Mark Aurel war nicht nur einer der bedeutendsten Kaiser des Römischen Reiches, sondern auch einer der bekanntesten Philosophen der Antike. Von 161 bis 180 n. Chr. regierend, wird er als der letzte der sogenannten Adoptivkaiser angesehen, unter denen Rom eine lange Phase relativer Stabilität erlebte.
Mark Aurel strebte, im Unterschied zu vielen anderen Herrschern, Macht nicht um ihrer selbst willen an; er sah sie als Verantwortung gegenüber Staat und Gesellschaft. Er ist bis heute vor allem für sein philosophisches Werk „Selbstbetrachtungen“ bekannt. Er hielt darin Überlegungen zu Pflicht, Vernunft, Selbstdisziplin und dem Umgang mit Krisen fest. Damit sind seine Gedanken heute wieder aktueller denn je.
Das Leben von Mark Aurelius
Mark Aurel zählt zu den außergewöhnlichsten Herrschern der römischen Geschichte. Sein Leben war geprägt von Verantwortung, politischen Krisen und dem Versuch, Macht mit Vernunft und Moral zu verbinden.
Herkunft, Familie und frühe Jahre
Geboren wurde Mark Aurel im Jahr 121 n. Chr. in Rom unter dem Namen Marcus Annius Catilius Severus. Er stammte aus einer wohlhabenden und einflussreichen Senatorenfamilie. Schon früh fiel er durch Ernsthaftigkeit, Disziplin und Wissbegierde auf. Seine Ausbildung war umfassend und stark philosophisch geprägt – besonders die stoische Lehre beeinflusste ihn nachhaltig.
Auf Wunsch von Kaiser Hadrian wurde er später von Antoninus Pius adoptiert. Durch diese Adoption änderte sich auch sein Name. Historisch begegnet man ihm unter verschiedenen Varianten: Mark Aurel, Marc Aurel oder Marcus Aurelius – gemeint ist immer dieselbe Person.
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Weg zum Kaiser – das System der Adoptivkaiser
Der Aufstieg Mark Aurels zum Kaiser war kein Zufall, sondern Teil eines bewährten politischen Systems. Kaiser Hadrian hatte festgelegt, dass Antoninus Pius ihn nur unter der Bedingung adoptieren durfte, dass dieser wiederum Mark Aurel und auch Lucius Verus als Nachfolger annahm.2 So wurde Mark Aurel gezielt auf die Herrschaft vorbereitet.
Dieses Adoptivkaisertum sorgte über Jahrzehnte für Stabilität im Römischen Reich, da nicht Herkunft, sondern Eignung über die Nachfolge entschied. Mark Aurel erhielt früh Einblick in Staatsgeschäfte und lernte, Verantwortung zu übernehmen.
Doppelkaisertum mit Lucius Verus
Nach dem Tod von Antoninus Pius im Jahr 161 n. Chr. wurde Mark Aurel Kaiser – allerdings nicht allein. Er regierte gemeinsam mit Lucius Verus, was für Rom ungewöhnlich war. Die Aufgaben waren klar verteilt: Lucius Verus übernahm vor allem militärische Pflichten im Osten, während Mark Aurel sich stärker um Verwaltung und Politik kümmerte.
121 n. Chr.
Geburt
Geburt in Rom als Marcus Annius Catilius Severus in eine wohlhabende Senatorenfamilie.
ca. 136–138 n. Chr.
Kaiser Hadrians Gunst
Kaiser Hadrian erkennt Mark Aurels Fähigkeiten und bereitet seine spätere Nachfolge vor.
138 n. Chr.
Adoption durch Antoninus Pius
Mark Aurel wird offiziell Thronfolger und erhält eine intensive politische Ausbildung.
161 n. Chr.
Tod von Antoninus Pius
Mark Aurel wird Kaiser – erstmals gemeinsam mit Lucius Verus (Doppelkaisertum).
161–166 n. Chr.
Partherkrieg im Osten des Reiches
Römischer Sieg, aber Ausbruch der Antoninischen Pest, die sich im gesamten Reich ausbreitet.
ab ca. 166 n. Chr.
Beginn der Markomannenkriege an der Donau
Mark Aurel hält sich oft in Feldlagern auf und führt das Reich aus dem Kriegsalltag heraus.
ca. 170–180 n. Chr.
Entstehung der Selbstbetrachtungen
Philosophische Notizen, vermutlich während der Feldzüge verfasst.
180 n. Chr.
Tod
Tod von Mark Aurel, wahrscheinlich in Vindobona (heutiges Wien) oder Sirmium. Nachfolge durch seinen Sohn Commodus
Der Partherkrieg brachte zwar militärische Erfolge, führte aber auch zur Antoninischen Pest, die sich im gesamten Reich ausbreitete und große Verluste verursachte.
