„I’m only myself, when I have a guitar in my hands.”

– George Harrison

Wer sich auf der Gitarre frei ausdrücken will, muss erstmal einige technische Grundlagen beherrschen.

Die Gitarre ist in Deutschland das beliebteste Instrument überhaupt. Von den Leuten, die regelmäßig musizieren, spielen 15,9 Prozent akustische oder elektroakustische Gitarre. Dazu kommen weitere 5 Prozent, die elektrische Gitarre spielen.

Nicht alle davon sind große Gitarrist*innen. Denn es gibt unheimlich viel auf der Gitarre zu lernen: chromatische Tonleiter, Dur-Tonleiter, Pentatonik, Akkorde, Arpeggio…

Aber eins nach dem anderen. Wir beschäftigen uns hier erstmal ausführlich mit Moll-Tonleitern.

Und wenn Du dann verständlicherweise immer noch nicht genug hast und mehr rund um's Thema Gitarre lernen willst, dann werfe einen Blick in unsere weiteren Artikel zum Thema oder treffe einen unserer vielen Gitarrenlehrer*innen, - vor Ort oder über einen Online Gitarrenkurs per Webcam - der Dir alle weiteren Einzelheiten über das Instrument erklären und zeigen wird.

Was ist eine Moll-Tonleiter?

Die Moll-Tonleiter ist neben der Dur-Tonleiter die meist verwendete und bekannteste Tonleiter. Vielleicht hast Du manchmal das Gefühl, dass eine Melodie oder ein Akkord etwas traurig oder dunkel klingt. Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass eine Moll-Tonart verwendet wird.

Die Moll-Tonleiter ist ein sogenannter Modus (eine Variante) der Dur-Tonleiter. Die verschiedenen modalen Skalen bestehen aus 7 unterschiedlichen Tönen (zum Schluss wird als 8. Ton der Grundton eine Oktave höher gespielt), die jeweils einen Ganz- oder einen Halbton auseinander liegen.

In jeder dieser Tonleitern kommen fünf Ganzton und zwei Halbtonschritte vor. Unterscheiden kann man sie daran, an welcher Stelle die Halbtonschritte liegen.

Wenn Du Dich bereits mit Dur-Tonleitern auf der Gitarre beschäftigt hast, wirst Du wissen, dass vom Grundton zum dritten Ton zwei Ganztonschritte gemacht werden und deshalb das Intervall (der Tonabstand) zwischen den beiden eine große Terz ist.

Bei den Moll-Tonleitern hingegen ist es ein Ganz- und ein Halbtonschritt. Das Intervall zwischen dem Grundton und dem dritten Ton der Tonleiter ist jetzt also eine kleine Terz. Das ist die Charakteristik, an der Du das Tongeschlecht „Moll“ erkennen kannst und die für den traurigen Klang verantwortlich ist.

Wie oben schon erwähnt, steht jede Moll-Tonleiter in enger Verbindung mit einer Dur-Tonleiter. Man spricht dabei von parallelen Tonarten. Das heißt, dass beide die gleichen Töne (Vorzeichen) verwenden, aber einen anderen Grundton haben.

Die Moll-Tonleiter beginnt immer auf der sechsten Stufe der parallelen Dur-Tonart. Der Halbtonschritt zwischen dem 7. und 8. Ton in Dur, liegt in der parallelen Moll-Tonleiter also zwischen dem 2. und 3. Ton. Dadurch entsteht die kleine Terz, an der wir Moll erkennen können.

Die zweite Hälfte kann so variiert werden, dass drei verschiedene Tonleitern entstehen: natürlich, harmonisch und melodisch.

E-Gitarre, Westerngitarre, klassische Gitarre - auf allen spielst Du die Moll-Tonleitern gleich.
Die Auswahl an Gitarren ist groß - auf jeder einzelnen davon kannst Du die verschiedenen Moll-Tonleitern spielen. | Quelle: Raghav Nair via Unsplash

Die natürliche Moll-Tonleiter

Natürliches Moll wird auch reines oder äolisches Moll genannt und ist die Basis für die anderen Varianten. Es gilt also, diese zuerst zu lernen.

Die Struktur von natürlich Moll

Wenn Du die Dur-Tonleitern bereits kennst, weißt Du: In einer Dur-Tonleiter befindet sich der erste Halbtonschritt zwischen dem dritten und vierten, der zweite zwischen dem siebten und achten Ton. Wenn der Anfangston in der Moll-Tonleiter nun der sechste Ton ist und sonst alles gleichbleibt, sieht die Struktur folgendermaßen aus:

  • I zu II: Ganzton
  • II zu III: Halbton
  • III zu IV: Ganzton
  • IV zu V: Ganzton
  • V zu VI: Halbton
  • VI zu VII: Ganzton
  • VII zu I: Ganzton

Für Gitarrist*innen ist es oft einfacher, sich diese Struktur so zu merken: 2-1-2-2-1-2-2. Die Zahlen entsprechen der Anzahl Bünde, die die Töne auf dem Griffbrett auseinanderliegen.

