Heute ist die Bundesliga das unangefochtene Oberhaus des deutschen Vereinsfußballs. Dass die besten Mannschaften des Landes Woche für Woche in einer gemeinsamen Liga gegeneinander antreten, erscheint selbstverständlich. Anfang der 1960er-Jahre war genau das jedoch noch eine grundlegende Neuerung.
Am 28. Juli 1962 beschloss der Deutsche Fußball-Bund die Einführung der Bundesliga. Gespielt wurde erstmals gut ein Jahr später: Am 24. August 1963 starteten 16 Vereine in die Saison 1963/64. Damit begann eine neue Ära für die Bundesliga und den gesamten Vereinsfußball.1
Seit wann gibt es die Bundesliga?

Der entscheidende Beschluss fiel am 28. Juli 1962 auf dem DFB-Bundestag in Dortmund. Die Einführung war für die Saison 1963/64 vorgesehen, sodass zwischen Entscheidung und erstem Spieltag noch gut ein Jahr für die Organisation der neuen Liga und die Auswahl ihrer Teilnehmer blieb.
Am 24. August 1963 wurde schließlich der erste Bundesliga-Spieltag ausgetragen. 16 Mannschaften gingen an den Start, erster Deutscher Meister der Bundesliga-Geschichte wurde am Ende der 1. FC Köln.
Wichtig ist dabei der historische Kontext: Die Bundesliga war zunächst die höchste Spielklasse der Bundesrepublik Deutschland. In der DDR bestand mit der DDR-Oberliga ein eigenes Ligasystem.
Vor 1963 wurde der Spitzenfußball in Westdeutschland dagegen regional organisiert. Genau diese Struktur war einer der Hauptgründe für die Einführung der neuen Liga.
Die Bundesliga wurde 1962 gegründet, ihren Spielbetrieb nahm sie 1963 auf. Wer nach dem Gründungsjahr der Bundesliga fragt, findet deshalb häufig beide Jahreszahlen.
Warum wurde die Bundesliga gegründet?
Die Bundesliga entstand nicht aufgrund eines einzelnen Ereignisses. Vielmehr kamen Anfang der 1960er-Jahre mehrere Probleme zusammen: Das bestehende Ligasystem galt zunehmend als überholt, deutsche Vereine standen unter internationalem Konkurrenzdruck und der Fußball bewegte sich nur langsam in Richtung professioneller Strukturen.
Einen schönen Überblick zu den Hintergründen gibt auch dieses Video:
Das Oberliga-System und seine Grenzen
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es keine gemeinsame höchste Spielklasse für die gesamte Bundesrepublik. Stattdessen spielten die Vereine in fünf regionalen Wettbewerben:
- Oberliga Nord,
- Oberliga West,
- Oberliga Süd,
- Oberliga Südwest,
- und Vertragsliga Berlin.
Erst nach Abschluss dieser Wettbewerbe wurde in einer Endrunde der Deutsche Meister ermittelt. Das bedeutete auch, dass viele der stärksten Vereine Deutschlands während einer normalen Saison überhaupt nicht aufeinandertrafen. Der Hamburger SV spielte beispielsweise regelmäßig gegen Vereine aus dem Norden, der 1. FC Köln gegen Mannschaften aus dem Westen und der 1. FC Nürnberg gegen Vereine aus dem Süden.
Mit einer zentralen Liga sollten die besten Mannschaften dagegen regelmäßig gegeneinander antreten. Die Hoffnung: mehr sportlicher Wettbewerb, attraktivere Begegnungen und langfristig ein höheres Leistungsniveau. Die Bundesliga veränderte damit grundlegend den Aufbau des deutschen Fußball und dem deutschen Ligasystem.
Internationale Wettbewerbsfähigkeit
Auch der internationale Fußball setzte den DFB zunehmend unter Druck. Länder wie England, Italien oder Spanien verfügten längst über nationale Spitzenligen und boten ihren besten Vereinen und Spielern andere sportliche und teilweise auch finanzielle Bedingungen.
Ganz erfolglos war der deutsche Vereinsfußball vor Einführung der Bundesliga allerdings nicht. Eintracht Frankfurt erreichte 1960 beispielsweise das Finale des Europapokals der Landesmeister, verlor dort jedoch mit 3:7 gegen Real Madrid. Es fehlte vor allem an einer konstanten deutschen Präsenz an der europäischen Spitze.
