Eigentlich bist Du das Schreiben von Klausuren nach dem Jurastudium mehr als gewohnt.

Du hast während Deines Studiums bereits zahlreiche juristische Klausuren geschrieben, hast im Optimalfall bis zu 100 Übungsklausuren zur Vorbereitung auf das Erste Juristische Staatsexamen angefertigt und auch die sechs Prüfungen der Staatsprüfung hast Du gemeistert.

Das ist gut. Die Prüfungssituation ist nicht nicht unbekannt.

Dennoch gibt es im Jura Referendariat und auch im Zweiten Juristischen Staatsexamen (auch Assessorexamen genannt) einiges zu beachten, denn ab jetzt schreibst Du Deine Prüfungen nicht mehr hauptsächlich im Gutachtenstil (den Du wahrscheinlich mittlerweile im Schlaf beherrschst), sondern im sogenannten Urteilsstil.

Außerdem erwarten Dich eine ganze Reihe neuer Prüfungsformen, wie beispielsweise die zivilrechtliche Anwaltsklausur.

Davon musst Du im Assessorexamen mindestens eine schreiben, wahrscheinlich sogar mehr.

Hier solltest Du also auf keinen Fall auf Lücke lernen!

Deshalb haben wir im folgenden Beitrag ein paar wichtige Hinweise zu Urteilsstil und Anwaltsklausur für Dich zusammengefasst.

Mehr zu den Anforderungen im Rechtsreferendariat findest Du in einem weiteren Artikel von Superprof!

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Was ist eine zivilrechtliche Anwaltsklausur?

Die zivilrechtliche Anwaltsklausur ist, wie der Name schon sagt, eine Klausur, die Du im Bereich des Zivilrechts schreibst.

Bei der Anwaltsklausur handelt es sich um ein rechtliches Gutachten über das Bestehen von Ansprüchen, ähnlich wie Du es auch aus dem Zivilrecht im Ersten Juristischen Examen kennst.

Allerdings gibt es in der Anwaltsklausur ein paar Besonderheiten, die Du unbedingt beachten solltest.

Die Anwaltsklausur trägt ihren Namen, da Du während der Klausur in die Rolle eines Anwalts bzw. einer Anwältin schlüpfst und dann ein Gutachten für Deinen Mandanten oder Deine Mandantin erstellst.

Bei der Anwaltsklausur musst Du Dich in die Situation eines Anwalts versetzen können.
Stell Dir bei Deiner Anwaltsklausur vor, die Mandanten würden direkt vor Dir sitzen und Dir den Sachverhalt schildern. | Quelle: Unsplash

Anders als Du es aus dem Jurastudium kennst, bekommst Du keinen fiktiven und oftmals absurden Sachverhalt vorgelegt, sondern einen Aktenvermerkt, der ein Gespräch zwischen Anwalt und Mandant protokolliert hat.

Meistens ist es dann Deine Aufgabe die Erfolgsaussichten einer Klage zu prüfen.

Die Aufgabenstellung könnte dann beispielsweise lauten:

Es ist ein Gutachten über die Möglichkeiten und Erfolgsaussichten der Durchsetzung der Forderungen der Mandantin zu erstellen. Das Gutachten ist mit einem Vorschlag zum weiteren Vorgehen abzuschließen.

Falls ein gerichtliches Vorgehen vorgeschlagen wird, ist eine entsprechende Klageschrift bzw. ein anderweitiger Schriftsatz zu entwerfen. Wird von der Verfolgung des Anspruchs abgeraten, sind die Erwägungen zu diesem Vorschlag in einem Schreiben an die Mandantin niederzulegen.

Andere Aufgabenstellungen könnten aber auch folgende Bereiche betreffen:

  • Klageerwiderung
  • Zwangsvollstreckungsverfahren
  • Einstweiliger Rechtsschutz
  • Berufung

Die vier gängigsten Klausurtypen sind:

  • die Klägerklausur: Dein Mandant / Deine Mandantin möchte einen Anspruch oder ein Recht durchsetzen und Du sollst die Erfolgsaussichten einer entsprechenden Klage prüfen
  • die Beklagtenklausur: Dein Mandant / Deine Mandantin möchte sich gegen einen gerichtlich geltend gemachten Anspruch wehren und Du sollst die Erfolgsaussichten einer entsprechenden Klageerwiderung prüfen
  • der Einspruch des/der Beklagten gegen ein Versäumnisurteil: gegen den oder die Beklagte ist ein Versäumnisurteil ergangen, gegen das er / sie sich wehrt. Du sollst die Erfolgsaussichten prüfen
  • der Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz: Dein Mandant / Deine Mandantin begehrt einstweiligen Rechtsschutz und Du sollst die Erfolgsaussichten prüfen

Auf diese vier Konstellationen solltest Du Dich unbedingt vorbereiten!

