Finanznachrichten, Supermarktpreise, schwankende Aktienkurse: Wenn das Wort „Wirtschaftskrise“ fällt, denken viele sofort an einen „großen Absturz“, der nur Banken oder Politikern betrifft. Doch in Wahrheit betrifft eine Krise fast alle: Unternehmen investieren weniger, Jobs werden unsicherer und viele Menschen müssen mit weniger Geld auskommen, weil die Zukunft plötzlich ungewiss ist.
| Wirtschaftskrise | Zeitraum | Zentrale Ursache | Kurz erklärt |
|---|---|---|---|
| Tulpenmanie | 1636 bis 1637 | Spekulationsblase | Tulpenpreise steigen extrem, Markt bricht plötzlich zusammen |
| Südseeblase | 1720 | Überbewertete Aktien | Unrealistische Gewinnerwartungen führen zum Börsencrash |
| Mississippi-Blase | 1720 | Geldschöpfung & Spekulation | Staatsschulden werden durch Aktien kaschiert |
| Finanzkrise von 1763 | ab 1763 | Kreditkrise | Banken brechen wegen ungedeckter Kredite zusammen |
| Weltwirtschaftskrise | ab 1929 | Börsencrash | Globale Depression mit Massenarbeitslosigkeit |
| Ölpreiskrise | ab 1973 | Energieknappheit | Ölpreis explodiert, Wirtschaft gerät ins Stocken |
| Dotcom-Blase | 2000 | Technikspekulation | Internetfirmen überbewertet, Börsen brechen ein |
| Finanzkrise 2008/09 | ab 2008 | Immobilien- & Bankenkrise | Bankencrash löst weltweite Rezession aus |
| Eurokrise | ab 2010 | Staatsschulden | Vertrauensverlust in einzelne Euroländer |
| COVID-19-Rezession | ab 2020 | Pandemie | Lockdowns stoppen Wirtschaft weltweit |
Wir betrachten zuerst ganz ruhig das Grundprinzip: Was ist eine Wirtschaftskrise überhaupt und was passiert in der Wirtschaft dabei? Danach lernst du anhand von 10 bekannten Beispielen (von Spekulationsblasen bis zur Finanzkrise 2008), welche Ursachen häufig sind, welche Folgen oft auftreten und warum sich manche Muster in der Geschichte immer wiederholen.
Was ist eine Wirtschaftskrise?
Bevor wir uns mit einzelnen Krisen befassen, klären wir zunächst die Grundlagen und die zugrundeliegenden Wirtschaftsmodelle: Was genau ist eine Wirtschaftskrise und was passiert in einer Volkswirtschaft, wenn es dazu kommt?
Wann spricht man von einer Wirtschaftskrise?
In der Wirtschaft bezeichnet man eine Phase als Wirtschaftskrise, wenn sich die wirtschaftliche Lage erheblich verschlechtert. Dies zeigt sich nicht nur durch ein sinkendes Wachstum, sondern oft durch mehrere Probleme gleichzeitig.
Man unterscheidet dabei meist zwischen drei Stufen:
- Stagnation: Die Wirtschaft wächst kaum oder gar nicht. Produktion und Einkommen bleiben auf einem ähnlichen Niveau. Ob man schon von einer Krise sprechen kann, darüber sind sich Ökonom*innen nicht einig.
- Rezession: Die Wirtschaftsleistung schrumpft spürbar. Häufig gilt: Wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwei Quartale in Folge sinkt, spricht man von einer Rezession.
- Depression: Die schwerste Form. Eine langanhaltende, sehr tiefgreifende Rezession mit massiver Arbeitslosigkeit, Unternehmenspleiten und sozialen Problemen (z. B. die Weltwirtschaftskrise ab 1929).
Eine Wirtschaftskrise zeigt sich meist nicht nur an einem Problem, sondern an mehreren Entwicklungen gleichzeitig:
📉 Sinkende Produktion
Unternehmen stellen weniger Waren her und bieten weniger Dienstleistungen an.
👷 Steigende Arbeitslosigkeit
Firmen sparen Kosten, stellen weniger ein oder entlassen Mitarbeitende.
😟 Unsicherheit bei Unternehmen und Verbraucher*innen
Investitionen werden verschoben, Konsum nimmt ab, Zukunftsängste wachsen.
🏦 Stress im Finanzsystem
Banken vergeben weniger Kredite, Börsenkurse schwanken stark, Vertrauen geht verloren.
