Die Geige ist seit der Barockzeit eines der typischen Instrumente in der klassischen Musik, das in Orchestern vertreten ist und mit reichlich Solo-Literatur bedacht wurde. Schnell fallen einem in diesem Zusammenhang Namen wie Vivaldi, Beethoven oder Paganini ein. Aber wie ging es nach der Epoche der Romantik mit der klassischen Musik weiter? Und gibt es Stücke für Geige oder Streichorchester, die nach 1900 komponiert wurden?

In diesem Artikel widmen wir uns der Geige in der ernsten Musik der Moderne. Nach einem kurzen Überblick über die musikalischen Entwicklungen um die Jahrhundertwende und der Begriffsklärung, begeben wir uns auf eine Reise durch das 20. Jahrhundert, um zum Abschluss einen Blick auf Kompositionen der letzten 20 Jahre zu werfen.

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Und los geht's

Die Welt im Umbruch – Musik der Moderne

Die Zeit um 1900 war in Europa vor allem von einer nie zuvor gesehenen rasanten Entwicklung geprägt. Die Industrialisierung hatte die Lebensweise der Menschen stark verändert. Menschliche Handarbeit wurde vermehrt durch Maschinen ersetzt, wodurch mehr und schneller produziert werden konnte. Die Selbstversorgung trat in den Hintergrund, da nun immer mehr Leute ihren Lebensunterhalt in einem Anstellungsverhältnis verdienten.

Die Eisenbahn erlaubte den unkomplizierten Transport von Gütern und ein bequemes Reisen. Durch die Telegrafie konnten Informationen in Windeseile über weite Distanzen ausgetauscht werden. Ab den 1880er Jahren wurden mit der beginnenden Elektrifizierung die laufenden Prozesse weiter beschleunigt.

Im 19. Jahrhundert war die Welt lauter und schneller geworden. Diese Veränderungen schlug sich auf die Kunst nieder. Die Künstler*innen aus allen Sparten suchten nach neuen Formen und Ausdrucksmöglichkeiten, um die veränderte Realität abzubilden und oder zu reflektieren. Grob werden die zahlreichen neu aufkommenden künstlerischen Strömungen um die Jahrhundertwende unter dem Begriff „Avantgarde-Kunst“ zusammengefasst.

Ein junger Mann bedient in einer Fabrik eine Maschine und wird von einem Herrn im Anzug beobachtet.
Die durch die Industrialisierung veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen schlugen sich auch auf die Kunst nieder. | Quelle: Museums Victorias via Unsplash

Verschaff dir hier einen Überblick über moderne Musik für Geige und Kontrabass.

Die E-Musik um die Jahrhundertwende

Im deutschen Sprachraum wird häufig zwischen E-Musik (ernste Musik) und U-Musik (Unterhaltungsmusik) unterschieden. Während die Bezeichnung „U-Musik“ alle populären und kommerziellen Musikstile, wie Pop, Rock, Schlager aber teilweise auch Jazz und Volksmusik zusammenfasst, steht „E-Musik“ für die europäische Kunstmusik, die wir umgangssprachlich auch „klassische Musik“ nennen.

Unter dem Begriff „Neue Musik“ werden Richtungen und Strömungen der E-Musik ab der Avantgarde bis heute zusammengefasst.

In der Kunst war das 19. Jahrhundert die Epoche der Romantik. In Bezug auf die Musik sind die wichtigsten romantischen Merkmale die Auflösung der strengen Formen der Wiener Klassik, die Betonung des Innenlebens und der Emotionen der Menschen sowie auch das Verknüpfen verschiedener Kunstsparten untereinander.

Der Übergang von der Romantik in die Moderne verlief fließend. So wird beispielsweise der ab 1890 aufkommende Impressionismus je nach Betrachtungsweise mal der einen, mal der anderen Epoche zugeordnet. Für eine Einordung in die Moderne spricht vor allem die Hinwendung von der musikalischen Form zum Klangbild, das eine äußerlich wahrgenommene Stimmung oder Atmosphäre vermitteln soll. Auch verlangen die meisten Kompositionen nach eher kleinen Orchestern und Formationen, während im Laufe der Romantik die Orchester immer größer geworden waren.

