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Das Osmanische Reich, eine fast vergessene Dynastie

Von Karl Heinz, veröffentlicht am 14/05/2019 Blog > Nachhilfe > Geschichte > Alles, was Du schon immer über das osmanische Reich wissen wolltest!

Wir vergessen oft das Osmanische Reich, wenn wir uns die Geschichte Europas im 16. Jahrhundert ansehen. Wir beschäftigen uns oft mehr mit den Entwicklungen im Christentum, mit dem Aufstieg der spanischen, britischen und niederländischen Reiche, wie mit der Erforschung der Neuen Welt.

Doch die Osmanen waren nicht nur ein Haufen muslimischer Krieger, mit denen Europa jahrhundertelang kämpfte. Das Interessanteste an ihnen sind  auch nicht die  Legenden vom Sultan, der als gewöhnlicher Mann verkleidet nachts auf den Straßen herum schleicht. Oder die endlosen Geschichten vom königlichen Brudermord (Töten der eigenen Geschwister) oder von Prinzen, die mit mehreren Frauen liiert waren.

Vielmehr war das Osmanische Reich ein sehr erfolgreiches, kulturell reiches und relativ liberales politisches Imperium, dessen Erbe bis heute spürbar ist.

Aufstieg , Höhepunkt und Niedergang des Osmanischen Reiches

Osmanisches Reich: von Ungarn im Norden bis nach Aden im Süden und von Algerien im Westen bis zur iranischen Grenze im Osten Das Osmanisches Reich während seiner größten Ausdehnung | Quelle: Pixabay

Der Sultan regierte in Istanbul dem Zentrum des Osmanischen Reiches. Das osmanische Imperium bestand etwa  von 1301 bis 1922, also sechs Jahrhunderte, und brach erst nach dem ersten Weltkrieg zusammen.

Das gesamte Reich erstreckte sich von Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika, bis hin zum heutigen Ägypten. Auch Länder wie Bulgarien, Rumänien, Griechenland, Ungarn, Mazedonien, Palästina, Jordanien, Syrien und Libanon gehörten zum Osmanischen Reich. Es reichte von Ungarn im Norden bis nach Aden im Süden und von Algerien im Westen bis zur iranischen Grenze im Osten.

Vielleicht haben Sie schon von Suleiman dem Prächtigen gehört – der im 16. Jahrhundert zwischen 1520 und 1566 regierte. Diese Jahre sind als das Goldene Zeitalter des Osmanischen Reiches bekannt, zu einer Zeit, als er versuchte, Gebiete in Persien, Österreich und Russland zu erobern.

Für die Türken änderte sich nach der Seeschlacht von 1571 bei Lepanto die Situation grundlegend. Die osmanische Marine wurde durch die vereinten Kräfte der Europäer, angeführt durch den Papst,  geschlagen. Danach verblasste ihr Einfluss in Europa langsam und es begann der Niedergang des Osmanischen Reiches, der sich Jahrhunderte lang hinzog.

Die Anfänge des Osmanischen Reiches

Osman I. wird die Gründung des Osmanischen Reiches zugeschrieben und so wurde das Reich auch nach ihm benannt. Er war ein Stammesangehöriger aus Anatolien, einem Gebiet der Türkei. Es wird vermutet, dass sein Vater seinen Stamm, in der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts, zur Flucht aus dem mongolischen Reich geführt hat. Er führte damals einen von vielen Stämmen in Anatolien an. Der Erfolg Osmans ist der Tatsache geschuldet, dass er das byzantinische Reich (folgte dem römischen Reich) mit Sitz in Konstantinopel (auch bekannt als Byzanz) angriff und dadurch seine Gebiete vergrößerte.

Einhundertfünfzig Jahre später, um 1453, belagerte die Armee des Osmanischen Reiches unter der Führung von Mehmed “dem Eroberer” Konstantinopel und eroberte es zum ersten Mal seit tausend Jahren. Sie benannten die Stadt in Istanbul um – die Stadt des Islams – und gründeten dort den Sitz des Osmanischen Reiches.

Das goldene Zeitalter der osmanischen Macht

Nach der Eroberung von Istanbul genoss die osmanische Macht über ein Jahrhundert ohne Unterbrechung diesen Ruhm. Die Armeen unter Bayezid, Selim I. und Suleiman, “Der große Türke”, eroberten Gebiete wie Syrien, die Arabische Halbinsel, Palästina und Ägypten.