Zusammengenommen können diese Faktoren eine Abwärtsspirale auslösen, die die Krise weiter verschärft.
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Was geschieht in einer Krise?
Wirtschaftskrisen laufen oft wie eine Kettenreaktion ab:
1.
Einbruch der Nachfrage
Menschen kaufen weniger, weil sie Angst um ihren Job haben oder sparen müssen. Unternehmen verkaufen weniger Produkte und Dienstleistungen.
2.
Unternehmen reagieren
Weniger Umsatz führt zu weniger Gewinn. Firmen verschieben Investitionen, sparen Kosten oder entlassen Mitarbeitende.
3.
Arbeitslosigkeit steigt
Wer seinen Job verliert oder Angst davor hat, konsumiert weniger und die Nachfrage sinkt weiter.
4.
Kredite werden knapper
Banken agieren vorsichtiger, vergeben weniger Kredite oder erhöhen die Zinsen. Dadurch können Firmen schlechter investieren und Haushalte weniger finanzieren.
5.
Vertrauen geht verloren
Börsenkurse fallen, Banken misstrauen einander, und Konsument*innen halten ihr Geld zusammen. Dieses verlorene Vertrauen verschärft die Krise zusätzlich.
Kurz gesagt: Weniger Vertrauen → weniger Ausgaben → weniger Produktion → mehr Probleme.
Typische Ursachen von Wirtschaftskrisen
Wirtschaftskrisen entstehen selten durch einen einzigen Faktor; meist sind es mehrere Ursachen, die zusammenkommen. Zu den häufigen Auslösern zählen:
Spekulationsblasen
Preise (z. B. von Aktien, Immobilien oder Rohstoffen) steigen stark an, weil viele auf weitere Gewinne wetten. Platzt die Blase, fallen Vermögenswerte plötzlich, wie es bei der Dotcom-Blase oder der Immobilienkrise 2008 der Fall war.
Banken- und Finanzkrisen

Wenn Banken riskante Kredite vergeben oder Verluste nicht rechtzeitig offenbaren, kann das Vertrauen in das Finanzsystem schwinden. Oft resultiert daraus eine Kreditklemme: Geld ist zwar vorhanden, kommt aber nicht mehr bei Unternehmen und Haushalten an.
Inflations- oder Währungskrisen
Eine hohe Inflation mindert die Kaufkraft und entwertet Ersparnisse. Bei Währungskrisen ziehen Investoren ihr Kapital ab, was die Wirtschaft zusätzlich schädigt (z. B. in Schwellenländern).
Externe Schocks
Kriege, Energiepreisschocks, Pandemien oder Naturkatastrophen sind Ereignisse, die die Wirtschaft von außen treffen. Beispiele hierfür sind die Ölkrisen der 1970er-Jahre oder die COVID-19-Pandemie.
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Auswirkungen: Wer ist am stärksten betroffen?
Die Auswirkungen einer Wirtschaftskrise sind auf verschiedene Gruppen unterschiedlich stark verteilt. Privathaushalte sind oft die ersten, die sie spüren: Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, steigende Preise und Angst vor der Zukunft führen dazu, dass viele ihren Konsum einschränken – besonders Haushalte mit geringem oder unsicherem Einkommen sind betroffen.

Auch Unternehmen leiden: Eine sinkende Nachfrage, fehlende Kredite und unsichere Märkte machen Investitionen schwierig. Vor allem kleine und mittlere Betriebe sind anfällig für Umsatzeinbrüche und Insolvenzen.
Der Staat sieht sich ebenfalls großen Herausforderungen gegenüber. Höhere Sozialausgaben treffen auf sinkende Steuereinnahmen. Um die Wirtschaft zu stabilisieren, reagieren Regierungen oft mit Hilfspaketen und neuen Schulden.
Diese Effekte sind miteinander verknüpft: Probleme bei Unternehmen treffen die Arbeitnehmer, Unsicherheit schwächt den Konsum und politische Maßnahmen beeinflussen sowohl die Finanzmärkte als auch die Realwirtschaft gleichzeitig.
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Wie handeln Staaten und Zentralbanken?
Um Wirtschaftskrisen abzufedern, greifen Staaten und Zentralbanken ein, doch das ist nicht ohne Kontroversen.
