„Manchmal ist die schönste Sache, die Du mit einer Gitarre machen kannst, sie einfach nur anzuschauen.“

– Thom Yorke

Vom Anschauen der Gitarre alleine hat aber noch niemand spielen gelernt.

Laut einer Studie von 2016 hören die Menschen in Deutschland pro Woche 17,8 Stunden lang Musik. Das sind zweieinhalb Stunden pro Tag. Aber nicht alle, die gerne Musik hören, spielen auch selbst ein Instrument.

Auch durchs Hören alleine wird man also kein*e Musiker*in. Das gilt auch für die Gitarre. Ob Akkorde, Pentatonik, Bending oder eine C-Dur-Tonleiter – das alles will geübt werden.

Machen wir uns also an die Arbeit und schauen uns an, was eine Dur-Tonleiter ist.

Und willst Du dann noch mehr rund um's Thema Gitarre lernen, lies unsere Artikel zu den weiteren Gitarre-Tonleitern durch oder treffe einen unserer Gitarrenlehrer*innen, - persönlich oder über einen Online Gitarrenkurs via Webcam - die Dir alle weiteren Einzelheiten über das Instrument erklären und zeigen können.

Was ist eine Dur-Tonleiter auf der Gitarre?

Auch wenn Du noch nie Musik gemacht hast, wirst Du die Dur-Tonleiter schon kennen, vielleicht ohne es zu wissen.

Eine Tonleiter ist nichts anderes als eine Abfolge von Tönen, die einen bestimmten Abstand zu einander haben. Vielleicht hast Du in der Schule die Silben „Do Re Mi Fa So La Ti Do“ gesungen. Das ist eine Dur-Tonleiter.

Auf einem Klavier sind schwarze und weiße Tasten nach einem gut erkennbaren Muster angeordnet. Von Taste zu Taste wird der Ton jeweils ein Halbton höher. Die weißen Tasten entsprechen den Tönen der C-Dur-Tonleiter.

Daraus lässt sich ein Muster ablesen, das auf alle anderen Dur-Tonleitern übertragbar ist. Wenn Du dieses System einmal verstanden hast, kannst Du es in jede Tonart übertragen und musst nicht jede Tonleiter einzeln auswendig lernen.

Welche Struktur hat eine Dur-Tonleiter?

Die Dur-Tonleiter besteht aus sieben verschiedenen Tönen. Am Ende wiederholt sich der erste Ton; er ist einfach eine Oktave höher als am Anfang.

Die einzelnen Töne haben einen Abstand (Intervall) von einem Halb- oder einem Ganzton. Um nochmal das Klavier zu Hilfe zu nehmen: zwischen zwei Tasten liegt jeweils ein Halbtonschritt. Wenn eine Taste übersprungen wird, liegen die Töne dementsprechend einen Ganzton auseinander.

Die Abfolge von Ganz- und Halbtonschritten sieht in der Dur-Tonleiter so aus:

  • I zu II: Ganzton
  • II zu III: Ganzton
  • III zu IV: Halbton
  • IV zu V: Ganzton
  • V zu VI: Ganzton
  • VI zu VII: Ganzton
  • VII zu I: Halbton

Auf dem Klavier sind die Habtonschritte der C-Dur-Tonleiter an der Stelle, wo zwischen zwei schwarzen Tasten keine weiße ist.

Auf der Gitarre kannst Du zwar die C-Dur-Tonleiter nicht so genau erkennen, trotzdem ist das Instrument so aufgebaut, dass Tonleitern recht leicht zu erlernen sind. Das Intervall zwischen zwei nebeneinanderliegenden Bünden entspricht immer einem Halbton.

Auch Gitarristen können die Dur-Tonleitern lernen, wenn sie sich Klaviertasten anschauen.
An Klaviertasten kann man den Aufbau von Dur-Tonleitern gut erkennen. | Quelle: Emir Doreh via Unsplash

Wenn Du Dur-Tonleitern auf der Gitarre spielen lernen willst, kannst Du Dir die Struktur also auch so merken: 2-2-1-2-2-2-1. Damit weißt Du immer, ob Du für den nächsten Ton einen oder zwei Bünde weitergreifen musst.

Egal auf welchem Ton Du nun anfängst zu spielen, wenn Du die Struktur einhältst, wird immer eine Dur-Tonleiter erklingen.

In Noten aufgeschrieben, sind die Töne der C-Dur-Tonleiter alle Töne ohne Vorzeichen in aufsteigender Reihenfolge (C-D-E-F-G-A-H-C). Wenn Du nun von einem anderen Grundton aus startest, wirst Du bei manchen Tönen Vorzeichen (ein Kreuz zum Erhöhen, oder ein Be zum vermindern) hinzufügen müssen.

