Privatunterricht Sprachen Nachhilfe Musik Sport Kunst & Freizeit
Teilen

So spielt die Geige in Asien!

Von Melanie, veröffentlicht am 25/06/2019 Blog > Musik > Violine > Praktiken des Geigenspielens in Asien

„Wir sind uns darüber im Klaren, dass die Zukunft der klassischen Musik in Asien liegt“, so Didier Schnorhk, Präsident der World Federation of International Music Competitions.

Die Tatsache, dass die Kunst des Geigenspielens in Asien weit verbreitet ist, ist für viele mittlerweile kein Geheimnis mehr. Dies spiegelt sich vor allem in den exzellenten, asiatischen Kandidaten bei renommierten Musikwettbewerben wie dem Tschaikowsky-Wettbewerb oder dem Menuhin-Wettbewerb in Genf wider: Im Durchschnitt machen Kandidaten asiatischer Herkunft hier 47 % der Teilnehmer und 35 % der Gewinner aus!

Allerdings genießen die verschiedenen Saiteninstrumente wie Violine, Cello oder Kontrabass in Asien nicht unbedingt das gleiche Ansehen. Um diese verschiedenen Sichtweisen zu verstehen, hilft ein Rückblick auf die Geschichte des Geigenspiels, die Besonderheiten der Geige und die asiatische Geigenausbildung.

Saiteninstrumente, die in Asien gespielt werden.

Wie wird in Asien Geige gespielt?

Die Geiger ist fester Bestandteil einer langen Tradition an überlieferten Streichinstrumenten. Etwa seit dem 15. Jahrhundert ist sie unter ihrem modernen Namen „Geige“ bekannt. Sie existierte in China und Indien jedoch bereits schon Hunderte von Jahren zuvor unter anderem Namen.

In einigen Ländern wird zudem traditionelle oder auch zeitgenössische Musik auf althergebrachten, geigenähnlichen Instrumenten gespielt:

In China ist es die berühmte Erhu: Sie ist eine zweisaitige, mit dem Bogen gestrichene Röhrenspießlaute. Ihr offener Holzsoundkasten ist meist mit einem Schlangenfell bedeckt. Der Resonanztisch besteht aus einem Holzbrett und die Saiten werden traditionell aus Rosshaar gefertigt.

Wie lernt man Geige spielen? Geige spielen ist in Asien sehr beliebt. | Quelle: Pixabay

In Indien ist das Vînâ eines der wichtigsten Musikinstrumente der traditionellen indischen Musik.

In Japan gibt es die Kokyus, sogenannte Langhalslauten, die mit einem Bogen gestrichen werden. Die Kokyu wird in der Regel als eine Mischung zwischen der klassischen westlichen Geige und der chinesischen Erhu betrachtet und ist das einzige Instrument, das im Land mit einem Bogen gespielt wird.

Die Tatsache, dass Asien den europäischen Geigenspielern mehr und mehr den Rang abläuft, ist auch im Berufsfeld der Geigenbauer spürbar. War das Handwerk des Geigenbauens einst das Vorrecht großer europäischer Hersteller, so ist China heute ein ernst zu nehmender Konkurrent. Pinggu, eine Stadt nur wenige Kilometer von Peking entfernt, beherbergt eines der erfolgreichsten Geigenbauzentren der Welt: Die dort gefertigten Geigen (westlicher Stil) haben mittlere Reichweiten und werden hauptsächlich ins Ausland verkauft (70 % des Umsatzes). Ja, Stradivarius ist nicht mehr die einzige, qualitativ hochwertige Marke auf dem Geigenmarkt.

Bei der Ausbildung gibt es jedoch gravierende Unterschiede. Tatsächlich genießt ein Geigensolist in Asien nicht die gleiche Ausbildung wie in Europa. Ebenso sind die musikalischen Referenzen unterschiedlich, genau wie die Lehrer und Professoren. Auch der Klang des Geigenspiels kann, abhängig von den Besonderheiten der Geige in den verschiedenen Regionen Asiens, variieren.

 

Die Besonderheiten der Geigen in verschiedenen Gebieten Asiens

Was sind die Besonderheiten des asiatischen Geigenspiels? Jedes asiatische Land hat seine eigene Vision vom Geigenspiel und Klang. Allerdings sind Verallgemeinerungen hier schwierig, denn wenn man von Asien spricht, sind immerhin 47 Länder und ein Teil von Russland inbegriffen.

