„Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.“

– Gustav Mahler

Für eine Studie wurden 2018 Menschen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA zu ihrem Musikhörverhalten befragt. 70% von ihnen gaben an, täglich Musik zu hören. Fast genauso viele (zwei Drittel) gaben an, dass Musik sie glücklich macht.

Musik ist nicht nur das, was sich in Noten aufschreiben lässt. Auch die Emotionen, die die Musiker*innen in ihr Spiel einfließen lassen gehören dazu und verschaffen uns ein intensives Erlebnis. Ganz besonders gilt das natürlich für die Improvisation.

Um improvisieren zu können, muss man die Tonleitern kennen und spielen können. Aber auch schon lange bevor Du damit anfängst, können Dir die Tonleitern beim Gitarre spielen lernen helfen: Du lernst Dein Griffbrett kennen, verstehst wie Akkorde aufgebaut sind und kannst sie als technische Fingerübungen benutzen.

Wenn Du Dich also fragst: „Wo sind die Töne auf der Gitarre?“, kannst Du das hiermit lernen. Ich gebe Dir hier eine Übersicht der Gitarre Tonleitern.

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Die chromatische Tonleiter auf der Gitarre

Die chromatische Tonleiter besteht aus 12 verschiedenen Tönen, die jeweils einen Halbtonschritt auseinanderliegen. Es sind also, vereinfacht gesagt, alle Töne innerhalb einer Oktave.

Da in einer chromatischen Tonleiter alle Töne vorkommen, ist sie atonal - sie hat keine Tonart. Du kannst sie von jedem beliebigen Ton aus beginnen und musst überhaupt nichts verändern.

Auf der Gitarre erhältst Du eine chromatische Tonleiter, indem Du einfach immer einen Bund weiterrutschst, bis Du beim 13. Ton (der Oktave des Anfangstons) angekommen bist.

Du kannst sie aber auch in einer festen Position über mehrere Saiten spielen. Eine Möglichkeit dafür ist die Fingerübung „die Spinne“. Dafür spielst Du jeweils vier Töne pro Saite und benutzt für jeden Ton einen anderen Finger. Damit trainierst Du die Beweglichkeit und Unabhängigkeit der Finger Deiner linken Hand.

Achte während der Übung darauf, dass die Greifhand die korrekte Haltung beibehält. Der Daumen liegt nach oben gerichtet auf der Hinterseite des Griffbretts auf. Die anderen vier Finger sind genau gegenüber; leicht gekrümmt, damit nur die Saite berührt wird, die gespielt werden muss.

Mit der rechten Hand schlägst Du mit einem Plektrum die jeweilige Saite im Wechselschlag an. Damit trainierst Du die Koordination Deiner beiden Hände.

Es gibt viele verschiedene Gitarren Plektren und Du kannst sie nicht nur um Tonleitern lernen benutzen.
Tonleitern üben ist auch immer eine gute Gelegenheit, um das Gitarre Spielen mit Plektrum zu lernen. | Quelle: Teddy Tant via Pixabay

Benutze ein Metronom, um im Takt zu bleiben. Nimm Dir die Zeit, erstmal sehr langsam und präzise zu spielen. Mit der Zeit kannst Du das Tempo in kleinen Schritten steigern.

Wozu kannst Du eine chromatische Tonleiter gebrauchen?

  • Sich einspielen: Zu Beginn einer Übungseinheit sollte man sich einspielen. Die chromatische Tonleiter ist nicht besonders kompliziert und hilft Dir, Dich schonend aufzuwärmen.
  • Fingerübungen: Wenn Du die chromatische Tonleiter einmal gut kennst, kannst Du anfangen sie zu variieren und zahlreiche Koordinationsübungen für Deine linke Hand davon ableiten.
  • Improvisationen verfeinern: Die chromatische Tonleiter ist die Grundlage, um bei Improvisationen Töne umspielen zu können oder Überleitungen zwischen verschiedenen Tonarten zu gestalten.

Die chromatische Tonleiter ist die Grundlage, um unser Tonsystem verstehen zu können. Sie wird Dich während Deiner gesamten Musikkarriere begleiten, egal ob Du klassische Gitarre, Westerngitarre oder elektrische Gitarre spielst.

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Die Dur-Tonleiter auf der Gitarre

Die vielleicht bekanntesten und am meisten benutzten Tonleitern sind die aus sieben Tönen bestehenden Dur-Tonleitern.

Sie gehört zu den ersten, die man im Gitarrenunterricht lernt und von ihr lassen sich viele andere Tonleitern ableiten. Je besser Du sie verstehst, umso leichter wird es Dir danach fallen, die anderen zu lernen.

Auch wenn es Dir nicht bewusst bist, kennst Du sie bestimmt schon. Das Kinderlied „Alle meine Entchen“ ist eine fast komplette Dur-Tonleiter (es fehlen nur zwei Töne).

