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Welchen Abschluss brauchst Du, um Nachhilfelehrer zu werden?

Von Franziska, veröffentlicht am 28/09/2017 Blog > Privatunterricht > Nachhilfe geben > Muss ich Studiert haben, um Nachhilfe zu geben?

Nachhilfekurse können zu einer sehr interessanten Einkommensquelle werden.

Sie können Euch außerdem eine Gelegenheit bieten, Eure Leidenschaft und Eure Kompetenzen mit jemandem zu teilen.

Um Nachhilfe geben zu können, sind jedoch neben der fachlichen Expertise auch diverse pädagogische bzw. Sozialkompetenzen notwendig.

Aber wer kann überhaupt Nachhilfelehrer werden? Braucht man ein Studium (z.B. auf Lehramt), um Nachhilfeunterricht geben zu können?

Diesen Fragen wollen wir im Folgenden nachgehen.

Welcher Abschluss ist nötig, um Nachhilfe zu geben?

Will man als kleinen Nebenjob Hausaufgabenbetreuung anbieten oder unterrichtsbegleitend Nachhilfe zu Hause geben, sind die notwendigen Diplome nicht dieselben.

Das betrifft auch die Vergütung für die Stunden, die Ihr gebt. Ob Ihr Nachhilfelehrer in Physik, Chemie oder Mathe, in Vollzeit oder Teilzeit seid: Euer Abschluss zählt!

Dennoch macht Euch dieser nicht zwingend zu einem guten Nachhilfelehrer.

Um Kurse zu geben, muss man auch die Lehrmethoden beherrschen – das gilt besonders für die technischen Fächer und Unterstützung für den Schulunterricht.

Das eigene Wissen und seine Fähigkeiten weiterzugeben ist nicht immer einfach. Besonders bei Schülern, die ohnehin schon Schwierigkeiten mit dem Unterrichtsstoff haben und dann auch noch eine Prüfung vorbereiten müssen, die ihnen Probleme bereitet und sie stresst.

Bevor Ihr Euch ins Nachhilfeabenteuer stürzt, findet Ihr hier alles, was Ihr über Euren Ausbildungsgrad und Eure Diplome wissen müsst!

Und vor allem, wie man überhaupt Nachhilfe gibt!

Warum Nachhilfe geben?

Die Nachfrage nach Nachhilfe in Deutschland steigt seit Jahren stark an.

Dafür gibt es mehrere Gründe: ein teilweise wirtschaftlich angespannter Kontext, Eltern, die sich um die Zukunft ihrer Kinder so viele Sorgen machen wie nie zuvor, und eine Modernisierung der Werkzeuge, die Beziehungen und Netzwerke zwischen Privatpersonen schaffen (Superprof ist ein gutes Beispiel für dieses Phänomen).

Die Tendenz, als Schüler bzw. Schülerin Nachhilfe zu nehmen, ist stark gestiegen. Die Schulbank drücken alleine reicht heute oft nicht mehr. Immer mehr Schüler nehmen Nachhilfe in Anspruch. Mathematical Association of America | Quelle: Visualhunt

Warum also Nachhilfe geben? Erstmal, weil es eine reelle Nachfrage gibt und es dank des Internets deutlich leichter ist als in der Vergangenheit, seine Dienstleistungen als Privater Nachhilfelehrer anzubieten.

Gut zu wissen: Einer Bertelsmann-Studie von 2016 zufolge geben Eltern in Deutschland pro Jahr rund 900 Millionen Euro für private Nachhilfe aus.

Demnach nimmt jeder siebte Schüler im Alter von 6 bis 16 Jahren außerschulische Lernangebote in Anspruch. Das sind bundesweit 1,2 Millionen Schülerinnen & Schüler.

Pro Monat investieren Eltern für ihre Kinder durchschnittlich 87 Euro in zusätzliche Fördermaßnahmen.

Das Interesse, private Nachhilfe zu geben, hat aber nicht nur mit Geld zu tun.

Nachhilfe zu geben, das heißt, seine Leidenschaft zu teilen, andere von seiner Erfahrung profitieren zu lassen, Kenntnisse weiterzugeben.

Die Freude an der Vermittlung von Wissen ist ein wichtiger Motor für die Mehrheit der Nachhilfelehrer.

Erinnern wir uns, bevor wir in das Thema weiter vordringen, daran, dass Nachhilfekurse heute auch gar nicht nur auf schulische Unterstützung begrenzt sind.

Es ist sogar eine der großen Charakteristiken der letzten Jahre: Der Markt für Privatunterricht hat sich beträchtlich erweitert.

