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Wie kann ich mich schon in der Schule auf Kunst spezialisieren?

Von Anna, veröffentlicht am 16/08/2019 Blog > Kunst & Freizeit > Malerei > Kunst am Gymnasium: Alles, was Du über den schulischen Kunstunterricht wissen musst!

„Bildung ist nicht Wissen, sondern Interesse am Wissen.“ – Hans Margolius

Wenn man in Deutschland auf die Schule geht, hat man zu verschiedenen Zeitpunkten der Schullaufbahn Entscheidungen zu treffen. Zunächst einmal, ob auf eine staatliche oder private Grundschule (z.B. Waldorf, Montessori), später dann, ob Hauptschule, Realschule oder Gymnasium (oder in manchen Bundesländern auf eine Gesamtschule o.Ä.). Wiederum vom Bundesland hängt ab, ob man (bzw. die Eltern) diese Wahl frei treffen können oder ob die Aufnahme an einen bestimmten Notenschnitt oder eine Aufnahmeprüfung geknüpft ist.

Wenn man dann auf einer weiterführenden Schule ist und sich vielleicht die Oberstufe nähert (auf dem Gymnasium oder wenn man nach der Realschule weitermachen möchte), stellt sich oftmals die Frage nach einer Art Spezialisierung bzw. Profilwahl. Möchte man lieber Sprachfächer als Hauptfach, einen naturwissenschaftlichen Fokus oder doch einen musischen (Kunst bzw. Musik)?

Wir stellen Dir in diesem Artikel vor, welche Optionen Du hast, Dich schon in der Schule in Richtung Kunst und Gestaltung zu orientieren, wenn das Deinem Talent und Interesse entspricht.

Gymnasium/Sekundarschule mit Kunstprofil

Wenn schon während der Grundschulzeit klar wird, dass ein Kind besonders viel Freude an Malen, Gestalten und Werken hat, könnte man sich überlegen, ob ein Gymnasium bzw. eine Sekundarschule mit spezieller Kunstprofilierung infrage kommt. Genauso wie musikalisch begabte Kinder schon möglichst früh gefördert werden sollten, können auch künstlerisch (genauer: gestalterisch) begabte Kinder früh in ihrer Bildung unterstützt werden.

Wieso Schule mit Kunstprofil? An manchen Schulen lernt man auch, am Computer zu gestalten. | Quelle: Pixabay

In jedem Bundesland gibt es Gymnasien oder Sekundarschulen, die entweder ein gemischtes Kunst-/Musikprofil anbieten oder sich auf jeweils eins der beiden konzentrieren (oder beides anbieten, aber als unterschiedliche Zweige).

Der Vorteil ist, dass schon früh mit der gestalterischen Ausbildung und Sensibilisierung begonnen wird. Wenn es sich dabei um ein Bundesland handelt, in dem die Grundschule nur vier Jahre geht, beginnt die Profilierung oft schon ab der Unterstufe, also der 5. Klasse! In diesem Alter (mit ca. 11 Jahren) sind Kinder noch besonders formbar und aufnahmefähig und saugen gestalterische Elemente auf wie ein Schwamm. Auch die Feinmotorik ist in diesem Alter noch stark positiv beeinflussbar – ein weiterer Grund, warum frühes Auseinandersetzen mit Kunst (insbesondere malen und zeichnen lernen) ab der Unterstufe Sinn ergibt.

Außerdem haben Kinder (im Gegensatz zu vielleicht schon pubertierenden Teenagern) noch eine kindliche Freude und Neugierde an den Dingen. Sie wollen möglichst viel ausprobieren und lernen und diese fehlende Scheu ist im Bereich der gestalterischen Ausbildung Gold wert.

Übrigens: Wenn man an Kunst- und Werkunterricht in der Schule denkt, kommen einem meist Wasserfarben, Buntstifte oder vielleicht auch Holz und Ton in den Sinn. Heutzutage spielen aber auch digitale Medien eine entscheidende Rolle im Bereich der Kunst und Gestaltung. Man denke nur an die Trendberufe im Bereich Grafikdesign und Mediengestaltung, aber auch klassische Karrieren wie Architektur.

Entsprechend haben auch Schulen reagiert und setzen vermehrt auch auf die digitale gestalterische Kompetenz von Schülerinnen und Schülern. Am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Marbach am Neckar (Nähe Stuttgart) z.B. heißt das Profilfach extra nicht nur „Kunst“, sondern „Kunst und intermediale Kommunikation (Kimko)“. So werden die Kinder und Jugendlichen ab der Unterstufe auf die neuen Herausforderungen vorbereitet und lernen gezielt gestalterische Kompetenzen, die ihnen später auch bei einer eventuellen Berufswahl in diesem Bereich zugute kommen werden.

Für manche Städte bzw. Ballungsräume gibt es auch extra Listen mit Schulen, die bestimmte Profile anbieten. So beispielsweise für Berliner Gymnasien und Sekundarschulen.

