Wenn Du ein Kind oder mehrere Kinder im Schulalter hast, siehst Du Dich sicherlich immer wieder damit konfrontiert, dass Du Dich mit bestimmten Themen und Lernstoff-Bereichen auseinandersetzen musst, um Deinem Kind helfen zu können.

Insbesondere im Fach Deutsch ist es oft gar nicht so einfach, Schülerinnen und Schülern zu helfen, denn im Gegensatz zu Fächern wie Englisch oder Mathematik weiß man nicht automatisch eine Antwort auf die Fragen der Kinder.

Fragen wie "Was heißt 'Weihnachten' auf Englisch?" oder "Was ist Addition und wie geht das?" sind nun mal einfacher zu beantworten als "Wie schreibe ich eine Bildergeschichte?".

Wenn Dein Kind (oder eins Deiner Kinder) also in die 3. Klasse oder 4. Klasse geht und Aufsätze schreiben können muss, insbesondere Bildergeschichten, erfährst Du hier alles rund ums Thema.

So bist Du gerüstet, wenn es heißt: "Mama/Papa, wir nehmen in Deutsch gerade Bildergeschichten durch. Kannst Du mir helfen?"

Was ist eine Bildergeschichte?

Doch schauen wir uns erst einmal an, was Bildergeschichten überhaupt sind.

In der Grundschule wird man in verschiedene Aufsatz-Arten eingeführt, um den Grundstein zum Verfassen von Texten zu legen. So sind die Kinder für die weiterführende Schule (insbesondere das Gymnasium) gerüstet, denn dort ist die Arbeit mit Texten der Hauptbestandteil des Deutschunterrichts.

Weil die Schülerinnen und Schüler gerade erst beginnen, die deutsche Sprache für sich zu entdecken, beginnt man ab der 2. Klasse meist mit kleinen Geschichten (und Texten von ganz wenigen Seiten). Schließlich will man die Kinder nicht gleich überfordern.

Was ist eine Bildergeschichte Aufsatz Grundschule?
Meist dienen kleine Comics als Vorlage für Bildergeschichten. Besonders beliebt: "Vater und Sohn". | Quelle: rauter25 via Visualhunt

Neben der freien Erlebniserzählung, bei denen die Kinder ihrer Fantasie freien Lauf lassen können, gibt es auch Aufsatz-Arten, bei denen man sich an gewissen Vorgaben orientiert: die beliebte Reizwortgeschichte, bei der man Stichwörter vorgegeben bekommt, sowie die Bildergeschichte, auf die wir hier näher eingehen wollen.

Als Aufhänger dient also eine Reihe von Bildern (selten auch mal nur ein Bild). Dabei handelt es sich meist um einen kleinen Comic. Die Aufgabe ist nun, einen Text zu verfassen, der zu den Bildern passt. So, als würde eine Person den Text vorgelesen bekommen und sich dabei zur Veranschaulichung die Bilder anschauen.

Bildergeschichte schreiben – Was ist wichtig?

Damit Dein Kind eine Bildergeschichte schreiben kann, muss es natürlich zuerst einmal erkennen, was auf den Bildern abgebildet ist, also was passiert. Diese Situationen müssen dann in Worte gefasst und in einem zusammenhängenden Text niedergeschrieben werden. Man muss also Geschichten erzählen können.

Für Dich als Erwachsene wird auf einen Blick erkennbar sein, was die Bilder darstellen, und was die Pointe ist, falls es eine gibt. Vergiss aber nicht, dass das für Kinder nicht selbstverständlich ist.

Dieses Erkennen und Erzählen von in sich stimmigen Bildergeschichten ist ein komplexer Lernprozess, für den Du Deinem Kind Zeit geben musst.

Du kannst ihm aber helfen: Arbeitsblätter mit typischen Bildergeschichten als PDF herunterladen und gemeinsam mit Deinem Kind besprechen, was darauf zu sehen ist, und was die Geschichte dahinter sein könnte.

