Nachdem sich das Schachspiel über mehrere Jahrhunderte und Kontinente hinweg zu dem entwickelt hat, was es heute ist, wundert es kaum, dass es mittlerweile zahlreiche jährlich stattfindende und weltweit bekannten Schachturniere gibt.
Diese finden auch nicht mehr ausschließlich zwischen Menschen statt, denn auch Schachcomputer mischen sich spätestens seit den 1990er-Jahren unter die Teilnehmer.
Erfahre in diesem Artikel mehr über den Ablauf und die Geschichte sowie die heute bedeutendsten internationalen Schachturniere.
Wie läuft ein Schachturnier ab?
Kurz gesagt ist ein Schachturnier ein organisiertes Turnier, das aus mehreren einzelnen Schachpartien besteht und an dessen Ende ein Turniersieger erkoren wird.
Es gibt drei grundsätzliche Modi, nach denen ein Turnier stattfinden kann:
- Rundenturnier: Hierbei spielt alle Spieler nacheinander gegeneinander, also jeder Spieler bzw. jede Spielerin spielt im Laufe des Schachturniers gegen jeden anderen Spieler bzw. jede andere Spielerin.
- Schweizer System: Nach dem Schweizer Modell spielen in einem Schachturnier nicht alle Schachspieler gegeneinander. Für die erste Runde werden die jeweiligen Gegner ausgelost oder zugeteilt. Anschließend spielt stets der Erste gegen den Zweiten, der Dritte gegen den Vierten und so weiter. Allerdings dürfen zwei Spieler im Laufe eines Turniers niemals zweimal gegeneinander spielen. Gibt es einen Punktegleichstand, entscheidet zum Beispiel das Los.
- K.O.-System: Das K.O.-System (K.O. = Knock-Out, auf Deutsch: "außer Gefecht setzen") ist neben dem Schach auch aus vielen anderen Sportarten bekannt. So scheidet stets der Verlierer einer Partie aus und es werden von Runde zu Runde weniger Turnierteilnehmer. Im abschließenden Finale wird der Turniersieger ermittelt.
Moderne Schachturniere basieren bezüglich ihrer Richtlinien und Regeln zumeist auf dem Regelhandbuch des Internationalen Schachverbandes FIDE (Fédération Internationale des Échecs).
In diesem sind auch Verhaltensregeln der Schachspieler definiert. So dürfen diese beispielsweise keine externen Informationen für das Schachspiel verwenden, wie Notizen oder Spielanalysen. Auch die Verwendung eines Mobiltelefons oder anderweitigem Kommunikationsmittel ist nicht gestattet. Das Turniergelände dürfen sie nur mit Erlaubnis des Schiedsrichters verlassen und den Gegenspieler auf keine Weise ablenken.
Die Einhaltung dieser und anderer Regeln stellt der bereits angesprochene Schiedsrichter sicher. Ein Schiedsrichter kann bei einem Regelverstoß verschiedene Strafen aussprechen, wie zum Beispiel eine Verwarnung, eine Verkürzung der Bedenkzeit bzw. Verlängerung der Bedenkzeit des Konkurrenten, die Wertung der Partie als "Verloren", eine Verringerung der eigenen oder Erhöhung der gegnerischen Punkte oder - in besonders schwerwiegenden Fällen - einen Turnierausschluss.

Weitere Regeln der FIDE bei einem Schachturnier
Neben den Richtlinien zum Verhalten der Turnierteilnehmer legt die FIDE weitere allgemeingültige Regeln fest, wie zum Beispiel die folgenden:
- Der Einsatz einer Schachuhr: Die Schachuhr misst die Bedenkzeit der beiden Konkurrenten. Es handelt sich um eine analoge oder digitale Uhr mit zwei Zeitmessungen, von denen jeweils zur eine gleichzeitig läuft. Sollte einer der Schachspieler seine Zeit überschreiten, darf das Spiel vom Gegner oder dem Schiedsrichter beendet werden. Bei vorübergehenden Unterbrechung der Partie kann der Schiedsrichter auch die Uhr anhalten.
- Aufzeichnung des Spiels: Sofern es sich nicht um ein Blitzspiel mit kurzer Bedenkzeit handelt, muss jeder Spieler eines Turniers all seine Schachzüge schriftlich aufzeichnen. Der Schiedsrichter darf diese Aufzeichnung zu jedem Zeitpunkt einsehen. Am Ende einer Partie unterschreiben die Konkurrenten gegenseitig ihr Partieformular.
