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Welche Ausbildung brauche ich, um im Kreativbereich tätig zu sein?

Von Anna, veröffentlicht am 20/08/2019 Blog > Kunst & Freizeit > Malerei > Welche Diplome und Bildungsnachweise braucht man als freischaffender Künstler?

“Ein Künstler, der viel Geld für seine Bilder bekommt, muss nicht unbedingt schlecht sein.”Markus Lüpertz

Im Jahr 2017 gab es rund 10.400 selbstständige bildende Künstler und Künstlerinnen in Deutschland. Dazu kommen zahlreiche Personen, die in modernen kreativen Bereichen (z.B. Medien & Kommunikation, Marketing usw.) tätig sind. Außerdem muss man als Künstler*in, Designer*in, Grafiker*in usw. natürlich nicht unbedingt selbständig sein, es gibt zahlreiche Personen, die in einem Anstellungsverhältnis kreativ arbeiten. Kurzum: Die Kreativszene in Deutschland boomt!

Doch wie sieht es aus mit den Ausbildungen, Abschlüssen, Diplomen, Zertifikaten usw. in diesem Bereich? Muss man – salopp gesagt – einen „Wisch“ in der Tasche haben, um als Künstler*in bzw. kreativer Kopf tätig zu sein? Und wenn ja, welche Möglichkeiten gibt es?

Lies jetzt weiter und finde es heraus …

Brauche ich einen Abschluss, um professionell zu zeichnen?

Immer mehr junge Menschen können sich vorstellen, beruflich etwas im Kreativbereich zu machen, gerne auch etwas, für das man gut zeichnen können muss. Dabei gibt es natürlich extrem viele Richtungen, in die man gehen kann. Von Architektur über Design bis hin zu Illustration ist alles dabei. Wenn nun also die Frage ist, ob man einen offiziellen Abschluss braucht, um in einem dieser (oder der vielen anderen) kreativen Berufe zu arbeiten, lautet die Antwort wie so oft: Es kommt darauf an.

Brauche ich eine formelle Ausbildung als Künstler? Wenn die Berufsbezeichnung nicht geschützt ist, brauchst Du im Prinzip auch keine Ausbildung, um in diesem Bereich tätig zu sein. | Quelle: Pixabay

„Worauf?“, fragst Du Dich jetzt vielleicht. Nun, die wichtigste Frage ist immer, ob ein Beruf geschützt ist, also ob es staatliche Vorgaben bzw. Berufskammern für den Beruf gibt, die einen gewissen Ausbildungsstandard vorschreiben und die Berufsbezeichnung entsprechend schützen. Bei vielen kreativen Berufen ist das nicht der Fall, es handelt sich dabei um freie Berufe, die nicht gesetzlich geschützt sind, also keiner Berufskammer angehören. Dies gilt insbesondere für solche Tätigkeiten, bei denen es hauptsächlich auf die Kreativität ankommt und die man sich auch mehr oder weniger selbst beibringen kann (mit dem nötigen Grundtalent, versteht sich): Maler*innen, Bildhauer*innen, Designer*innen, Fotograf*innen, Comiczeichner*innen usw.

Aber Vorsicht: Nur, weil eine Ausbildung nicht gesetzlich vorgegeben ist, um sich z.B. „Designer“ zu nennen, heißt es nicht, dass es von Arbeitgebern oder Auftraggeberinnen nicht gern gesehen wird, wenn man eine entsprechende Ausbildung, Studium oder sonstige Zertifikate und Diplome vorweisen kann. So gibt es für viele der oben genannten Berufe duale Ausbildungen, Studiengänge, Lehrgänge usw.

Doch es gibt auch geschützte Berufsbezeichnungen mit standardisierten Ausbildungs- oder Studiengängen, die man zwingend absolviert haben muss, wenn man diesen bestimmten Beruf ausüben möchte. So gibt es im Bereich Architektur beispielsweise die Architektenkammer, die einen nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässt. Eine davon ist z.B., dass man ein Architekturstudium absolviert haben muss (nur ganz selten Ausnahmefälle möglich).

