Von 1888 bis 1918 war Wilhelm II. der Kaiser des Deutschen Reiches und gleichzeitig der König von Preußen. Er war prägend für die wilhelminische Zeit, eine Epoche der deutschen Geschichte, und steht bis heute für Pomp, imperialen Ehrgeiz und große politische Spannungen. Kaum ein deutscher Herrscher wird historisch so umstritten beurteilt wie er.
Im Jahr 1918 endete seine Herrschaft abrupt, als die Novemberrevolution die Monarchie beendete. Wilhelm II. trat von seinem Amt zurück und floh ins Exil in den Niederlanden, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte.1 Durch seine Abdankung endete nicht nur die persönliche Herrschaft des Kaisers, sondern auch das Deutsche Kaiserreich selbst und damit eine Staatsform, die Deutschland über fast fünf Jahrzehnte prägte.
Herkunft und Jugend

Am 27. Januar 1859 wurde Wilhelm II. in Berlin geboren, als Sohn des späteren Kaisers Friedrich III. und der britischen Prinzessin Victoria. Damit gehörte er zwei der mächtigsten Dynastien Europas an: dem preußisch-deutschen Herrscherhaus der Hohenzollern sowie der britischen Königsfamilie.
Da er als Thronfolger für eine historisch bedeutsame Führungsrolle vorgesehen war, lasteten schon früh hohe Erwartungen auf ihm.
Allerdings war die Geburt schwierig. Wilhelm zog sich dabei eine dauerhafte Lähmung des linken Arms zu, die ihn körperlich einschränkte und ihn ein Leben lang belastete.2 In einer Gesellschaft, die von Militärismus dominiert war, wurde diese Behinderung als Schwäche wahrgenommen. Dies hatte eine nachhaltige Wirkung auf Wilhelms Selbstwahrnehmung. Eine Vielzahl von Historikern erkennt darin einen Grund für seinen späteren Drang nach Stärke, Anerkennung und militärischer Schau.
1859
Geburt Wilhelms II.
Wilhelm II. wurde am 27. Januar 1859 in Berlin als Sohn des späteren Kaisers Friedrich III. und der britischen Prinzessin Victoria geboren.
1888
Das Dreikaiserjahr
Nach dem Tod seines Großvaters Wilhelm I. und seines Vaters Friedrich III. bestieg Wilhelm II. im Alter von nur 29 Jahren den Thron des Deutschen Reiches.
1890
Entlassung Otto von Bismarcks
Wilhelm II. entließ Reichskanzler Otto von Bismarck, um selbst stärker in die Politik einzugreifen – ein Wendepunkt in der Geschichte des Kaiserreichs.
ab 1890
Beginn der Weltpolitik
Der Kaiser setzte auf Flottenbau, Kolonialpolitik und internationale Machtentfaltung, wodurch Deutschland zunehmend in Konkurrenz zu anderen Großmächten trat.
1905–1906
Erste Marokkokrise
Deutschland stellte sich gegen den französischen Einfluss in Marokko und verschärfte damit die Spannungen zwischen den europäischen Großmächten.
1908
Daily-Telegraph-Affäre
Ein unbedachtes Interview Wilhelms II. löste international Empörung aus und schadete dem Ansehen Deutschlands erheblich.
1911
Zweite Marokkokrise
Erneute Konflikte um Marokko führten zu einer weiteren außenpolitischen Isolation des Deutschen Reiches.
1914
Julikrise und Kriegsbeginn
Nach dem Attentat von Sarajevo unterstützte Deutschland Österreich-Ungarn, was zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte.
1916–1918
Machtverlust des Kaisers
Während des Krieges verlor Wilhelm II. zunehmend Einfluss an die militärische Führung und spielte politisch nur noch eine Nebenrolle.
9. November 1918
Abdankung und Republik
Im Zuge der Novemberrevolution wurde die Abdankung Wilhelms II. verkündet und in Berlin die Republik ausgerufen.