Um die Dur-Tonleitern zu verstehen, hilft es, sich eine Klaviertastatur anzuschauen. Die weißen Tasten sind die Töne der C-Dur-Tonleiter. Wenn Du weißt, dass alle Tasten auf einem Klavier (egal ob schwarz oder weiß) jeweils einen Halbton auseinander liegen, kannst Du jetzt schon auf einen Blick eine Struktur erkennen.

Wenn Du die Struktur der Dur-Tonleitern kennst, musst Du nicht jede einzeln auswendig lernen. Du kannst sie selbst auf jeden beliebigen Grundton anwenden:

  • I zu II: Ganzton
  • II zu III: Ganzton
  • III zu IV: Halbton
  • IV zu V: Ganzton
  • V zu VI: Ganzton
  • VI zu VII: Ganzton
  • VII zu I: Halbton

Für Gitarrist*innen ist es einfacher, sich die Struktur in ganzen Zahlen zu merken; also 1 für einen Halbton, 2 für einen Ganzton. Damit weiß man sofort, wie viele Bünde die Töne auseinanderliegen, wenn man die Tonleiter auf einer Saite spielt: 2-2-1-2-2-2-1

Ein Metronom gibt den Takt an, damit Du die Tonleiter auf der Gitarre rhythmisch spielst.
Finger Übungen und Tonleitern auf der Gitarre übst Du am besten immer mit Metronom. | Quelle: Sebastiano Rizzardo via Pixabay

Wie spielt man eine Dur-Tonleiter auf der Gitarre?

  • Fange langsam an und benutze ein Metronom.
  • Jede Tonleiter gibt es auf Deinem Gitarrengriffbrett mehrmals. Lerne einen Gitarre Tonleiter Fingersatz nach dem anderen.
  • Lerne Griffbrettdiagramme zu lesen. Die fünf verschiedenen Fingersätze lassen sich auf alle Tonleitern anwenden.

Wenn Du eine C-Dur-Tonleiter in der achten Lage spielen willst, machst Du das so:

  • Bund, 10. Bund, 12. Bund auf der E-Saite
  • Bund, 10. Bund, 12. Bund auf der A-Saite
  • Bund, 10. Bund auf der D-Saite

Um eine zweite Oktave hinzuzufügen, spielst Du ab hier weiter:

  • Bund, 12. Bund auf der D-Saite
  • Bund, 10. Bund, 12. Bund auf der G-Saite
  • Bund, 12. Bund auf der H-Saite
  • Bund auf der e-Saite

Die Moll-Tonleiter auf der Gitarre

Die Moll-Tonleitern sind neben den Dur-Tonleitern die zweiten wichtigen Tonleitern unseres Tonsystems.

Jede Dur-Tonleiter hat eine parallele Mol-Tonleiter, die die gleichen Töne verwendet. Du erhältst sie, wenn Du auf dem sechsten Ton der Dur-Tonleiter anfängst zu spielen.

Dadurch verschieben sich die Halbtonschritte und die Tonleiter klingt anders; etwas dunkler oder trauriger. Um schnell erkennen zu können, ob es sich um Moll oder Dur handelt, musst Du Dir den dritten Ton einer Tonleiter anschauen.

Wenn er eine große Terz (vier Halbtöne/zwei Ganztöne) höher ist als der Grundton, handelt es sich um Dur. Eine Moll-Tonleiter auf der Gitarre und auch sonst erkennst Du daran, dass das Intervall (der Abstand) zwischen dem ersten und dritten Ton eine kleine Terz (drei Halbtöne) ist.

Die zweite Hälfte der Moll-Tonleitern kann so verändert werden, dass es drei verschiedene Varianten gibt: die natürliche, die harmonische und die melodische Moll-Tonleiter.

Die natürliche Moll-Tonleiter

Die natürliche Moll-Tonleiter ist am einfachsten zu lernen. Sie besteht aus den gleichen Tönen, wie die parallele Dur-Tonleiter.

Der sechste Ton einer C-Dur-Tonleiter ist A. Das heißt, die a-Moll-Tonleiter hat genau wie C-Dur keine Vorzeichen und sieht dementsprechend so aus: A H C D E F G A

Die Struktur, die Du Dir merken kannst, um sie auf alle anderen natürlichen Moll-Tonleitern zu übertragen sieht so aus:

  • I zu II: Ganzton
  • II zu III: Halbton
  • III zu IV: Ganzton
  • IV zu V: Ganzton
  • V zu VI: Halbton
  • VI zu VII: Ganzton
  • VII zu I: Ganzton

Wenn Du sie auf einer einzelnen Saite Deiner Gitarre spielen willst, kannst Du Dir auch diese Formel merken: 2-1-2-2-1-2-2.