Es gibt auch eine ganze Reihe eher technischer Berufe, die Zeichnen beinhalten, die von der Industrie- und Handelskammer abgedeckt werden, also nur über standardisierte Ausbildungsgänge erlernbar sind (zumindest, wenn man sich offiziell so nennen möchte). Dazu zählen beispielsweise Bauzeichner*in und Technische*r Produktdesigner*in.

Je nachdem, in welche Richtung Du genau gehen möchtest, solltest Du Dich also am besten umschauen, umhören oder auch eine Berufsberatung machen, um herauszufinden, wie und mit welcher Ausbildung/welchem Studium (falls überhaupt) Du Dein Ziel am besten erreichen kannst. Am Ende ist es so, dass in Deutschland trotz allem noch sehr viel Wert auf eine formelle Ausbildung gelegt wird (mehr als beispielsweise in den USA) und was man hat, das hat man!

Professionell Zeichnen – die Möglichkeiten sind extrem vielfältig

Wie schon angesprochen, gibt es extrem viele Richtungen, in die man gehen kann, wenn man künstlerisch und gestalterisch talentiert ist (und malen und zeichnen lernen möchte oder schon gelernt hat). Aus diesem Grund ist auch das Ausbildungsangebot extrem breit gefächert und überschneidet sich auch teilweise.

So gibt es manche Berufe, die man nur studieren kann, manche, die man traditionell in einer Berufsausbildung erlernt, aber auch einige, die in der Zwischenform, dem dualen Studium, erlernbar sind oder bei denen es sowohl als auch gibt: Ausbildung oder Studium. Dementsprechend ist es leicht, den Überblick zu verlieren. Wenn Du Dich für einen bestimmten Bereich interessierst, solltest Du Dich deshalb genau umsehen, welche Möglichkeiten es gibt und was davon am besten zu Dir passt!

Was kann ich alles im Kreativbereich machen? Schonmal daran gedacht, Florist*in zu werden? | Quelle: Pexels

Du fragst Dich, von welchen Berufen hier die Rede ist? Nun, die offensichtlichen oder beliebtesten haben wir schon genannt: Architekt*in, Maler*in, Fotograf*in, Grafikdesigner*in/Mediengestalter*in, Modedesigner*in, Comiczeichner*in … Aber hast Du schon mal an diese Berufe gedacht? > Game Designer*in, Storyboard Artist, (Kinderbuch-) Illustrator*in, Goldschmied*in, Graveur*in, Maskenbildner*in, Holzbildhauer*in, Glas- und Porzellanmaler*in …?

Welche Möglichkeiten gibt es jetzt also konkret, wenn man einen kreativen Beruf lernen möchte?

Made in Germany: die deutsche duale Berufsausbildung

In Deutschland sind wir stolz auf unser gutes Ausbildungssystem und Nachbarn wie Frankreich oder England schielen immer wieder neidisch zu uns herüber. Auch im gestalterischen Bereich kann man eine klassische duale Berufsausbildung in extrem vielen Berufsfeldern machen.

Diese sind in der Regel so aufgebaut:

  • Dauer: 2-3,5 Jahre
  • Praxisteil: Praktische Ausbildung im Ausbildungsbetrieb
  • Theorieteil: allgemeine und fachspezifische theoretische Bildung auf speziellen Berufsschulen

Das Gute an dieser Struktur ist, dass man nicht nur in der Theorie einen Beruf lernt, sondern von Anfang an in der Praxis mitarbeitet. So erhält man einen guten Überblick über die verschiedenen Aufgabenbereiche in diesem Berufsfeld, aber auch, welche Dinge in der Praxis zum Problem werden können. Weiteres Plus: Man erhält in der Ausbildungszeit schon einen Lohn (auch wenn dieser meist nicht sehr hoch ist). Wenn einem die Arbeit im Ausbildungsbetrieb gefällt und man sich gut anstellt, hat man oft auch die Chance, nach der Ausbildung gleich übernommen zu werden. Denn für die Arbeitgeberin ist es natürlich auch ein Vorteil, wenn man schon weiß, wie der Laden läuft …

Nach erfolgreichem Abschluss der Berufsausbildung erhält man ein Prüfungszeugnis (oder Kammerzeugnis), z.B. Gesellenbrief, sowie ein Berufsschulzeugnis und ein betriebliches Ausbildungszeugnis (vom Arbeitgeber). Damit hat man auf jeden Fall gut was in der Hand und ist für den Berufsalltag und die Bewerbung bei anderen Firmen gewappnet.

