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Kann man als Pianist Musiktheorie schnell lernen?

Von Anna, veröffentlicht am 02/07/2018 Blog > Musik > Klavier > Klavierunterricht: Wieviel Zeit braucht man zum Solfeggio Lernen?

Es macht Angst, es bringt zum Verzweifeln, es schreibt vor, es grenzt ein, es ruft Neugierde hervor, es verwundert, es reizt, es befiehlt, es bestimmt, es erwartet…

Wir präsentieren: das Solfeggio.

Das Solfeggio (auch: Solfège) existiert erst seit dem Mittelalter und so herrschte zuvor viel Spielraum für verschiedenste Annäherungen seitens von Musikern und Musiklehrern.

So kam es, dass Musik damals schwer zugänglich und einer reichen und gebildeten Elite vorbehalten war.

Erst im 12. Jahrhundert entwickelt der italienische Mönch Guido von Arezzo ein vereinfachtes, kodifiziertes System zum Erlernen von Musiktheorie und Klavierspielen.

Diese Erfindung, die auf einem Notensystem basiert und von einem gregorianischen Gedicht inspiriert wurde, entwickelte sich schnell weiter.

Stück für Stück haben Komponisten wie Bononcini ihren Beitrag, sozusagen die Bausteine, zum musikalischen Gebäude geleistet, insbesondere durch die Popularisierung des Notensystems, der Guidonischen Hand oder durch die Umwandlung der Note „Ut“ in „Do“ (heute „C“).

Im 20. Jahrhundert wird das Solfeggio ganz selbstverständlich zur universellen Referenz der Musikkodifizierung und zu dem Lernsystem für Musik, das am meisten perfektioniert wurde.

„Durch systematisches Hören von Klangobjekten aller Art ein neues Solfeggio lernen“, Pierre Schaeffer, La Musique concrète („Konkrete Musik“), 1967

Heutzutage tritt das Solfeggio stark hinter anderen Lernmethoden für Musiker, Pianisten, Gitarristen usw. zurück und verliert mehr und mehr an Prestige.

Getrieben von dem Streben nach höherer Produktivität, neuen Medien und dem digitalen Zeitalter, ist heutzutage für die meisten von uns Zeit das wichtigste Gut.

Genau dieser Wert der Zeit bringt uns dazu, uns zu fragen, wie lange man gegenwärtig für das Solfeggio Lernen im Klavierunterricht braucht?

Warum sollte ich als Klavierschüler Solfeggio beherrschen?

Musiktheorie in einem Solfeggio-Kurs zu lernen oder sie sich selbst beizubringen, hat noch keinem geschadet!

Vor allem, weil Du so auch lernst, eine Partitur oder Tabulaturen zum Umwerben des anderen Geschlechts zu lesen…

Dieser Aspekt muss auch berücksichtigt werden, weil das Solfeggio einen eher schlechten Ruf hat, was ihm seit einigen Jahren zum Verhängnis wird.

Es wird oft angenommen, dass der theoretische, konventionelle, gar schulische Charakter des Solfeggio dazu führt, dass:

  • Kinder, die ein Musikinstrument erlernen, damit aufhören oder es sogar richtig verabscheuen;
  • Erwachsene, die ein Musikinstrument erlernen, nicht in die Musikschule gehen und keinen Musikunterricht oder privaten Klavierunterricht nehmen – aus Angst, das Solfeggio mit all den großen Noten erlernen zu müssen;
  • Musiker ihre kreativen Fähigkeiten und ihr Talent verlieren.

Eines muss klipp und klar gesagt werden: Kenntnisse im Bereich der Musiktheorie sind ein absolutes Plus für Personen ohne musikalische Vorkenntnisse, genauso wie für erfahrene Musiker, denn sie zeigt ihnen auf, welche Möglichkeiten es gibt.

Versierten Pianisten, die keine Angst haben, sich in ein Jazz-Solo zu stürzen, gibt das Solfeggio eine gewisse Freiheit in der Schaffung, Ausführung und Studioaufnahme ihrer Musik.

Ist eine Kenntnis der Notenlehre eigentlich nur für Anfänger wirklich relevant? Auch Profi-Musiker verfügen zumindest über Grundkenntnisse in der Musiktheorie, um langfristig Erfolg zu haben. | Quelle: Unsplash

Eigentlich ist Musiktheorie Pflicht; es ist wie das Beherrschen einer Fremdsprache: Es ist schön und gut, diese gut mündlich zu beherrschen, aber ohne fundierte Kenntnisse der Grammatik- oder Konjugationsregeln wird es schwierig, sie richtig gut zu lernen.

