Sitzenbleiben wird immer wieder in Frage gestellt. Ob es nun sinnvoll ist oder nicht, eine Klasse zu wiederholen, hängt wohl vom Einzelfall eines jeden Schülers ab. Fest steht aber: Die Ehrenrunde kostet richtig viel Geld.

Klar – schließlich muss die gleiche Klasse noch einmal besucht werden, Lehrer bezahlt werden und Material zur Verfügung gestellt werden. Meistens beschäftigen wir uns mit dem Schüler oder der Schülerin, nicht aber mit den Kosten für die Allgemeinheit, wenn es ums Sitzenbleiben geht.

Wie hoch die Mehrkosten allerdings sind, wollen wir von Superprof Euch zeigen.

Was kostet Sitzenbleiben?

Bereits 2009 wurde durch eine Bildungsstudie herausgefunden, dass Durchfallen ziemlich teuer ist. Damals blieben etwa 250.000 Schülerinnen und Schüler pro Jahr sitzen. Kostenpunkt: Knapp eine Milliarde Euro.

Dabei wurde in Bayern das meiste Geld für die Wiederholungsjahre ausgegeben (271 Millionen Euro) und das wenigste in Bremen (5 Millionen Euro). Pro Schulart und in ganz Deutschland betrachtet, ist das Sitzenbleiben auf der Realschule am teuersten (250 Millionen Euro). Aber auch auf dem Gymnasium wurden deutschlandweit 248 Millionen Euro für die Ehrenrunde ausgegeben. 13,7 Prozent aller Ausgaben fürs Sitzenbleiben entfielen auf Grundschulen.

Teuer für den Steuerzahler: Sitzenbleiben.
Sitzenbleiben kostet jede Menge Geld. | Quelle: Unsplash

2016 wurden diese Zahlen aktualisiert und belaufen sich laut dem Sitzenbleiber-Atlas-Deutschland bereits auf 1,8 Milliarden Euro pro Jahr. Auch laut dieser Studie gibt es die meisten Fälle in Bayern.

Das ist eine Menge Geld und letztendlich trägt diese Last der Steuerzahler. Sitzenbleiben ist also nicht nur belastend für Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern, sondern für die gesamte Gesellschaft. Deshalb ist es besonders wichtig, sich damit zu beschäftigen.

Der Grund, Schülerinnen und Schüler nicht zu versetzen, liegt auf der Hand: Eine Warnung, ein Ansporn und die Möglichkeit, wieder bessere Noten zu schreiben. Ob das Sinn ergibt oder nicht, ist fraglich. Manchen hilft es allerdings und wir haben herausgefunden, warum das Wiederholungsjahr tatsächlich manchmal sinnvoll ist.

Meistens denken wir beim Kostenpunkt eher an den Preis, den Eltern bezahlen, wenn ihr Kind ein Jahr länger zu Hause bleibt. Aber dass auch weitere Lehrer und Plätze in Schulklassen teuer sind, wird oft vergessen.

Natürlich muss nicht für jeden Schüler, der wiederholt, eine neue Klasse aufgemacht werden. In den Bundesländern gibt es unterschiedliche Verfahren für die Zuweisung von Lehrstellen. In manchen erfolgt die Stellenzuweisung in Abhängigkeit der Schüleranzahl. In anderen muss ab Erreichen einer bestimmten Schülerzahl eine neue Klasse eingerichtet werden und das führt wiederum zu Mehrkosten.

Natürlich interessiert die Belastung für den Steuerzahler  Sitzenbleiber und ihre Eltern im Fall der Fälle wenig – für die Allgemeinheit ist es aber ein wichtiger Punkt und sollte auch unsere bildungspolitischen Entscheidungen beeinflussen.

Ein Schuljahr ist nicht umsonst.
Ein Jahr länger in der Schule - das gibt's nicht umsonst. | Quelle: Unsplash

In der PISA-Studie, die der Studie der Bertelsmann-Stiftung zugrunde liegt, gaben 23 Prozent der befragten 15-Jährigen an, schon einmal eine Klasse wiederholt zu haben. Auch wenn sich die Zahlen zwischen den Bundesländern unterscheiden, bezahlen schlussendlich alle Bundesbürger für die Mehrkosten. Noch mehr Infos zum Wiederholen findest Du in einem weiteren unserer Artikel!

Auch nach dieser Studie haben sich Wissenschaft und Praxis mit der Ehrenrunde beschäftigt. 2013 war Deutschland in der PISA-Studie auf Platz 16. Es fragt sich also, ob unser Modell so erfolgreich ist, wenn wir  in der weltweiten Studie nur den 16. Platz belegen. 2015 war Deutschland dann im Gesamtdurchschnitt schon auf dem 13. Platz.