Starten Sie jetzt mit ihrem Geigenunterricht!

Wie lernt man Geige spielen? Um Geige zu lernen, muss man auch Noten lesen können! | Quelle: Pixabay

Südostasien und die Biola

Wir finden hier die musikalischen Einflüsse der folgenden Länder:

  •      Indonesien,
  •      Malaysia,
  •      Philippinen.

In der Geschichte dieser Länder, die stark unter dem Kolonialismus gelitten haben, ist die klassische, westliche Violine zwar ab und zu aufgetaucht, hat sich aber nie dauerhaft durchgesetzt. Die Bewohner dieser Länder sind im Großen und Ganzen nicht sehr vertraut mit klassischer Kammermusik und Symphonieorchestern. Stattdessen kennen sie sich mit der Biola aus, einer lokalen Variante der Geige, die im 16. Jahrhundert von Portugiesen und Spaniern in die Region gebracht wurde.

Die Geige im Mittleren Osten

In dieser Region Asiens ist die klassische, westliche Geige bekannt und gehört sogar zur lokalen Musiktradition. Wir sprechen hier vor allem über die folgenden Länder:

  •      Iran,
  •      Irak,
  •      Türkei,
  •      Israel.

In diesen Ländern gibt es – genau wie in Nordafrika – Einflüsse von Zigeunermusik oder Zigeunerjazz, genau wie in Nordafrika. Die Geige, die auch Kamanche-Geige, Djoza-Geige, Kemence-Geige oder Volksgeige genannt wird, wird auf den Beinen oder Knien sitzend, ohne Schulterpolster und Kinnriemen, gespielt.

Geigenspiel ist sowohl in der traditionellen türkischen Musik, als auch in der modernen Popmusik präsent. Sie wird daher auch an Musikschulen praktiziert und gelehrt. In der arabischen Wissenschaftsmusik ist außerdem die Keman, das Äquivalent zur westlichen Geige, noch immer sehr beliebt.

Wann soll man Geige lernen? Es gibt nicht das perfekte Alter, um mit dem Geige spielen zu beginnen. | Quelle: Pixabay

Leidenschaft fürs Geigenspiel auch in China, Korea und Japan

Während das chinesische Reich bereits im 8. Jahrhundert klassisches Geigenspiel in seine Volksfeste integrierte, interessierten sich Japan und Korea erst sehr spät für dieses Instrument. Erst in den letzten 30 Jahren hat sich das Interesse der Länder am Geigenspiel wirklich entwickelt. Dies hängt vermutlich mit dem gesteigerten Interesse dieser beiden asiatischen Länder am musikalischen Wettbewerb mit Europa und anderen Kontinenten zusammen.

Tatsächlich erfordert das Erlernen des Geigenspiels viel Disziplin und harte Arbeit. Zwei Dinge, für die die beiden Länder weltweit bekannt sind. In Südkorea stellt Didier Schnorhk fest:“Es gab eine große Bereitschaft, in Bildung im Allgemeinen und in Kultur im Besonderen zu investieren. Wir haben große Musikschulen eröffnet, die besten Lehrer aus dem Ausland eingeladen und Strukturen entwickelt, um das Geigenspiel in der koreanischen Kultur zu verbreiten.“

Eine proaktive Politik dieser Länder, die jetzt offenbar Früchte zu tragen scheint.

Aber was ist mit Geigenschulen in Asien? Wo kann ein Student hoffen, ein renommierter Konzertviolinist zu werden?

Geigenunterricht

Wo lernt man in Asien am besten das Geigenspiel? Immerhin kommen nach wie vor viele Asiaten nach Europa – meist nach Frankreich oder in die Schweiz – um sich hier von renommierten Lehrern ausbilden zu lassen.

Um wirklich Geige spielen zu lernen, braucht man eine einwandfreie Ausbildung, bestehend aus Musiktheorie und Instrumentalübungen. Dafür gibt es in den meisten asiatischen Ländern nur eine Option: das Musikkonservatorium. Die Schüler werden hier zu Geigern oder Cellisten ausgebildet, lernen das Spiel der Barockvioline, E-Geige und Bratsche und bilden sich in einem Streichquartett täglich weiter.

