Wenn man in Deutschland zur Schule geht, ist das Fach Deutsch eines der wichtigsten Fächer überhaupt. Kein Wunder, denn natürlich muss man sich in der Landessprache gut ausdrücken können, und insbesondere die Lesekompetenz ist eine wichtige Voraussetzung für die weitere Schullaufbahn, aber auch sonst für den Alltag.

Doch wenn die erste Lese- und Schreibkompetenz erreicht ist, geht es schon bald ans Eingemachte: Man muss Aufsätze schreiben können.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber wenn ich ans Wort "Aufsatz" denke, kommen mir als erstes Aufsatz-Arten wie Erörterung, Interpretation oder Gedichtanalyse in den Sinn.

Doch diese vertiefte und intensivere Arbeit mit Texten erwartet einen ja eigentlich erst im Gymnasium.

Und was it davor? Natürlich geht es nicht von 0 auf 100. Man tastet sich – wie Du natürlich weißt – schon ab der Grundschule ganz langsam ans Schreiben von kleinen Texten und Geschichten heran. Der Anspruch wird dabei von Klasse zu Klasse höher.

Geht Dein Kind aktuell in die Grundschule? Vielleicht in die 3. Klasse oder 4. Klasse? Dann ist das erste Lernen von Lesen und Schreiben abgeschlossen und ab geht es in die Geschichtenwelt!

Vielleicht hat Dein Kind schon Bildergeschichten geschrieben? Und jetzt stehen Reizwortgeschichten als nächstes auf dem Lehrplan?

In diesem Artikel erfährst Du alles über die Reizwortgeschichte und erhältst praktische Tipps, wie Du Deinem Kind bei der Vorbereitung aufs Thema Reizwortgeschichte in der Grundschule helfen kannst!

Was ist eine Reizwortgeschichte?

Eine Reizwortgeschichte ist eigentlich nichts anderes als eine "normale" Erlebniserzählung. Allerdings ist man bei der Themenwahl nicht ganz frei, sondern hat bestimmte Schlagworte vorgegeben, die man zwingend im Aufsatz verwenden muss, die sogenannten Reizwörter.

Worum geht es bei einer Reizwortgeschichte?
Es gibt viele Reizwortgeschichte-Beispiele, auch online als PDF-Arbeitsblätter. | Quelle: Unsplash

Reizwörter heißen so, weil sie eben einen Reiz setzen, also lose vorgeben, in welche Richtung die Geschichte gehen könnte. Dabei ähneln sie auch der Bildergeschichte, bei der man ja auch nicht einfach drauf los schreiben kann, sondern eine Rahmenhandlung vorgegeben hat.

Im Gegensatz zur Bildergeschichte, bei der die Handlung ziemlich detailliert und vor allem visuell und in einer bestimmten Reihenfolge vorgegeben ist, lässt die Reizwortgeschichte allerdings etwas mehr Spielraum. Wichtig ist nur, dass alle Wörter vorkommen, die Reihenfolge, und was man sonst noch so drum herum dichtet, ist egal.

So kann es vorkommen, dass sich innerhalb einer Klasse mit ein und denselben Reizwörtern ganz unterschiedliche Geschichten ergeben.

Was lernt mein Kind durch das Schreiben einer Reizwortgeschichte?

Mal abgesehen von der Rechtschreibung und Grammatik, die beim Aufsatz in der Grundschule immer im Fokus stehen, fördert die Reizwortgeschichte natürlich die Kreativität Deines Kindes. Die grobe Richtung der Geschichte ist durch die Wörter zwar vorgegeben, aber die Schüler*innen müssen sich selbst ausmalen, wie alles genau abläuft.

Vor allem diese zeitliche Flexibilität fördert auch das strukturelle Denken.

Denn hier müssen die Kinder im Gegensatz zur Bildergeschichte selbstständig ihre Geschichte zeitlich sinnvoll strukturieren. Darüber hinaus lernen die Schülerinnen und Schüler so, ihre Gedanken und Ideen sinnvoll in Sätzen auszuformulieren.

Zusätzlich können die Kinder so nach und nach lernen, welche Gedanken und Handlungen wichtig sind (und welche nicht), sodass eine Geschichte entsteht, die für den Leser/die Leserin ansprechend ist.