Was muss ich bei der Anwaltsklausur beachten?

Ziel der Anwaltsklausur ist es, denn Alltag und Aufgabenbereich eines Rechtsanwalts bzw. einer Rechtsanwältin realistisch abzubilden. Dementsprechend sollst Du also auch so vorgehen, wie Du es tun würdest, wenn der Fall real auf Deinem Schreibtisch liegen würde.

Der Aufbau der Anwaltsklausur richtet sich also nach den Arbeitsschritten eines Rechtsanwalts bzw. einer Rechtsanwältin.

Der Aufbau der Anwaltsklausur orientiert sich an den Aufgaben eines Anwalts.
Gehe bei der Anwaltsklausur wie ein richtiger Rechtsanwalt vor. | Quelle: Unsplash

Einer jeden Anwaltsklausur lässt sich somit zunächst einmal folgender Aufbau zugrunde legen:

  1. Das Begehren des Mandanten / der Mandantin feststellen
  2. Ein Rechtsgutachten erstellen
  3. Zweckmäßigkeitserwägungen (prozesstaktische Überlegungen)
  4. Anfertigung eines Schriftsatzentwurfes je nach Klausurentyp (Klageschrift, Klageerwiderung etc.)

Was sich hinter den einzelnen Schritten verbirgt, erfährst Du im Folgenden.

Mandantenbegehren

Die Arbeit einer Anwältin oder eines Anwaltes beginnt zunächst einmal damit, dass eine Mandantin oder ein Mandant auf sie oder ihn zukommt, ihr oder sein Anliegen schildert und dann einen Auftrag erteilt.

Das Ganze wird in einem sogenannten Aktenvermerkt protokolliert.

Dieser fiktive Aktenvermerkt wird Dir in der Anwaltsklausur zur Verfügung gestellt und Deine erste Aufgabe ist es, daraus das Begehren des Mandanten / der Mandantin zu ermitteln.

Zu Beginn der Klausur solltest Du deshalb als aller erstes den Aktenauszug und den Bearbeitervermerk gründlich lesen – am besten gleich mehrmals.

Danach solltest Du genau wissen, was Du tun sollst, also was von Dir in der Prüfung verlangt wird.

Achtung: Achte besonders darauf, auch wirklich nur zu tun, was Du tun sollst. Prüfst Du Ansprüche, die Du überhaupt nicht prüfen sollst, verschenkst Du kostbare Bearbeitungszeit während der Prüfung.

Rechtsgutachten

Hast Du das Mandantenbegehren ermittelt, gilt es die Rechtslage unter materiellen und prozessrechtlichen Gesichtspunkten zu prüfen, also ein Rechtsgutachten zu erstellen.

Prüfe hierbei alle in Betracht kommenden Ansprüche.

Versuche das Begehren der Mandanten durchzusetzen.
Wichtig ist es, sich bei der Anwaltsklausur immer am Begehren der Mandanten zu orientieren. | Quelle: Unsplash

Hier kommt der Gutachtenstil zum Einsatz, den Du ja vom Ersten Examen noch zu genüge kennen solltest.

Gehe ähnlich wie bei Deinen früheren Klausuren vor und fertige zunächst eine Lösungsskizze für Dein Gutachten an. Eine gute Lösungsskizze erleichtert Dir am Ende die Niederschrift der Prüfung.

Unproblematische Tatbestandsmerkmale handelst Du kurz und knackig im Urteilsstil ab.

Im Rechtsgutachten ist es besonders wichtig, dass Du die Schwerpunkte der Klausur richtig setzt, also bei Deiner Prüfung sichtbar machst, dass Du diese erkannt hast.

Zweckmäßigkeitserwägungen

Im dritten Schritt prüft der Anwalt / die Anwältin unabhängig vom Ergebnis des Gutachtens, welche prozessualen Schritte am zweckmäßigsten sind, also wie er / sie das Begehren bzw. den Anspruch der Mandanten am besten durchsetzen kann.

Meistens kommst Du zu dem Ergebnis, dass es sich für den Mandanten / die Mandantin lohn, seine / ihre Ansprüche gerichtlich zu verfolgen.

Im Rahmen der Zweckmäßigkeitserwägung musst Du Dir nun überlegen, wie er seine Ansprüche am effektivsten erreichen kann. Du musst also prozesstaktisch Vorgehen und Dein anwaltliches Geschick unter Beweis stellen.

Hier ist insbesondere Deine Argumentationsfähigkeit gefragt, denn Du musst Deinen Mandanten von Deinem Vorschlag überzeugen können.

