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Wie werde ich selbstständiger Nachhilfelehrer?

Superprof Blog DE > Privatunterricht > Nachhilfe geben > Ich bin Selbstständig: Kann ich Privatunterricht geben?

Du bist Student, Studienabsolvent oder hast Dir anderweitig Kenntnisse in einem Spezialgebiet angeeignet und unterrichtest gerne, möchtest jedoch an keiner Schule unterrichten?

Du spielst mit dem Gedanken, Dich mit Nachhilfeunterricht selbstständig zu machen?

Nachhilfe steht seit etlichen Jahren hoch im Kurs, denn mittlerweile ist Schülern wie Eltern klar, dass ein guter Schulabschluss das A und O für ein erfolgreiches Berufsleben ist.

Jeder siebte Schüler nimmt laut Bertelsmann-Studie heutzutage Nachhilfe, sprich 1,2 Millionen Schüler in ganz Deutschland.

Nicht wenige Lehramtsstudenten, die im Referendariat schließlich vom Unterrichten an einer staatlichen Schule abgekommen sind, möchten ihren Berufswunsch nicht komplett aufgeben und spielen mit dem Gedanken, sich mit Nachhilfeunterricht selbstständig zu machen.

Immerhin ist der Berufsalltag eines Nachhilfelehrers viel stressfreier, und durch die kleinen Gruppen oder den Einzelunterricht ist die Atmosphäre um einiges entspannter.

Im Nachhilfeunterricht können zudem die Lehrtechniken, die Du im Studium erlernt hast und in einer großen Klasse nicht umsetzbar sind, leichter angewandt werden.

In diesem Artikel stellen wir Dir die wichtigsten Informationen zusammen, die Du wissen musst, um Dich als Privatlehrer selbstständig zu machen.

Dann kann Deinem Abenteuer als Nachhilfelehrer nichts mehr im Wege stehen!

Kann ich ohne Studium Privatunterricht geben?

Grundsätzlich brauchst Du als Nachhilfelehrer keinen bestimmten Studienabschluss.

Wenn Du Kenntnisse in einem Gebiet hast und didaktisches Geschick (welches man in keinem Studium erlernen kann), bist Du absolut dazu berechtigt, Nachhilfe zu geben.

Nur der Tarif könnte sich in der Tatsache widerspiegeln, ob Du einen Abschluss hast oder nicht.

Als Studienabsolvent ist es durchaus legitim, einen höheren Stundenlohn zu verlangen als jemand, der noch zur Schule geht, studiert oder gar keinen Beleg für seine Fachkenntnisse vorzuweisen hat.

Letztendlich zählen im Privatunterricht Dein Wissen, eine sorgfältige Vorbereitung sowie die Bereitschaft, sich auf seine Schüler mit ihren Stärken und Schwächen einzulassen.

Und je mehr Erfahrung Du sammelst, desto höher kannst Du auch Deinen Tarif setzen.

Du hast keinen Abschluss, möchtest aber trotzdem Privatunterricht geben? Kein Problem! Ob mit oder ohne Abschluss, Dir steht der Weg in die Nachhilfewelt offen! | Quelle: visualhunt

Welchen Status habe ich als selbstständiger Nachhilfelehrer?

Wie die Bezeichnung schon sagt, bist Du als Nachhilfelehrer selbstständig und stehst somit in keinem Angestelltenverhältnis.

Laut dem Einkommensteuergesetz (EStG) § 18 gehörst Du als Nachhilfelehrer zu den Freiberuflern („Zu der freiberuflichen Tätigkeit gehören die selbstständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit…“).

Und laut der Gewerbeordnung § 6 musst Du als nebenberuflicher Nachhilfelehrer auch kein Gewerbe anmelden, denn das Gewerberecht wird nicht auf „die Erziehung von Kindern gegen Entgelt“ und „das Unterrichtswesen“ angewandt.

Es reicht aus, wenn Du Deine selbstständige Nachhilfetätigkeit dem Finanzamt mitteilst.

Als Schüler oder Student, der nur im Kleinen Nachhilfe geben will, unterliegst Du im Allgemeinen nicht der Gewerbepflicht.

Du kannst die Nachhilfetätigkeit auch nebenberuflich als Mini-Job ausüben, d.h. auf 450-Euro-Basis, meist in Abhängigkeit von einem Nachhilfeinstitut.