In der Musiktheorie werden Tonleitern oft so beschrieben, dass immer das Intervall (der Abstand) zum Grundton angegeben wird:

  • Große Sekunde
  • Große Terz
  • Reine Quarte
  • Reine Quinte
  • Große Sexte
  • Große Septime
  • Reine Oktave

Im Vergleich zu anderen Tonleitern ist für die Dur-Tonleiter charakteristisch, dass der Abstand zwischen dem ersten und dritten Ton 4 Halbtöne beträgt (eine große Terz).

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Welche Töne kommen in einer Dur-Tonleiter vor?

Im Gitarrenunterricht wirst Du wahrscheinlich als erstes Melodien und Akkorde in Dur spielen, und ziemlich bald auch in Moll. Mit der Zeit werden weitere Variationen, wie die mixolydische oder pentatonische Tonleiter auf der Gitarre, zum Beispiel, wenn Du Blues spielen lernst, dazukommen.

Wenn Du jeden Ton Deines Griffbretts bespielen willst, lernst Du auf auf der Gitarre die chromatische Tonleiter zu spielen. Aber konzentrieren wir uns jetzt wieder auf die Dur-Tonleiter.

Was bedeutet es denn nun, wenn wir das oben gelernte System auf andere Grundtöne als C verlegen? Wir fügen Vorzeichen hinzu, die dafür sorgen, dass die richtigen Intervalle eingehalten werden (auf dem Klavier kommen an dieser Stelle die schwarzen Tasten ins Spiel).

Damit Du Dir das vorstellen kannst, hier einmal alle Dur-Tonleitern auf einen Blick:

  • C-Dur: C D E F G A H C
  • Des-Dur: Des Es F Ges As B C Des
  • D-Dur: D E Fis G A H Cis D
  • Es-Dur: Es F G As B C D Es
  • E-Dur: E Fis Gis A H Cis Dis E
  • F-Dur: F G A B C D E F
  • Fis-Dur: Fis Gis Ais H Cis Dis Eis Fis
  • G-Dur: G A H C D E Fis G
  • As-Dur: As B C Des Es F G As
  • A-Dur: A H Cis D E Fis Gis A
  • B-Dur: B C D Es F G A B
  • H-Dur: H Cis Dis E Fis Gis Ais H

Wenn Du schon etwas mehr über Musiktheorie gelernt hast, hast Du vielleicht schon einmal etwas von der enharmonischen Verwechslung gehört. Das bedeutet, dass der gleiche Ton zwei verschiedene Namen haben kann (zum Beispiel: Des klingt gleich wie Cis, As kling gleich wie Gis).

Die Akkordgriffe auf der Gitarre haben die Toleitern zur Grundlage.

Es kann Dir also durchaus mal passieren, dass Du eine Cis-Dur-Tonleiter vorfindest (Cis Dis Eis Fis Gis Ais His Cis), auf Deiner Gitarre wirst Du dann aber die gleichen Töne spielen wie bei einer Des-Dur. Die Varianten, die ich oben aufgeschrieben habe, sind die, die am häufigsten vorkommen.

Wie spielt man eine Dur-Tonleiter auf der Gitarre?

Zu allererst musst Du Dich entscheiden, welche Dur-Tonleiter, Du spielen möchtest. Nehmen wir als Beispiel wieder C-Dur.

Wie spiele ich eine C-Dur Tonleiter auf der Gitarre?

Ein C findest Du im dritten Bund der A-Saite (die zweit oberste) Deiner Gitarre. Von hier aus kannst Du jetzt nach dem oben beschriebenen System den Hals hinauf spielen: also immer einen Bund überspringen, wenn Du einen Ganztonschritt spielen musst und an den zwei Stellen, wo Du nur einen Halbton höher spielen musst, direkt den nächsten Bund greifen.

Wenn Du die Tonleitern erstmal so übst, hilft Dir das, das System mit den Ganz- und Halbtonschritten zu verstehen und zu verinnerlichen. Für die tatsächliche Spielpraxis, ist es aber praktischer, vertikal zu spielen. Das heißt, mit der linken Hand in einer Position zu bleiben und dafür verschiedene Saiten anzuspielen (von oben nach unten).

Ein Griffbrettdiagramm lesen

Um die Töne einer Tonleiter auf der Gitarre zu finden, kann man sich ein Griffbrettdiagramm zu Hilfe nehmen. Aber wie liest man ein Griffbrettdiagramm?