Was bringen Reizwortgeschichten?
Reizwortgeschichten schreiben fördert u.a. die Kreativität Deines Kindes. | Quelle: Unsplash

Dabei müssen folgende Punkte beachtet und gelernt werden:

  • Wie und wie genau muss und kann ich einzelne Personen beschreiben?
  • Welche Handlungsschritte sind wichtig für die Spannung in der Geschichte?
  • Welche Handlungen oder Details langweilen den Leser/die Leserin eher?
  • Will ich eher eine große Geschichte oder eine kleine Momentaufnahme erzählen?

Wie ist eine Reizwortgeschichte aufgebaut?

Wir wissen nun also, dass das Ziel einer Reizwortgeschichte ist, eine spannende und in sich stimmige Geschichte zu schreiben, in der die vorgegebenen Reizwörter vorkommen.

Doch wie genau sieht der Aufbau aus? Wie kommt man von einer losen Reihe von Wörtern zu einer richtigen Geschichte?

Zunächst einmal sollte man die Überschrift nicht vergessen! Das ist schnell mal passiert und ärgerlich, weil man so leicht verdiente Punkte verliert. Zu einer guten Reizwortgeschichte gehört aber auch, dass man sich eine kreative und vor allem passende Überschrift überlegt!

Im Gegensatz zur etwas besonderen Aufsatzart Brief in der Grundschule besteht die Reizwortgeschichte ganz klassisch aus Einleitung, Hauptteil und Schluss (wie z.B. die Aufsatz-Form Nacherzählung auch).

Die Einleitung soll zum Geschehen hinführen. Klassischerweise werden hier die Hauptpersonen vorgestellt und der Rahmen abgesteckt (z.B. Wo spielt sich die Geschichte ab?).

Im Hauptteil werden die wichtigsten Handlungsschritte der Geschichte erzählt. Dabei ist besonders der Höhepunkt wichtig! Hier passiert das Spannende (z.B. kleiner Unfall) oder etwas Überraschendes (z.B. Begegnung mit jemand Unerwartetem).

Abgerundet wird die Geschichte durch einen kurzen Schluss. Hier werden Fragen beantwortet wie:

  • Wie geht es weiter?
  • Was machen die Figuren danach?
  • Wie wurde das Problem gelöst bzw. was ist die Folge daraus?

Oft ist es so, dass die meisten Reizwörter im Hauptteil der Geschichte vorkommen, das ist aber nicht zwingend. Besonders in der Einleitung, wo der Rahmen gesteckt wird, können häufig auch schon ein bis zwei Reizwörter untergebracht werden.

Reizwortgeschichte – Was ist wichtig?

Die Anforderungen an Reizwortgeschichten fallen je nach Klasse bzw. Klassenstufe natürlich ganz unterschiedlich aus. In der 2. Klasse können die Schüler natürlich meist nur wenige kurze Sätze schreiben (häufig nur Hauptsätze). In der 4. Klasse gibt es dagegen schon einige Schülerinnen, die eine richtige kleine Kurzgeschichte aufs Papier bringen können.

Wie ausführlich (wie viele Zeilen oder Seiten) und abwechslungsreich die Geschichte sein soll, und was genau erwartet wird, wird natürlich im Unterricht besprochen. Am besten machst Du Deinem Kind klar, dass wenn etwas unklar ist, es sich ruhig trauen soll, den Lehrer/die Lehrerin zu fragen.

Was in der 2. Klasse meist noch nicht verlangt wird, wird mit der Zeit immer wichtiger:

  • Kreative und passende Überschrift
  • Unterschiedliche Satzanfänge
  • Spannung erzeugende Wörter und Sätze
  • Wörtliche Rede
  • Frage - und Ausrufesätze
  • unterschiedliche Zeitformen innerhalb eines Textes

Reizwortgeschichte schreiben – Wie kann ich meinem Kind helfen?

Geht Dein Kind in die 3. oder 4. Klasse der Grundschule? Dann wird die Liste aus dem vorhergehenden Kapitel im Fach Deutsch immer wichtiger werden.

Doch es ist gar nicht so einfach, alle Anforderungen zu erfüllen. Viele Kinder haben mit dem Schreiben von Reizwortgeschichten Probleme. Doch in den allermeisten Fällen liegt das nicht an fehlender Kreativität oder Fantasie – davon haben die meisten Kinder mehr als genug!

