Es ist weithin bekannt, dass es verschiedene Lernschwächen bzw. Teilleistungsschwächen gibt, die dazu führen, dass manche Kinder in bestimmten Fächern nicht so gut mitkommen.

Das sagt aber nichts über ihre allgemeine Intelligenz aus! Es ist tatsächlich einfach so, dass bestimmte Areale des Gehirns, die für spezielle Aufgaben oder Verarbeitungsprozesse zuständig sind, nicht so arbeiten wie bei einem Durchschnittsmenschen.

Die bekannteste dieser Teilleistungsschwächen ist die Lese-Rechtschreib-Schwäche, die Legasthenie. Dabei fällt einem das Lesen und Schreiben schwer. Doch es gibt noch eine Art Verwandten, und zwar die Dyskalkulie, die Rechenschwäche.

Im Gegensatz zur Legasthenie hat man dabei keine Probleme mit Sprache, Wörtern und deren Rechtschreibung, sondern mit Zahlen. Was kann man sich unter einer Rechenschwäche vorstellen?

Dyskalkulie-Merkmale – wie zeigt sich eine Rechenschwäche?

Normalerweise haben Kinder ab einem gewissen Alter (ca. Kindergartenalter bzw. auch schon etwas früher) ein ganz natürliches Verständnis für Mengen.

Das Gehirn kann kleine Mengen auf einen Blick erfassen, z.B. dass dort drei Bauklötzchen liegen. Bei Kindern mit Dyskalkulie ist das nicht der Fall. Für sie sind Mengen abstrakt. Sie werden nicht automatisch erfasst, sondern müssen mühsam einzeln abgezählt werden.

Später, wenn man in der Vorschule oder 1. Klasse Zahlen lernt, fällt es Kindern mit Rechenschwäche schwer, sich diese einzuprägen bzw. eine bestimmte Menge damit zu verbinden. Während Menschen ohne Dyskalkulie eine Zahl sehen und sofort im Kopf die Menge damit verbinden, sind Ziffern für Personen mit Rechenschwäche einfach abstrakte Zeichen, mit denen sie nichts assoziieren können.

Ein bisschen so, wie wenn wir Hieroglyphen sehen und uns das Zeichen zwar ansehen und vielleicht sogar einprägen können, es aber einfach keine Bedeutung für uns hat.

Wie kann man Dyskalkulie erkennen?
Viele Menschen haben Probleme mit Mathe – nicht immer handelt es sich dabei um eine Dyskalkulie. | Quelle: Unsplash

Das zieht sich dann natürlich durch den Mathe-Unterricht der gesamten Schullaufbahn: Wenn man Ziffern nicht zuordnen und Mengen nicht erfassen kann, werden in der 3. Klasse und 4. Klasse auch die Grundrechenarten Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division zur Tortur.

Logische Zusammenhänge zwischen Zahlen und Mengen können nicht richtig erfasst werden und Rechenaufgaben müssen mühsam einzeln Schritt für Schritt gelöst werden. Typisch ist bei der Multiplikation auch, dass das kleine Einmaleins auswendig gelernt wird, in der Praxis dann aber nicht angewandt werden kann.

Hier eine Übersicht der Schwierigkeiten, mit denen sich Personen mit Dyskalkulie herumplagen:

  • Mühe mit dem Zählen, auch bei einfachen Aufgaben.

  • Rückwärts zählen ist besonders schwer.

  • Insbesondere Minus-Aufgaben fallen schwer.

  • Umgekehrt wirkende Rechenregeln werden nicht genutzt (z.B. 3+1=4; 4–1 wird neu gezählt/gerechnet).

  • Zahlen werden häufig vertauscht (z.B. 14 statt 41).

  • Mühsam eingeübte Rechenprozesse gehen nach kurzer Zeit wieder vergessen.

  • Einmaleins-Reihen werden vielleicht auswendig gelernt, können dann aber nicht angewendet werden.

  • Die Rechenarten (+, -, x, :) werden häufig verwechselt.

  • Im Umgang mit Geldbeträgen, Uhrzeiten und Maßeinheiten (z.B. Längen, Gewichte usw.) gibt es große Schwierigkeiten.

  • Schwierigkeiten mit Mengen und Verhältnissen wie "größer als" oder "kleiner als".

  • Textaufgaben werden nicht verstanden und es kann keine Rechnung dazu aufgestellt werden.

  • Mathematik-Hausaufgaben werden gemieden und Klassenarbeiten lösen großen Stress aus. So kommt es häufig auch zu psychosomatischen Symptomen (z.B. Kopfschmerzen oder Übelkeit).