Ein bezeichnendes Werk für Solo-Geige stammt von Claude Debussy, einem der wichtigsten Vertreter des französischen Impressionismus. Seine dreisätzige Sonate für Violine und Klavier (1917) grenzt sich strikt von der deutschen Spätromantik ab und verwendet stattdessen Formen der französischen Vorklassik. Überraschende Akkordfolgen und eine ausgeprägte Dynamik machen die Sonate zu einem intensiven Klangerlebnis.

Zwischen der romantischen Tradition und dem Impressionismus, wie er bei Debussy zu hören ist, anzusiedeln ist die Violinsonate D-Dur, op. 11 Nr. 2 von Paul Hindemith (1918). Während der erste Teil als eine Fortführung der deutschen Spätromantik im Stile von Max Reger gesehen werden kann, weist der zweite eindeutig impressionistische Züge auf. Der abschließende dritte Teil lässt schließlich auf moderne Weise barocke Volkstänze anklingen.

Ab 1906 entstand eine Gegenbewegung zum Impressionismus, die in jedem Sinne charakteristisch für die Kunst um die Jahrhundertwende ist: der Expressionismus. Dieser hat zum Ziel die inneren Regungen des Menschen möglichst authentisch abzubilden. Die bis anhin in der Musik geltenden Formen und Regeln wurden nun vollständig aufgelöst.

Eine freie Rhythmik, gebrochene Melodielinien, Atonalität und eine extreme Dynamik gehören zu seinen charakteristischen Merkmalen. Ein beispielhaftes Werk des Expressionismus für Violine sind die Vier Stücke für Geige und Klavier, op. 7 (1910) von Anton Webern.

Schwierig einzuordnen ist Béla Bartòk, der bedeutendste ungarische Komponist der Moderne. Er bewegte sich zwischen Einflüssen aus der Volksmusik, der Bewunderung für Impressionisten wie Claude Debussy und Maurice Ravel und expressionistischen Elementen wie der Atonalität. Bei Bartòk lässt sich eine Vielzahl von Werken für Violine finden, die charakteristisch für die jeweiligen Schaffensphasen sind.

Als Beispiel für Bartòks Vielseitigkeit sei hier das 2. Violinkonzert, Sz. 112 (1938), das zu den meist gespielten Konzerten für Geige überhaupt gehört, genannt.

Die Wiener Schule um Arnold Schönberg

Der musikalische Expressionismus sowie viele weiteren Entwicklungen der Neuen Musik, gehen in großem Maße auf den Komponistenkreis zurück, der sich ab 1904 um Arnold Schönberg zu formieren begann. Neben anderen gehörten Alban Berg und Anton Webern zu den frühen Schülern Schönbergs.

Die Wiener Schule grenzt sich, im Gegensatz zu anderen künstlerischen Richtungen dieser Zeit, nicht vehement von der vorangegangenen Romantik, sondern versteht sich als Fortführung der Tradition frühere Epochen. Die radikale Änderung, die sie in die Musik einführte und die vom Publikum zunächst zu vehement abgelehnt wurde, war die Entwicklung der Zwölftontechnik durch Arnold Schönberg.

Die Zwölftonmusik resultierte aus Schönbergs Bestreben ein Ordnungsprinzip für die atonale Musik zu finden. Die grundlegende Idee der Zwölftontechnik ist, dass alle zwölf Töne der chromatischen Tonleiter gleichberechtigt behandelt werden. So darf ein Ton aus einer Zwölftonreihe erst wiederholt werden, wenn alle anderen auch einmal gespielt wurden.