Geldpolitik (Zentralbanken)
Zentralbanken senken oft die Zinsen, stellen zusätzliches Geld bereit und stabilisieren Banken. Sie agieren als „Kreditgeber letzter Instanz“, um einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern.
Fiskalpolitik (Staat)
Regierungen schnüren Konjunkturpakete, finanzieren Kurzarbeit, investieren in Infrastruktur oder erhöhen Sozialleistungen, um die Nachfrage zu stabilisieren.
Ökonom*innen sind sich dabei uneinig: Liegt die Ursache von Krisen eher im Marktversagen (zu viel Spekulation, Instabilität) oder in Fehlern des Staates (falsche Geldpolitik, Schulden, Regulierung)? Diese Frage prägt die wirtschaftspolitischen Debatten bis heute.
Berühmte Wirtschaftskrisen im Überblick
Wirtschaftskrisen begleiten die Menschheit seit Beginn moderner Wirtschaftssysteme. Sie entstehen in ganz unterschiedlichen Zeiten und Kontexten, folgen aber oft ähnlichen Mustern: Übertreibung, Fehlentscheidungen, Vertrauensverlust und schließlich der Zusammenbruch.
Im Folgenden werfen wir einen Blick auf einige der bekanntesten Wirtschaftskrisen der Geschichte, chronologisch geordnet. Wenn du dich noch mehr im Detail dafür interessiert, können wir dir auch einige interessante Wirtschaftsbücher empfehlen. Aber jetzt erstmal weiter im Text.
Die Tulpenmanie (1636/1637)
Eines der frühesten und bekanntesten Beispiele für eine Spekulationsblase ist die Tulpenmanie in den Niederlanden. Im 17. Jahrhundert wurden Tulpen zu einem begehrten Statussymbol. Bestimmte Sorten erzielten Preise, die dem Wert eines Hauses entsprachen. Es wurde nicht nur mit echten Tulpenzwiebeln gehandelt, sondern auch mit Verträgen über zukünftige Lieferungen.

Als das Vertrauen in ständig steigende Preise plötzlich kippte, brach der Markt zusammen.1 Viele Händler verloren ihr Vermögen, und die Tulpenmanie gilt bis heute als Lehrbeispiel für irrationalen Marktüberschwang.
Die Südseeblase (1720)
Im frühen 18. Jahrhundert erlebte das Vereinigte Königreich die Südseeblase. Die South Sea Company hatte mit dem Handel in Südamerika große Gewinne versprochen, obwohl diese Erwartungen kaum realistisch waren.
Die Aktienkurse schossen in die Höhe, angeheizt durch Spekulationen und Gerüchte. Als sich herausstellte, dass die erhofften Gewinne ausblieben, stürzten die Kurse ab. Dieser Crash erschütterte das britische Finanzsystem und zeigte, wie gefährlich übertriebene Erwartungen für Finanzmärkte sein können.
Die Mississippi-Blase (1720)
Gleichzeitig fand in Frankreich die Mississippi-Blase statt.2 Um die hohen Staatsschulden zu begleichen, versuchte die französische Regierung, durch den Verkauf von Aktien der Mississippi-Kompanie neues Geld in Umlauf zu bringen.
Zu Beginn boomte der Markt, doch die massive Überbewertung der Aktien konnte nicht lange bestehen bleiben.Als die Blase platzte, folgten Inflation, ein Vertrauensverlust und ein wirtschaftlicher Rückschlag. Auch hier wurde deutlich, wie eng Staatsschulden, Geldpolitik und Spekulation miteinander verbunden sind.
Die Finanzkrise von 1763
Weniger bekannt, aber historisch sehr aufschlussreich, ist die Finanzkrise von 1763. Nach dem Siebenjährigen Krieg gerieten viele europäische Banken in Schwierigkeiten.
Besonders der Zusammenbruch der niederländischen Bank de Neufville Brothers löste eine Kettenreaktion aus. Ungedeckte Kredite und enge finanzielle Verflechtungen führten dazu, dass die Krise sich schnell ausbreitete. Schon damals war erkennbar, dass Finanzkrisen nicht an Landesgrenzen haltmachen.
Die Weltwirtschaftskrise von 1929
Die Weltwirtschaftskrise von 1929, auch als „Great Depression“ bekannt, gilt als die schwerste Wirtschaftskrise der Moderne. Sie wurde durch den Börsencrash an der Wall Street im Oktober 1929 ausgelöst. Banken gingen pleite, Unternehmen mussten Insolvenz anmelden und Millionen von Menschen verloren ihren Job.