1918
Flucht ins Exil
Wilhelm II. floh in die Niederlande und lebte fortan im politischen Exil in Doorn.
1941
Tod im Exil
Am 4. Juni 1941 starb Wilhelm II. im Alter von 82 Jahren in Doorn, fernab von Deutschland.
Wilhelm wurde streng und leistungsorientiert erzogen, was wenig Platz für emotionale Nähe ließ. Seiner Ausbildung lagen militärischer Drill, Gehorsam und Disziplin zugrunde.
Das Verhältnis zu seinen Eltern war angespannt: Während seine Mutter liberale, britisch geprägte Werte vertrat, fühlte Wilhelm oft, dass er nicht verstanden wurde und unter Druck stand. Er baute auch zu seinen Erziehern kaum vertrauensvolle Bindungen auf.
Wilhelms Persönlichkeit wurde durch diese Kombination aus hohen Erwartungen, körperlicher Unsicherheit und strenger Erziehung nachhaltig geprägt. Später hatte dies entscheidenden Einfluss auf seine Auffassung von Macht und Herrschaft.
Das Dreikaiserjahr 1888
Das Jahr 1888 wurde in der deutschen Geschichte als Dreikaiserjahr bekannt, da die Kaiserwürde innerhalb weniger Monate zwei Mal wechselte. Wilhelm I., der seit der Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871 regierte, starb im März, er war sehr hochbetagt. Sein Nachfolger war sein Sohn Friedrich III., dessen Herrschaft jedoch nur 99 Tage andauerte. Friedrich, der schwer an Kehlkopfkrebs erkrankt war, verstarb bereits im Juni 1888.
Wilhelm II. bestieg im Alter von 29 Jahren den Thron. Der junge Kaiser war plötzlich mit einer enormen Machtfülle ausgestattet und sah sich großen Erwartungen gegenüber. Zahlreiche Zeitgenossen wünschten sich einen frischen Antrieb, nationale Stärke und eine selbstbewusste Führung des Reiches. Zugleich ging man davon aus, dass Wilhelm II. den bewährten Kurs seines Großvaters fortsetzen würde.
Wilhelm betrachtete seinen Amtsantritt als persönliche Mission. Sein Ziel war es nicht nur, zu repräsentieren, sondern auch aktiv zu regieren und dem Reich seine persönliche Note aufzudrücken.
Die rasche Machtergreifung ohne umfassende Vorbereitung steigerte seinen Tatendrang und ebnete den Weg für eine Herrschaft, die bald von ausgeprägten Eigenentscheidungen und einem starken Machtbewusstsein gekennzeichnet war.
Herrschaftsverständnis: Der Kaiser will selbst regieren
Das Deutsche Kaiserreich war offiziell eine konstitutionelle Monarchie mit einer Verfassung und einem gewählten Parlament. Diese Ordnung akzeptierte Wilhelm II. jedoch nur teilweise. Er sah sich nicht nur als repräsentativen Herrscher, sondern wollte aktiv und persönlich regieren. Oft wird dieses Selbstverständnis als „persönliches Regiment“ bezeichnet.
Der Kaiser traf Entscheidungen oft eigenständig, basierend auf wechselnden Beratern, anstatt auf festen politischen Konzepten.
Mit „persönlichem Regiment“ beschreiben Historiker die Herrschaftsweise Wilhelms II., bei der der Kaiser stärker eingriff, als es eine konstitutionelle Monarchie eigentlich vorsah. Entscheidungen wurden weniger durch Parlament und Kanzler geprägt, sondern durch den Willen des Monarchen selbst.
Aus diesem Grund war das Verhältnis zum Reichstag angespannt. Zwar oblag dem Parlament die Genehmigung von Gesetzen und Haushaltsmitteln, jedoch waren der Regierung und der Kaiser nicht ihm gegenüber verantwortlich. Wilhelms Machtanspruch trat 1890 besonders deutlich zutage, als er Otto von Bismarck, den langjährigen Reichskanzler, entließ.3
Bismarck hatte das Reich seit 1871 geprägt, aber Wilhelm wollte sich nicht länger von ihm beherrschen lassen. Diese Entlassung wurde als politischer Wendepunkt betrachtet: Der Kaiser übernahm selbst die Führung, was weitreichende Folgen für die Innen- und Außenpolitik hatte.