Wichtig ist dabei, nicht einfach nur das Bild bzw. die Bilder zu beschreiben, sondern sich etwas drumherum auszudenken. Es braucht eine Rahmenhandlung, und die Details dürfen ruhig ausgeschmückt werden. Schließlich soll am Ende eine richtige kleine Geschichte rauskommen, und nicht einfach eine Bildbeschreibung.

Hier kommt wirklich die eigene Fantasie ins Spiel, nicht wie z.B. bei der Textzusammenfassung oder der Nacherzählung, in der man nur schreiben darf, was auch im Originaltext steht.

Wie kann man das Schreiben einer Bildergeschichte vorbereiten?

Doch wie kann mein Kind diesen Schritt vom reinen Erkennen des Sachverhalts bis hin zur Rahmenhandlung der Geschichte machen?

Das geht am besten, indem man die Bilder genau betrachtet, die Details beachtet und sich die folgenden W-Fragen stellt:

  • Welche Namen sollen die Personen haben (falls nicht schon vorgegeben)?
  • Wie ist die Körperhaltung der Personen? Was sagt diese aus?
  • Welche Gesten zeigen die Figuren? Was kann man daraus ableiten?
  • Wie ist der Gesichtsausdruck der Handelnden? Was sagt das über die Gefühle dieser Personen aus?
  • Wie verhält sich eine Person gegenüber anderen? Was sagt das über den Charakter dieser Person aus?
Vorbereitung Bildergeschichte
Die W-Fragen helfen Dir bei Deiner Bildergeschichte. | Quelle: Pixabay

Wenn verstanden wurde, was in den einzelnen Bildern passiert, sollte man sich überlegen, was "drumherum" passiert. Also wie hat die Geschichte begonnen, was könnte eine gute Einleitung sein?

Und was passiert zwischen den Bildern? Gibt es Dinge, die wahrscheinlich passiert sein müssen, damit die Geschichte Sinn ergibt, die man aber nicht explizit sieht?

Wie geht die Geschichte aus? Passiert noch etwas nach der Situation im letzten Bild?

Es ist also wichtig zu wissen, dass die gegebenen Bilder zwar als Aufhänger dienen sollen, das heißt aber nicht, dass man nicht Dinge drumherum ausschmücken und dazu erfinden darf, nur weil sie nicht explizit auf den Bildern zu erkennen sind.

Bildergeschichte – Aufbau

Nun hast Du (bzw. hat Dein Kind) also einige Überlegungen angestellt, wie die Geschichte ungefähr ablaufen könnte. Dann heißt es jetzt: Ran an den Stift und ausformulieren!

Aber halt, wie ist eine Bildergeschichte aufgebaut?

Für alle klassischen Aufsätze (ob Personenbeschreibung in der Grundschule oder Erörterung im Gymnasium) gilt die Regel: Einleitung, Hauptteil, Schluss. So weit, so logisch. (Eine Ausnahme: Grundschulaufsatz Brief schreiben).

Bei Grundschulaufsätzen arbeitet man zur Verdeutlichung gerne mit der sog. Aufsatzmaus. Man muss sich eine Geschichte wie eine Maus vorstellen: Die flache Schnauze ist die kurze Einleitung. Der Hauptteil ist der Mauskörper. Er ist der längste Teil und erreicht seinen Höhepunkt am höchsten Punkt des Mausrückens, bevor er etwas abflacht und in den Schluss, den Po und Schwanz der Maus übergeht.

Überschrift

Zunächst einmal ist es wichtig, sich eine passende Überschrift zu überlegen. Das kann man zwar theoretisch auch erst am Ende machen, wenn man die Geschichte schon geschrieben hat, aber dann ist die Gefahr, dass man es vergisst.

Wir empfehlen deshalb, einfach mal eine Überschrift hinzuschreiben. Wenn einem Seiten später noch was Besseres einfällt, kann man diese immer noch ersetzen.

Die Überschrift sollte gut zu den Bildern passen, aber vielleicht nicht gleich verraten, was im Höhepunkt passiert. Es ist immer gut, wenn sie den Leser/die Leserin dazu motiviert, die Geschichte auch wirklich zu lesen, also eine Art "Teaser" bietet.