Leistungskurs Kunst in der Oberstufe

Wenn man den Weg auf ein „normales“ Gymnasium ohne bestimmte Profilierung ab der Unter- oder Mittelstufe eingeschlagen hat, im Laufe der Schulzeit aber merkt, dass man sich besonders für Kunst und Gestalten interessiert, ist das auch kein Problem. Denn zusätzlichen zum normalen Kunstunterricht, den man an jedem Gymnasium absolvieren muss (und der einem schnell aufzeigt, ob einem der Bereich liegt oder nicht), bieten viele Schulen einen Kunst-Leistungskurs in der Oberstufe an.

Zur Begriffsklärung hier die Definition von Duden: „Universitären Arbeitsformen ähnelnder Unterricht, der im Gegensatz zum Grundkurs zusätzliche Kenntnisse in einem Lehrfach vermitteln soll“.

Da ich selbst in Bayern zur Schule ging, ist mir dieser Name am geläufigsten, in anderen Bundesländern heißen diese wählbaren intensiveren Fächer (mit mehr Wochenstunden und oft auch zwingend Abiturprüfung darin) aber auch „Profilfach“, „Vertiefungsfach“, „Schwerpunkt“ oder ähnlich. Auch ist zu beachten, dass es je nach Bundesland eine unterschiedliche Anzahl dieser Fächer gibt. Ich hatte in den 00er-Jahren in Bayern beispielsweise zwei Leistungskurse, während Freundinnen in Baden-Württemberg fünf Vertiefungsfächer hatten (diese aber dafür mit etwas weniger Wochenstunden).

Sollte ich Leistungskurs Kunst wählen? In der Vertiefung Kunst in der Oberstufe kann man vieles ausprobieren. | Quelle: Pexels

Doch diese Strukturen variieren nicht nur von Bundesland zu Bundesland, sondern erfahren auch innerhalb der einzelnen Länder immer wieder Reformen, sodass es wenig Sinn hat, sich hier auf eine bestimmte Form zu konzentrieren. Fakt ist: An praktisch allen Gymnasien in Deutschland hat man die ein oder andere Möglichkeit, sich in der Oberstufe intensiver mit den Bereichen auseinanderzusetzen, die einem liegen, und oft kann das eben auch das Fach Kunst sein.

Solltest Du in diesem Bereich interessiert sein, informierst Du Dich also am besten frühzeitig, ob Deine Schule Kunst bzw. Gestalten als Leistungskurs/Schwerpunkt/Profilfach anbietet oder ob Du zur Oberstufe hin eventuell die Schule wechseln müsstest, wenn Du diesen Weg unbedingt einschlagen willst.

Fachhochschulreife mit Schwerpunkt Gestaltung

Wenn Du nach der Grundschule erst einmal auf eine Sekundarschule gehst (z.B. Gesamtschule oder Realschule), kann es sein, dass Du vielleicht einen kleinen Umweg zur Hochschulreife machst. Das deutsche Bildungssystem ist zwar nicht gerade bekannt dafür, besonders durchlässig zu sein, aber wenn man in der Mittelschule motiviert ist und Abitur machen möchte, gibt es schon verschiedene Wege.

Wenn man nicht direkt auf ein reguläres Gymnasien wechseln möchte, gibt es auch die Möglichkeit, an eine Fachoberschule zu gehen. Dort kann man entweder eine fachgebundene Hochschulreife („Fachabi“) machen, mit der man dann an einer entsprechenden Fachhochschule studieren kann, oder man nimmt noch Französisch oder Latein dazu und macht die allgemeine Hochschulreife (Abitur), mit der man auch an (Voll-) Universitäten studieren kann.

Die gleichen Möglichkeiten hat man an einer Berufsoberschule (und meist sind Fachoberschulen und Berufsoberschulen auch zusammen: “FOS/BOS”), allerdings muss man dafür schon eine abgeschlossene Berufsausbildung bzw. relevante Berufspraxis zusätzlich zur mittleren Reife nachweisen können, um so das Abitur nachzuholen.

Klassische mögliche Fachrichtungen sind dabei unter anderem: Wirtschaft, Gesundheit, Soziales, Technik und eben auch Gestaltung (es gibt aber noch weitere Fachrichtungen, die angeboten werden). Die oben genannten Bezeichnungen der Schulen (FOS/BOS) beziehen sich wieder auf Bayern, aber fachgebundene Hochschulreifen kann man überall in Deutschland machen, egal, wie die entsprechenden Schulen dann im Einzelnen heißen. Und das ergibt auch Sinn: Schließlich kann man auch landauf landab an entsprechenden Fachhochschulen z.B. dann gestalterische Fächer studieren (meist als Bachelor of Arts und Master of Arts, “B.A.” und “M.A.”).

Was bringt mir ein Fachabi Kunst? Mit einer Fachhochschulreife kannst Du fachgebunden studieren. | Quelle: Pixabay

Mögliche Studiengänge sind beispielsweise: Gestaltung, Gestaltung – Mode, Gestaltung – Fotografie und Bildmedien, Integriertes Produktdesign, Integriertes Design, Strategische Gestaltung, Gestalten, Gestaltendes Werken, Gestaltung – Kommunikationsdesign, Integrated Design, „Gestaltung, Kunst und Medien“, Gestaltung – Digital Media and Experiment uvm.