Das Problem ist eher, die Handlung zeitlich sinnvoll zu strukturieren. Auch kann es zum Problem werden, wenn das Kind eins oder mehrere der Reizwörter nicht kennt, und somit auch nicht sinnvoll einbauen kann. Und eine weitere typische Schwierigkeit ist, dass die Geschichte zu langweilig wird und auch sprachlich zu einfach gehalten ist.

Reizwortgeschichte schreiben – wie helfe ich meinem Kind?
Du kannst Deinem Kind beim Thema Reizwortgeschichte helfen! | Quelle: Unsplash

Das Gute ist: Bei all diesen Punkten und Problemen kannst Du Deinem Kind helfen!

Schauen wir uns das Schritt für Schritt an:

  1. Wie bei der Aufsatzform Brief auch sollte man nicht einfach drauf losschreiben, sondern sich vorher überlegen, was man in welcher Reihenfolge schreiben möchte. Besprich mit Deinem Kind, wie es die Reizwörter nutzen möchte und zeig ihm, wie es eine sinnvolle Stichwortliste als Gerüst für seine Reizwortgeschichte anlegen kann.
  2. Einen breiten Wortschatz erlernt Dein Kind, wenn ihr viel mit ihm sprecht und euch nicht scheut, auch mal schwierigere Wörter zu benutzen. Außerdem hilft es, viel zu lesen (oder vorgelesen zu bekommen). Ansonsten gibt es auch extra Lernbücher oder Arbeitsblätter (z.B. zum Download als PDF) extra zum Thema Wortschatzerweiterung.
  3. Nach den allgemeinen Vokabeln ist es dann auch wichtig, dass Dein Kind spezielle Wendungen zum Schreiben einer Geschichte erlernt. Erarbeitet oder vertieft also gemeinsam die Bedeutung und den Einsatzbereich von Ausdrücken wie: im Anschluss, daraufhin, bevor, nachdem, schließlich, im Vorfeld, anschließend, danach, aber, dann, nun, später, hier, ergänzend, zum Schluss,  jetzt, auf einmal, endlich, plötzlich, zuletzt usw.
  4. Liegt das Problem eher in der Grammatik (Nutzen unterschiedlicher Zeitformen, richtige Zeichensetzung bei Frage- und Ausrufesätzen), kannst Du Deinem Kind in diesen Bereichen gezielte Unterstützung bieten. Auch hierfür gibt es online viele hilfreiche Arbeitsblätter (PDF zum Download), nach Thema aufgeschlüsselt.

Was ganz allgemein auch hilft, ist, vorher mehrere Bildergeschichten zu schreiben. Der engere Rahmen hilft Deinem Kind, sich besser zurechtzufinden und die verschiedenen Punkte, die beim Erzählen von Geschichten (und damit auch Reizwortgeschichten) wichtig sind, einzuüben. Denn am Ende heißt es auch hier einfach: Üben, üben, üben!

Reizwortgeschichte – Beispiele

Hier einige Beispiele für Reizwortgeschichte-Wörter:

  • Arbeitsblatt, Klasse, Lehrer, Hausaufgaben, vergessen
  • Palme, Strand, Meer, Felsen, Affe, Beule, Getränk
  • Download, Dokument, online, Stromausfall, nicht gespeichert
  • Feuer, Rüstung, Schwert, singen, Wasser, Luft, Traum

5 Tipps zum Thema Reizwortgeschichte schreiben

Diese kleine Checkliste kannst Du Deinem Kind an die Hand geben:

  1. Vergiss keines der Reizwörter, alle angegebenen Wörter müssen in der Geschichte vorkommen! Am besten setzt Du einen Haken oder streichst ein Wort durch, wenn Du es benutzt hast.
  2. Eine spannende Überschrift macht neugierig, sei kreativ!
  3. Gliedere Deine Reizwortgeschichte in EinleitungHauptteil (mit Höhepunkt!) und Schluss. Am besten machst Du Dir vorher eine Stichpunktliste, was Du in welchem Teil schreiben willst.
  4. Die Geschichte soll im Präteritum (der 1. Vergangenheit) geschrieben werden (außer der Lehrer hat etwas anderes gesagt).
  5. Denke daran, viele Adjektive ("Wie-Wörter") und wörtliche Rede (inkl. Frage- und Ausrufesätze) zu verwenden, um die Erzählung lebendig zu machen.

Wie gesagt: Übung macht den Meister! Am besten Du suchst gleich online nach dem passenden Arbeitsblatt oder Dokument zum Thema!

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Anna

Man lernt nie aus ...