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Ist die lateinische Sprache wirklich ausgestorben?

Von Lea, veröffentlicht am 24/04/2019 Blog > Sprachen > Latein > Warum ist Latein eine tote Sprache?

Latein beherrschte lange die europäische Welt. Erst mit der Renaissance begann langsam der Rückgang und Zerfall der lateinischen Sprache. Das moderne Mittellatein wurde als minderwertig betrachtet und wieder durch eine ältere Version der Sprache ersetzt, was dazu führte, dass die Sprache sich nicht weiterentwickelte und schließlich ganz verdrängt wurde.

Die Politikwissenschaften betrachten Sprachen noch heute als Zeichen kultureller Identität und als Grundbaustein einer Nation. So ist Deutsch z.B. die Sprache der Deutschen. Wenn man die gleiche Sprache spricht, ist soziale Integration in einer Gesellschaft sehr viel leichter und verleiht außerdem Zugang zur Kultur.

Zu Zeiten des antiken Rom und des Römischen Reiches (8. Jh. v. Chr. bis 5. Jh. n. Chr.) war es unvermeidbar, die lateinische Sprache zu beherrschen, um auf römischem Gebiet zu kommunizieren und Handel treiben zu können.

Auch wenn Latein über Tausend Jahre hinweg im Großteil von Europa gesprochen wurde, wurde die Sprache nach und nach von ländereigenen Dialekten ersetzt, die sich zu den heutigen romanischen Sprachen entwickelten, darunter Spanisch, Italienisch, Französisch und Rumänisch. Heute kann kaum jemand einen lateinischen Text lesen und Latein Vokabeln benutzen, es sei denn, man hat Latein in der Schule gelernt.

Vor diesem Hintergrund stellen sich einige Fragen:

  • Warum wird Latein als tote Sprache betrachtet?
  • Gibt es wirklich niemanden mehr, der Latein sprechen kann?
  • Warum wird Latein noch heute in vielen deutschen Schulen unterrichtet, wenn Lateinisch doch eine tote Sprache ist?

Wir möchten Euch in diesem Artikel alle Fragen zum Aussterben der lateinischen Sprache beantworten.

Was ist die Definition einer toten Sprache?

In der Linguistik wird eine Sprache als „tote Sprache“ bzw. ausgestorben angesehen, sobald es niemanden mehr gibt, der diese Sprache als Kommunikationsmittel im Alltag nutzt. Sobald also der letzte Sprecher einer Sprache stirbt, stirbt auch seine Sprache. Wer spricht im 21. Jahrhundert noch fließend Latein als Muttersprache? Diese Frage ist leicht zu beantworten: Absolut niemand.

Es gibt verschiedene Arten von toten Sprachen, über die sich Sprachwissenschaftler gerne streiten. Besonders bei der lateinischen Sprache sind sich Linguisten über ihren genauen Status sehr uneinig.

Woran liegt das?

Eine tote Sprache ist laut Definition eine Sprache, die nicht mehr gesprochen wird. Das ist der Fall für Altägyptisch, Phönizisch (der Ursprung von Arabisch), Akkadisch, keltische Sprachen und andere alte Sprachen. Allerdings können einige Wissenschaftler noch immer Latein (und Altgriechisch) verstehen, z.B. Linguisten, Archäologen, Historiker. Die Sprache wird also noch immer auf ihre Weise genutzt, was den Status ihres „Todes“ ändert.

Lateinunterricht gibt es heute noch in vielen Gymnasien. Lateinische Vokabeln und lateinische Grammatik können eine Voraussetzung für einige Studiengänge sein oder Euch zumindest sehr viel weiterbringen (klassische Literatur, Medizin, Chemie, Biologie, Geschichte).

Hinzu kommt, dass Lateinisch die grammatikalische Grundlage für viele moderne Sprachen war: die romanischen Sprachen. Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Rumänisch und zu gewissen Teilen sogar Englisch sind alles Sprachen lateinischen Ursprungs, die heute von fast der Hälfte der Weltbevölkerung gesprochen werden.

Latein ist außerdem noch immer die offizielle liturgische Sprache der katholischen Kirche – im Vatikan ist Lateinisch noch immer eine offizielle Sprache.

Latein ist in der Religion sehr wichtig. Latein ist noch immer die Sprache der katholischen Kirche. | Quelle: Pixabay

Mit dieser Verbreitung der lateinischen Sprache kann man nun wirklich nicht sagen, dass Latein ausgestorben oder sogar verschwunden ist – vielmehr eine vergessene Sprache. Außerdem, schreiben wir nicht heute noch mit lateinischen Buchstaben?

Das langsame Verschwinden von Latein

Die lateinische Sprache entstand in Zentralitalien, in der Region Latium (die Region um Rom) und wurde wahrscheinlich von den Etruskern stark beeinflusst. Im 6. Jahrhundert v. Chr. wurde Latein bereits benutzt und entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte zur offiziellen Sprache der römischen Bevölkerung.

