Auf dem offenen Ozean kann ein Tsunami beinahe unbemerkt bleiben, aber wenige Stunden später ganze Küstenregionen überfluten. Wie kann eine Welle, die auf hoher See oft kaum auffällt, an Land plötzlich so gefährlich werden?

Die Entstehung eines Tsunamis beginnt meist durch ein starkes Seebeben, bei dem sich der Meeresboden plötzlich hebt oder senkt. Dadurch wird eine enorme Wassermasse verdrängt und eine langwellige Welle ausgelöst, die sich mit hoher Geschwindigkeit über den Ozean ausbreitet. In Küstennähe wird die Welle langsamer, aber deutlich höher und kann als zerstörerische Flutwelle auftreten.

Doch nicht jedes Seebeben löst automatisch einen Tsunami aus. Entscheidend ist vor allem, wie sich der Meeresboden bewegt und wie viel Wasser dabei verdrängt wird. Schauen wir uns das einmal genauer an.

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Und los geht's

Was ist ein Tsunami?

Ein Tsunami ist keine einzelne riesige Welle, sondern meist eine Folge sehr langer Meereswellen, die sich über große Entfernungen ausbreiten können. Das Wort stammt aus dem Japanischen: tsu bedeutet „Hafen“ und nami „Welle“. Übersetzt heißt Tsunami also „Hafenwelle“.

Anders als gewöhnliche Windwellen entsteht ein Tsunami nicht durch Wind an der Wasseroberfläche. Stattdessen wird eine große Wassermasse plötzlich in Bewegung gesetzt. Vereinfacht gesagt bewegt sich dabei nicht nur die Oberfläche, sondern die gesamte Wassersäule vom Meeresboden bis nach oben.

Auf dem offenen Ozean sind Tsunamiwellen oft erstaunlich niedrig und für Schiffe kaum zu erkennen. Gleichzeitig besitzen sie eine enorme Wellenlänge und können sich über Tausende Kilometer hinweg ausbreiten.

Wie entsteht ein Tsunami durch ein Seebeben?

Die meisten Tsunamis entstehen durch starke Erdbeben unter dem Meeresboden. Entscheidend ist dabei aber nicht nur, dass die Erde bebt, sondern vor allem, wie sich der Meeresboden dabei bewegt.

Tektonische Platten geraten unter Spannung

Die Erdkruste besteht aus mehreren großen tektonischen Platten, die sich ständig langsam bewegen. Besonders häufig entstehen Tsunamis an sogenannten Subduktionszonen. Dort schiebt sich eine Erdplatte unter eine andere.

Dabei können sich die Platten aneinander verhaken. Obwohl sie sich eigentlich weiterbewegen, bleiben sie an dieser Stelle zunächst blockiert. Über Jahre oder sogar Jahrhunderte baut sich dadurch Spannung auf. Wird sie schließlich zu groß, lösen sich die Platten ruckartig voneinander und ein Erdbeben entsteht.

Der Meeresboden hebt oder senkt sich

Für einen Tsunami ist nun ein entscheidender Schritt nötig: Der Meeresboden muss sich vertikal verschieben, also plötzlich anheben oder absenken.

Vereinfacht kannst du dir das so vorstellen:

Erdbeben → Verschiebung des Meeresbodens → Wasserverdrängung → Tsunami

Nicht jedes Seebeben löst automatisch einen Tsunami aus. Verschieben sich die Erdplatten hauptsächlich seitlich, kann selbst ein starkes Erdbeben nur wenig Wasser verdrängen. Die Stärke des Bebens allein entscheidet also nicht darüber, ob ein Tsunami entsteht.

Die Wassersäule wird in Bewegung gesetzt

Eine große Welle von oben fotografiert.

Hebt sich ein großer Bereich des Meeresbodens plötzlich, wird auch das darüberliegende Wasser nach oben gedrückt. Senkt sich der Boden ab, folgt das Wasser zunächst nach unten.

Die Schwerkraft versucht anschließend, die Wasseroberfläche wieder auszugleichen. Dadurch breiten sich vom Entstehungsgebiet aus langwellige Wellen über den Ozean aus.