Dazu kann man einen Hinweis geben, was passiert, ohne zu explizit zu sein, zum Beispiel: "Ein Ausflug mit Überraschungen" oder "Das etwas andere Chorkonzert". So fragt man sich nämlich gleich zu Beginn, was denn die Überraschung sein könnte bzw. warum dieses Konzert nicht normal ist.

So wird man dazu angeregt, solche Texte zu lesen, um es herauszufinden.

Einleitung

Noch mal zur Aufsatz-Maus: Die Einleitung beginnt mit dem Kopf der Maus, ist also kurz und führt zum Hauptteil hin.

In der Einleitung sollte man also nur kurz den Rahmen abstecken, sodass der Leser/die Leserin weiß, wer die Hauptpersonen sind, um die es in der Geschichte geht, und vielleicht noch wo sich das Geschehen abspielt (falls das eine Rolle spielt).

Eine Einleitung für eine Bildergeschichte könnte z.B. so lauten: "Vater und Sohn saßen gemeinsam auf einer Parkbank und schauten dem Treiben um sie herum zu."

Hauptteil

Der Hauptteil ist – wie der Name schon sagt – der wichtigste Teil des Aufsatzes. Hier sollte Dein Kind ausführlich und spannend beschreiben bzw. erzählen, was in der Geschichte passiert.

Folgende Fragen sollte es dabei beantworten:

  • Was machen die Figuren? Was passiert ihnen? Was erleben sie? Wie fühlen sie sich dabei?
  • Wo spielt sich die Geschichte ab? Gibt es etwas Besonderes an diesem Ort?
  • Was passiert genau (gerne viele Details)? Was ist das Besondere/die Gefahr/die Überraschung?
    Also auch: Was ist der Höhepunkt oder die Pointe der Geschichte?
  • Gibt es weitere Personen oder Tiere in der Geschichte?

Schluss

Die Geschichte, also was passiert, ist damit erzählt. Doch natürlich wird niemand nach dem Höhepunkt gern einfach in der Luft hängen gelassen. Es liegt unserer Natur, einen Abschluss zu suchen. Wir wollen einfach gerne wissen, wie eine Geschichte endet.

Deshalb solltest Du bzw. sollte Dein Kind einen kurzen Schlusssatz – eben so kurz wie das Hinterteil bzw. der Schwanz einer Maus – schreiben, der die Geschichte abrundet.

Das könnte dann so klingen: "Nachdem Vater und Sohn sich wieder vertragen haben, gehen sie Hand in Hand nach Hause."

Tipps & Tricks rund um die Bildergeschichte in der Grundschule

Zum Abschluss wollen wir Dir und Deinem Kind noch ein paar Tipps bzw. eine Übersicht mit auf den Weg geben, wie man den Aufsatz Bildergeschichte in der Grundschule möglichst gut schreiben kann.

Kann jeder Bildergeschichte lernen?
Mit den richtigen Tipps und viel Übung kann jeder lernen, Bildergeschichten zu schreiben! | Quelle: Unsplash

Folgende Punkte solltet ihr u.a. beachten:

  • Aufgabe: Nicht einfach die Bilder beschreiben, sondern: Bildergeschichten sollen Geschichten erzählen.
  • Thema: Bilder genau beachten, um eine Thema-Verfehlung zu vermeiden!
  • Aufbau: "Aufsatz-Maus" beachten.
  • Qualität statt Quantität: In einem Grundschul-Aufsatz geht es nicht darum, mehrere Seiten voll zu schreiben, sondern die Geschichten, die man erzählen will, zählen.
  • Zeitform: Präteritum oder Präsens.
  • Ausdruck: Arbeitsblätter (z.B als PDF) helfen, abwechslungsreiche Formulierungen zu lernen.

Deinem Kind fällt es noch schwer zu lernen, wie man gut Geschichten erzählen kann? Keine Sorge, mit ein unseren Tipps, genug Übung und den richtigen Materialien (Arbeitsblätter als PDF oder Doc) können alle Schülerinnen und Schüler lernen, wie man Bildergeschichten für die Grundschule und allgemein gute Texte schreibt.

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Anna

Man lernt nie aus ...