 Historisch orientalisches Essgeschirr Edles Essgeschirr im Osmanischen Reich | Quelle: Pixabay

Während dieser Zeit blühte die kaiserliche Türkei auf. Erst mit dem Herrscher Selim II. auf dem Thron, der auf Suleiman folgte, änderte sich die Situation. Die Türken begannen sich gegen die Osmanen aufzulehnen. Europäische Armeen besiegten die Osmanen und die imperiale Macht der Dynastie begann langsam zu schwinden.

Handel

Während des Goldenen Zeitalters der Osmanen, nutzte das Sultanat die hervorragende Lage Istanbuls, um seine Handels- und Wirtschaftsmacht zu stärken.

Istanbul war aufgrund seiner geografischen Lage von jeher ein strategisch wichtiger Ort  für die Handelsrouten zwischen Ost und West sowie Europa, Afrika und Asien. Die Osmanen handelten sowohl mit China im Fernen Osten als auch mit Venedig in Italien – und sie profitierten enorm vom Fluss teurer Waren, darunter Seide, Farbstoffe und Gewürze in ganz Kleinasien. Die Eroberung des Jemen durch die Osmanen brachte der Türkei die Kontrolle über den Kaffee der ganzen Region.Von dem Verkauf des Kaffees, der auch in Kairo stattfand, profitierte die ägyptische Hauptstadt und wurde zu einer sehr wohlhabenden Stadt.

Viele der Eroberungen des Imperiums dienten dazu, Kontrolle über verschiedene Handelsrouten zu erlangen. Die türkische Marine kontrollierte einen Großteil des Mittelmeers, während sie auf dem Landweg Handelskriege mit Russland führten. Als Portugal versuchte, seine Präsenz im Indischen Ozean auszubauen, kämpften die Osmanen entschlossen, um ihren Einfluss dort zu erhalten.

Kultur

Die Jahre unter Suleiman waren eine unglaublich fruchtbare Zeit für die osmanische Kunst. Bahnbrechende Entwicklungen fanden in den Bereichen islamische Kalligraphie, Poesie, Malerei, Musik und Keramik statt. Naturwissenschaften wie Mathematik, Chemie und Philosophie wurden praktiziert. Es ist überliefert, dass viele der chirurgischen Instrumente, die wir heute in der Medizin verwenden, von den osmanischen Türken erfunden wurden.

Der Architekt Sinan hat während der Herrschaft Suleimans` das Gesicht des Nahen Ostens verändert. Europäische Künstler, wie Tizian und Bellini verbrachten ebenfalls Zeit in Istanbul.

Sinan ist der wohl berühmteste Baumeister der islamischen Welt. Die osmanisch-türkische Architektur hat er geprägt wie kein anderer. Lorenz Korn

Religion

Die Religion  war  teilweise verantwortlich für die Feindschaft und das Misstrauen zwischen dem frühneuzeitlichen Europa und den Osmanen. Europa war aggressiv christlich, während die Türken muslimisch waren.

Das osmanische Regime  wurde als ein sehr religiös liberales Regime anerkannt. Trotzdem gab es zum damaligen Zeitpunkt viele Schreckensgeschichten über die Rolle des Islam.  Um dies zu bestärken wurde Literatur und Propaganda verbreitet, die den Islam in Misskredit brachten. Ein gutes Beispiel ist Shakespeares`Othello.

Die Türken wurden verdächtigt viele Christen gewaltsam zum Islam bekehrt  zu haben. Das Devshirme-System nahm den gefangenen Christen zwanzig Prozent ihrer männlichen Kinder. Sie wurden bekehrt, als Sklaven eingesetzt oder in der Regierung ausgebildet.

Sinan prägte massgeblich das Gesicht des osmanischen Reiches Sinan ein Architekt zu Zeiten Suleyman 1520 -1566 | Quelle: Visualhunt

Suleiman war jedoch sowohl ein religiöser als auch ein politischer Führer. Er gründete viele Grundschulen für Religions- und Literaturunterricht. Außerdem war er als  Sultan verantwortlich, den Islam zu beschützen. Anders als in den meisten christlichen Ländern Europas hatten die Juden in der osmanischen Gesellschaft eine sehr wichtige Rolle und  wurden deshalb aktiv ermutigt, nach Istanbul zu kommen.

Macht bewahren – ein osmanisches Regierungsmodell

Es  ist lohnenswert darüber nachzudenken, warum  die Osmanen so lange an der Macht bleiben konnten und wie ihre Regierungspraktiken es einer einzigen Familie ermöglichten, fast sieben Jahrhunderte lang zu regieren!