Hinzu kam die Nationalmannschaft. Deutschland war zwar 1954 Weltmeister geworden, schied bei der WM 1962 in Chile bereits im Viertelfinale gegen Jugoslawien aus. Bundestrainer Sepp Herberger gehörte zu den Befürwortern einer zentralen Liga und argumentierte schon länger, dass im deutschen Fußball eine stärkere „Konzentration der Kräfte“ nötig sei. Gleichzeitig wechselten deutsche Spitzenspieler zunehmend ins Ausland, wo höhere Verdienstmöglichkeiten lockten.
Die Bundesliga sollte deshalb nicht nur die nationale Meisterschaft attraktiver machen. Sie war auch als strukturelle Antwort auf den stärker professionalisierten internationalen Fußball gedacht.
Fehlende Professionalisierung im deutschen Fußball
Fußballer waren Anfang der 1960er-Jahre noch weit davon entfernt, selbstverständlich ausschließlich von ihrem Sport zu leben. Viele Spieler gingen parallel einem normalen Beruf nach und trainierten erst am Nachmittag oder Abend.
Auch mit Einführung der Bundesliga entschied sich der DFB zunächst gegen den vollständigen Berufsfußball. Auf dem Bundestag von 1962 wurde stattdessen das Modell des „Lizenzspielers“ beschlossen. Der DFB sah zunächst eine Grundvergütung von bis zu 500 D-Mark vor; zusammen mit Prämien konnten Spieler in der Regel maximal 1.200 D-Mark monatlich verdienen. Viele Bundesligaspieler behielten deshalb weiterhin ihren Beruf.
Die Bundesliga war 1963 also noch nicht die vollprofessionelle Liga, die wir heute kennen. Ihre Einführung schuf aber die Grundlage für professionellere Trainingsbedingungen, größere Vereinsorganisationen und eine zunehmende wirtschaftliche Bedeutung des Fußballs.
Die strengen Gehaltsgrenzen hatten zudem Nebenwirkungen. Manche Vereine suchten nach Möglichkeiten, besonders gute Spieler zusätzlich zu entlohnen. Die finanzielle Professionalisierung des deutschen Fußballs war deshalb ein längerer Prozess und keineswegs mit dem ersten Bundesliga-Spieltag abgeschlossen.
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Der Entscheidungsprozess zur Bundesliga-Gründung
Die Idee einer reichs- beziehungsweise bundesweiten Spitzenliga war 1962 keineswegs neu. Schon Jahrzehnte zuvor hatte es entsprechende Vorschläge gegeben. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörten vor allem der Kölner Vereinspräsident Franz Kremer und Bundestrainer Sepp Herberger zu den prominenten Befürwortern.
Kremer gründete bereits 1949 eine Interessengemeinschaft für Bundesliga und Berufsfußball. Auf dem DFB-Bundestag 1958 fand die Idee einer Bundesliga jedoch noch keine Mehrheit. Erst Anfang der 1960er-Jahre kippte die Stimmung.
Am 28. Juli 1962 kam es im Goldsaal der Dortmunder Westfalenhalle zur entscheidenden Abstimmung. Nach einer langen Debatte stimmten die Delegierten mit 103 zu 26 Stimmen für eine zentrale höchste Spielklasse ab der Saison 1963/64.2
Zulassungskriterien für die neue Liga
Mit dem Beschluss war die Bundesliga gegründet – aber noch war nicht geklärt, wer überhaupt mitspielen durfte. Von den 74 Vereinen der damaligen höchsten regionalen Spielklassen bewarben sich 46 um einen der nur 16 Startplätze.3
Der DFB legte zunächst fest, wie viele Vereine aus den einzelnen Regionen aufgenommen werden sollten: fünf aus dem Westen, fünf aus dem Süden, drei aus dem Norden, zwei aus dem Südwesten und ein Verein aus Berlin.

Für die weitere Auswahl spielten mehrere Faktoren eine Rolle. Besonders wichtig war die sogenannte Zwölfjahreswertung, mit der die sportlichen Leistungen der Vereine seit 1951/52 bewertet wurden.
Neuere Spielzeiten erhielten dabei ein höheres Gewicht als weiter zurückliegende Ergebnisse. Die Meister der fünf regionalen Ligen aus der Saison 1962/63 galten zudem als sportlich qualifiziert.
Daneben verlangte der DFB wirtschaftliche und infrastrukturelle Voraussetzungen. Die Bewerber sollten unter anderem einen Jahresumsatz von mindestens 400.000 D-Mark sowie ein geeignetes Stadion mit Flutlichtanlage nachweisen. Auch die regionale Verteilung und der Grundsatz, möglichst nicht zwei Vereine derselben Stadt aufzunehmen, beeinflussten die Entscheidung.