Ein bekanntes Werk für Geige, das auf einer Zwölftonreihe basiert, ist das Konzert für Violine und Orchester „Zum Andenken eines Engels“ des Schönberg Schülers Alban Berg aus dem Jahr 1935.

Erfahre hier alles über moderne Stücke für Kontrabass.

Neoklassizismus

Ab den 1920er Jahren begann sich eine künstlerische Strömung herauszubilden, die sich den Änderungen, die bereits die Romantik angestoßen hatte und vom Impressionismus und Expressionismus fortgesetzt wurde, entgegensetze. Der Neoklassizismus besann sich zurück auf die Satztechniken, Formen und Gattungen der Klassik und des Spätbarock.

Zu den wichtigen Vertretern dieser Richtung gehören die russischen Komponisten Igor Strawinsky, Sergej Prokofiev und Dmitri Schostakowitsch. Sowohl Strawinsky als auch Prokofiev verließen Russland im Zuge der Oktoberrevolution und lebten beide zeitweise in Frankreich und den USA.

Sergej Prokofiev kehrte bereits 1936 wieder endgültig zurück und wurde neben Schostakowitsch zu einem der bedeutendsten Komponisten der frühen Sowjetunion. Sie waren die führenden Figuren in der Herausbildung eines sowjetisch-russischen Nationalstils, der auf die russischen Traditionen des 19. Jahrhunderts zurückbesinnt und durch ihre Zugänglichkeit einen gesellschaftlichen Auftrag erfüllen sollte.

Beispielhaft für Prokofjews Entwicklung kurz vor seiner Rückkehr ist das 2. Violinkonzert in g-Moll, op. 63 (1935), das eine klassische Form aufweist, nach den Maßstäben seiner „neuen Einfachheit“ komponiert ist und dennoch einen teilweise höchst virtuosen Solo-Part aufweist.

Nach Virtuosität verlangt auch Strawinskys Violinkonzert in D (1931), das auf barocke Formen aufbaut und gleichzeitig die solistischen Möglichkeiten der Geige so weit auskostet, dass sie fast schon zu einer Karikatur werden.

Schostakowitschs erstes Violinkonzert, das Konzert für Violine und Orchester a-Moll, op. 77 entstand in den Jahren 1947-48, wurde aber erst 1955 uraufgeführt. Mittlerweile gehört es zu seinen bekanntesten Werken überhaupt. Es bewegt sich, wie Schostakowitschs Leben, zwischen der Obrigkeit gefälligen klassischen Formen und einem starken persönlichen Ausdruck, der alte Regeln sprengt.

Die Geige in der Neuen Musik nach 1945

Nachdem der Faschismus und der Zweite Weltkrieg weitere Entwicklungen in der Neuen Musik fast vollkommen ausgebremst hatten, erhielt sie ab den 1950er Jahren einen neuen Aufschwung. Die Zeit des Experimentierens und Schaffen neuer Prinzipien war angebrochen. Wichtige Konzepte waren unter anderen:

  • serielle Musik: direkte Fortsetzung der Zwölftonmusik
  • Aleatorik: Komposition oder Interpretation nach dem Zufallsprinzip
  • Minimal Music: repetitive Struktur, einfache Harmonik, Vermeidung von Spannungsaufbau

Mit dem Entstehen der elektronischen Musik und der konkreten Musik, die hauptsächlich mit verfremdeten Geräuschen und Klängen arbeitet, traten die klassischen Instrumente wie die Geige in den Hintergrund. Wenn in der Neuen Musik klassische Instrumente verwendet werden, wird häufig nach neuen Spieltechniken verlangt, die alle möglichen Arten der Klangerzeugung auskundschaften.

Zudem geben viele postmoderne Komponisten die Instrumentierungen nicht mehr vor. Es finden sich dann auf den Partituren Bezeichnungen wie „für einen Solisten“ oder „für ein Melodieinstrument“.