Musik Lesen Lernen bedeutet, Folgendes zu verstehen:

  • den Violinschlüssel,
  • den Bassschlüssel,
  • was C-Dur, Fis, b usw. bedeuten…

In der Musik kommt man zur gleichen Feststellung: Wenn man das Solfeggio nicht beherrscht, sind für diejenigen, die Klavier spielen wollen, manche Konzepte der Musik schwer oder gar nicht zu verstehen.

In der Folge kommt man so beim Klavierspielen nicht über ein gewisses Niveau hinaus.

Wenn man sich den Leidensweg des Solfeggios nicht antun will –  obwohl es empfohlen und als unablässig angesehen wird –, kann man wenigstens Musiktheoriestunden bezogen aufs Klavierspielen nehmen.

Ein solcher Musikunterricht ist eine gute Möglichkeit, seine Leidenschaft damit zu verbinden, zumindest ein bisschen über dieses besonders umfangreiche und komplexe Notationssystem zu lernen.

Es ist aber auch möglich, zu lernen, wie man Symbole erkennt, um die Höhe und die Länge sowie die Nuance und die Tonfärbung zu bestimmen, ohne dafür zwingend das Solfeggio zu verwenden.

Noten lesen, um Klavier spielen zu können

Ist doch selbstverständlich? Obwohl eigentlich kein Weg daran vorbeiführt, vernachlässigen Klavier Anfänger, Fortgeschrittene und sogar Profis das Notenlernen…

Eine schlechte Nachricht für diese Personen, aber eine gute für Dich: Inzwischen ist bekannt, dass das Solfeggio alle Musiker früher oder später einholt.

Nicht lesen zu können, was auf einem Notenblatt steht, oder nicht wiederzuerkennen, wo eine bestimmte Note steht, ist ein Nachteil. Vor allem, wenn man versucht, Klavier zu spielen.

Muss ich zum Klavierspielen Noten lesen können? Notenlesen ist fürs Klavierspielen enorm wichtig. | Quelle: Visualhunt

Bist Du bereit, Zeit, Geduld und Energie zu investieren?

Weil es wichtig ist, Noten lesen zu können, um Klavier spielen zu können, schauen wir uns mal an, was man machen muss, um das Notenlesen zu lernen:

  • Wiederhole Deine Solfeggio-Übungen regelmäßig und über mehrere kürzere Blöcke verteilt. (5 bis 20 Minuten täglich).
  • Widme dem Notenlesen Deine vollständige Aufmerksamkeit.
  • Verringere die Lesegeschwindigkeit. Es geht nicht darum, irgendjemanden zu beeindrucken, sondern das zu behalten, was man liest. Das könnte sonst zu Fehlern führen. Orientiere Dich an der Geschwindigkeit eines Metronoms.
  • Erhöhe nach und nach die Geschwindigkeit des Notenlernens, indem Du die Oktaven (C, D, E) sowie die Schwierigkeit erhöhst.
  • Wähle die Partituren sinnvoll aus. Es hat keinen Sinn, als Anfänger Partituren auszuwählen, die viele verschiedene Taktarten umfassen. Wähle außerdem Partituren aus Stücken aus, die Dir gefallen. Am Ende geht es bei Musik ja auch darum.

Arbeite an Deinen Schwächen. Mache einen Schritt nach dem anderen und wiederhole die Noten, die Dir Probleme bereiten, sodass Du sie besser verstehst.
Übe mal den Violinschlüssel, mal den Bassschlüssel: Beide müssen unabhängig voneinander erlernt werden.

Nimm Dir Feedback zu Herzen.

Egal ob von Musiklehrern, anderen Musikern oder Freunden – manchmal ist es nötig, verbessert zu werden.

Solfeggio Lernen heißt auch Rhythmus Lernen

Man kann nicht über Musik sprechen, ohne Rhythmus, „Groove“, Musikalität zu erwähnen! Wie man es auch nennen mag, es ist der Rhythmus, der das gute Gefühl von Musik ausmacht. Er ist Herzstück und Motor eines Stücks.

Internationale Stars wie Michael Jackson, Stevie Wonder oder – wenn auch in geringerem Maße – Bruno Mars haben sich oft durch den Rhythmus ihrer Musik von der Masse abgehoben.

Langsam, schnell, regelmäßig oder unregelmäßig: Rhythmen folgen einer ganz eigenen Logik.