- Remis: Die Spieler einer Schachpartie können ihrem Gegner ein Remis anbieten. Dazu müssen sie aber zunächst ihren Zug ausführen und können erst anschließend ihre Uhr stoppen. Andernfalls darf der Konkurrent vor Annahme oder Ablehnung des Remisangebots einen Schachzug einfordern.
- Punkteverteilung: Für einen Sieg erhält der Gewinner einen Punkt, während der Verlierer null Punkte erhält. Im Falle eines Remis teilen beide Spieler sich den Punkt und erhalten jeweils einen halben Punkt.
Die Geschichte der Schachturniere
Nachdem die Europäer und Europäerinnen sich im Laufe des 15. Jahrhunderts langsam auf einheitliche Regeln geeinigt hatten, folgten auch bald die ersten Wettbewerbe und Turniere.
Tatsächlich fand bereits 1575 das erste bedeutende internationale Meisterturnier statt. Dieses wurde in Madrid durchgeführt. Der sizilianische Giovanni Leonardo da Cutri ging als Turniergewinner hervor und konnte sich gegen den ebenfalls aus Sizilien stammenden Paolo Boi sowie den spanischen Schachautor Ruy López de Segura durchsetzen.
Anschließend gab es aber lange Zeit keine nennenswerten Schachturniere in der Weltgeschichte mehr, diese fanden erst im 19. Jahrhundert wieder statt.

Der erste professionell organisierte Wettbewerb fand dann 1841 in Leeds, Großbritannien statt. 1849 wurde in London das erste Mal ein Turnier im K.O.-Modus gespielt und 1851 fand dann das erste große internationale Schachturnier in London statt. Der Gewinner dieses Turniers war der deutsche Schachspieler Adolf Anderssen.
Im Laufe der 1850er Jahre häuften sich dann die internationalen Turniere im Schach. Sie fanden beispielsweise in Paris, Manchester, New York, Birmingham, Wien und San Francisco statt. Das erste Schachturnier in Deutschland wurde 1862 in Düsseldorf durchgeführt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden jährlich bereits 24 internationale Schachturniere organisiert. Bis zum Jahr 1990 hat sich diese Zahl um Einiges vervielfacht auf bis zu 1000 Turniere pro Jahr.
Die derzeit wichtigsten Schachturniere weltweit
Heutzutage werden die meisten offiziellen Schachturniere durch die FIDE in verschiedene Kategorien eingeteilt, die auf Basis der Elo-Zahl der Teilnehmer gebildete werden.
Die sogenannte Elo-Zahl ist ein Wert, der die Spielstärke eines Schachspielers abbildet. Mittlerweile wird sie auch für einzelne andere Sportarten angewendet. Seinen Namen erhält der Wert durch den Entwickler Arpad Elo, der auf Basis verschiedener anderer Wertungsmodelle ein objektives Wertsystem für den US-amerikansichen USCF entwickeln wollte. Der FIDE hat das Wertungssystem im Jahr 1970 übernommen. Offiziell heißt es dort FIDE rating system und die Zahl FIDE rating, inoffiziell spricht man aber weiterhin von der Elo-Zahl. Nach wie vor existieren aber auch noch einige andere Wertungssysteme im nationalen Rahmen für lokale Turniere. In Deutschland wird beispielsweise die Deutsche Wertungszahl (DWZ) verwendet. Die Abweichungen zur Elo-Zahl sind bei den meisten nationalen Wertungssystemen nur unbedeutend.
Es gilt, dass umso höher die Elo-Zahl der Turnierteilnehmer ist, umso höher ist die Turnierkategorie bzw. umso stärker das Turnier. 2014 wurde bei der Zürich Chess Challenge zum ersten Mal in der Geschichte ein Elo-Durchschnitt von 2801 und damit die Kategorie 23 erreicht. Davon abgesehen handelt es sich bei den heutzutage stärksten Turnieren um die Kategorie 22 mit einem Elo-Durchschnitt zwischen 2776 und 2800.
Eine Auswahl der derzeit bedeutendsten und bekanntesten internationalen Schachturnieren stellen wir dir im Folgenden vor.

Die Schacholympiade
In den 1920er-Jahren gab es einen Versuch, das Schachspiel zur Disziplin in den Olympischen Spielen zu machen. Dieser war allerdings nicht erfolgreich, da sich die Unterscheidung zwischen professionellen und amateurhaften Spielern als schwierig gestaltete. Daher wurde im Gegenzug eine eigene Schacholympiade ins Leben gerufen, die erstmals 1924 in Paris stattfand - wie die Olympischen Sommerspiele zur selben Zeit am selben Ort.