Ein Studium ist doch nichts für Dich? Kein Problem, es gibt auch zahlreiche Ausbildungsberufe im gestalterischen Bereich und wenn Du ein entsprechendes Fachabi in der Tasche hast, nehmen Dich viele Ausbilder mit Kusshand!

Wahlpflichtfächer und AGs im künstlerischen Bereich

Du bist weder auf einer Schule mit besonderem Kunstprofil noch auf einer Fachoberschule mit Schwerpunkt Gestalten noch möchtest oder kannst Du an Deiner Schule einen Leistungskurs Kunst belegen (oder bist Dir einfach noch nicht sicher)? Du willst Dich aber trotzdem zumindest ein bisschen verstärkt mit künstlerischen bzw. gestalterischen Themen und Arbeiten auseinandersetzen?

Dann bleibt noch die Light-Version der Kunstspezialisierung in der Schule: Wahlpflichtfächer und AGs. Oft gibt es im Stundenplan freie Module, die zwar zwingend mit Unterricht gefüllt werden müssen, aber bei denen man eine Auswahl hat, je nach Interesse. Duden definiert das Wahlpflichtfach so: „Zusätzliches Pflichtfach, das aus einer Gruppe von alternativen Fächern ausgewählt werden kann“. Der Name spricht ja auch irgendwie für sich …

Jedenfalls sind solche Wahlpflichtfächer immer wieder in den Stundenplan eingebaut. Ich erinnere mich beispielsweise an meine 7. und 8. Klasse: Damals hatten wir im Wahlpflichtfach die Wahl zwischen Werken, Handarbeit und „differenzierter Sport“. Übrigens: Die Wahlpflichtfächer können auch eine gute Orientierungshilfe sein, um herauszufinden, ob man sich in der Oberstufe verstärkt mit einem bestimmten Bereich auseinandersetzen möchte, z.B. als Leistungskurs.

Und zu guter Letzt bleibt noch die AG („Arbeitsgruppe“ bzw. „Arbeitsgemeinschaft“). Diese sind eine gute Möglichkeit, ohne Pflicht und Notendruck ein zusätzliches Hobby im schulischen Rahmen auszuüben und dabei ganz unverbindlich die Interessen auszuloten und mit Gleichgesinnten eine gute Zeit zu verbringen. Klassiker sind die Theater-AG, Chor, Orchester, Bigband, aber auch Kunst-AGs (allgemein) oder die AG Foto und Film (in der war ich zum Beispiel). Dort lernt man nicht nur, gemeinsam Projekte zu gestalten, sondern sammelt vielleicht auch erste Erfahrungen im Bereich Ausstellungen, Filmfestivals usw.

Probier es aus, bei einer AG hast Du wirklich nichts zu verlieren!

Warum sollte ich schon in der Schule malen und zeichnen lernen?

Eigentlich ist die Antwort ganz einfach: Wie in jedem Bereich gilt der Spruch „Früh übt sich“. Wenn eine Begabung oder ein besonderes Interesse am Bereich Kunst und Gestaltung festgestellt wird, kann man gar nicht früh genug anfangen, diese Fähig- und Fertigkeiten zu fördern!

Wenn die Schüler*innen noch jünger sind, macht man sich die Aufnahmefähigkeit zunutze und erreicht so vielleicht auch, dass sie lieber zur Schule gehen, allgemein motivierter sind. Kein Wunder: Wenn man verstärkt das machen darf, was einem Spaß macht, ist man auch für die anderen Fächer offener und hat insgesamt einen gesunden Ausgleich.

Wieso sollte man begabte Kinder fördern? Gestalten macht viele Kinder glücklich. | Quelle: Pixabay

In der Mittelstufe und besonders in der Oberstufe geht es dann darum, sich zu orientieren und gegebenenfalls schon regelrecht zu spezialisieren – auch im Hinblick auf die berufliche Laufbahn. Vor allem, wenn man sich überlegt, etwas im kreativen Bereich zu studieren, ist es extrem hilfreich, sich schon in der Oberstufe intensiver mit Kunst und Gestalten auseinandergesetzt zu haben. Warum? Erstens hat man dann schon ein Portfolio an Werken und Projekten, das man vielleicht mit der Bewerbungsmappe an einer Hochschule einreichen kann und zweitens (wenn man es dann geschafft hat) weiß man so schon einigermaßen, was einen erwartet und hat bereits Grundkenntnisse (vor allem auch theoretische) in Kunst und Gestaltung.

Und auch wenn man eher eine Ausbildung machen möchte, und nicht an einer Uni studieren, wird es natürlich gern gesehen, wenn man schon ein wenig weiß, was man tut, und vielleicht sogar schon mit dem ein oder anderen Grafiktool gearbeitet hat. Das ist übrigens auch in vielen anderen Bereichen hilfreich, genauso wie die Fähigkeit, kreativ zu denken! Wenn Du Dich also für den künstlerischen Bereich interessierst – egal ob Du am Ende beruflich in diese Richtung gehen willst oder nicht – lohnt es sich auf jeden Fall, Dich schon in der Schule stärker damit zu beschäftigen!

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