Möchtest Du jedoch die Nachhilfe mit einem richtigen Geschäftsmodell zu Deinem Hauptberuf machen, möglicherweise in Deiner eigenen Nachhilfeeinrichtung, in der Du Dein eigenes Unterrichtsmaterial zum Verkauf anbietest, dafür Werbung machst und evtl. auch Mitarbeiter einstellst, bist Du zur Gewerbeanmeldung verpflichtet.

Ist die Nachhilfetätigkeit gewerblich, bist Du übrigens zur doppelten Buchführung verpflichtet, welche wesentlich aufwändiger als die Einnahme-Überschuss-Rechnung ist, mit der Freiberufler ihre Einnahmen errechnen.

Was die Gewerbesteuer angeht, so wird sie erst ab einem jährlichen Freibetrag von knapp 25.000€ wirksam.

In der Anfangsphase wirst Du also steuerlich kaum belastet.

Wenn der Nachhilfelehrer also persönlich unterrichtet, gilt er als Freiberufler.

Gründet er jedoch ein Nachhilfeunternehmen, ist er gewerbepflichtig.

Am besten erkundigst Du Dich beim Gewerbeamt, welcher Status für Dich der richtige ist.

Papierkram gibt es in jedem Beruf! Als Freiberufler kannst Du bestimmte Einkommenssteuerfreibeträge geltend machen. | Quelle: visualhunt

Private oder gesetzliche Krankenversicherung?

Bist Du noch Schüler oder Student oder stehst Du schon in einem Angestelltenverhältnis und möchtest nur nebenberuflich Privatunterricht geben, stellt sich Dir diese Frage nicht, da Du schon eine Krankenversicherung besitzt.

Möchtest Du jedoch hauptberuflich im Nachhilfe-Business einsteigen, musst Du in den ersten drei Monaten nach Gründung zwischen privater und gesetzlicher Krankenkasse wählen.

Es wird empfohlen, zuerst die Kosten und den Service der privaten Krankenversicherungen zu vergleichen und diese dann mit der gesetzlichen zu vergleichen.

Entschiede Dich dann für die Versicherung mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis!

Zur Steuererklärung

Freiberufler profitieren von Einkommenssteuerfreibeträgen, abhängig von ihrer Lebenssituation.

Für alleinstehende Freiberufler z.B. beträgt der Einkommenssteuerfreibetrag 8.820 Euro im Jahr (2017).

Die Einnahmen als freiberuflicher Nachhilfelehrer ermittelst Du anhand der Einnahme-Überschuss-Rechnung und gibst sie bei der jährlichen Steuererklärung an.

Vor allem als nebenberuflicher Privatlehrer wirst Du kaum über den Einkommenssteuerfreibetrag hinauskommen, so dass Deine Einnahmen mit hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht versteuert werden.

Dein Einkommen gibst Du übrigens erst an, wenn Sie auf Deinem Konto liegen und nicht bei Ausstellung der Rechnung (die Du mit Deiner Steuernummer versiehst).

Unterrichten im Nachhilfeinstitut oder auf eigenen Beinen?

In Nachhilfeeinrichtungen besteht grundsätzlich hoher Bedarf an Lehrkräften, und hier hast Du nicht das Problem, Dir Schüler suchen zu müssen.

Zudem steht Dir hier jede Menge Lehrmaterial zur Verfügung.

Jedoch ist dort der Verdienst wesentlich geringer, da sich die Einrichtungen den größten Teil des Verdiensts in die eigene Tasche stecken.

Als Honorarkraft in einem Nachhilfeinstitut verdienst Du für eine Unterrichtsstunde vielleicht 10€, während Du als selbstständiger Nachhilfelehrer, der an keine Einrichtung gebunden ist, Deinen Stundenlohn selbst festlegen kannst.

Der orientiert sich nach Deinen Qualifikationen, nach der Nachfrage in dem Fach und nach dem Unterrichtsort.

Superprof-Lehrer in Köln z.B. nehmen für eine Englisch-Unterrichtseinheit im Durchschnitt 16€, in München 19€.

Je nach Deinen Qualifikationen kannst Du natürlich auch mehr verlangen.

Ein abgeschlossenes Studium berechtigt also einen höheren Tarif (wobei man natürlich auch ohne Studium Nachhilfe geben darf).

Bietest Du Gruppenunterricht an, sinkt der Preis für den einzelnen Schüler, wobei Dein Arbeitsumfang annähernd derselbe bleibt.

Eine interessante Option für die Eltern also.

Entdecke hier die verschiedenen Profile von Nachhilfelehrern!