Deutschland auf Konfrontationskurs
Während Wilhelm II. an der Macht war, vollzog das Deutsche Reich einen grundlegenden Wechsel seiner außenpolitischen Ausrichtung. Anstelle einer vorsichtigen Bündnispolitik setzte der Kaiser auf eine selbstbewusste „Weltpolitik“. Ziel war die Etablierung Deutschlands als globale Großmacht, erkennbar am Flottenbau und an der Kolonialpolitik. Vor allem die erhebliche Erweiterung der Kriegsflotte versetzte das Reich in einen direkten Wettbewerb mit Großbritannien, dem damaligen führenden Land auf See.
Die Beziehung zu den europäischen Großmächten verschlechterte sich zunehmend. Großbritannien reagierte mit Misstrauen auf den Aufbau der deutschen Marine, Frankreich blieb aufgrund der verlorenen Gebiete in Elsass-Lothringen ein ständiger Rivale, und auch die Beziehung zu Russland verschlechterte sich. Anstelle von stabilen Allianzen entwickelte sich eine außenpolitische Lage, die von Spannungen geprägt war und Deutschland immer mehr in die Isolation trieb.
Diese Situation wurde durch mehrere diplomatische Krisen verschärft. Deutschland versuchte während der Marokkokrisen, den Einfluss Frankreichs in Nordafrika herauszufordern, was dazu führte, dass Frankreich und Großbritannien enger zusammenarbeiteten.
Die Daily-Telegraph-Affäre von 1908 trug ebenfalls zum Schaden des internationalen Ansehens des Kaisers bei: Wilhelm II. äußerte in einem Interview unbedacht politische Ansichten, die im Ausland Empörung auslösten. Diese Vorfälle intensivierten den Eindruck eines unberechenbaren Kaisers und wirkten mit darauf hin, dass Deutschland in der Außenpolitik immer mehr auf einen Konfrontationskurs geriet.
Wilhelm II. und der Erste Weltkrieg
Im Sommer 1914 geriet Europa in die Julikrise: Nach dem Attentat von Sarajevo spitzten sich die Spannungen zwischen den Großmächten zu. Das Deutsche Reich stellte sich an die Seite Österreich-Ungarns und unterstützte dessen hartes Vorgehen. Die Eskalation führte schließlich zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Wilhelm II. trug diese Entscheidungen mit, auch wenn er die Folgen des Krieges offenbar unterschätzte.
Zu Beginn des Krieges trat der Kaiser noch als oberster Kriegsherr auf und hielt patriotische Reden. Doch mit zunehmender Kriegsdauer verlor er immer mehr Einfluss. Die tatsächliche Macht verlagerte sich auf die militärische Führung, vor allem auf die Oberste Heeresleitung. Strategische Entscheidungen wurden nun von Generälen getroffen, während Wilhelm II. zunehmend in den Hintergrund gedrängt wurde.
Gleichzeitig wuchs die Kritik im In- und Ausland. Die militärische Lage verschlechterte sich, die Versorgung der Bevölkerung brach teilweise zusammen, und Millionen Menschen litten unter Hunger und Kriegsmüdigkeit. Im Ausland galt der Kaiser zunehmend als Symbol deutscher Aggression, im eigenen Land verlor er Autorität und Rückhalt. Am Ende des Krieges war Wilhelm II. politisch isoliert – und seine Herrschaft faktisch ausgehöhlt.