Stell dir vor, du würdest den Boden einer gefüllten Wanne plötzlich anheben: Das Wasser darüber kann nicht einfach an seinem Platz bleiben, sondern wird verdrängt und beginnt sich auszubreiten.

Welche anderen Ursachen können Tsunamis haben?

Seebeben sind zwar der häufigste Auslöser, doch grundsätzlich kann jede plötzliche Verdrängung einer großen Wassermasse einen Tsunami verursachen.

🌋 Vulkanausbrüche: Bei explosiven Ausbrüchen können große Mengen Gestein ins Meer stürzen. Auch der Einsturz einer Vulkanflanke oder einer Caldera kann Wasser schlagartig verdrängen und dadurch Tsunamiwellen auslösen.

⛰️ Unterwasser- und Küstenerdrutsche: Rutschen große Gesteins- oder Erdmassen unter Wasser ab oder stürzen von einer Küste ins Meer, setzen sie ebenfalls große Wassermengen in Bewegung. Solche Tsunamis können vor allem in der Nähe des Erdrutsches sehr hoch werden.

☄️ Meteoriteneinschläge: Schlägt ein ausreichend großer Himmelskörper ins Meer ein, kann auch dadurch ein Tsunami entstehen. Solche Ereignisse sind allerdings extrem selten.

Tsunamis sind übrigens nicht ausschließlich ein Phänomen der Weltmeere. Auch in größeren Seen können Erdrutsche oder Erdbeben sogenannte Binnentsunamis auslösen.

Wie breitet sich ein Tsunami über den Ozean aus?

Nach seiner Entstehung breitet sich ein Tsunami mit enormer Geschwindigkeit vom Ursprungsgebiet aus. Dabei unterscheidet er sich deutlich von gewöhnlichen Windwellen: Seine Wellenlänge kann mehrere Hundert Kilometer betragen, und vereinfacht ist die gesamte Wassersäule an der Bewegung beteiligt.

Wie schnell sich die Welle bewegt, hängt vor allem von der Wassertiefe ab. Je tiefer der Ozean, desto schneller kann sich ein Tsunami ausbreiten. In etwa 5.000 Metern tiefem Wasser sind Geschwindigkeiten von ungefähr 800 Kilometern pro Stunde möglich. Das ist vergleichbar mit der Reisegeschwindigkeit eines Flugzeugs.

Trotzdem sieht ein Tsunami auf dem offenen Meer meist überhaupt nicht spektakulär aus. Seine Wellenhöhe beträgt dort häufig nur wenige Dezimeter, weshalb selbst Schiffe ihn kaum bemerken können.

Eine Welle nähert sich der Küste.
Erst in Küstennähe türmt sich eine Tsunami-Welle auf. | Credits: Todd Turner

Erst in Küstennähe verändert sich die Welle deutlich:

Offener Ozean: schnell → sehr lang → niedrig
Küstennähe: langsamer → kürzer → höher

Wenn das Meer flacher wird, verliert der Tsunami also Geschwindigkeit. Gleichzeitig verkürzt sich seine Wellenlänge und die Wassermassen beginnen sich aufzutürmen und genau deshalb wird die Welle an der Küste schließlich so gefährlich.

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Warum wird ein Tsunami an der Küste so hoch?

Die Wellenhöhe nimmt also zu, weil das Meer flacher wird und aus einer auf dem offenen Meer nur wenige Dezimeter hohen Welle kann in Küstennähe eine mehrere Meter hohe Wasserbewegung werden.

Dabei sieht ein Tsunami nicht immer wie eine riesige brechende Welle aus einem Katastrophenfilm aus. Manchmal steigt der Meeresspiegel innerhalb kurzer Zeit stark an und große Wassermassen strömen weit über die Küste hinweg.

Die Form der Küste entscheidet mit.

Wie hoch und zerstörerisch ein Tsunami wird, hängt auch von der Form des Meeresbodens und der Küste ab.

An flachen Küsten kann das Wasser besonders weit ins Landesinnere eindringen. Buchten oder Fjorde können Wassermassen zusätzlich bündeln und die Wellenhöhe verstärken. Die Unterwassertopografie kann dabei beeinflussen, in welche Richtung sich die Wellen bewegen und wo sie sich besonders stark auftürmen.