Übertragen wir die Theorie einmal auf die Praxis:

Die C-Dur-Tonleiter besteht aus den Tönen C D E F G A H C. Die Halbtonschritte befinden sich zwischen E/F sowie H/C. Der sechste Ton ist ein A. Die parallele Molltonart muss also a-Moll sein und so aussehen: A H C D E F G A. Die Halbtonschritte bleiben natürlich zwischen E/F und H/C, stehen aber eben an einer anderen Position in der Tonleiter.

Wenn Du die Struktur kennst, kannst Du von jedem Grundton aus eine Moll-Tonleiter spielen, auch ohne die parallele Dur-Tonart zu kennen.

Die natürliche Moll-Tonleiter auf der Gitarre üben

Ob Du Dich mit Dur, Moll oder der Pentatonischen Tonleiter für Gitarre beschäftigst, als erstes solltest Du probieren die Struktur zu verstehen und sie auswendig zu lernen. Damit öffnest Du Dir die Tür zu jeder beliebigen Tonleiter und Du musst nicht jede einzeln auswendig lernen.

Spiele die Tonleiter zuerst auf einer einzelnen Saite. Für die Ganztonschritte überspringst Du einen Bund, bei den Halbtonschritten greifst Du direkt den nächsten. So bekommst Du einerseits ein Gefühl dafür, wie eine Moll-Tonleiter klingt, andererseits ist es auch einfacher, sich so die Struktur zu merken.

Wenn Du das geschafft hast, kannst Du zur nächsten Stufe übergehen. Finde heraus, wo die Töne, auf dem Griffbrett möglichst nah beieinander liegen. Dann kannst Du über mehrere Saiten spielen und Deine rechte Hand die ganze Zeit über in der gleichen Position lassen. Das wird Dir erlauben, flüssiger zu spielen.

Tonleitern üben ist auch immer eine gute Gelegenheit, sich ans Spielen mit Plektrum zu gewöhnen. Du kannst hier also zwei Übungseinheiten miteinander verbinden.

Die natürliche e-Moll Tonleiter auf dem Gitarrengriffbrett.
So könnte eine natürliche e-Moll Tonleiter auf dem Griffbrett der Gitarre aussehen.

Hier siehst Du am Beispiel einer möglichen Position für die e-Moll-Tonleiter, wie das Ganze auf dem Griffbrett aussehen kann. Probiere doch einmal selbst herauszufinden, welche Töne in einer natürlichen d-Moll-Tonleiter vorkommen und wie Du sie auf der Gitarre spielen könntest. (Die Auflösung findest Du am Ende des Artikels).

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Die harmonische Moll-Tonleiter

Wenn Du die natürliche Moll-Tonleiter übst, wird Dir vielleicht auffallen, dass man (anders als in Dur) mit dem letzten Ton nicht das Gefühl hat, „angekommen“ zu sein.

Der zweitletzte Ton einer Dur-Tonleiter ist die große Septime zum Grundton; ein sogenannter Leitton, der Dich wieder zum Grundton zurückleitet. In der natürlichen Moll-Tonleiter ist es eine kleine Septime, auf die dann nochmal ein Ganztonschritt folgt. Es gibt also keinen Leitton.

Harmonisch Moll schafft nun diesen Leitton, indem die siebte Stufe erhöht wird.

Die Struktur von harmonisch Moll

Die Basis für harmonisch Moll bleibt die natürliche Moll-Tonleiter. Die charakteristische kleine Terz bleibt bestehen. Die einzige Veränderung, ist das Erhöhen der siebten Stufe, damit ein Leitton entsteht.

Die harmonische a-Moll-Tonleiter besteht also aus folgenden Tönen: A H C D E F Gis A.

In die allgemeingültige Struktur übersetzt heißt das:

  • I zu II: Ganzton
  • II zu III: Halbton
  • III zu IV: Ganzton
  • IV zu V: Ganzton
  • V zu VI: Halbton
  • VI zu VII: kleine Terz (3 Halbtöne)
  • VII zu I: Halbton

Das musst Du aber nicht unbedingt auswendig lernen. Es ist einfacher, sich an der natürlichen Moll-Tonleiter zu orientieren und einfach den siebten Ton zu erhöhen.

Die harmonische Moll-Tonleiter auf der Gitarre üben

Die Struktur, die Du Dir zum Üben auf der Gitarre merken kannst, ist: 2-1-2-2-1-3-1. Wie bereits oben ist das sozusagen schon eine Spielanleitung für die Tonleiter auf einer einzelnen Saite.

Im Grunde genommen ist das Vorgehen zum Lernen und Üben einer harmonischen Moll-Tonleiter nicht anders, als für alle anderen Tonleitern auf der Gitarre auch. Fange langsam an und steigere das Tempo in kleinen Schritten. Um sicher zu gehen, dass Du gleichmäßig spielst, kannst Du ein Metronom zu Hilfe nehmen.