Als selbständiger Nachhilfelehrer verdienst Du meist mehr als in Nachhilfeeinrichtungen. Einzel- oder Gruppenunterricht – als Privatlehrer hast Du viele Möglichkeiten. | Quelle: visualhunt

Des Weiteren solltest Du den Eltern Beratungstermine anbieten, wenn sie es wünschen, da sie schließlich für die Nachhilfe ihrer Kinder zahlen.

So schaffst Du ein Vertrauensverhältnis zwischen der Familie und Dir.

Eine eigene, keywordoptimierte Internetseite, auf der sich Schüler und Eltern über Deine Nachhilfemethode und Deine Qualifikationen informieren können, ist zudem ein Zeichen für Seriosität sowie ein gutes Werbemittel.

Ansonsten vergrößerst Du Deinen Kundenstamm mit Anzeigen in Zeitungen und auf Internetportalen sowie mit Aushängen in Geschäften.

Wenn Du bereits Deine Stammschüler hast und sie mit Dir zufrieden sind, wird die Mund-Propaganda den Rest machen.

Rentenversicherung

Bestimmte selbstständige Berufsgruppen sind in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert, darunter auch Nachhilfelehrer, die mehr als 450€ im Monat verdienen (auch nebenberuflich).

Liegt Dein Monatsgehalt als selbstständiger Privatlehrer unter diesem Betrag, musst Du nicht in die Rentenversicherung einzahlen.

Bist Du in einer Lehreinrichtung hauptberuflich als Lehrer angestellt, d.h. Arbeitnehmer, bist Du sozialversicherungspflichtig.

Stelle am besten bei der Deutschen Rentenversicherung einen Antrag auf Feststellung Deines sozialversicherungsrechtlichen Status, um Dich als selbstständig oder von einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis abhängig einordnen zu lassen.

Ort der Nachhilfe

Du solltest Dir überlegen, wo Du Deinen Nachhilfeunterricht erteilen möchtest.

Bist Du bereit, zu den Schülern nach Hause zu fahren?

Wohl die gängigste bei selbstständigen Nachhilfelehrern.

In diesem Fall solltest Du aber die Anfahrt in Dein Honorar mit einrechnen.

Je nachdem, ob Du beim Schüler oder bei Dir unterrichtest, solltest Du Deinen Tarif festlegen. In Deinem Stundenlohn sollte sich widerspiegeln, ob Du zum Schüler hinfährst oder nicht. | Quelle: pixabay

Oder sollen die Schüler zu Dir nach Hause kommen (in ein speziell eingerichtetes Arbeitszimmer, das Du von der Steuer absetzen kannst) bzw. möchtest Du Dir ein Büro anmieten, in dem der Nachhilfeunterricht stattfinden soll?

Wenn Dir die Kosten dafür zu hoch sind, könntest Du Dir auch überlegen, Dich mit jemandem zusammenzutun, der sich ebenfalls als Nachhilfelehrer, doch in einem anderen Fach, selbstständig machen will.

Dann könntet Ihr Euch die Miete teilen.

Achte zudem darauf, dass Deine Nachhilfeschule in der Nähe von Schulen und Universitäten ist, um die Chancen auf Erfolg zu erhöhen!

Zusammenfassung:

  • Die Arbeit eines Nachhilfelehrers ist entspannter als die eines Lehrers an einer Schule.
  • Ein Abschluss ist keine Voraussetzung, doch trägt er zu einem höheren Stundenlohn bei.
  • Wenn Du persönlich Nachhilfe gibst, bist Du Freiberufler. An eine Nachhilfeschule gebunden arbeitest Du als Honorarkraft.
  • Gründest Du ein Nachhilfeunternehmen, musst Du ein Gewerbe anmelden.
  • Vergleiche das Preis-Leistungsverhältnis gesetzlicher und privater Krankenkassen, wenn Du hauptberuflich Nachhilfe geben möchtest.
  • Als Freiberufler ermittelst Du Deinen Erwerb mit der Einnahme-Überschuss-Rechnung, als gewerblicher Nachhilfelehrer mit der doppelten Buchführung.
  • Als selbstständiger Privatlehrer verdient man im Durchschnitt mehr als in Abhängigkeit von einem Nachhilfeinstitut.
  • Verdienst Du mehr als 450€ im Monat, musst Du in die Rentenversicherung einzahlen.
  • Du kannst entweder Nachhilfe beim Schüler zu Hause geben, bei Dir zu Hause oder in einem angemieteten Büro.
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