viel zu niedrig an. Das wirkt zwar erstmal sympathisch, kann aber den Eindruck erwecken, deine Kunst sei „nicht viel wert“. Andererseits bringt es dir auch nichts, einen hohen Preis festzulegen, den niemand zahlen will.
Wichtig ist: Finde eine realistische Balance zwischen Selbstbewusstsein und Markteinstieg, z. B. mit einem moderaten Künstlerfaktor von 3 bis 5.
Wir erklären dir auch, auf welchen Plattformen du deine Kunst verkaufen kannst.
Warum du deine Preise nicht senken solltest

Hast du einmal Preise festgelegt, solltest du sie möglichst nicht nachträglich senken. Das untergräbt dein Vertrauen bei Käufern und Sammlen.
Niemand möchte ein Bild kaufen und später merken, dass es plötzlich „billiger“ geworden ist. Wenn du am Anfang niedrig ansetzt, kannst du später den Faktor erhöhen, aber nur nach oben.
Preisstufen & runde Summen
Runde Beträge wie 150 €, 500 € oder 1.000 € wirken klarer und professioneller als krumme Preise wie 837,20 €. Auch sogenannte Preisstufen helfen bei der Orientierung, zum Beispiel eine Staffel nach Bildgröße oder Technik. So wissen Interessent:innen sofort, womit sie rechnen können.
Unterschiede je nach Material und Technik
Ein Ölbild auf Leinwand hat oft andere Materialkosten als eine Bleistiftzeichnung auf Papier. Auch der Aufwand beim Rahmungen oder bei Skulpturen ist verschieden.
Überleg dir daher: Willst du einen einheitlichen Faktor für alle Werke oder verschiedene für Papier, Leinwand, Skulpturen etc.? Wichtig ist nur: Sei dabei konsequent und transparent.
Preise präsentieren & kommunizieren
Egal wie du deine Preise berechnest: am Ende musst du sie auch sichtbar machen. Dabei kommt es nicht nur auf die Zahl an, sondern auch wie du sie präsentierst. Ein professioneller Auftritt kann den Unterschied machen.
Ein seriöser Auftritt schafft Vertrauen. Achte auf:
✅ Übersichtliche Preisliste (mit Format, Technik, Preis)
✅ Einheitliches Preisniveau (egal ob online, direkt oder über Galerie)
✅ Klare Angaben: inkl. Rahmen? inkl. MwSt.?
✅ Eine Künstler-Website oder ein Instagram-Profil
✅ Selbstbewusste Kommunikation, kein Herunterhandeln!
So zeigst du: Deine Kunst ist wertvoll und du stehst dahinter.
Mit oder ohne Rahmen und Mehrwertsteuer?
Kläre von Anfang an: Ist der Preis inklusive oder exklusive Rahmen? Und enthält er die Mehrwertsteuer (falls du selbstständig bist und steuerpflichtig)? Am besten gibst du das direkt an, z. B. „Preis inkl. Rahmen und MwSt.“. Das schafft Transparenz und vermeidet Missverständnisse.
Preislisten, Online-Angaben & Galerieverkäufe
Stell dir eine übersichtliche Preisliste zusammen: mit Format, Titel, Technik und Preis deiner Werke. Online solltest du deine Preise klar und offen angeben, das wirkt professionell.
Wenn du mit einer Galerie zusammenarbeitest, gelten oft feste Preise, die du auch bei Direktverkäufen einhalten solltest. Das ist wichtig für Vertrauen, langfristige Partnerschaften und dafür, nachhaltig Geld mit deiner Kunst zu verdienen.
Selbstbewusst auftreten ohne zu rechtfertigen
Du musst dich nicht für deine Preise entschuldigen. Steh zu dem Wert deiner Arbeit – Kunst ist kein Hobbyartikel, sondern eine kreative Leistung mit Zeit, Können und Herzblut. Wenn jemand verhandeln will, darfst du freundlich, aber bestimmt bleiben: „Das ist mein fixer Preis. Ich freue mich, wenn dir das Werk gefällt.“
Résumer avec l'IA :










Danke für den Überblick
Toll, danke, hat
mir sehr geholfen.
Danke für den informativen Überblick. Ist sehr aufschlussreich für mich.
Danke, ein hilfreicher Überblick mit klaren Fakten
Sehr detaillierter und informativer Artikel. Vielen Dank.
Hilfreiche Informationen. Danke