Vergiss nicht, bei der Erwägung gegebenenfalls auch Kostenfragen mit einzubeziehen.

Praktischer Teil: Schriftsatzentwurf

Im letzten Schritt folgt dann der praktische Teil der Klausur. Je nachdem, wie Du Dich in Deiner Zweckmäßigkeitserwägung entschieden hast, musst Du nun einen entsprechenden Schriftsatz entwerfen.

Bist Du beispielsweise zu dem Schluss gekommen, dass ein prozessuales Vorgehen gute Erfolgsaussichten hat, verfasst Du einen Schriftsatz an das Gericht. Dieser enthält den entsprechenden Antrag inklusive einer ausführlichen Begründung.

Kommst Du zu dem Ergebnis, dass Dein Mandant oder Deine Mandantin von einer Verfolgung seiner bzw. ihrer Ansprüche lieber absehen sollte, musst Du ihm oder ihr das in einem Schreiben mitteilen und begründen. Achte darauf, Deine Begründung so zu verfassen, dass sie ein potentieller Mandant auch wirklich versteht.

Manchmal kann es auch nötig sein, einen Schriftsatz an den Gegner des Rechtsstreits zu verfassen. Darin teilst Du die Forderung Deines Mandanten mit und begründest diese ausführlich und nachvollziehbar.

Zum Schluss musst Du noch den Antrag an das Gericht stellen.
Welchen Schriftsatz zu verfassen musst, hängt ganz von Deiner Zweckmäßigkeitserwägung ab. | Quelle: Unsplash

Hier kannst Du Dir mal eine solche Anwaltsklausur inklusive Musterlösung anschauen!

Urteilsstil vs. Gutachtenstil

Obersatz, Definition, Subsumtion, Konklusion.

Dieser Aufbau sollte Dir nur all zu bekannt sein.

Zahlreiche Klausuren hast Du nach eben diesem Prinzip geschrieben.

Zu Deinen Aufgaben im Referendariat wird es aber künftig gehören, Urteile zu schreiben. Dafür ist es notwendig, den Gutachtenstil zeitweise mal beiseite zu schieben und den sogenannten Urteilsstil zu beherrschen.

Anders als beim Gutachtenstil präsentierst Du das Ergebnis beim Urteilsstil sofort, statt erst einmal mühsam den Sachverhalt zu subsumieren.

Gutachtenstil: A könnte gegen B einen Anspruch aus § 823 BGB haben, wenn B die Beschädigung der Sache zu vertreten hat. Vertretenmüssen setzt nach § 276 Abs. 2 BGB zumindest Fahrlässigkeit voraus, also das außer Acht lassen der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt.

Dann folgt Dein Gutachten, wo Du letztendlich zu dem Ergebnis kommst, dass A keinen Anspruch gegen B aus § 823 BGB hat, da B umsichtig gehandelt hat und den Schaden somit nicht vertreten muss

Urteilsstil: A hat keinen Anspruch gegen B aus § 823 BGB, da B sein Verhalten gemäß § 276 Abs. 2 BGB nicht zu vertreten hat.

Du gehst im Urteilsstil also nach folgendem Aufbau vor:

  • Obersatz, in dem Du das Ergebnis darstellst
  • Definition des rechtlichen Maßstabs
  • Anwendung des rechtlichen Maßstabs auf den konkreten Sachverhalt in Form der Subsumtion

Der Urteilsstil unterscheidet sich vom Gutachtenstil also nur minimal.

Außerdem solltest Du auch den Gutachtenstil unbedingt nicht vergessen, denn auch im Referendariat und im Zweiten Staatsexamen wirst Du diesen noch benötigen.

So schreibst Du die zivilrechtliche Anwaltsklausur zum Beispiel grundsätzlich in einer Kombination aus Gutachten- und Urteilsstil.

Da Du bei der zivilrechtlichen Anwaltsklausur ein Gutachten und kein Urteil erstellst, prüfst Du die Ansprüche grundsätzlich auch im Gutachtenstil. Jegliche unproblematischen Tatbestandsmerkmale, die nicht Schwerpunkt der Klausur sind, solltest Du aber so knapp wie möglich im Urteilsstil abhandeln.

Hieran kann der Prüfer oder die Prüferin auch gut erkennen, ob Du die Schwerpunkte der Klausur richtig erkannt hast.

Hast Du Dir eigentlich schon Gedanken darüber gemacht, wo Du die verschiedenen Stationen im Ref absolvieren möchtest?

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Jana

Hoffnungslose Träumerin mit einer großen Liebe zum geschriebenen Wort, gutem Essen und Musik.