Die Bundstäbe und Punkte helfen Dir, Dich auf dem Griffbrett der Gitarre zu orientieren.
Mit den Tonleitern lernst Du das Griffbrett Deiner Gitarre besser kennen. | Quelle: Yurii Stupen via Unsplash

Die harmonische Moll-Tonleiter

Im Gegensatz zur Dur-Tonleiter endet die natürliche Moll-Tonleiter mit einem Ganztonschritt. Dadurch hat man nicht das Gefühl „anzukommen“. Hier setzt die harmonische Moll-Tonleiter an.

Die Septime (der siebte Ton) wird erhöht, wodurch, wie in Dur, ein Leitton entsteht:

  • I zu II: Ganzton
  • II zu III: Halbton
  • III zu IV: Ganzton
  • IV zu V: Ganzton
  • V zu VI: Halbton
  • VI zu VII: kleine Terz (3 Halbtöne)
  • VII zu I: Halbton

Au einer Gitarrensaite spielst Du die harmonische Moll-Tonleiter so: 2-1-2-2-1-3-1

Die melodische Moll-Tonleiter

Jetzt haben wir zwar einen Leitton, aber das Ganze klingt wegen der kleinen Terz zwischen dem sechsten und siebten Ton etwas ungewohnt. Die melodische Moll-Tonleiter behält die erhöhte siebte Stufe bei und erhöht die sechste Stufe, damit die Tonleiter wieder nur noch aus Ganz- und Halbtonschritten besteht:

  • I zu II: Ganzton
  • II zu III: Halbton
  • III zu IV: Ganzton
  • IV zu V: Ganzton
  • V zu VI: Ganzton
  • VI zu VII: Ganzton
  • VII zu I: Halbton

Anhand der ersten drei Töne erkennen wir ganz klar, dass es sich immer noch um eine Moll-Tonleiter handelt. Ab der Hälfte klingt sie dann aber genau wie eine Dur-Tonleiter: 2-1-2-2-2-2-1

Normalerweise spielt man Tonleitern immer einmal auf- und wieder abwärts, ohne etwas zu verändern. Die melodische Moll-Tonleiter ist in dieser Hinsicht eine Ausnahme: sie wird nur aufwärts gespielt. Abwärts wechselt man in der Regel in natürlich Moll zurück.

Die pentatonische Tonleiter auf der Gitarre

Die pentatonischen Tonleitern werden in vielen Musikstilen zum Improvisieren verwendet; egal ob Du Rock, Blues oder Jazz spielen willst, Du wirst ihr immer mal wieder begegnen.

Auf der Jazz Gitarre kannst Du die Pentatonik Tonleiter genauso gut spielen wie auf einer Westerngitarre.
Blues, Rock oder Jazz Gitarre - die pentatonische Tonleiter wird Dich immer wieder begeliten. | Quelle: Jonathan Farber via Unsplash

Wie der Name schon sagt, besteht sie aus fünf verschiedenen Tönen. Auch die pentatonische Tonleiter gibt es in Dur und Moll. Wenn nichts Genaueres erwähnt wird, ist meistens die Moll-Tonleiter gemeint, die häufiger verwendet wird.

Um eine pentatonische Tonleiter auf der Gitarre zu erhalten, musst Du, egal ob Dur oder Moll, die Halbtonschritte weglassen. Das heißt für C-Dur und a-Moll, dass die Töne F und H wegfallen und die Tonleitern so aussehen:

  • C-Dur: C D E G A C
    • I zu II: Ganzton
    • II zu III: Ganzton
    • III zu IV: kleine Terz (drei Halbtöne)
    • IV zu V: Ganzton
    • IV zu I: kleine Terz (drei Halbtöne)
  • a-Moll: A C D E G
    • I zu II: kleine Terz (drei Halbtöne)
    • II zu III: Ganzton
    • III zu IV: Ganzton
    • IV zu V: kleine Terz (drei Halbtöne)
    • IV zu I: Ganzton

Auch diese Struktur kannst Du auf alle anderen Tonarten übertragen, ohne alles einzeln auswendig lernen zu müssen. Auf einer einzelnen Saite gespielt sieht das so aus: 2-2-3-2-3 (Dur); 3-2-2-3-2 (Moll).

Wenn Du anfängst die pentatonischen Tonleitern zu üben, kannst Du problemlos Dur und Moll gleichzeitig üben. Da in den beiden parallelen Tonleitern die gleichen Töne vorkommen, kannst Du die gleichen Fingersätze verwenden. Du musst Dich nur etwas konzentrieren, um auf dem richtigen Ton anzufangen und zu enden.

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Chantal

Die Entdeckungsreise des Lebens führte mich von Bern über Berlin in die Bretagne. Theater und Musik sind mein Zuhause, Neugier und Leidenschaft mein Antrieb.