Was tun bei Rechenschwäche? – Dyskalkulie-Förderung für Kinder im Kindergartenalter

Es ist gar nicht so einfach, eine Dyskalkulie zu erkennen und testen zu lassen. Gerade bei kleinen Kindern findet man durch Gespräche noch nicht so viel heraus, und weiß bei Schwierigkeiten mit Zahlen und Mengen nicht, ob es einfach noch etwas zu früh ist, also die Entwicklung des Kindes einfach noch nicht so fortgeschritten ist, und das dann "schon noch kommt", oder ob es sich vielleicht wirklich um eine Dyskalkulie handeln könnte.

Es bietet sich deshalb an, spätestens ab dem Kindergartenalter immer wieder kleine Zahlen- und Rechenspiele einzubauen, z.B. beim Tischdecken, beim Einkaufen oder mit speziellen Lernspielen. So können Eltern einen ersten Eindruck erhalten, wie es um die Rechenfähigkeiten ihres Kindes bestellt ist.

Natürlich ist es dann auch hilfreich, das Gespräch mit der Erzieherin oder dem Erzieher zu suchen. Geschulte Pädagogen können meist am besten einschätzen, ob ein Kind eine normale Entwicklung bzw. Probleme beim Lernen, Rechnen (und später auch Lesen oder Schreiben) aufzeigt.

Gemeinsam kann man dann überlegen, ob man den nächsten Schritt geht und das Kind von einem Kinderpsychiater oder -psychologin auf Dyskalkulie testen lässt. Dafür gibt es eine spezielle Diagnostik, die nicht nur mit Rechenaufgaben, sondern auch Gesprächen und Beobachten des Kindes beim Lösen von mathematischen Problemen arbeitet.

Wie kann man mit Dyskalkulie Einmaleins lernen?
Für Kinder mit Dyskalkulie sind alle Zahlen-Übungen schwieriger. | Quelle: Pixabay

Das klingt jetzt sehr kompliziert, aber natürlich ist die Diagnostik auf das Alter des Kindes bzw. die Klassenstufe angepasst.

Wenn dann die Diagnose Dyskalkulie vorliegt, geht es an die Förderung. Denn das ist die gute Nachricht: Man kann eine Rechenschwäche (ebenso wie eine Lese-Rechtschreib-Schwäche) sozusagen behandeln oder das Kind zumindest so fördern, dass es später im Fach Mathematik nicht allzu sehr hinterherhinkt.

Allerdings muss man dazu sagen, dass es eher selten ist, dass eine Dyskalkulie schon im Kindergartenalter festgestellt wird. Klar, die Rechenstörung liegt zu der Zeit bereits vor (man geht davon aus, dass sie angeboren, vielleicht sogar teilweise erblich ist), aber bevor es in der Schule an die Grundrechenarten geht, ist es meist schwierig, festzustellen, ob es sich bei den Problemen mit Zahlen und Mathematik um einen einfachen Entwicklungsrückstand handelt oder eben um eine echte Rechenstörung.

Sollte es aber tatsächlich so sein, dass man schon früh Verdacht schöpft und die Diagnose Dyskalkulie erhält, ist das gar nicht schlecht, denn kann man auch früh eingreifen und das Kind individuell fördern, bevor es in die Schule kommt.

Dies ist besonders für kleine Kinder wichtig, damit sie in der Schule nicht plötzlich überrascht sind, wenn sie schlechter abschneiden als die Klassenkameradinnen und -kameraden, oder vielleicht sogar gehänselt werden.

Die Gefahr bei Teilleistungsschwächen wie der Rechenstörung und Lese-Rechtschreib-Schwäche ist nämlich oft, dass sich das Kind "dumm" fühlt (oder vielleicht sogar von Gleichaltrigen so bezeichnet wird) und zusätzlich zu den fachlichen Kompetenzen das Selbstbewusstsein und somit auch die psychische und emotionale Entwicklung leidet.

Deshalb ist es besonders wichtig, dem Kind klar zu machen, dass es "normal" ist, besondere Fähigkeiten in anderen Bereichen hat, und einfach beim Rechnen und Lernen von mathematischen Zusammenhängen etwas mehr Hilfe braucht. Besonders im Kindergartenalter passiert die Dyskalkulie-Förderung meist spielerisch, sodass das Kind Spaß dabei hat und fast wie nebenbei lernt.