Jedes Fach oder alles Praktische, das unterrichtet werden kann, kann als „Nachhilfefach“ unterrichtet werden. Ihr könnt also Fächer wie Yoga, Sport, Coaching, Kochen, Klavier, Gitarre, Geige, Schlagzeug und natürlich Physik, Geschichte, Erdkunde, Mathe, und Sprachen wie zum Beispiel Deutsch als Fremdsprache unterrichten.

Wer kann Nachhilfe geben?

Entgegengesetzt allgemeiner Annahmen gibt es keine Voraussetzung, um Nachhilfe geben zu können. Der Nachhilfemarkt ist keinen spezifischen Regeln unterworfen.

Es gibt lediglich eine einzige obligatorische Regel: Ihr müsst 14 Jahre alt oder älter sein, um eure Dienste als Privatlehrer anbieten zu können. 14 ist das Mindestalter, um Privat Nachhilfe geben zu können.

Wenn Ihr in der Mittel- oder Oberstufe seid, könnt Ihr also problemlos Nachhilfeunterricht geben.

Konsequenz: Es gibt überhaupt kein notwendiges Diplom, um Nachhilfelehrer zu werden. Man kann zum Beispiel Nachhilfelehrer werden, ohne selbst das Abitur zu haben.

Interessiert man sich für eine Typologie von Nachhilfelehrern, nimmt man wahr, dass man alle möglichen Menschen darunter findet: Schüler, viele Studenten, aber auch viele zertifizierte oder ehemalige Lehrer aus dem Schulwesen.

Kann man wirklich Nachhilfe ohne Diplom anbieten?

Ja, theoretisch ist es möglich, beispielsweise einen Kurs über Thermodynamik nur mit der mittleren Reife in der Tasche zu geben.

Die Gesetzgebung ist sehr anpassungsfähig in der Reglementierung von Nachhilfe.

Sich selbst etwas anzutrainieren und dann weiterzugeben ist um Vieles härter, als es selbst Schritt für Schritt von einem Lehrer antrainiert zu bekommen. Natürlich kannst du auch nach einem Selbststudium Nachhilfe in einem Fach geben. Das ist allerdings der steinige Weg. | Quelle: Pixabay

Aber wärt Ihr fähig, einen Thermodynamik-Nachhilfekurs ohne wissenschaftliches Diplom bzw. Ingenieursstudium zu geben? Die Antwort lautet sicher eher nein.

Ein Nachhilfelehrer ist jemand, der über bestimmtes Wissen, Erfahrung oder Kompetenzen in einem Fach verfügt und diese teilen möchte.

Wenn Ihr Klavierunterricht geben wollt, müsst Ihr nun mal Klavier spielen können. Dasselbe gilt für Kochkurse.

Schlussfolgerung: Theoretisch kann man ohne jegliches Diplom Nachhilfe geben, vorausgesetzt man ist mindestens 14 Jahre alt.

In der Praxis haben die Nachhilfelehrer aber oft einen Abschluss in dem Fach, das sie unterrichten.

Oder, wenn sie vielleicht nicht unbedingt einen Uni-Abschluss haben, so verfügen sie doch wenigstens über signifikante Erfahrung und nachgewiesene Kompetenzen (beispielsweise durch Zertifikate einer Weiterbildung oder Bewertungen ehemaliger Schülerinnen & Schüler).

Man kann ein sehr guter Koch sein, ohne ein diplomierter Koch zu sein.

Wenn Ihr Nachhilfelehrer werden möchtet, aber nicht wisst, welches Fach Ihr unterrichten sollt, nagelt Euch nicht gleich an Eurem Diplom fest: „Ich habe dieses Physikdiplom, also unterrichte ich Physik.“

Nein, erstellt eine universelle Liste mit all Euren Kompetenzen, eingeschlossen diejenigen, die Ihr außerhalb der Universität erworben habt.

Wählt die Kompetenz, die Euch am meisten Möglichkeiten bietet, oder die Disziplin, die Euch am meisten begeistert.

Der Effekt von Abschlüssen auf die Vergütung von Nachhilfe

In Deutschland ist ein Diplom zwar nicht ganz so essentiell wie in einigen seiner Nachbarländern wie beispielsweise Frankreich oder Österreich, aber es hilft trotzdem bei der Vergütung für Nachhilfe.

Ein akademischer Abschluss ist das Aushängeschild und sagt auf den ersten Blick mehr über die Kompetenzen aus als die Erfahrung eines Individuums.

In gewissen Ländern, vor allem den angelsächsischen, zählt die Erfahrung jedoch mindestens so viel wie das Diplom.

In Deutschland ist es relativ ausgeglichen. Trotzdem haben diejenigen mit einem relevanten Abschluss deutliche Vorteile.

In Deutschland ist das Diplom von der Uni nicht alles. Trotzdem wird es sehr gern gesehen. Potentielle Nachhilfelehrer mit Studienabschluss können mit dem Diplom deutlich mehr Geld verlangen. Allerdings kommt es auch auf das Land an. | Quelle: Pixabay

Dies hat eine unvermeidbare Folge für Nachhilfe in Deutschland: Der Stundentarif hängt eng mit dem Ausbildungsgrad zusammen, auch wenn das nicht das einzige Kriterium ist, das berücksichtig wird.

So spielen beispielsweise auch das Kriterium der unterrichteten Disziplin (ein Yoga-Kurs kostet im Durchschnitt mehr als eine Englischstunde) sowie die geographische Komponente eine Rolle (eine Stunde Mathe-Nachhilfe in München ist im Durchschnitt teurer als eine Mathe Nachhilfestunde in Bottrop).

Je höher Euer Bildungsabschluss ist, desto höher sind die Preise, die Ihr verlangen könnt.

Das ist übrigens auch der Grund, warum Online-Plattformen wie Superprof, die Nachhilfelehrer und potenzielle Schüler miteinander in Verbindung setzen, die Lehrer dazu anhalten, sich mit ihren Zertifikaten und Diplomen zu präsentieren.

Der akademische Abschluss eines privaten Nachhilfelehrers kann potenziellen Nachhilfeschülern vor allem Glaubwürdigkeit vermitteln.

Kurz gesagt: Ein junger Jura-Nachhilfelehrer mit einem Abschluss einer so genannten „Eliteuni“ kann für seine Kurse in Zivilrecht mehr Geld verlangen als jemand, der sein Juristisches Staatsexamen an einer wenig renommierten Uni absolviert hat.

Zugegebenermaßen ist dieses Phänomen in Ländern wie Frankreich oder Großbritannien allerdings noch wesentlich stärker ausgeprägt. Dort zählt manchmal der Name der Uni sogar noch mehr als das Fach, in dem das Studium abgeschlossen wurde – geschweige denn die Note…

Für manch einen mag das ein bisschen willkürlich klingen, weil das Diplom nicht zwingend den wahren Wert eines Individuums enthüllt, aber es ist eine Realität, die zählt.

Zusammengefasst heißt das:

Theoretisch kann jeder Nachhilfe geben, ohne einen bestimmten Abschluss zu haben.

Es ist also ohne weiteres möglich, Geld zu verdienen, indem man Nachhilfe gibt!

Aber ein Nachhilfelehrer, der kein Diplom hat, scheint weniger glaubhaft: Er wird dazu gezwungen sein, seinen Schüler billigere Preise zu machen als seine Kollegen mit Diplom es können.

In der Praxis ist es also vorzuziehen, in dem Fach, das man unterrichten möchte, einen entsprechenden Abschluss oder zumindest ein offizielles Zertifikat zu besitzen.

Beispiele sind: ein Diplom in Musikwissenschaft, um Harmonielehre und den Kontrapunkt zu unterrichten, ein Staatsexamen, um Recht zu unterrichten etc.

Denkt gut daran, Eure Diplome hervorzuheben, wenn Ihr Euch als Nachhilfelehrer im Web vorstellt oder eine Anzeige für Nachhilfe schaltet.

Lehrer, Selbstständige, Profis und Studierende können gleichermaßen in der Lage sein, Nachhilfe für alle Lebenslagen zu geben.

Ganz egal, ob Mathe, Hausaufgabenhilfe, Vorbereitung auf das Abitur und bestimmte Examen, Spanischkurs, Wirtschaftskurs, Physik- oder Chemie Nachhilfe…

Bei Superprof wollen wir darüber hinaus möglichst eine Trennlinie ziehen zwischen schulischer Unterstützung und dem klassischen Babysitting. Das wird nämlich von zahlreichen Eltern verwechselt.

Die Arbeit, die unsere Seite vermittelt, hat wenig mit Babysitting zu tun.

Was kann ich machen, wenn ich keine Diplome habe?

Was tun, wenn Ihr vor Ort oder Online Nachhilfe geben wollt, aber keine Zertifikate besitzt? Es gibt zwei mögliche Antworten:

  • Sei es, dass Ihr keine besonderen Fähigkeiten und keine Erfahrung habt. In diesem Fall ist es besser, erst ein Studium zu absolvieren oder Erfahrung in einem Fachgebiet zu sammeln, bevor Ihr Euch ins Nachhilfe-Abenteuer stürzt. Sonst werdet Ihr Schwierigkeiten haben, Schüler an Land zu ziehen.
  • Sei es, dass Ihr zwar kein Diplom besitzt, Euch aber in einem Fachgebiet sehr kompetent fühlt, erfahren seid und zudem pädagogisch fit. In diesen Fällen könnt Ihr Euer Glück versuchen.

Für gewisse Fächer (normalerweise außerschulische wie Sport und Kultur) zählt Erfahrung so viel wie ein Diplom. Es kann ja zum Beispiel sein, dass Ihr ein hervorragender Gitarrist seid, ohne ein Diplom dafür zu besitzen.

Wenn das der Fall ist, solltet Ihr, wenn Ihr euch online (oder offline) präsentiert, auf jeden Fall betonen, dass Ihr viel Erfahrung besitzt.

Im Fall von Gitarrenkursen braucht Ihr nicht zu zögern, ein Video zu verlinken, das euch beim Musizieren zeigt.

Die Qualitäten eines Nachhilfelehrers, die sich nicht durch einen Abschluss erwerben lassen

Um Euch zu versichern, dass Ihr ohne Abschluss nicht verzweifeln müsst, lasst Euch gesagt sein, dass gewisse Qualitäten eines Nachhilfelehrers nicht mit dem Besitz eines Diploms zusammenhängen.

Aus diesem Grund kann auch ein nicht-zertifizierter Nachhilfelehrer exzellent sein und einer mit gleich mehreren Diplomen ist vielleicht nur mittelgut.

Die interpersonellen Fähigkeiten sind oft entscheidend für den Erfolg der Vermittlung vom Lehrer an den Schüler. Die sogenannten Soft Skills sind wenn überhaupt nur schwer erlernbar – und für Lehrer generell von unschätzbarem Wert. Arno Kleine Schaars | Quelle: Visualhunt

Hier sind einige der Hauptqualitäten eines guten Nachhilfelehrers aufgeführt:

  • Die Fähigkeit, zuzuhören: Etwas zu vermitteln ist nicht nur eine vertikale Beziehung, auf Neudeutsch „top-down” genannt, von Lehrer zu Schüler. Es geht auch darum, dem Schüler zuhören zu können, um ihm wirklich personalisierten Unterricht anbieten zu können. Dieser sollte sich idealerweise an seine Eigenheiten, sein Niveau und seine Lernmethoden anpassen. Ihr solltet Euren Schülern aufmerksam gegenübertreten und Empathie zeigen. Gleichzeitig braucht es zuweilen eine gewisse Autorität.
  • Geduldig sein: Manche Schüler brauchen länger, um das, was sie gelernt haben, zu verinnerlichen. Lernen, das heißt auch zu wiederholen. Manchmal muss man das Gelernte zwei oder drei Mal gemeinsam durchgehen. Man braucht Geduld, um ein guter Nachhilfelehrer zu sein. Diese Geduld erhält man übrigens auch nicht mit seinem Diplom.
  • Didaktik: Didaktisches Geschick an sich ist eine Qualität, die bei Vielen eher spärlich vorhanden ist. Des Weiteren muss man als Pädagoge auftreten, wenn man Lehrer ist und Schüler unterrichtet. Es ist die wichtigste Qualität und dabei eine, die man nur teilweise „lernen“ kann. Es gibt zwar Uni-Kurse dafür, doch nehmen diese nicht zwingend Einfluss auf die Ausführung. Diplomierte Lehrer, die zwar über exzellentes Wissen verfügen, aber dennoch schlechten Nachhilfeunterricht geben, haben oft den Nachteil, keine guten Pädagogen zu sein.

Wie wir sehen: Ein Abschluss ist nicht die einzige Qualität, die ein Nachhilfelehrer mitbringen muss.

Unterricht zu geben, das heißt, ein guter Pädagoge zu sein, der Unterstützung für die Schule bietet oder auch qualitativ hochwertige Nachhilfekurse geben kann.

Mit dieser Perspektive sollten Nachhilfelehrer an ihre Selbstvorstellung – z.B. auf Internetplattformen – herangehen: Sie sollten ihre Qualitäten auf jeden Fall hervorheben.

Als letzter Punkt bleibt zu sagen: Man muss auch organisiert sein als Nachhilfelehrer!

Fazit: Obwohl Diplome durchaus einen Effekt (besonders auf die Vergütung) haben, reichen sie nicht immer aus, um gute Nachhilfe geben zu können.

Anders formuliert: Ein guter Nachhilfelehrer definiert sich nicht über seine Diplome.

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