In der Tat führte diese erste Schacholympiade zur Gründung des Weltschachbunds FIDE. 1927 fand dann die zweite und diesmal offizielle Schacholympiade statt mit immerhin 16 teilnehmenden Ländern.
1990 und weitere 27 Schacholympiaden später waren bereits 127 Länder Mitglied der FIDE. Seit dem Jahr 1950 gibt es alle zwei Jahre im regelmäßigen Rhythmus eine Schacholympiade an wechselnden Standorten.
Tata-Steel-Schachturnier
Ein weltweit angesehenes Turnier mit ungewöhnlichem Namen ist das Tata-Steel-Schachturnier. Jeden Januar findet dieses in Wijk aan Zee in der niederländischen Provinz Nordholland statt. Bis zum Jahr 1999 war es als Hoogovens-Turnier (deutsch: Hochofen-Turnier) bekannt. Dann fusionierte jedoch der namensgebende niederländische Stahlproduzent Koninklijke Hoogovens mit British Steel und benannte das Turnier aufgrund der Umfirmierung in Corus um in Corus-Schachturnier. Nachdem Corus dann 2011 von Tata Steel aufgekauft wurde, erhielt das Turnier den heutigen Namen Tata-Steel-Chess-Tournament.
In diesem Turnier spielen schon seit 1938 sowohl hochkarätige Schachprofis aus der ganzen Welt sowie Amateure und durchschnittliche Vereinsspieler. In der sogenannten A-Gruppe spielen jedes Jahr 14 der besten internationalen Schachspielern gegeneinander.
Bis auf zwei Ausnahmen hat jeder der Schachweltmeisterschaften seit 1945 bereits am Tata-Steel-Turnier teilgenommen. Im Jahr 2001 waren unter den Teilnehmern 9 der 10 Spieler mit dem höchsten Elo-Rank. Bereits sieben Mal gewinnen konnte das Turnier der Norweger Magnus Carlsen - und hält damit einen Rekord.
Schachcomputerweltmeisterschaften (WCCC)
Von besonderer Natur sind die Schachcomputerweltmeisterschaften (World Computer Chess Championship, WCCC), denn an dieser nehmen ausschließlich elektronische Schachprogramme bzw. Schachcomputer teil.
Seit 1974 fand das Computerturnier zunächst alle drei Jahre und mittlerweile jedes Jahr statt. Anfangs waren es noch Spezialrechner mit einer speziellen Hardware, zum Beispiel Cray Blitz und Deep Thought. Erst 1995 gelang es zum ersten Mal, einen Standardcomputer mit einer Schachsoftware auf ein Niveau zu bringen, das die Schachcomputerweltmeisterschaft gewinnen konnte - ein Programm namens Fritz 3.
Der Gewinner, und damit der Entwickler der gewinnenden Software, erhält seit 1989 traditionell die Shannon Trophy - eine Trophäe, die die Form eines Springers hat.

Harvard Chess Cup
Der Harvard Chess Cup findet mittlerweile nicht mehr statt, wurde aber zwischen 1989 und 1995 jährlich abgehalten. Ziel dieser Meisterschaft war es, zu messen, welche Fortschritte die Schachcomputer gemacht haben.
Gegründet wurde der Harvard Chess Cup - wenig überraschend - von zwei Wissenschaftlern der Harvard Universität. Der erste Cup fand als Mannschaftsturnier zwischen Schachcomputern und Schach-Großmeistern statt. Im ersten Durchgang haben die menschlichen Großmeister klar gewonnen.
Dieses Ergebnis änderte sich auch in den Folgejahren nicht, obwohl es den Computern nach und nach immer öfter gelang, einzelne Partien gegen die Schachmeister zu gewinnen.
Online-Super-Schachturnier von Magnus Carlsen 2020
Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie hat der bereits erwähnte Norweger Magnus Carlsen, übrigens Rekord-Weltmeister im Schach, im April 2020 zu einem Online-Superturnier eingeladen. Er wollte den professionellen Schachsport aufgrund der pandemiebedingten Einschränkungen online fortführen und sah darin eine große Chance.
Nachvollziehbar, denn letztendlich macht es keinen Unterschied, ob ein Spieler seine Figuren online oder auf einem Schachbrett aus Holz bewegt. Für das große Turnier lud Carlsen acht Schach-Großmeister aus der ganzen Welt ein. Er verhing ein Preisgeld von stolzen 250.000 Dollar. Gespielt wurde mit einer verkürzten Bedenkzeit.