Dabei hilft natürlich auch, dass im Gegensatz zur Schule noch kein Leistungsdruck besteht. Und auch die Eltern können zu Hause ihren Beitrag leisten, indem sie mit dem Kind Rechenspiele spielen und genauso wie zur Diagnostik kleine Rechenaufgaben in den Alltag einbauen.

Dabei können sich Eltern auf speziellen Webseiten und natürlich in der Kita Tipps & Tricks zur Dyskalkulie-Förderung holen.

Rechenstörung – Rechenschwäche-Förderung ab der 1. Klasse

Wie bereits erwähnt, wird eine Rechenschwäche meist erst im Grundschulalter erkannt, wenn es nämlich an die Grundrechenarten geht.

Wenn das der Fall ist, also der/die Lehrer*in bzw. ihr als Eltern das Gefühl habt, es könnte eine Rechenstörung vorliegen, und ihr lasst diese in einem Diagnostik-Zentrum bzw. beim Kinderpsychologen testen und diagnostizieren, geht es danach an die Förderung bzw. Dyskalkulie-Therapie.

Welche Dyskalkulie Übungen macht man in der Dyskalkulie Nachhilfe?
Gezielte, individuelle Förderung ist die beste Form der Dyskalkulie-Therapie.

Eine Dyskalkulie-Therapie besteht dabei meist aus spezieller Nachhilfe in Kleingruppen oder sogar als Einzelunterricht.

Ziel ist es, folgende Punkte zu fördern:

  • Zahlen- und Mengenverständnis
  • Training der visuellen Wahrnehmung (Auge-Hand-Koordination, Figur-Grund-Differenzierung)
  • Verbesserung der Lernvoraussetzungen (Grob- und Feinmotorik, Wahrnehmung, Konzentrationsfähigkeit, Entspannung, Selbsteinschätzung)

Wichtig ist dabei, dass normale Nachhilfe im Fach Mathematik nicht ausreicht! Der Schüler/die Schülerin braucht eine spezielle Förderung, die über die normale Nachhilfe hinausgeht.

Klar, viele haben Schwierigkeiten in Mathematik, aber bei einem "normalen" Schüler ist das "Rechenzentrum" des Gehirns nicht beeinträchtigt. So kann er mit normaler Nachhilfe schneller verstehen, wie man bestimmte Dinge berechnet.

Eine Schülerin, die an einer Rechenstörung leidet, hat dagegen ganz andere Grund-Schwierigkeiten und braucht deswegen auch eine intensive Förderung, die individuell auf sie abgestimmt ist. Dabei muss einem als Eltern klar sein: Die Rechenschwäche-Therapie ist keine einmalige Sache, die dann abgeschlossen ist. Die Rechenstörung kann nicht in dem Sinne "geheilt" werden.

Vielmehr geht es darum, kontinuierlich am Ball zu bleiben und der Rechenschwäche systematisch und mit Geduld entgegenzuwirken, sodass sie so weit ausgeglichen werden kann, dass der Schüler einigermaßen mitkommt in Mathe, und vor allem auch ein Grundverständnis für Zahlen und Mengen, das er fürs spätere Leben braucht, aufbauen und entwickeln kann.

Gut zu wissen: Für die Dyskalkulie-Förderung sind in der S3-Leitlinie klare Richtlinien festgelegt. Es ist wichtig, dass die Förderung symptomspezifisch ist, das bedeutet, dass direkt an den Schwierigkeiten beim Rechnen angesetzt wird. Wann immer möglich, sollten außerdem nur Förderprogramme genutzt werden, die wissenschaftlich evaluiert sind (deren Wirksamkeit also belegt ist).

Schau Dich am besten mal im Internet um und hol Dir wertvolle Tipps, was Du bei der Lerntherapeuten-Suche beachten solltest!

Rechenschwäche bei Erwachsenen – Dyskalkulie-Therapie noch möglich?

Wenn eine Rechenstörung nicht bereits im Kindesalter entdeckt wird, nimmt man diese natürlich mit ins Erwachsenenalter. Doch auch dann ist eine Therapie der Rechenschwäche noch sinnvoll, insbesondere, wenn einen diese Teilleistungsschwäche im Alltag behindert (z.B. beim Umgang mit Geld, Maßeinheiten usw.).

Am besten wendet man sich an einen Psychiater oder an eine Psychologin und holt sich verschiedene Tipps und Angebote, wie man die Störung am besten angehen und ausgleichen kann. Hier findest du einen Dyskalkulie-Test für Erwachsene.

Viel Erfolg!

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Anna

Man lernt nie aus ...