Die osmanische Regierung war bekannt für ihre starke Zentralisierung und Stabilität. Obwohl diese Kontinuität  nachweislich eine Stärke der königlichen Familie war,  zeigte sich eine zerstörerische Seite, die die königlichen Söhne um die Nachfolge streiten ließ.

Eine überlieferte Legende über die Osmanen erzählt, dass sich der Sultan oft verkleidete, um außerhalb seines Palastes Topkapi  die Beamten zu kontrollieren. Er wollte sicherstellen, dass jeder seine Pflicht richtig erfüllte. Außerdem  umgab er sich mit sachkundigen Staatsmännern,  letztendlich zählte jedoch die Entscheidung des Sultans.

Neben der zentralen Stärke der absoluten Monarchie vergrößerten die Osmanen die Macht, indem sie ihr Machtgebiet, durch die Eroberung neuer Länder mithilfe einer unglaublich starken Armee, ausdehnten. Es wird vermutet, dass dieses Gebiet größtenteils von Sklaven bevölkert wurde. Die Fähigkeiten und das Wissen der Militär- und Marineführer haben die osmanischen Armeen berühmt und berüchtigt gemacht.

Der Untergang des Osmanischen Reiches

Wie alle großen Reiche verloren die Osmanen in Istanbul schließlich ihre Macht und damit den Einfluss auf die   Menschen, die sie beherrschten. Dieser Prozess der Umorientierung setzte sich über Jahrhunderte fort.

Lepanto, 1571

Ein wichtiger Wendepunkt für das Osmanische Reich war 1571, als die große Seeschlacht gegen das heilige römische Reich in Lepanto verloren wurde. Nach der großartigen Herrschaft von Suleiman deutete dieses Ereignis der ganzen Welt an, dass die türkische Marine nicht mehr unbesiegbar war.

Etwa zweihundert türkische Boote wurden zerstört und vierzigtausend Männer getötet. Die Tatsache, dass viele ihrer brillantesten Marineoffiziere zu den Opfern gehörten, bedeutete das Ende der türkischen Herrschaft im Mittelmeer. Tausende von christlichen Gefangenen wurden damals freigelassen.

Wien, 1683

Viele Historiker vermuten , dass diese Schlacht den Niedergang des Imperiums eingeleitet hat. Für die Türken war das siebzehnte Jahrhundert durch eine Reihe von militärischen Niederlagen negativ geprägt. Die bedeutendste Niederlage war die Belagerung Wiens 1683, die am Ende scheiterte.

Die Türken belagern Wien ,1683 Die Türken vor Wien im Jahre 1683 | Quelle: Visualhunt

Dies war bereits der zweite Versuch der Osmanen, nach 1529 , Wien zu erobern. Diese bemerkenswerte Niederlage stoppte weitere türkische Versuche Land in Europa zu erobern. Eine taktische Entscheidung,  durch die es die Türken versäumten ihr Territorium weiter auszudehnen,es folgte Stagnation.

Weitere Faktoren die zum Sturz der Osmanen führten

Neben militärischen Misserfolgen gab es weitere Faktoren, die den Niedergang des Osmanischen Reiches besiegelten.

Die europäische Herrschaft über die Neue Welt bedeutete, dass die osmanische Kriegsführung für diese Christen weniger problematisch war, da sie viel weniger abhängig von den Handelsrouten wurden, die die Osmanen kontrollierten.
Die osmanische Politik des liberalen Handels bedeutete, dass das Reich nie wirklich selbst die Ressourcen produzierte, die es brauchte. Vielmehr war die imperiale Strategie durch “Kurzfristigkeit” geprägt. Dies zeigte sich nach Eroberungen, indem man die Ressourcen des eroberten Gebietes verwendete, anstatt sie zu nutzen, um  langfristig  in Projekte zu investieren.

Rebellion und Revolte schwächten die zentrale politische Kontrolle und somit auch die politische Autorität aller Gebiete, die das Imperium kontrollierte. Dieser Umstand wurde im Laufe des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts durch die Unfähigkeit einiger  Sultane noch verschärft.

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs, den sie auf der Seite der Deutschen kämpften, erlosch das Osmanische Reich endgültig. Das Britische Empire und die Franzosen teilten einen Großteil des Osmanisches Reiches unter sich auf. Vermutlich hat die Türkei sich hier von nie komplett erholt.

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