Du willst Dich danach noch weiterbilden, hast aber keine Lust auf ein Studium? Auch kein Problem: In vielen Berufen kann man danach noch spezifische Weiterbildungen und Zusatzkurse mit entsprechenden Zertifikaten machen, den/die Betriebswirt*in dranhängen oder in den technischen Berufen (z.B. Technische*r Produktdesigner*in) noch staatlich geprüfter Meister oder Techniker werden. Übrigens: Laut dem deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) befinden sich der Techniker und Meister auf Niveau 6, sind also gleichbedeutend wie ein Bachelor-Abschluss.

Welche Zeichenberufe kann ich als Ausbildung machen? Besonders technische Zeichenberufe macht am besten als Ausbildung oder duales Studium. | Quelle: Pixabay

Hier findest Du eine Übersicht, welche kreativen Berufe Du im Rahmen einer klassischen Berufsausbildung erlernen kannst (nach Kategorien geordnet).

Voll im Trend: das Duale Studium

Du möchtest alle Vorteile der dualen Ausbildung (Theorie & Praxis, Lohn usw.), am Ende aber einen Bachelor-Abschluss in der Tasche haben? Auch das ist möglich – mit einem dualen Studium!

Doch duales Studium ist nicht gleich duales Studium. Diese vier Studienmodelle gibt es:

  • Ausbildungsintegrierendes duales Studium: Das ist die Variante, an die man vermutlich als erstes denkt, wann man „duales Studium“ hört. Man studiert dabei an einer Hochschule (in der Regel einen Bachelor) und macht parallel eine Berufsausbildung in einem Betrieb.
  • Praxisintegrierendes duales Studium: Bei dieser Variante macht man ein duales Studium an einer passenden Hochschule oder Akademie und führt die Praxisphasen als Langzeitpraktikum in einem Betrieb oder mehrere kurze Praktika in unterschiedlichen Unternehmen durch.
  • Berufsintegrierendes duales Studium: Diese Option ist nur für Personen interessant, die schon eine abgeschlossene Berufsausbildung in der Tasche haben. Man reduziert die Arbeitszeit beim aktuellen Arbeitgeber und nutzt die dadurch gewonnene Zeit fürs Studium. Diese Variante ist natürlich nur möglich, wenn Dich Deine Arbeitgeberin in Deinem Weiterbildungsvorhaben unterstützt.
  • Berufsbegleitendes duales Studium: Diese Art des dualen Studiums ist fast wie die zuvor, außer, dass die Arbeitszeit nicht reduziert wird, man also voll arbeitet und nebenher studiert; eigentlich wie bei einem Fernstudium. Der Unterschied ist, dass der Arbeitgeber bewusst mit einbezogen wird (und sich vielleicht auch finanziell beteiligt), weil das Studium – und damit Deine Weiterbildung – einen konkreten Mehrwert für das Unternehmen bringt.

Dual studieren kannst Du im gestalterischen Bereich z.B. „Grafikdesign“, „Mediendesign“, „Management und Digitalisierung“, „Digitale Medien“, „Marketing“, „Medien- und Kommunikationswissenschaften“, „Dialog- und Onlinemarketing“, aber auch Architektur.

Gestalten an der Hochschule: Kunst studieren

Du möchtest es lieber klassisch? Dann kannst Du natürlich alle möglichen künstlerischen Fächer an einer Hochschule studieren! In den allermeisten Fällen wird Dich ein solches Studium in Richtung Bachelor of Arts (BA) oder danach vielleicht sogar noch Master of Arts (MA) führen. Wenn Du möchtest, kannst Du an einer Universität natürlich auch noch promovieren (den Doktortitel machen), aber dann bleibt man eher in Forschung und Lehre und ist nicht hauptberuflich selbst künstlerisch tätig (aber vielleicht nebenher).