DAs Wichtigste in Asien ist es an einer nationalen höheren Musikhochschule, sei es ein Konservatorium, eine Musikschule oder ein Fachinstitut aufgenommen zu werden. Nur damit ist es normalerweise möglich, das für ein Auslandsstudium oder für die Teilnahme an internationalen Wettbewerben erforderliche Niveau zu erreichen.

Die renommiertesten Musikschulen in Asien sind:

  • In Südkorea: die Korean National School of Music
  • In Indien: die Delhi School of Music
  • Im Iran: das Konservatorium „Khoshnahad Peiman“
  • In Israel: die Musikhochschule Buchmann-Mehta
  • In Japan: Aichis Musikfakultät
  • In Malaysia: das International College of Music in Kuala Lumpur
  • In Taiwan: das Taiwan Normal University College of Music
  • In der Türkei: das Konservatorium „Mimar Sinan“ in Istanbul
  • In Vietnam: das Hanoi Conservatory

Wusstest du das? Von den in Europa ausgebildeten virtuosen Geigern sind 23 % asiatischer Herkunft.

Jedes Jahr schließen sich viele asiatische Geiger renommierten Institutionen in Europa an, um hier ihre Ausbildung abzuschließen. So können sie die europäischen Anforderungen erfüllen und die Skalen von Beethoven, Brahms, sowie die Einflüsse von Strawinsky oder Profokiev erlernen.

Virtuosen unter den asiatischen Geigern: Einige große Namen

Welche sind die großen Namen unter den asiatischen Geigenspielern? Ray Chen ist einer der talentiertesten Geiger seiner Generation: Ursprünglich aus Taiwan, bereist er heute mit seinem Geigenspiel die Welt.

Wie wird man als Geigensieler erfolgreich? Übung macht den Meister! | Quelle: Pixabay

Einige Leute beherrschen das Geigenspiel besser als andere, so viel ist bekannt. Durch das Spielen in einer Philharmonie oder einem Nationalorchester erhöhen sich die Chancen, ein gewissen internationales Ansehen zu erlangen. Hilfreich ist es auch im internationalen Wettbewerb zu bestehen, welcher inzwischen weitgehend von Asiaten dominiert wird.

Zu den bekanntesten asiatischen Geigenspielern gehören:

  • Ray Chen, ein Taiwanese, der das moderne Geigenspiel perfekt beherrscht
  • Kyung Wha Chung, eine moderne Geigerin und Brahms-Fan, in ihrer Heimat Südkorea sehr bekannt
  • Vanessa-Mae, eine Virtuosin des klassischen Geigenspiels, die schon in ihrer Kindheit viele Auszeichnungen erhalten hat
  • Nedim Nalbantoglu, ein wunderbarer Geiger aus der Türkei
  • Lakshminarayana Subramaniam, ein Inder, der das multikulturelle Violinenspiel fördert
  • Kayhan Kalhor, der iranische „König der Geige“.

Wie lange dauert es, ein großer Geiger zu werden? Das Durchschnittsalter der erfolgreichen Geiger liegt, abgesehen von wenigen Wunderkindern, bei 33 Jahren.

 

Was Dirigenten betrifft, so gibt auch hier einige Berühmtheiten z. B.:

  • Jing Huan, eine junge Frau aus Peking,
  • Myung-Whun Chung, koreanischer Träger eines renommierten nationalen Preises, des Kumkuan, der neben seiner Leidenschaft für das Geigenspiel auch Pianist ist

Es scheint also, dass das asiatische dem europäischen Geigenspiel trotz historischer, sozialer und kultureller Unterschiede sehr ähnlich ist. Und was noch viel besser ist: Die Perspektiven werden vermischt und Kenntnisse ausgetauscht, besonders bei den für alle Länder zugänglichen, großen Musikwettbewerben. Denn letzten Endes ist Musik doch transnational und kennt keine Grenzen, nicht wahr?

Und du, willst du Geige spielen oder zumindest einen dieser exzellenten Geiger spielen sehen?

Teilen

Wir freuen uns über Feedback von unseren Lesern
Enthält dieser Artikel die Informationen, nach denen Du gesucht hast?

Dieser Artikel war totaler Käse? Wirklich?Okay, beim nächsten Mal wird's besserNur Durchschnitt? Was fehlte Dir konkret?Danke Dir! Stelle verbliebene Fragen gerne untenWir freuen uns, dass wir Dir helfen konnten :) (Aktuell gibt es hierzu noch keine Bewertung)
Loading...
avatar