Deshalb kann derselbe Tsunami benachbarte Küstenabschnitte sehr unterschiedlich treffen.

Warum sind Tsunamis so zerstörerisch?

Die Gefahr eines Tsunamis hängt nicht allein davon ab, wie hoch die Welle ist. Entscheidend ist vor allem die enorme Wassermenge, die sich mit großer Kraft über die Küste bewegt.

Beim Auftreffen auf das Land entstehen starke horizontale Strömungen. Das Wasser kann weit ins Landesinnere vordringen und Autos, Boote, Bäume oder Gebäudeteile mitreißen. Diese Trümmer werden selbst zu gefährlichen Geschossen und vergrößern die Schäden zusätzlich.

Auch wenn das Wasser wieder ins Meer zurückströmt, bleibt es gefährlich. Menschen und Gegenstände können mitgerissen werden, während Straßen, Brücken, Häfen sowie Strom- und Wasserleitungen beschädigt oder zerstört werden.

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Natürliche Warnzeichen eines Tsunamis

⛰️Ein starkes oder lang anhaltendes Erdbeben in Küstennähe
🌊Das Meer zieht sich plötzlich ungewöhnlich weit zurück oder steigt sehr schnell an
📢 Eine offizielle Tsunamiwarnung wird ausgegeben

Wenn du solche Warnzeichen bemerkst, solltest du die Küste sofort verlassen.

🏃 Entferne dich schnell von der Küste.
⛰️ Suche höher gelegenes Gelände auf.
📢 Beachte örtliche Warnungen und Evakuierungsrouten.
🌊 Kehre nicht nach der ersten Welle zurück.

Langfristig können außerdem Salzwasser, Schlamm und Sand Böden und Trinkwasserquellen verunreinigen und landwirtschaftliche Flächen unbrauchbar machen.

Die erste Welle muss nicht die höchste sein. Ein Tsunami besteht meist aus mehreren Wellen, die im Abstand von Minuten bis deutlich länger nacheinander eintreffen können. Deshalb bleibt eine Küste auch nach dem ersten Zurückweichen des Wassers weiterhin gefährlich.

Wo treten Tsunamis besonders häufig auf?

Tsunamis können grundsätzlich an vielen Küsten der Erde auftreten. Besonders häufig entstehen sie jedoch rund um den Pazifischen Feuerring. Dort treffen zahlreiche tektonische Platten aufeinander, und es gibt besonders viele Subduktionszonen, an denen eine Erdplatte unter eine andere abtaucht.

Weil in diesen Regionen starke Erdbeben unter dem Meer vergleichsweise häufig sind, ist dort auch die Tsunamigefahr besonders groß. Zu den gefährdeten Gebieten gehören unter anderem die Küsten von Japan, Indonesien, Chile und Alaska.

Hier siehst du einmal, wo die heftigsten Tsunamis seit 1945 stattgefunden haben:

DatumRegionStärke des auslösenden ErdbebensMax. gemeldete Wasser-/AuflaufhöheTodesopferWas machte den Tsunami besonders?
26.12.2004Indischer Ozean / Indonesien.1ca. 50,9 mrund 228.000Der tödlichste Tsunami der jüngeren Geschichte traf Küsten in zahlreichen Ländern rund um den Indischen Ozean. Besonders Indonesien, Sri Lanka, Indien und Thailand waren betroffen.
11.03.2011Japan!ERROR! an unexpected error occurredüber 40 mmehr als 18.000 Tote und VermissteDie Wassermassen verwüsteten große Teile der japanischen Ostküste und lösten die Nuklearkatastrophe im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi aus.
16.08.1976Philippinen.1ca. 8,5 mrund 4.400Der sogenannte Moro-Golf-Tsunami traf die Küsten im Süden der Philippinen besonders schwer.
04.11.1952Kamtschatka / Russland!ERROR! an unexpected error occurredca. 18 mmehrere TausendDas starke Seebeben vor Kamtschatka erzeugte einen Tsunami, dessen Wellen sich weit über den Pazifik ausbreiteten.
22.05.1960Chile.5regional über 10 mmehr als 1.600Das stärkste jemals instrumentell gemessene Erdbeben löste einen Tsunami aus, der den gesamten Pazifik überquerte und sogar in Hawaii und Japan Todesopfer forderte.
17.07.1998Papua-Neuguinea!ERROR! an unexpected error occurredca. 15 mmehr als 2.000Trotz der im Vergleich geringeren Erdbebenstärke entstand ein verheerender Tsunami. Das zeigt, dass nicht allein die Magnitude über die Stärke eines Tsunamis entscheidet.
01.04.1946Aleuten / Alaska!ERROR! an unexpected error occurredbis ca. 16 m auf Hawaiimehr als 160Die Wellen überquerten weite Teile des Pazifiks und richteten besonders auf Hawaii schwere Schäden an. Die Katastrophe trug später zum Aufbau von Tsunami-Warnsystemen im Pazifik bei.