  • Die horizontalen Linien entsprechen den sechs Saiten. Die Reihenfolge der Saiten ist (wie bei Tabs) genau andersrum als auf Deiner Gitarre. Die tiefe E-Saite ist in der Grafik ganz unten, die hohe E-Saite oben.
  • Die vertikalen Linien entsprechen den Bundstäben.
  • Zahlen, die über oder unter dem Diagramm stehen, zeigen Dir an, um welchen Bund es sich handelt.
  • Die Punkte zeigen Dir an, wo Du einen Finger hinlegen musst. Zumindest bei Tonleiterdiagrammen, kannst Du davon ausgehen, dass der Name des Tones im Kreis steht. Meistens ist der Grundton nochmal extra deutlich markiert.
Die C-Dur-Tonleiter auf dem Gitarrengriffbrett in der 9. Lage.
Wie spiele ich die C-Dur Tonleiter auf der Gitarre?

Wenn Du eine C-Dur-Tonleiter in dieser Position spielen willst Du machst Du das so:

  • Bund, 10. Bund, 12. Bund auf der E-Saite
  • Bund, 10. Bund, 12. Bund auf der A-Saite
  • Bund, 10. Bund auf der D-Saite

Um eine zweite Oktave hinzuzufügen, spielst Du ab hier weiter:

  • Bund, 12. Bund auf der D-Saite
  • Bund, 10. Bund, 12. Bund auf der G-Saite
  • Bund, 12. Bund auf der H-Saite
  • Bund auf der e-Saite

Wenn Du einmal beim höchsten Ton angekommen bist, kannst Du das Ganze wieder abwärts spielen.

Wenn Du mit Diagrammen aus dem englischsprachigen Raum arbeitest, musst Du wissen, dass dort „unser“ H als B bezeichnet wird und was in Deutschland das B ist, heißt Bb.

Welche Finger braucht man, um Tonleitern zu spielen?

Auf dem Diagramm siehst Du, dass Du jeweils zwei bis drei Töne pro Saite spielst, die maximal vier Bünde auseinander liegen.

Die erste Note auf einer Saite greifst Du mit dem Zeigefinger, die zweite kannst Du mit dem Mittel- oder Ringfinger greifen und die dritte mit dem Ringfinger (wenn er noch frei ist) oder mit dem kleinen Finger.

Du kannst Dich für die Variante entscheiden, mit der Du Dich wohler fühlst.

Die Dur-Tonleiter in verschiedenen Lagen

Jeder Ton kommt auf dem Griffbrett der Gitarre mehrmals vor. Das heißt natürlich auch, dass Du die entsprechende Dur-Tonleiter auch von jeder beliebigen Lage aus starten kannst. Nehmen wir diesmal das Beispiel der G-Dur-Tonleiter.

Hier siehst Du alle Möglichkeiten eine G-Dur-Tonleiter auf der Gitarre zu spielen:

Die G-Dur-Tonleiter auf dem Gitarrengriffbrett.
Mit diesen Fingersätzen kannst Du die G-Dur-Tonleiter überall auf dem Griffbrett spielen.

Nimm Dir nicht gleich alles auf einmal vor. Fang am besten in der zweiten Lage (E-Saite, dritter Bund) an. Diese wird Dir als Gitarren-Anfänger*in am häufigsten begegnen. Wenn Du Dich damit sicher fühlst, kannst Du in die nächste Lage wechseln und Dir alles nach und nach erarbeiten.

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Tipps zum Üben von Tonleitern auf der Gitarre

Die Tonleitern auf der Gitarre zu kennen und ohne nachzudenken spielen zu können, ist notwendig, um später frei improvisieren zu können. Je früher Du mit dem Üben anfängst, umso besser. Es wird Dir auch helfen zu verstehen, warum Du welchen Akkord wie greifen musst. Wenn Du die Dur-Tonleitern einmal verstanden hast, kannst Du auch  die Moll-Tonleitern auf der Gitarre spielen.

Deshalb hier noch ein paar Ratschläge, wie Du die Tonleitern am effektivsten üben kannst:

  • Fange langsam an und finde erstmal die richtigen Töne.
  • Benutze ein Metronom, um gleichmäßig zu spielen und steigere das Tempo in kleinen Schritten.
  • Überfordere Dich nicht. Fang mit einer Tonart in einer Lage an und füge neue hinzu, wenn Du Dich sicher fühlst.
  • Spiele mit einem Plektrum. Wenn Du Dich damit nicht so sicher fühlst, ist Tonleitern spielen, der beste Weg, um auch das zu üben.

Jetzt bist Du bereit, Diene erste Dur-Tonleiter in Angriff zu nehmen. Viel Spaß!

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Chantal

Die Entdeckungsreise des Lebens führte mich von Bern über Berlin in die Bretagne. Theater und Musik sind mein Zuhause, Neugier und Leidenschaft mein Antrieb.