Ob sie uns zuflüstern, mit uns sprechen oder uns ins Ohr schreien, Musikerinnen und Musiker müssen in der Lage sein, den Rhythmus zu berücksichtigen, um sich anpassen zu können oder ihn zu leben.

Wie viel muss ich üben, um ein Pianist zu werden? Es ist ein langer Weg, bis man wirklich gut Klavier spielen kann. | Quelle: Unsplash

Jede Partitur enthält zusätzlich zu den Noten Angaben zur Geschwindigkeit:

  • Mit Wörtern wie beispielsweise „andante“ oder „adagio“.
  • Mit Zahlen zur genauen Rhythmusvorgabe, zum Beispiel 60 Viertelnoten pro Minute = 60 BPM („beats per minute“) = 1 Grundschlag pro Sekunde.

Das Rhythmus Lernen ist eng verbunden mit dem Notenlernen und geschieht gleichzeitig.

Man braucht mehrere Dutzend Stunden, bis man die Rhythmen einer Klavierpartitur lesen kann, die durch Folgendes noch verkompliziert werden:

  • Rhythmen im Dreiertakt.
  • Erforschung grundlegender rhythmischer Zellen.

Gleiches gilt für das Verstehen und Anwenden des polyrhythmischen Spiels, d.h. das unabhängige Spielen der zwei Hände.

Das Klavier ist ein komplexes Instrument, das es ermöglicht, verschiedene Elemente, Klangbilder und Musikalitäten gleichzeitig zu spielen.

Das theoretische Verständnis von Rhythmus wird als relativ einfach erachtet und setzt sich wie folgt zusammen:

  • Einen Rhythmus wiedergeben können, indem man entsprechend z.B. in die Hände klatscht.
  • Einen Rhythmus durch reines Hören desselben erkennen.

Schließlich ist es wichtig, den theoretischen Aspekt von Rhythmus mit dem praktischen Erlernen zu verbinden, sodass angehende Klavierspieler diesen schneller auf den Tasten umsetzen können.

Tonlehre Lernen: Kann man wirklich eine genaue Lernzeit bestimmen?

Letztendlich sprechen wir beim Solfeggio eher über Begriffe wie Tempo, Rhythmus und Noten als den Begriff „Zeit“.

Wunderlösungen und Patentrezepte von Scharlatanen erzielen im Bereich der Musik die gleichen Ergebnisse wie im Bereich der Diäten: Sie bringen absolut nichts!

Sei daher versichert, dass es zum Solfeggio Lernen folgende Zutaten braucht: Zeit, Geduld und regelmäßige Übung.

Welche Methoden man auch verwenden mag, zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich das Solfeggio nicht in ein paar Stunden erlernen, auch wenn uns das manche Werbebanner weismachen wollen.

Zu erklären, dass das Solfeggio in kurzer Zeit oder einer bestimmten Zeit gelernt werden kann, würde die eigene musikalische Persönlichkeit genauso außer Acht lassen wie die Tatsache, dass jeder unterschiedlich schnell lernt, und ich müsste meine Leserinnen und Leser dreist belügen.

Enttäuscht? Man kann zumindest sagen, dass es einige Jahre braucht, bis man das Solfeggio richtig beherrscht, da es eine Fertigkeit ist, die kontinuierlich geübt werden muss.

Wie viel Zeit braucht man zum Solfeggio Lernen? Wie viel Zeit man zum Solfeggio Lernen braucht, ist unterschiedlich. | Quelle: Visualhunt

Rhythmus zu lernen, ohne ein Gefühl für Zeit zu haben, ist, als ob man sich in den Fuß schießt, mit dem man die Klavierpedale bedient.

Bevor man mit einer neuen Partitur beginnt, muss man verstehen, welcher Puls die Musik antreibt.

Mach Dir eines klar: Je schneller und genauer man Noten lesen kann, desto mehr Zeit hat man, sich auf die Musik, die Komposition und deren Interpretation zu konzentrieren.

Es gibt sogar diverse Websites zum Erlernen der Grundlagen des Solfeggio.

Doch es lässt sich streiten, wie viel Zeit man täglich fürs Solfeggio Üben aufwenden sollte.

Ohne mich zu weit aus dem Fenster zu lehnen, würde ich sagen, dass man täglich ca. 30-50 Minuten (über mehrere Übungsblöcke verteilt) für das Solfeggio Üben aufwenden sollte, um sich die Noten und die Rhythmen besser einprägen zu können und zu lernen, eine Partitur in ihrer Gesamtheit zu lesen.

Dein Klavierlehrer wird es Dir danken!

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