Bekannte Kunsthochschulen in Deutschland sind:

  • Alfter: Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft
  • Berlin: Kunsthochschule Berlin-Weißensee
  • Berlin: Universität der Künste Berlin
  • Braunschweig: Hochschule für Bildende Künste Braunschweig
  • Bremen: Hochschule für Künste Bremen
  • Dresden: Hochschule für Bildende Künste Dresden
  • Düsseldorf: Kunstakademie Düsseldorf
  • Essen: Folkwang Universität der Künste
  • Essen: Hochschule der bildenden Künste Essen
  • Frankfurt am Main: Academy of Fine Art Germany
  • Frankfurt am Main: Staatliche Hochschule für Bildende Künste – Städelschule
  • Freiburg im Breisgau: Staatliche Akademie der Bildenden Künste Freiburg
  • Halle (Saale): Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
  • Hamburg: Hochschule für bildende Künste Hamburg
  • Karlsruhe: Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
  • Karlsruhe: Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe
  • Kassel: Kunsthochschule Kassel
  • Kiel: Muthesius Kunsthochschule
  • Köln: Kunsthochschule für Medien Köln
  • Leipzig: Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
  • Mainz: Kunsthochschule Mainz
  • München: Akademie der Bildenden Künste München
  • Münster: Kunstakademie Münster
  • Nürnberg: Akademie der Bildenden Künste Nürnberg
  • Offenbach am Main: Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main
  • Ottersberg: Hochschule für Künste im Sozialen Ottersberg
  • Plauen: Staatliche Kunstschule für Textilindustrie Plauen
  • Saarbrücken: Hochschule der Bildenden Künste Saar
  • Stuttgart: Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
  • Weimar: Bauhaus-Universität Weimar

Natürlich gibt es auch zahlreiche private Ausbildungseinrichtungen (Schulen, Akademien, Kollegs usw.), die entsprechende Studiengänge anbieten.

Kann ich Kunst auch an der Uni studieren? Du kannst Kunst natürlich auch ganz klassisch an der Uni studieren. | Quelle: Pixabay

An einer Hochschule kannst Du alle üblichen Formen der bildenden Kunst studieren (Malerei, Bildhauerei, Design, Fotografie usw.), aber auch neuere Formen der (v.a. digitalen) Gestaltung, wie Game Design, Storyboarding, Kommunikationsdesign, Digital Design, Animation, VFX usw.

Du möchtest Kunst studieren, aber mit dem Ziel, Kindern und Jugendlichen die Freude am Gestalten zu vermitteln? Dann kannst Du auch Kunst auf Lehramt (z.B. fürs Gymnasium) studieren (in Bayern z.B. Abschluss: Staatsexamen) oder (in vielen anderen Bundesländern) an Dein Bachelor-Grundstudium einen Master of Education Kunst anhängen.

Wenn Du nicht unbedingt an einer klassischen Schule unterrichten willst, findest Du auch andere Studiengänge, die Kunst und Pädagogik beinhalten, z.B. „Kunstpädagogik“, „Ästhetische Erziehung“, „Kunsterziehung“, „Freie Malerei und Kunsterziehung“ usw.

Sonstige Weiterbildungen: Man lernt nie aus

Du interessierst Dich für den künstlerischen Bereich, bist aber eigentlich schon erfolgreich in einem anderen Feld beruflich tätig und eine Ausbildung, geschweige denn ein Studium kommt deshalb nicht für Dich infrage? Dann kannst Du auch einfach eine weniger zeitaufwendige Fortbildung bzw. Zusatzqualifikation in einem künstlerischen Bereich machen und dafür ein Zertifikat bekommen.

Ein Beispiel ist das Kunstkolleg der VHS Freiburg, an dem  Du nach einer zweijährigen Qualifikationsstufe ein entsprechendes Zertifikat erwerben kannst. Natürlich kann es aber auch noch weniger formell sein: Zahlreiche private Einrichtungen und auch Volkshochschulen biete Kurse für Hobbykünstler*innen oder solche, die es werden wollen an und stellen einem dann einfach eine Teilnahmebescheinigung aus.

Du siehst also: Du hast alle Möglichkeiten und Optionen, Du musst Dich einfach nur trauen!

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