Wenn man über die großen und wichtigen Persönlichkeiten einer bestimmten Ära spricht, nennt man meistens zunächst Politiker*innen. Wenn es um kulturelle Fragen geht, schaut man sich die Dichter und Denker an. Doch in unserer heutigen Welt spielen Ökonomen und Wirtschaftswissenschaftler/-innen eine immer wichtiger werdende Rolle.

Deshalb lohnt es sich, diese Berufsgruppe mal etwas genauer anzuschauen und sich zu fragen: Welche berühmte Ökonomen prägten unsere Weltvorstellung in der Vergangenheit und wer sind die bekannten Ökonomen von heute?

Bekannte Ökonomen – DACH

Beginnen wir doch mal hierzulande bzw. in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz). Denn es gibt durchaus einige nennenswerte deutsche Ökonomen (respektive deutschsprachige Ökonomen), und das sowohl aus dem 19. und 20. Jahrhundert als auch heute.

Karl Marx (1818-1883)

Karl Marx wird in der Regel eher als Philosoph, Ideologe oder Revolutionär eingestuft – ganz einfach deshalb, weil er gemeinsam mit Engels als Begründer des Kommunismus gilt.

Doch wenn man eine so grundlegende Veränderung der Staatsform und Lebensverhältnisse durchsetzen will, hat man automatisch auch eine Vorstellung von Wirtschaftsthemen, was bedeutet, dass Marx auch einen Einfluss auf die Wirtschaftswissenschaften hatte (selbst wenn er an sich kein Wirtschaftswissenschaftler war).

Seine bekanntesten Werke sind:

  • "Manifest der Kommunistischen Partei" von 1848 (gemeinsam mit Friedrich Engels)
  • "Das Kapital" von 1867

Besonders in Letzterem wird klar, wie wichtig seine Theorien und die kommunistische Ideologie auch für die Wirtschaft sind.

Friedrich Hayek (1899-1992)

Der als Österreicher geborene Friedrich August von Hayek war ein bekannter Ökonom, der während der Weltwirtschaftskrise ("Große Depression") lebte und wirkte.

Er zeichnete sich insbesondere dadurch aus, dass seine Ansichten im Gegensatz zu der keynesschen Theorie stehen. Man liest von diesem Clash bzw. diesen zwei entgegengesetzten Polen immer wieder in verschiedenen Werken zum Thema Wirtschaftswissenschaften und Weltwirtschaftskrise und das Thema hat selbst Eingang in die Popkultur gefunden (es gibt beispielsweise einen Rap auf YouTube, der die unterschiedlichen Positionen der beiden Ökonomen zum Thema hat).

Wenn Du die keynesianische Theorie kennst, die besagt, dass der Staat in Krisenzeiten eingreifen sollte (niedrigere Steuern, mehr Staatsausgaben), um die Wirtschaft am Leben zu erhalten und wieder anzukurbeln, kannst Du Dir vorstellen, dass Hayek freie Märkte bevorzugte und Preise sich laut ihm flexibel und ohne Eingriff von außen anpassen können sollten.

Friedrich A. Hayek war wie viele seiner Kollegen, die in diesem Artikel erwähnt werden, hoch angesehen in akademischen Kreisen. Folgende Auszeichnungen konnte er während seiner Lebzeiten einfahren:

  • den Wirtschaftsnobelpreis, 1974
  • den Companion of Honour, 1984
  • die Presidential Medal of Freedom, 1991

Ernst Fehr (1956-)

Ernst Fehr ist ein österreichisch-schweizerischer Wirtschaftswissenschaftler, der einen Lehrstuhl am Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Zürich innehat.

Im September 2016 lag er im NZZ-Ranking der 48 einflussreichsten Ökonomen in der Schweiz auf Platz 1. Und auch im F.A.Z.-Ökonomen-Ranking 2019 belegt er in der Kategorie der Männer den Spitzenplatz.

Fehr zählt zum Feld der Verhaltensökonomie und leistet gemeinsam mit seinem Bruder im relativ neuen Feld der Neuroökonomie Pionierarbeit.

Seine Forschungsarbeit im Bereich der menschlichen Zusammenarbeit und sozialen Identität (sowie Anreizsysteme) stößt auf viel Interesse in akademischen Kreisen – und zwar sowohl in den Wirtschaftswissenschaften als auch in der Anthropologie.

Für seine Arbeit hat Fehr bereits zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten und mehrere Wirtschaftswissenschaftsverbände (z.B. die American Economic Association, AEA) haben ihn als Ehrenmitglied aufgenommen.

Hans-Werner Sinn (1948-)

Auf dem dritten Platz im F.A.Z.-Ökonomen-Ranking 2019 und oft als einer der bedeutendsten deutschen Ökonomen genannt ist Hans-Werner Sinn.