Diese erste Form von Latein, das archaische Latein, mutierte etwa im 3. Jahrhundert v. Chr. zum klassischen Latein, als sich das Territorium des antiken Roms ausbreitete. Latein widerstand dem Zerfall des Weströmischen Reiches (476 n. Chr.), denn es war eine Sprache der Kommunikation, der Bildung, der Liturgie, der Wissenschaften und der Künste, die die Geschichte der Literatur bis zur Renaissance im 16. Und 17. Jahrhundert stark beeinflusst hat.

Das Oströmische Reich geriet unter den Einfluss der griechischen (und orthodoxen) Kultur bis zu seinem Verfall 1453 und der Eroberung des Osmanischen Reichs. Unter der langsamen und progressiven Vereinigung verschwand Latein nach und nach aus den Muttersprachen und offiziellen Sprachen.

Latein war früher für die Leute eine Muttersprache. Im antiken Rom war Latein die wichtigste Sprache der Welt. | Quelle: Pixabay

Historiker haben 3 Etappen festgestellt, die die lateinische Sprache auf ihrem langsamen Weg zum Tod durchlaufen hat:

  • Die Sprache wird im Volksmund nicht mehr verwendet: Der Moment in dem Latein (vulgäres oder klassisches Latein) nicht mehr im Alltag gesprochen wurde. Historisch gesehen geschah dies zwischen dem 7. Und 10. Jahrhundert. Das Römische Reich war zerfallen, andere Einflüsse führten zu neuen Dialekten und die romanischen Sprachen entstanden.
  • Latein ist keine lebendige Sprache mehr: Im 16. Jahrhundert definierte die Renaissance Werte wie Menschlichkeit, Kunst, Rationalität, Individualismus und Logik neu. Latein wird in keiner Aktivität mehr genutzt und ist somit keine lebendige Sprache mehr.
  • Latein wird nicht mehr von allen verstanden: Sobald Latein nicht mehr aktiv verwendet wird, verstehen immer weniger Menschen die Sprache.

Die Gründe für das Verschwinden von Latein

Der Hauptgrund dafür, dass Latein heute eine tote Sprache ist, ist historisch begründet.

Zur Zeit der Römer war Latein lernen ein wichtiges Mittel zum Austausch und um sich einen guten Platz unter der Herrschaft des Römischen Reiches zu sichern. Lateinschüler standen in Kontakt mit Latein Muttersprachlern, z.B. alten Legionären in den Provinzen, römische Verwalter oder römische Händler, die im Reich Handel trieben. Auch alle eroberten Völker wurden dazu gezwungen, die lateinische Sprache zu lernen.

Mit der Verbreitung von Latein demonstrierten die Römer auch ihre Macht und leisteten Widerstand gegen die Gallier und die Germanen aus dem Norden. Rom war zu dieser Zeit das mächtigste politische System und Latein war die universelle Sprache im Westen. Alle anderen Sprachen und Kulturen wurden als barbarisch angesehen.

Im Mittelalter brauchten die Königreiche und Provinzen jedoch nicht mehr eine universelle Sprache wie Latein. Und so wurde Latein langsam aber sicher ausschließlich zur Sprache der Kirche.

Mit der Zeit wurde Latein immer unwichtiger. In der Renaissance verschwand der Einfluss von Latein langsam aber sicher. | Quelle: Pixabay

Eine weitere Erklärung ist die kulturelle und gesellschaftliche Evolution im Westen. Mit der Verselbstständigung jedes der einzelnen Dialekte zu einer Sprache wurde Latein ausgelöscht und die heutigen romanischen Sprachen übernahmen die Macht:

  • Französisch
  • Kastellanisch, Spanisch, Portugiesisch
  • Italienisch
  • Rumänisch

Es gibt auch politische Gründe für das Aussterben der lateinischen Sprache. Zwischen dem Mittelalter und der Renaissance etablierten sich die Grenzen der Königreiche der westlichen Länder. Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist das Lossagen von Latein als offizielle Sprache ein Mittel der Emanzipation und der Distanzierung von einem gescheiterten Kulturmodell, dem Römischen Reich.

Die Königreiche wurden mit ihrer jeweiligen Sprache intern vereint und unterschieden sich von anderen Mächten. In Frankreich wurde zum Beispiel 1539 schriftlich festgelegt, dass Französisch ab sofort für offizielle, juristische und rechtliche Texte verwendet werden muss. Von nun an wurde Französisch wichtiger als Latein.

Nur die katholische Kirche blieb der lateinischen Sprache noch lange treu. Erst im 20. Jahrhundert wurde die erste Messe in einer anderen Sprache als Latein gehalten, und zwar auf Italienisch. Seitdem haben Priester und Pfarrer das Recht, eine Messe auf ihrer Muttersprache zu halten.

Latein ist eine tote Sprache, aber mit Sicherheit nicht ausgestorben. Wenn Ihr mit einem Privatlehrer Latein lernen wollt, dann werdet Ihr davon wirklich profitieren können.

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