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Kriege, Krisen und Herausforderungen

Ein Großteil von Mark Aurels Regierungszeit war von Krisen geprägt. Besonders die Markomannenkriege an der Donau forderten ihn jahrelang.1 Hinzu kamen Seuchen, Hungersnöte und Naturkatastrophen. Mark Aurel verbrachte viel Zeit im Feldlager und regierte oft direkt von der Front aus – eine außergewöhnliche Situation für einen römischen Kaiser.
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Tod und Nachfolge
Mark Aurel starb 180 n. Chr., vermutlich in Vindobona (dem heutigen Wien) oder in Sirmium. Anders als seine Vorgänger übergab er die Macht an seinen leiblichen Sohn Commodus. Mit diesem Schritt endete die Epoche der Adoptivkaiser – und eine der stabilsten Phasen der römischen Geschichte.
Philosophie und Werke von Mark Aurel
Mark Aurel war nicht nur römischer Kaiser, sondern auch einer der wichtigsten Vertreter der stoischen Philosophie. Seine Gedanken drehen sich bis heute um Fragen, die viele Menschen beschäftigen: Wie gehe ich mit Krisen um? Was liegt in meiner Kontrolle – und was nicht? Und wie kann man trotz schwieriger Umstände ein gutes Leben führen?
Mark Aurel und die Stoa
Die Stoa ist eine philosophische Richtung der Antike. Ihr Grundgedanke: Ein gutes Leben gelingt dann, wenn der Mensch im Einklang mit der Natur und der Vernunft lebt. Gefühle wie Angst, Wut oder übermäßiger Ehrgeiz sollen den Menschen nicht beherrschen.
Für Stoiker (wie auch Lucius Annaeus Seneca) stehen drei Dinge im Mittelpunkt:
- Tugend: moralisch richtig handeln
- Vernunft: überlegt entscheiden statt impulsiv reagieren
- Selbstbeherrschung: Gelassen bleiben, auch in schwierigen Situationen
Ein zentraler Gedanke der Stoa ist die Akzeptanz des Schicksals. Nicht alles lässt sich kontrollieren – wohl aber die eigene Haltung dazu. Mark Aurel versuchte, diese Ideen nicht nur zu denken, sondern als Kaiser auch zu leben. Für ihn war Philosophie kein Selbstzweck, sondern eine Anleitung zum Handeln und zum Dienst an der Gemeinschaft.
Noch in der heutigen Sprache gibt es mit „Ertrage und enthalte dich“ (lat. sustine et abstine) und „Gerate durch nichts aus der Fassung" (nihil mirari): Formulierungen, die diese Weisheit zusammenfassen und den Geist der Stoiker erhalten.
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Selbstbetrachtungen ("Meditations")
Mark Aurels bekanntestes Werk sind die Selbstbetrachtungen3, auch Meditationen oder Wege zu sich selbst genannt. Er schrieb sie während ruhiger Phasen seiner Feldzüge – oft direkt im Militärlager. Das Werk ist kein Tagebuch, sondern eine Sammlung persönlicher Gedanken und philosophischer Übungen.
🧭 Verantwortung des Einzelnen
Jeder Mensch trägt Verantwortung für sein eigenes Handeln – egal, ob Kaiser oder „ganz normaler“ Bürger.
🧠 Vernunft statt Emotion
Nicht die Dinge selbst machen uns unglücklich, sondern wie wir über sie denken und sie bewerten.
🤝 Gemeinschaftssinn statt Egoismus
Der Mensch ist Teil einer Gemeinschaft und sollte nicht nur an sich, sondern auch an andere denken.
🌱 Alltagstaugliche Philosophie
Die Gedanken Mark Aurels sind keine Theorie für Philosophen, sondern praktische Lebenshilfe für den Alltag.
Die Texte waren nie für eine Veröffentlichung gedacht. Mark Aurel schrieb sie für sich selbst, um sich immer wieder an die Prinzipien der Stoa zu erinnern und innerlich ruhig zu bleiben. Verfasst sind die Selbstbetrachtungen auf Altgriechisch, der Sprache der Philosophie.
Inhaltlich geht es um:
- Pflichtbewusstsein und Verantwortung
- den Umgang mit Leid, Tod und Vergänglichkeit
- den Wert der Gemeinschaft
- innere Ruhe statt äußerem Erfolg
Berühmt ist zum Beispiel der Gedanke:
Sehr wenig braucht es, um ein glückliches Leben zu führen; es ist alles innerhalb von dir, in deiner Denkweise.
Mark Aurel
Gerade weil Mark Aurel unter Kriegen, Seuchen und Krisen regierte, wirken seine Gedanken bis heute erstaunlich modern.