Die harmonisch e-Moll Tonleiter auf dem Gitarrengriffbrett.
Wie spielt man eine harmonisch e-Moll Tonleiter auf der Gitarre?

Hast Du eine Idee wie Du eine harmonische d-Moll-Tonleiter auf der Gitarre spielen könntest?

Die melodische Moll-Tonleiter

Aller guter Dinge sind drei, bekannterweise. Kommen wir also zu melodisch Moll. Vor allem wenn Du Jazz-Gitarre oder Blues spielen lernst, wirst Du um sie nicht herumkommen.

In harmonisch Moll gibt es zwar jetzt einen Leitton zur Oktave; durch die kleine Terz mittendrin, wird der Fluss aber unterbrochen. Das Ganze klingt nicht mehr wirklich wie eine gleichmäßige Abfolge von Tönen – irgendwie unmelodisch.

Mit melodisch Moll wird der Fluss wiederhergestellt, indem auch die sechste Stufe erhöht wird.

Die Struktur von melodisch Moll

Die Basis für melodisch Moll ist die harmonische Moll-Tonleiter, die Du an der kleinen Terz zwischen Grundton und dritter Stufe, sowie einer weiteren zwischen dem sechsten und siebten Ton erkennst.

Wenn wir jetzt nichts weiter machen, als die sechste Stufe um einen Halbton zu erhöhen, sieht die Struktur so aus:

  • I zu II: Ganzton
  • II zu III: Halbton
  • III zu IV: Ganzton
  • IV zu V: Ganzton
  • V zu VI: Ganzton
  • VI zu VII: Ganzton
  • VII zu I: Halbton

Du siehst also, dass die melodische Moll-Tonleiter eine Mischung aus natürlich Moll in der ersten Hälfte und Dur in der zweiten Hälfte ist.

Wenden wir die Struktur wieder auf die a-Moll-Tonleiter an, ergibt sich diese Abfolge von Tönen: A H C D E Fis Gis A.

Die melodische Moll-Tonleiter auf der Gitarre üben

Um eine melodische Moll-Tonleiter von einem beliebigen Grundton aus, auf einer einzigen Saite zu spielen, kannst Du Dir folgende Struktur merken: 2-1-2-2-2-2-1.

Wenn Du sowohl die Dur-, als auch die natürliche Moll-Tonleiter sicher spielen kannst, wird Dir melodisch Moll keine großen Probleme bereiten. Du musst Dich nur gut darauf konzentrieren, im richtigen Moment (während Du den fünften Ton spielst) gedanklich nach Dur zu wechseln und Deine Finger werden automatisch das Richtige machen.

Tonleitern werden immer auf- und abwärts gespielt. Das heißt, wenn Du die Oktave erreicht hast, spielst die Töne in der anderen Reihenfolge, bis Du wieder beim Anfangston angekommen bist.

Die melodische Moll-Tonleiter ist hier eine Ausnahme! Sie wird nur aufwärts gespielt; abwärts ist es dann wieder eine gewöhnliche, natürliche Moll-Tonleiter.

Nehmen wieder e-Moll, um das zu veranschaulichen: E Fis G A H Cis Dis E D C H Fis E. Auf dem Gitarrengriffbrett sieht das dann folgendermaßen aus:

Das Griffbrettdiagramm für meldoisch Moll sieht so aus.
Improvisiere mit der melodischen Moll-Tonleiter auf der Gitarre.

Und wiederum kannst Du Dir überlegen, wie das Ganze in d-Moll aussehen würde. Die Auflösung folgt gleich.

Wenn Du Tonleitern übst, versuche immer erst selbst herauszufinden, welche Töne Du spielen musst. Wenn Du den Aufbau der unterschiedlichen Tonleitern kennst, weißt Du schon alles, was Du dazu brauchst. Je öfters Du das machst, umso schneller wird es gehen und irgendwann wirst Du sie spielen können, ohne viel nachzudenken.

Wie immer ist es gut, Schritt für Schritt voran zu gehen und nicht alles auf einmal lernen zu wollen. Fang mit einer Position an und füge nach und nach die anderen hinzu. Mit der Zeit erarbeitest Du Dir so das ganze Griffbrett Deiner Gitarre.

Die d-Moll-Tonleitern auf der Gitarre

Kommen wir also endlich zu der Auflösung der Übungen:

  • d-Moll natürlich: D E F G A B C D
  • d-Moll harmonisch: D E F G A B Cis D
  • d-Moll melodisch: D E F G A H Cis D

Und hier jetzt noch alle möglichen Positionen auf der Gitarre:

Alle d-Moll Tonleitern auf dem Gitarren Griffbrett.
So spielt man die d-Moll Tonleiter auf der Gitarre.
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Chantal

Die Entdeckungsreise des Lebens führte mich von Bern über Berlin in die Bretagne. Theater und Musik sind mein Zuhause, Neugier und Leidenschaft mein Antrieb.