*Hinweis: Die angegebene Höhe kann je nach Quelle und Messort die maximale Wasser- oder Auflaufhöhe (Run-up) bezeichnen. Historische Angaben zu Höhen und Todesopfern können daher leicht voneinander abweichen.

Tsunamis sind allerdings kein rein pazifisches oder asiatisches Phänomen. Auch im Indischen Ozean, Atlantik und Mittelmeer können sie entstehen, wenn große Wassermassen plötzlich verdrängt werden. Entscheidend ist also nicht der Ozean selbst, sondern vor allem die tektonische Situation unter oder nahe dem Meeresboden.

Kann man einen Tsunami vorhersagen?

Einen Tsunami kann man nicht im gleichen Sinn „vorhersagen“ wie das Wetter. Der genaue Zeitpunkt eines Erdbebens lässt sich bis heute nicht zuverlässig bestimmen. Ist ein starkes Seebeben jedoch bereits passiert, können Fachleute schnell prüfen, ob dabei ein Tsunami entstanden ist und welche Küsten gefährdet sind.

So funktionieren Tsunami-Frühwarnsysteme:

EIne Straßenlaterne an der auch Lautsprecher befestigt sind.

Zunächst registrieren Seismometer das Erdbeben und bestimmen möglichst schnell seine Lage, Tiefe und Stärke. Anschließend prüfen Meeresspiegel- und Drucksensoren, ob sich tatsächlich eine ungewöhnliche Welle im Ozean ausbreitet.

Die Messdaten werden in Warnzentren ausgewertet. Dort berechnen Fachleute, wie schnell sich der Tsunami bewegt und wann er bestimmte Küsten erreichen könnte. Gefährdete Regionen können daraufhin gewarnt und gegebenenfalls evakuiert werden.

Ein wichtiger Zeitvorteil entsteht dadurch, dass sich Erdbebenwellen deutlich schneller ausbreiten als Tsunamiwellen. Je weiter eine Küste vom Entstehungsort entfernt ist, desto mehr Zeit kann deshalb für eine Warnung bleiben.

Ganz verhindern können Frühwarnsysteme einen Tsunami natürlich nicht, aber sie können entscheidende Minuten oder Stunden gewinnen.

Referenzen

  1. Aktion Deutschland Hilft - Bündnis deutscher Hilfsorganisationen. (n.d.). Interaktive Grafik: Wie entsteht ein Tsunami? Aktion Deutschland Hilft. https://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/mediathek/infografiken/infografik-entstehung-eines-tsunami/
  2. Wie Tsunamis entstehen - World Ocean Review. (2017, December 12). World Ocean Review. https://worldoceanreview.com/de/wor-5/bedrohung-durch-klimawandel-und-naturgefahren/vom-kampf-gegen-naturgefahren/wie-tsunamis-entstehen/
  3. Tsunami: Wie entsteht die Riesenwelle? | Malteser International. (n.d.). https://www.malteser-international.org/de/themen/naturkatastrophen/tsunamis.html
  4. Aktion Deutschland Hilft - Bündnis deutscher Hilfsorganisationen. (n.d.-a). Erklär-Video: Was ist ein Tsunami? Aktion Deutschland Hilft. https://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/fachthemen/natur-humanitaere-katastrophen/tsunamis/mit-800-kmh-in-richtung-kueste/

Mit KI zusammenfassen:

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Lea

Ich liebe die Naturwissenschaften, meine große Leidenschaft ist das Meer. Das Schreiben und die Kreativität habe ich schon als Kind geliebt.