Die Krise erfasste fast die gesamte Weltwirtschaft und hatte gravierende soziale und politische Konsequenzen. Sie beeinflusste das wirtschaftliche Denken über Jahre hinweg und führte zur Schaffung neuer wirtschaftspolitischer Konzepte, wie etwa durch John Maynard Keynes.
Die Ölpreiskrise von 1973
Ein ganz anderer Auslöser war für die Ölpreiskrise von 1973 verantwortlich. Im Zusammenhang mit dem Jom-Kippur-Krieg reduzierten mehrere erdölexportierende Nationen die Fördermengen und verhängten ein Embargo gegen westliche Staaten.3
Dadurch vervielfachte sich der Ölpreis innerhalb kürzester Zeit. Die Folge waren Rezession, steigende Inflation und Arbeitslosigkeit – eine Kombination, die als Stagflation bekannt ist. Diese Krise machte deutlich, wie sehr moderne Volkswirtschaften von Energie und Rohstoffen abhängig sind.
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Die Dotcom-Blase (2000)
Gegen Ende der 1990er-Jahre erlebte der Internetsektor einen Boom.Zahlreiche Start-ups gingen an die Börse, oft ohne ein solides Geschäftsmodell. Investoren hofften auf schnelle Gewinne und katapultierten die Aktienkurse nach oben.
Mit dem Jahr 2000 platzte die Dotcom-Blase. Viele dieser Unternehmen verschwanden vom Markt, während nur wenige – wie Amazon oder eBay – langfristig erfolgreich blieben. Die Krise verdeutlichte, dass technologische Neuerungen allein keinen wirtschaftlichen Erfolg garantieren.
Die Finanzkrise 2008/09
Die Finanzkrise von 2008 wird als die schwerste Wirtschaftskrise seit 1929 angesehen. Sie wurde durch das Platzen der Immobilienblase in den USA und riskante Kredite an zahlungsunfähige Schuldner ausgelöst.
Der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers führte zu einer weltweiten Bankenkrise. Um das Finanzsystem zu stabilisieren, griffen die Staaten massiv ein. Die Folge waren eine globale Rezession, hohe Staatsverschuldung und langfristige wirtschaftliche Unsicherheit in vielen Ländern.
Bekannte Ökonomen von früher und heute werden immer durch den aktuellen Kontext beeinflusst – so hat die Wirtschaftskrise von 2008 ebenfalls zahlreiche moderne Wirtschaftsmodelle geprägt.
Die Eurokrise (ab 2010)
In den Jahren nach der Finanzkrise gerieten mehrere Euroländer in eine ernsthafte Schuldenkrise. Besonders Griechenland, Spanien und Italien standen im Mittelpunkt.
Hohe Staatsverschuldung, ein Vertrauensverlust an den Finanzmärkten und steigende Zinsen führten zu Rettungspaketen und strengen Sparmaßnahmen. Die Eurokrise machte deutlich, wie kompliziert es ist, eine gemeinsame Währung ohne eine einheitliche Finanzpolitik zu haben.
Die COVID-19-Rezession (2020)
Die jüngste globale Wirtschaftskrise wurde durch die COVID-19-Pandemie ausgelöst. Lockdowns, unterbrochene Lieferketten und massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens führten 2020 zu einem starken Rückgang der Weltwirtschaft.
Im Gegensatz zu früheren Krisen reagierten Staaten und Zentralbanken jedoch sehr schnell mit umfangreichen Hilfsprogrammen, um einen noch tiefergehenden wirtschaftlichen Absturz zu verhindern.
Referenzen
- Moser, U. (2025, August 12). Tulpenmanie - die erste Spekulationsblase. geo.de. https://www.geo.de/wissen/weltgeschichte/tulpenmanie-wie-die-gier-nach-tulpen-zur-ersten-spekulationsblase-der-30180262.html
- Haldner, T. (2015, May 26). Die Mississippi-Blase von 1720. Finanz Und Wirtschaft. https://www.fuw.ch/article/die-mississippi-blase
- Kultur, S. (2023, November 24). Die Ölkrise 1973 – Als Energie knapp und politisch wurde. SWR Kultur. https://www.swr.de/swrkultur/wissen/die-oelkrise-1973-als-energie-knapp-und-politisch-wurde-swr2-wissen-2023-11-24-102.html
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