Von 1999 bis 2016 war er Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung. Seine Forschungsschwerpunkte sind die deutsche Vereinigung, der Euro, der Klimawandel und viele weitere wirtschaftspolitische Entscheidungen der jüngeren Geschichte Deutschlands.

Wer sich für die Ansichten, die Geschichte und das Werk Sinns interessiert, liest am besten seine Biografie Auf der Suche nach der Wahrheit (2018).

Berühmte Ökonomen – UK

Natürlich ist es so, dass viele berühmte Ökonomen englischsprachig sind. Früher vielleicht, weil Großbritannien und die USA sich schon früh Gedanken über ihre Staatsform und wirtschaftliches Handeln machten (oder machen mussten) – Stichwort: Kolonialmacht und Neue Welt – heute, weil Englisch immer mehr zur Lingua franca wird und viele Menschen Wirtschaftstheorien auf Englisch rezipieren (können).

Adam Smith (1723-1790)

Einer der bekanntesten Ökonomen (und auch einer der ersten) überhaupt ist Adam Smith. Wenn man in der Schule das erste Mal mit Wirtschaft und deren Geschichte zu tun hat, fällt dieser Name meist als erstes.

Smith wird heutzutage meist als Wirtschaftswissenschaftler zitiert, war aber ursprünglich eher ein Philosoph. Er ist einer der Gründungsväter der modernen Ökonomie und ist der Vordenker der klassischen Nationalökonomie bzw. klassischen Theorie innerhalb der Wirtschaftswissenschaften.

Woher kommen berühmte Ökonomen?
Viele der großen Namen der Wirtschaftswissenschaften kommen aus Großbritannien. | Quelle: Pixabay

Adam Smith war ein Vertreter der Freien Marktwirtschaft und war der Meinung, dass sich Märkte schon von alleine regulieren, wenn man sie nur lässt. Ein bekanntes Stichwort dabei ist seine Idee der sog. "unsichtbaren Hand".

Wenn Du Dich näher mit seinen Ansichten und den Anfängen der Wirtschaftstheorien befassen möchtest, legen wir Dir sein Werk Der Wohlstand der Nationen von 1776 ans Herz.

John Maynard Keynes (1883-1946)

Der zweite Name, der früher oder später (meist eher früher) fällt, wenn es um berühmte Ökonomen im Allgemeinen und britische Ökonomen im Speziellen geht, ist John Maynard Keynes.

Seine keynessche Theorie hatte und hat noch immer einen immens starken Einfluss auf volkswirtschaftliche Überlegungen weltweit. Und zwar nicht nur insofern, als sie noch immer zitiert werden, sondern auch, als jüngere Ökonomen und Wirtschaftswissenschaftler seine Ideen und Ansätze weitergesponnen und daraus neue Wirtschaftstheorien entwickelt haben.

Zusammengefasst war Keynes (der als Gegenspieler von Smith & Co. betrachtet werden kann) folgender Meinung:

  • Das Auf und Ab ("boom and bust") von Wirtschaftszyklen sollte durch staatlichen Eingriff stabilisiert werden
  • Arbeitslosigkeit sollte durch den Staat vermieden werden (Eingriff zur Sicherung von Arbeitsplätzen nötig)
  • Wirtschaftskrisen sind zu verhindern (und dies sollte mit den nötigen Mitteln auch getan werden)

Kate Raworth (1970-)

Es liegt natürlich nahe, zuerst einmal die ganz großen Name und Pioniere der Ökonomie zu nennen, doch schauen wir uns auch mal eine jüngere Vertreterin dieses Felds an.

Kate Raworth hat Wirtschaftwissenschaften in Oxford studiert und lehrt heutzutage selbst in Oxford und auch Cambridge. Sie ist insbesondere für ihr Donut-Modell (2017) bekannt, das das menschliche Wirtschaften im Einklang mit der Natur und Umwelt in den Fokus rückt.

In ihrem Buch Die Donut-Ökonomie: Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört von 2017 erklärt sie dieses Modell genauestens und gibt interessante Denkanstöße und Lösungsvorschläge. Du liest gerne Wirtschaftsbücher wie die Donut-Ökonomie? Dann entdecke jetzt die besten Wirtschaftsbücher, die man gelesen haben sollte.

Bedeutende Ökonomen – USA

Nach den Briten fliegen wir nun gedanklich über den großen Teich und wenden uns ein paar US-amerikanischen Ökonom*innen zu.

Milton Friedman (1912-2006)

Milton Friedman und seine Theorie des Monetarismus werden ebenfalls oft im Kontrast zu Keynes' Ansichten gesehen. Er folgte also eher in Adam Smiths Fußstapfen und propagierte die Idee des Freien Marktes.