Ausgerechnet der Verein, der später zum Rekordmeister und einem der wichtigsten Vereine der Bundesliga werden sollte, verpasste die Premierensaison. In der Zwölfjahreswertung der Oberliga Süd lag Bayern nur auf Rang sechs. Stadtrivale TSV 1860 München gewann zudem 1962/63 die Oberliga Süd und war damit sportlich qualifiziert. Da nur ein Münchner Verein aufgenommen werden sollte, erhielten die „Löwen“ den Zuschlag.
Auch andere Entscheidungen sorgten für Diskussionen. Im Norden setzte sich etwa Eintracht Braunschweig gegen Konkurrenten wie Hannover 96 und den VfL Osnabrück durch. Im Westen sorgte insbesondere die Nichtberücksichtigung von Alemannia Aachen für Proteste. Die Zwölfjahreswertung war also wichtig, aber keineswegs das einzige Kriterium.
Die 16 Gründungsvereine der Bundesliga 1963/64
Die endgültige Auswahl spiegelte das damalige Kräfteverhältnis im deutschen Fußball wider – und sieht aus heutiger Perspektive durchaus ungewohnt aus. Während der FC Bayern München und Borussia Mönchengladbach fehlten, gehörten beispielsweise Preußen Münster und der 1. FC Saarbrücken zu den Gründungsmitgliedern.
| Verein | Oberliga | Stadion 1963/64 | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| 1. FC Köln | Oberliga West | Müngersdorfer Stadion | Wurde 1964 erster Bundesliga-Meister |
| Meidericher SV (heute MSV Duisburg) | Oberliga West | Wedaustadion | Beendete die Premierensaison als Zweiter |
| Eintracht Frankfurt | Oberliga Süd | Waldstadion | Hatte 1960 das Europapokal-Finale gegen Real Madrid erreicht |
| Borussia Dortmund | Oberliga West | Stadion Rote Erde | Timo Konietzka erzielte das erste Bundesliga-Tor |
| VfB Stuttgart | Oberliga Süd | Neckarstadion | Eines der fünf süddeutschen Gründungsmitglieder |
| Hamburger SV | Oberliga Nord | Volksparkstadion | Uwe Seeler wurde erster Bundesliga-Torschützenkönig |
| TSV 1860 München | Oberliga Süd | Stadion an der Grünwalder Straße | Oberliga-Süd-Meister 1963 und damit vor dem FC Bayern dabei |
| FC Schalke 04 | Oberliga West | Glückauf-Kampfbahn | Gehörte zu den frühzeitig ausgewählten Teilnehmern |
| 1. FC Nürnberg | Oberliga Süd | Städtisches Stadion | Deutscher Meister von 1961 |
| Werder Bremen | Oberliga Nord | Weserstadion | Wurde bereits 1964/65 zweiter Bundesliga-Meister |
| Eintracht Braunschweig | Oberliga Nord | Stadion an der Hamburger Straße | Umstrittener dritter Startplatz des Nordens und Meister 1967 |
| 1. FC Kaiserslautern | Oberliga Südwest | Betzenbergstadion | Meister der Oberliga Südwest 1962/63 |
| Karlsruher SC | Oberliga Süd | Wildparkstadion | Einer der fünf Vertreter der Oberliga Süd |
| Hertha BSC | Vertragsliga Berlin | Olympiastadion | Einziger Berliner Vertreter der Premierensaison |
| Preußen Münster | Oberliga West | Preußenstadion | Stieg nach der ersten Bundesliga-Saison direkt wieder ab |
| 1. FC Saarbrücken | Oberliga Südwest | Ludwigsparkstadion | Zweiter Südwest-Vertreter und Tabellenletzter 1963/64 |
Die historischen Spielstätten der Premierensaison reichten vom Müngersdorfer Stadion in Köln über die Rote Erde in Dortmund bis zur Glückauf-Kampfbahn auf Schalke.
Die erste Bundesliga-Saison 1963/1964
Am 24. August 1963 war es schließlich so weit. In acht Stadien wurden gleichzeitig die ersten Begegnungen der Bundesliga-Geschichte angepfiffen. Rund 284.000 Zuschauer besuchten den ersten Spieltag.