Explizit für Geige komponiert wurden unter anderem:

  • Hans Werner Henze: Zweites Violinkonzert (1971)
  • Karlheinz Stockhausen: In Freundschaft für Violine, 46 5/6 (1977)
  • Philip Glass: Violin Concerto No. 1 (1987)
  • John Cage: Freeman Etudes (1977-1980)
  • Pierre Boulez: Anthèmes 2 für Violine und Elektronik (1997)

 

Hinsichtlich ihrer Stellung als "anspruchsvolle" Musik erhielt die Neue Musik Konkurrenz von verschiedenen Formen des Jazz, die ähnlich experimentierfreudig, innovativ und oft auch in ihrer Musikalität sehr komplex sind. Dies mag einer der Gründe sein, warum die zeitgenössische E-Musik vielen Menschen gänzlich unbekannt sind; während von Jazz auch diejenigen, die ihn selbst nicht hören, in der Regel wissen, dass es ihn gibt.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts kamen neben dem Jazz auch populäre Musikstile wie Pop und Rock auf und gewannen, zunächst bei jüngeren Menschen, zunehmend an Beliebtheit. Durch die neuen Möglichkeiten der Verbreitung von Musik wie Schallplatten, Radio und Fernsehen, konnten sie sich weltweit etablieren und so wurde die Rock- und Pop-Musik zu dem wohl beliebtesten Genre überhaupt. Die Klassik geriet dabei aber auch bei der breiten Bevölkerung nicht in Vergessenheit. In unzähligen bekannten Pop- und Rock-Songs kommt eine Geige oder ein ganzes Streichorchester zum Einsatz; häufig in einem klassischen Arrangement oder in Anlehnung an bekannte klassische Werke.

Die elektrische Geige macht es möglich einen neuen, modernen Violinen-Klang zu schaffen. Viele bekannte klassische Violinisten haben das für sich entdeckt und Aufnahmen eingespielt, die sich zwischen Pop und Klassik bewegen. Seien es bekannte klassische Werke, die auf der E-Geige virtuos gespielt und von einem Pop-Sound begleitet werden oder neue Kompositionen, die in Anlehnung an beide Genres geschrieben wurden, die Klassik hat ihren Weg in die Popularmusik gefunden.

Du interessierst dich für die Rolle der Geige in der Pop- und Rock-Musik? Wir haben eine Liste von bekannten Songs mit Violine zusammengestellt.

Zeitgenössische E-Musik im 21. Jahrhundert

Die Jahrtausendwende brachte in der E-Musik keine plötzliche und einschneidende Änderung mit sich. Vielmehr setzt sich bis heute weiter fort, was ab den 1950er Jahren in Gang gekommen war: das Experimentieren mit neuen Formen und Klangerlebnissen sowie den, sich laufend entwickelnden, Möglichkeiten der Technik.

  • Peteris Vasks: Violinkonzert „Distant Lights“ (2005)
  • Mikhail Bronner: Violinkonzert No.2 "Heaven's Gate" (2001)
  • Henri Dutilleux: Sur le même accord - Nocturne pour violon et orchestre (2002)
  • John Adams: Dharma at Big Sur (2003)
  • Michael Daugherty: Fallingwater, Concerto for violin and string orchestra (2013)

Vermehrt ist insbesondere bei jüngeren Komponist*innen wieder eine Politisierung zu beobachten. Bereits in den 1970er Jahren hatten sich Vertreter*innen der Neuen Musik gesellschaftspolitischen Fragen zugewandt und sie in ihren Werken verarbeitet. Nachdem die 90er Jahre als vollkommen unpolitisch beschrieben werden können, erhielt die Politisierung der Musik in den letzten zwanzig Jahren wieder einen Aufwind, was nicht zuletzt der Digitalisierung und den damit verbundenen Urheberrechtsfragen zuzuschreiben ist.

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Chantal

Die Entdeckungsreise des Lebens führte mich von Bern über Berlin in die Bretagne. Theater und Musik sind mein Zuhause, Neugier und Leidenschaft mein Antrieb.