Was ist die Wirtschaftstheorie Monetarismus?
Beim Monetarismus geht es vor allem um die Geldmenge, die im Umlauf ist. | Quelle: Pexels

Friedman forderte:

  • weniger (bis keinen) staatlichen Eingriff in die Wirtschaft
  • eine stetig ansteigende Erhöhung der verfügbaren Geldmenge in wachsenden Volkswirtschaften
  • flexible Wechselkurse, Preise usw.

Seine Arbeit ist hoch angesehen, auch wenn sie je nach wirtschaftspolitischer Ausrichtung auch kritisiert wurde und wird. Im Jahr 1976 erhielt Friedman den Nobelpreis für Wirtschaft.

Elinor Ostrom (1933-2012)

Elinor Ostrom war eine politische Ökonomin, was unter anderem deshalb bewundernswert ist, weil sie zu einer Zeit erwachsen wurde, in der es nicht selbstverständlich war, als Frau zu studieren. Entsprechend wollte ihre Mutter auch nicht, dass sie an die Universität geht.

Ostrom setzte sich jedoch durch und studierte Politikwissenschaften an der UCLA. Nach dem BA und MA promovierte sie und schloss ihre Studien 1965 so mit einem PhD ab.

Abgesehen von der Tatsache, dass sie eine der ersten führenden Frauen auf dem Gebiet der Ökonomie war, setzte sie sich auch schon früh mit dem Thema der Umweltökonomie auseinander.

1973 gründete sie gemeinsam mit ihrem Mann Vincent Ostrom den Workshop in Political Theory and Policy Analysis an der Indiana University in Bloomington und ist damit die Begründerin der Richtung der Bloomington School.

Ostrom erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, besonders hervor sticht jedoch der Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften ("Wirtschaftsnobelpreis"), den sie bis vor Kurzem als einzige Frau erhalten hatte (2019 kam Esther Duflo dazu).

Joseph Stiglitz (1943-)

Joseph Stiglitz lehrt an der Columbia University und ist Anhänger der keynesschen Wirtschaftstheorie. In den letzten Jahren hat er enorm viel zum Feld der Wirtschaftswissenschaften beigetragen, und dies auch auf ganz praktische Art und Weise: Er war nicht nur Chefökonom und Vizepräsident der Weltbank, sondern arbeitete auch als Wirtschaftsberater für Präsident Bill Clinton.

Neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen und Preisen erhielt er im Jahr 2001 ebenfalls den Wirtschaftsnobelpreis.

Mit Büchern wie Reich und Arm: Die wachsende Ungleichheit in unserer Gesellschaft (2017) hat er den Sprung in die Popkultur der Wirtschaft längst geschafft.

Einflussreiche Ökonomen –  International

Doch auch in anderen Ländern gibt es natürlich zahlreiche einflussreiche Wirtschaftswissenschaftler.

Daniel Kahneman (1934-)

Bei Daniel Kahnemann handelt es sich um einen israelisch-amerikanischen Psychologen, der insbesondere im Feld der Verhaltensökonomie tätig ist.

Gemeinsam mit Amos Tversky entwickelte er die Prospect Theory, die besagt, dass Individuen nicht immer rationale Entscheidungen treffen und herkömmliche Wirtschaftsmodelle deshalb oft nicht nützlich sind, wenn es darum geht, konkrete Entwicklungen auf Märkten vorherzusagen.

Im Jahr 2002 erhielt auch er den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften.

Thomas Piketty (1971-)

Zuletzt möchten wir noch einen französischen Wirtschaftswissenschaftler erwähnen: Thomas Piketty. Besonders sein Monumentalwerk Das Kapital im 21. Jahrhundert von 2014 sorgte für extrem viel Aufmerksamkeit (vor allem auch in den USA).

Die Forschung und Werke Pikettys befassen sich insbesondere mit Fragen der Einkommensverteilung, Vermögensverteilung und der sozialen Ungleichheit. Für ihn ist Wirtschaftswissenschaft nichts Abstraktes, sondern dafür gedacht, "mit realen Daten reale Probleme zu erörtern oder gar zu lösen".

Gibt es bekannte Ökonomen aus Frankreich?
Beim französischen Wirtschaftswissenschaftler Piketty steht soziale Ungleichheit im Fokus. | Quelle: Pixabay

Weitere seiner Werke, die ins Deutsche übersetzt wurden, sind:

  • Die Schlacht um den Euro. Interventionen (2015)
  • Ökonomie der Ungleichheit. Eine Einführung (2016)
  • Kapital und Ideologie (fr. Original 2019, deutsche Übersetzung voraus. März 2020)

Leider können wir hier nicht auf noch mehr bedeutende Ökonomen eingehen. Wenn Dich dieser Bereich interessierst, findest Du aber im Internet zahlreiche Rankings zu den "besten Ökonomen" (der Welt oder nach Ländern) und auch die Preisträgerliste des Wirtschaftsnobelpreises ist ein guter Anhaltspunkt für weitere Recherchen.

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Anna

Man lernt nie aus ...