Das erste Tor ließ nicht lange auf sich warten. Nach gerade einmal 58 Sekunden traf Timo Konietzka für Borussia Dortmund bei Werder Bremen.
Kurioserweise existiert von dem historischen Treffer kein Foto: Die Fotografen standen am anderen Ende des Spielfelds. Bremen gewann die Partie am Ende trotzdem mit 3:2.4
Sportlich bestimmte vor allem der 1. FC Köln die Saison. Die Mannschaft um Hans Schäfer und den damals erst 19-jährigen Wolfgang Overath sicherte sich bereits am 28. Spieltag die Meisterschaft. Nach 30 Spielen standen 17 Siege, elf Unentschieden und lediglich zwei Niederlagen zu Buche. Mit 45 Punkten lag Köln sechs Zähler vor dem Meidericher SV und Eintracht Frankfurt.5
⚽ 16 Vereine bestritten an 30 Spieltagen insgesamt 240 Partien.
🥅 Dabei fielen 857 Tore.
👥 Rund 6,06 Millionen Zuschauer kamen in die Stadien, was einem Schnitt von gut 25.000 pro Spiel entsprach.
🏆 Meister wurde der 1. FC Köln
👑 Torschützenkönig wurde Uwe Seeler vom Hamburger SV mit 30 Toren.
👇 Preußen Münster und der 1. FC Saarbrücken stiegen ab.
Auch die Spielregeln unterschieden sich teilweise erheblich von heute. Für einen Sieg gab es lediglich zwei Punkte. Bei Punktgleichheit entschied der Torquotient statt der heutigen Tordifferenz.
Auswechslungen waren noch nicht erlaubt, Gelbe und Rote Karten gab es ebenfalls noch nicht.
Die Bundesliga war damit von Beginn an ein anderer Wettbewerb als die heutigen Fans ihn kennen – die grundlegende Idee war jedoch dieselbe: Die stärksten Vereine sollten über eine komplette Saison hinweg regelmäßig gegeneinander antreten.

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Die Bedeutung der Bundesliga-Gründung für den deutschen Fußball
Mit der Bundesliga wurde der deutsche Spitzenfußball dauerhaft zentralisiert. Die bisherigen Oberligen verloren ihre Stellung als höchste Spielklassen; unterhalb der Bundesliga entstanden stattdessen regionale Ligen. Gleichzeitig änderten sich Trainingsbedingungen, Vereinsorganisation und Vermarktung Schritt für Schritt.
Die Stationen bis heute:
Auch sportlich entwickelte sich der deutsche Vereinsfußball in den folgenden Jahren weiter. Bereits 1966 gewann Borussia Dortmund als erster deutscher Verein einen europäischen Klubwettbewerb, den Europapokal der Pokalsieger gegen den FC Liverpool. Ein Jahr später holte der FC Bayern München denselben Titel.
Die Bundesliga wurde außerdem zunehmend zu einem gemeinsamen nationalen Bezugspunkt. Statt regionaler Meisterschaften standen nun an fast jedem Wochenende Begegnungen zwischen Vereinen aus verschiedenen Teilen der Bundesrepublik auf dem Programm. Radio, Fernsehen, steigende Zuschauerzahlen und später die professionelle Vermarktung machten aus der Liga weit mehr als einen reinen Sportwettbewerb.
Dass Vereine wie Bayern München, Borussia Dortmund oder Eintracht Frankfurt heute selbstverständlich Teil eines nationalen und internationalen Profifußballs sind, hat seine strukturellen Wurzeln deshalb in jener Entscheidung von 1962. Aus einem zunächst durchaus umstrittenen Experiment mit 16 Vereinen entstand die wichtigste Spielklasse des deutschen Fußballs.
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Quellen
- DFB. Historie: https://www.dfb.de/historie.
- Bundesliga. 60 Jahre: Der Deutschen liebstes Kind feiert Geburtstag: https://www.bundesliga.com/de/bundesliga/news/60-jahre-geburtstag-fans-tore-stars-24030.
- DFB. Saison 1963/1964: Wie alles begann: https://www.dfb.de/news/detail/saison-19631964-wie-alles-begann-35097.
- Bundesliga. Timo Konietzka und das erste Tor der Bundesliga: https://www.bundesliga.com/de/bundesliga/news/timo-konietzka-erstes-bundesliga-tor-60-jahre-bundesliga-24119.
- Bundesliga. Tabelle 1963/64: https://www.bundesliga.com/de/bundesliga/tabelle/1963-1964.
Mit KI zusammenfassen:








