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Das solltest Du über die indische Sprache Marathi wissen

Von Anna, veröffentlicht am 05/11/2019 Blog > Sprachen > Hindi > Die Marathi Sprache in Indien

In der indischen Verfassung sind 22 indische Sprachen sowie Englisch als offizielle Amtssprachen anerkannt. Jeder Bundesstaat und jedes Unionsterritorium kann wählen, welche Sprache(n) für sein Verwaltungsgebiet offiziell gelten soll(en). Die nationale Regierung verwendet Hindi und Englisch.

23 Amtssprachen klingt nach viel für ein einziges Land (auch wenn es ein großes Land ist). Doch laut Volksbefragung von 2011 gibt es auf indischem Staatsgebiet nicht weniger als 122 Sprachen und Dialekte, die von mindestens 10.00 Inderinnen und Indern gesprochen werden und weitere 30 Sprachen, die jeweils eine Sprecherzahl von mindestens 1 Million haben!

Indien ist nicht nur ein sehr großes und vielfältiges Land, was die ursprüngliche indische Kultur angeht, sondern wurde über die Jahrhunderte auch von vielen anderen Kulturkreisen beeinflusst und entscheidend geprägt.

Zu nennen sind das muslimische Mogulreich, das hinduistische Maratha-Reich (Reich der Marathen) und das Reich Britisch-Indien. Drei völlig unterschiedliche Reiche mit verschiedenen Kulturen, Traditionen und Sprachen, die alle ihre Spuren auf dem indischen Subkontinent hinterlassen haben.

Persisch und Englisch sind die zwei Sprachen, die die lokalen Dialekte und Sprachen am meisten beeinflusst haben, aber auch Arabisch hat einen langfristigen Eingang in manche Idiome Indiens gefunden.

Heute möchten wir uns die indische Sprache Marathi etwas genauer ansehen. Du interessierst Dich auch noch für weitere Sprachen, die in Indien gesprochen werden? Dann klick Dich durch unsere anderen Artikel zum Thema, z.B. zu Bengalisch, Indisch-Englisch oder Telugu.

Die Wurzeln und Geschichte von Marathi

Marathi gehört wie Hindi zu den indoarischen Sprachen innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie und wird v.a. an der Westküste Indiens gesprochen.

Wo spricht man Marathi? Marathi wird unter anderem in Pune, der ehemaligen Hauptstadt des Reichs der Marathen gesprochen. | Quelle: Pixabay

Wie viele andere Sprachen Indiens existierte es parallel zu anderen Sprachen und Dialekten und fungierte insbesondere als Schwestersprache von Sanskrit. Viele Kupferschilder und Steininschriften, die in Indien gefunden wurden, sind sowohl in Sanskrit als auch Maharashtri (dem Vorläufer von Marathi) verfasst.

Maharashtri gehört zu den Prakrit-Sprachen, einer Gruppe mittelindischer Sprachen, die ca. vom 6.-11. Jh. v. Chr. in Indien gesprochen wurden. Der Großteil der heutigen indischen Sprachen geht auf eine (oder mehrere) dieser Sprachen zurück.

Das älteste Schriftzeugnis, das in Marathi gefunden wurde, geht schätzungsweise auf das 3. Jahrhundert v. Chr. zurück. Es handelt sich dabei um eine Steininschrift, die in einer Höhle nahe der Stadt Pune entdeckt wurde. Sie ist auf Marathi in brahmischer Schrift verfasst. Ein Komitee, das von der Regierung des Bundesstaats Maharashtra damit beauftragt wurde, Marathi auf die Liste der Klassischen Sprachen Indiens zu bringen, verwendete diese Inschrift als Beweis einer langen Geschichte der Marathi-Sprache: Das würde ein Alter von rund 2.300 Jahren bedeuten!

Linguisten sind der Meinung, dass Marathi sich um das 8. Jahrhundert n. Chr. aus der Vorsprache Maharashtri entwickelte und das älteste Schriftzeugnis, das rein in Marathi (nicht Maharashtri) verfasst ist (Steininschrift), wird ca. auf das Jahr 1012 n. Chr. geschätzt.

Einflüsse aus Sanskrit und dem Persischen

Zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert entwickelte sich Marathi in ein literarisches und religiöses Vehikel. Während der Herrschaft der Seuna-Dynastie wurde die Sprache über den Gebrauch bei Hofe populär gemacht, um die Marathi-Bevölkerung zu einen. Später wurde sie auch als Sprache für Predigten zweier hinduistischer Sekten verwendet: den Mahanubhava und Varkari panthans. Während derselben Ära wurden viele Verse und Prosatexte zu verschiedenen Themen von Astrologie über Medizin und Religion auf Marathi verfasst.

Unter der Herrschaft der muslimischen Dekkan-Sultanate wurde Marathi in Gebieten unter der Kontrolle der Sultane Ahmadnagar, Bidar und Bijapur als Lingua franca verwendet. Die gesprochene Sprache blieb mehr oder weniger gleich, aber über die geschriebene Form, die sehr stark vom Persischen geprägt war, fanden viele persische und arabische Wörter ihren Weg ins Marathi, das vorher hauptsächlich Vokabeln aus dem Sanskrit entlehnt hatte.

Welche Einflüsse hat Marathi? Der Einfluss des Persischen auf Marathi hat über die Jahre nachgelassen, ist aber immer noch präsent. | Quelle: Pixabay

Der Aufstieg des Reichs der Marathen

Ende des 17. Jahrhunderts machte sich der indische Krieger Shivaji Maharaj den allmählichen Untergang des Sultanats Bijapur zunutze, eroberte eine Reihe von Forts und legte den Grundstein für das Maratha-Reich. Das Königreich, das Ende 1680 nur ein paar Distrikte umfasste, sollte schließlich über den Großteil der ehemaligen Territorien des Mogulreichs in Zentral- und Westiniden herrschen.

Da die herrschende Dynastie des Reichs der Marathen und auch ein Großteil der Bevölkerung dem hinduistischen Glauben angehörten, ging viel des persischen Wortschatzes der Marathi-Sprache verloren. Sprachwissenschaftler schätzen, dass im Jahr 1630 noch ca. 70% des Marathi-Vokabulars vom Persischen entlehnt waren, dieser Anteil aber bis 1677 auf 37% zurückgegangen war.

Es ist ebenfalls den Marathen zu verdanken, dass Marathi sich weiter als nur in der ursprünglichen Region ausbreitete, nämlich bis Attock (eine Stadt, die im heutigen Pakistan liegt) im Norden und Odisha an der Ostküste Indiens.

Die moderne Form von Marathi

Währen der britischen Herrschaft in Indien im 18. Jahrhundert wurden von englischer Seite viele Anstrengungen unternommen, Marathi zu standardisieren. Die ersten in Marathi gedruckten Bücher waren übrigens Übersetzungen der Bibel.

Captain James Thomas Molesworth und Major Thomas Candy, die beide in der Armee der British East India Company (Britische Ostindien-Kompanie) dienten, waren die Hauptautoren eines umfangreichen Englisch-Marathi-Wörterbuchs, das erstmals 1831 veröffentlicht wurde. Dieses Wörterbuch wird bis zum heutigen Tag, also zwei Jahrhunderte später, verlegt!

Nach Indiens Unabhängigkeit im Jahr 1947 gewährte die drei Jahre später ratifizierte Verfassung Marathi den Status als eine der offiziellen Sprachen Indiens.

Ein Grund für die Trennung des ehemaligen Bundesstaats um Mumbai (Bombay) war die Sprachdifferenz der Bevölkerung: So gibt es heute den Staat Gujarat, in dem vorwiegend Gujarati gesprochen wird, und den Staat Marahashtra, wo Marathi dominiert.

Die heutzutage verwendete Standardform von Marathi entspricht der Version, die von der hinduistischen Maharashtrian Chitpavan Brahmin community gesprochen wird. Diese lebt insbesondere in Pune, der ehemaligen Hauptstadt des Reichs der Marathen. Die wichtigste Marathi-Stadt heutzutage ist natürlich die Metropole Mumbai bzw. Bombay (Hauptstadt des Bundesstaats Marahashtra).


“Mumbai ist der süße, schweißige Duft von Hoffnung, dem Gegenteil von Hass; und es ist der saure, muffige Duft von Gier, dem Gegenteil von Liebe. Es ist der Duft der Götter, Dämonen, Königreiche und Zivilisationen, die wiederaufleben und verfallen. Es ist der blaue Hautgeruch des Meeres, egal, wo man in der Inselstadt ist, und der blutige Metallgeruch von Maschinen. Es riecht nach der Bewegung und dem Schlafen von 60 Millionen Tieren, mehr als die Hälfte davon Menschen und Ratten. Es riecht nach Herzschmerz und dem Kampf ums Überleben und nach grausamem Scheitern und Liebe, die Mut macht. Es riecht nach zehntausend Restaurants, fünftausend Tempeln, Schreinen, Kirchen und Moscheen und nach hundert Basaren, die ausschließlich Aromen, Gewürzen, Räucherstäbchen und frischgeschnittenen Blumen gewidmet sind. Dieser Duft ist es vor allen Dingen, der mich willkommen heißt und mir zeigt, dass ich zu Hause bin.” Gregory David Roberts, ehemaliger Bankräuber und australischer Autor


Marathi und Marathi-Dialekte in Indien

Wo kommt man mit Marathi durch? In Goa ist Marathi zwar keine offizielle Amtssprache, kann aber trotzdem im Alltag und für Behördengänge verwendet werden. | Quelle: Pixabay

Marathi wird vorwiegend in den Bundesstaaten Goa und Maharashtra (und ist damit die offizielle Sprache von Mumbai) gesprochen. Außerdem spricht man Marathi in den Unionsterritorien Daman und Dio sowie Dadra und Nagar Haveli. Obwohl Marathi nicht die Amtssprache des Staates Goa ist, kann jedes offizielle Geschäft dort auch auf Marathi geführt werden.

Als eine der ältesten indoarischen Sprachen in Indien und weil es die Amtssprache des Reichs der Marathen war, verbreitete sich Marathi weit über seinen Ursprungsort hinaus aus und zählt heutzutage rund 83 Mio. Muttersprachler. Damit ist es unter den meistgesprochenen Sprachen in Indien auf dem dritten Platz (nach Hindi und Bengalisch).

Sprachwissenschaftler, die sich mit indoarischen Sprachen auseinandersetzen, haben 42 verschiedene Marathi-Dialekte bzw. -Varietäten auf dem indischen Subkontinent ausmachen können. Die größten Unterschiede finden sich im phonologischen Bereich (unterschiedliche Aussprache und Betonung). Es gibt zwar auch einzelne Vokabelvariationen, aber im Allgemeinen sind die verschiedenen Dialekte gut gegenseitig verständlich.

Es gibt zwar ein Standard-Marathi, das in der Bildung und den Medien verwendet wird, doch haben sich trotzdem drei Hauptvarietäten herausgebildet:

  • Zadi Boli: wird in der abgelegenen, östlichen Waldregion Zadipranta sowie in Marahashtra, Vidarbha und Gondwana gesprochen.
  • Die Gruppe des Südindischen Marathi: umfasst insbesondere Thanjavur Marathi, Namadeva Shimpi Marathi, Arey Marathi und Bhavsar Marathi. All diese Dialekte haben Merkmale der Marathi-Form des 17. Jahrhunderts beibehalten. Diese Varietät wurde von den Maharashtra-Migranten gesprochen und wurde auch von den lokalen dravidischen Sprachen beeinflusst. Sie werden vor allem in den Bundesstaaten Tamil Nadu, Andhra Pradesh und Karnataka gesprochen.
  • Der Vaidarbhi-Dialekt: wird hauptsächlich in der Region Vidarbha im Westen von Maharashtra gesprochen. Die Hauptunterschiede zum Standrad-Marathi finden sich in phonetischen Verschiebungen.

Obwohl es auf eine lange Geschichte zurückblicken kann und auch als literarische Sprache verwendet wurde und wird, ist Marathi bisher noch nicht auf die Liste der Klassischen Indischen Sprachen aufgenommen worden.

Das Marathi-Alphabet

Heutzutage wird Marathi normalerweise in der Balbodh-Schrift geschrieben. Der Name kommt vom Wort bāḷabōdha, was so viel bedeutet wie “von Kindern zu verstehen”.

Das Schriftsystem ähnelt dem Devanagari-Alphabet (das für Hindi benutzt wird) extrem, unterscheidet sich allerdings in einigen wenigen Punkten der Aussprache und verwendet auch zwei zusätzliche Zeichen: das Zeichen oder ɭ , das “stimmhafter lateraler retroflexer Approximant” genannt wird und das Zeichen र्‍ , das “eyelash reph” oder “raphar” genannt wird. Diese beiden Zeichen verändern insbesondere die Aussprache von Wörtern auf Marathi.

Wie schreibt man Marathi? So sieht Marathi in der Devanagari-Schrift aus. | Quelle: commons.wikimedia.org

Die Balbodh-Schrift wird von links nach rechts geschrieben und umfasst 36 Zeichen für Konsonanten und 16 Zeichen für Vokale. Im Gegensatz zu anderen indischen Sprachen, die im Devanagari-Alphabet geschrieben werden, verwendet man beim Lesen von Marathi eine westliche Aussprache.

Doch man muss dazu sagen, dass es noch eine zweite Möglichkeit gibt, Marathi zu schreiben, nämlich im Modi-Alphabet. Während Balbodh eher von Menschen verwendet wird, die eine religiöse Erziehung genossen haben (v.a. Kaste der Brahmanen), benutzen einfache Angestellte und Geschäftsleute eher die Modi-Schrift.

Letztere entstand um das 13. Jahrhundert herum und laut Linguisten war dies die offizielle Schrift für Marathi bis in die 1950er-Jahre. Danach gewann das Balbodh-Alphabet (das wie gesagt auf dem indischen Alphabet Devanagari basiert) die Oberhand. Modi hat zwar ursprünglich auch Devanagari zur Grundlage, aber die Form der Buchstaben unterscheidet sich etwas stärker und auch die Rechtschreibung ist anders.  

Diese Schrift wird kursiv geschrieben und ist somit eine praktischere Handschrift (denn man muss den Stift nicht absetzen, sondern kann in einem Schwung schreiben). Sie umfasst insgesamt 45 Zeichen, davon 10 Vokale und 36 Konsonanten.

So, nun kennst Du also die wichtigsten Eckdaten der Marathi-Sprache in Indien. Wenn Du Dich auch für Themen wie Hindi lernen und leben in Indien interessierst oder andere Sprachen Indiens wie Bengali, Tamilisch oder Telugu entdecken willst, schau Dir doch mal unsere anderen Artikel zum Thema an oder suche gleich einen Hindi-Lehrer auf Superprof!

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