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Politik, Religion und Gesellschaft
Als Kaiser verstand Mark Aurel seine Macht nicht als Privileg, sondern als Pflicht. Er sah sich in erster Linie als Diener des Staates und als oberster Richter. Viele seiner Entscheidungen zielten darauf ab, Recht gerechter und menschlicher zu gestalten.
Mark Aurel als Herrscher und Gesetzgeber
In der Rechtsprechung setzte Mark Aurel auf Fairness und Vernunft. Besonders wichtig waren ihm Verbesserungen für gesellschaftlich benachteiligte Gruppen. So stärkte er den Schutz von Sklaven, indem er Misshandlungen stärker ahndete, und setzte sich für die Rechte von Frauen und Kindern ein – etwa im Erbrecht oder bei Vormundschaften.
Der Kaiser nahm seine Rolle als Richter sehr ernst. Er entschied nicht nur große politische Fragen, sondern beschäftigte sich auch mit einzelnen Rechtsfällen. Dabei versuchte er, stoische Grundsätze wie Gerechtigkeit, Maß und Verantwortung in die Praxis umzusetzen.

Religionspolitik und Christen
Religiös blieb Mark Aurel der traditionellen römischen Staatsreligion verpflichtet. Für ihn war sie ein wichtiger Bestandteil der Ordnung und Stabilität des Reiches. Opfer, Rituale und Götterverehrung galten als Pflicht gegenüber Staat und Gemeinschaft.
Die Christenverfolgungen fallen zeitlich teilweise in seine Regierungszeit, doch ihre Einordnung ist wichtig: Mark Aurel verfolgte keine systematische Christenpolitik. Viele Übergriffe entstanden auf lokaler Ebene, etwa durch Volkszorn oder regionale Behörden. Christen galten als problematisch, weil sie sich den römischen Göttern verweigerten und damit aus Sicht vieler Zeitgenossen die göttliche Ordnung gefährdeten.
Aus heutiger Sicht wirkt dieses Vorgehen widersprüchlich zur stoischen Haltung Mark Aurels. Historiker gehen jedoch davon aus, dass er vor allem an der Wahrung von Ordnung und Stabilität interessiert war und nicht an religiöser Verfolgung aus Überzeugung.
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Einfluss und Vermächtnis von Markus Aurelius
Schon zu Lebzeiten galt Mark Aurel als außergewöhnlicher Herrscher. Zeitgenössische Historiker wie Cassius Dio beschrieben ihn als gerechten, pflichtbewussten Kaiser, der Macht nicht genoss, sondern trug.
In der Antike entwickelte sich das Bild des „Philosophen auf dem Kaiserthron“ – eines Herrschers, der versuchte, nach moralischen und vernünftigen Prinzipien zu regieren. Dieses Ideal prägte lange Zeit das Verständnis eines guten und verantwortungsvollen Herrschers.
Nach seinem Tod blieb Mark Aurel präsent, wurde aber nicht immer korrekt erinnert. Im Mittelalter kam es zeitweise zu Fehlzuordnungen, etwa indem seine Reiterstatue fälschlich Kaiser Konstantin zugeschrieben wurde.
Erst in der Renaissance entdeckte man seine Schriften neu und schätzte ihn wieder als Philosophen und Vorbild für ethisches Handeln. Besonders in der Aufklärung fanden seine Gedanken großen Anklang. Philosophen wie Voltaire bewunderten seine Verbindung aus Vernunft, Moral und politischer Verantwortung.
Alles, was wir hören, ist eine Meinung, keine Tatsache. Alles, was wir sehen, ist eine Perspektive, nicht die Wahrheit.
Marcus Aurelius
Bis heute ist Marcus Aurel aktuell. Seine Selbstbetrachtungen werden noch immer gelesen – nicht nur im Philosophieunterricht, sondern auch als praktische Lebenshilfe. Themen wie innere Ruhe, Pflichtbewusstsein und der Umgang mit Krisen sind heute aktueller denn je. In der Popkultur taucht Mark Aurel ebenfalls auf, etwa im Film Gladiator, der zwar historisch vereinfacht, aber sein Bild als idealisierter Kaiser weiterträgt.
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Referenzen
- Seewald, B. (2024, May 15). Mark Aurels Markomannenkriege: Dem großen „Terror“ folgte eine Zeitenwende. DIE WELT. https://www.welt.de/geschichte/article251390494/Mark-Aurels-Markomannenkriege-Dem-grossen-Terror-folgte-eine-Zeitenwende.html
- Virtuelles AntikenMuseum Goettingen - Marc Aurel (Marcus Aurelius Antoninus) 161 - 180 n. Chr. & Lucius Verus (Lucius Aurelius Verus) 161 - 169 n. Chr. (n.d.). https://viamus.uni-goettingen.de/fr/e_/uni/e/05/05/index_html
- Aurel, M. (2011). Selbstbetrachtungen. https://doi.org/10.1515/9783050092416
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