Sturz, Abdankung und Flucht 1918
Im Herbst des Jahres 1918 drohte dem Deutschen Reich der Zusammenbruch. Die militärische Niederlage im Ersten Weltkrieg wurde offensichtlich, während Proteste, Streiks und Aufstände im Inneren zunahmen. Die genannten Entwicklungen führten zur Novemberrevolution, in deren Verlauf in zahlreichen Städten Arbeiter- und Soldatenräte die Herrschaft an sich rissen und eine Beendigung der Monarchie verlangten.
Die Novemberrevolution war eine politische Umwälzung am Ende des Ersten Weltkriegs. Ausgelöst durch militärische Niederlagen, Hunger und Kriegsmüdigkeit kam es ab Herbst 1918 zu Streiks und Aufständen von Arbeitern und Soldaten. Am 9. November 1918 wurde die Abdankung Kaiser Wilhelms II. verkündet und in Berlin die Republik ausgerufen. Damit endete die Monarchie in Deutschland und der Weg zur Weimarer Republik begann.
Die politische Führung betrachtete die Abdankung des Kaisers als den letzten Versuch, das Reich zu stabilisieren. Die Abdankung Wilhelm II. wurde am 9. November 1918 ohne seine direkte Zustimmung öffentlich verkündet.4 Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Kaiser bereits im belgischen Spa und verlor endgültig die Kontrolle über die Geschehnisse.
Wilhelm II. floh kurz darauf in die Niederlande, wo er politisches Asyl erhielt und fortan im Exil lebte. Am gleichen Tag wurde in Berlin die Republik ausgerufen, wodurch die Monarchie in Deutschland endgültig beendet wurde. Mit dem Sturz Wilhelms endete nicht nur seine persönliche Herrschaft, sondern auch das Deutsche Kaiserreich als Staatsform.
Kaiser Wilhelm II. Leben im Exil und Tod
Wilhelm II. ließ sich nach seiner Flucht im November 1918 in Doorn, Niederlande, nieder. Er lebte dort zurückgezogen auf einem Landsitz, umgeben von Erinnerungsstücken aus seiner Zeit als Kaiser. Sein Alltag war von Spaziergängen, Gartenarbeit und dem Verfassen von Memoiren geprägt. Er spielte politisch keine aktive Rolle mehr, blieb jedoch aufmerksam gegenüber den Entwicklungen in Deutschland.
Wilhelm II. hegte lange die Hoffnung, dass die Monarchie zurückkehren würde. Er wies die Weimarer Republik entschieden zurück und sah sie als unrechtmäßig an. Für ihn standen demokratische Strukturen im Widerspruch zu seiner monarchischen Weltanschauung. Er kommentierte zwar fortlaufend politische Geschehnisse, allerdings war sein Einfluss nicht mehr existent. Seine Einstellung war weiterhin von nostalgischen Gefühlen und dem Streben nach Rückkehr zur alten Ordnung geprägt.
Wilhelm II. verstarb am 4. Juni 1941 im Alter von 82 Jahren in Doorn. Dort wurde er ebenfalls beigesetzt, weit weg von Deutschland also. Sein Tod markierte das endgültige Ende der Geschichte des letzten deutschen Kaisers, dessen Leben vom höchsten Machtanspruch bis zur politischen Bedeutungslosigkeit im Exil reichte.
Lerne bei uns auch mehr darüber, wer Bismarck war.
Referenzen
- Wilhelm II. | Wilhelm II. heute | Exilwohnsitz Haus Doorn. (n.d.). https://www.wilhelm-der-zweite.de/heute/doorn.php
- Meißner, T. (2025). Der prominente Patient. https://doi.org/10.1007/978-3-662-70111-9
- Albig, J. (2025, August 12). Todestag von Otto von Bismarck: Das Gespenst vom Sachsenwald. geo.de. https://www.geo.de/wissen/weltgeschichte/otto-von-bismarck-das-gespenst-vom-sachsenwald-30179636.html
- Abdankung des Kaisers. (n.d.). Stasi-Unterlagen-Archiv. https://www.bundesarchiv.de/themen-entdecken/online-entdecken/dokumente-zur-zeitgeschichte/abdankung-des-kaisers/
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