Zweifel am Modell des Sitzenbleibens

Immer mehr Zweifel gibt es am Modell des Sitzenbleibens. Denn Schule funktioniert auch ohne die Ehrenrunde und individuelle Lernkonzepte können Problemen gezielter entgegenwirken. Schließlich müssten ja nur die Fächer wiederholt werden, in denen der Schüler oder die Schülerin tatsächlich Lücken hat.

Stattdessen werden bei einem Wiederholungsjahr alle Fächer wiederholt. Ist das also Zeitverschwendung? Wären wir nicht besser bedient, wenn wir Kinder dort unterstützen, wo sie Schwächen haben, anstatt ihnen ein Wiederholungsjahr aufzulasten? Das bedeutet nämlich Enttäuschung und Demotivation.

Das neue Jahr beginnt dann sofort mit diesem Gefühl und statt neuer Kraft breitet sich unter Umständen Lustlosigkeit und Enttäuschung aus.

Und nicht nur das: Neu in einer Klasse zu sein ist schwierig. Neue Kontakte müssen geknüpft werden und es muss sich in eine vorhandene Klassengemeinschaft eingefunden werden. Zudem kann man – wenn es schlecht läuft – auch die Rolle des Sitzenbleibers einnehmen.

Dann ist der Wissensvorsprung schnell Geschichte. Nach einem kurzen Hoch fallen Wiederholer schnell in alte Muster zurück. Spätestens im darauffolgenden Schuljahr wird wieder neuer Stoff unterrichtet und die alten Probleme können erneut auftreten.

Eine neue Klassengruppe macht Sitzenbleiben schwierig.
Sich in eine neue Klassengemeinschaft einfinden ist schwer | Quelle: Unsplash

Diese Auffassung vertritt auch die Studie der Bertelsmann-Stiftung und stellt fest, dass Wiederholen wenig wirksam ist. Das Modell des Sitzenbleibens sei demnach also nicht nur unwirksam, sondern auch noch teuer.  

Tatsächlich wurde schon 1972 darüber nachgedacht und herausgefunden, dass die Leistungen eines Schülers pro wiederholtem Jahr schlechter wird. Das wäre ja genau das Gegenteil dessen, was eigentlich durch die Ehrenrunde erreicht werden soll.

Ihr sucht noch allgemeine Infos über die Wiederholung? Dann schaut doch mal in unseren Artikel zum Thema rein.

Das eigentliche Ziel des Sitzenbleibens ist, eine gewisse Gleichheit des Niveaus aller Schülerinnen und Schüler in einer Klasse zu erreichen. In Deutschland wird nämlich die Meinung vertreten, dass vernünftig gelernt wird, wenn alle gleich schnell lernen. Das sieht man auch an unserem dreigliedrigen Schulsystem.

Wer also nicht mehr mithalten kann, soll eine Ehrenrunde drehen. Und wer zu gut ist, soll eine Klasse überspringen. Auch da sollten wir uns fragen, ob das zeitgemäß ist. Schließlich wird in vielen anderen Ländern auch gemeinsam gelernt und eine Trennung gibt es nicht. Auch vor diesem Hintergrund ist nicht sicher, ob Sitzenbleiben so viel bringt.

Der Hamburger Schulsenator beziffert ein zusätzliches Schuljahr mit 4500 bis 6000 Euro mehr Geld. Können wir das nicht sinnvoller ausgeben, als es in die Frustration von Schülerinnen und Schülern zu stecken?

Welche Alternativen gibt es?

Der Gegenvorschlag vom Wiederholen ist, das Geld in Fördermaßnahmen zu stecken. Anstatt ein ganzes Jahr mehr Schule zu finanzieren, soll lieber da angepackt werden, wo der Schuh drückt.

Konkret heißt das, am – für die Schüler – kostenlosem Nachhilfeunterricht teilzunehmen. Diese Zusatzstunden heißen Lernförderung und sollen je nach Fall drei bis zwölf Monate lang andauern. In Hamburg müssen Schüler, die in einem Fach eine Fünf im Zeugnis haben, an einer solchen Förderung teilnehmen.

Das ist ein ganz neues Modell, das manche Menschen vielleicht kritisch betrachten. Fraglich könnte sein, ob die Disziplin dabei verloren geht. Aber überlegen wir doch mal: Früher wurde in Schulen noch geprügelt und heute fragt sich auch niemand mehr, ob ohne Prügelei nicht etwas Disziplin fehlt.

Die Gesellschaft und auch die Schule entwickeln sich weiter – da lohnt es, über Alternativen zur Ehrenrunde nachzudenken.

Wir würden nicht nur Geld sparen, sondern Schüler wären auch psychisch weniger belastet und könnten sich durch Hilfe gezielt in die Richtung entwickeln, die ihnen gut tut. Hast Du vielleicht auch schon einmal an Nachhilfeunterricht mit einem Privatlehrer gedacht? Superprof bietet eine große Auswahl an Nachhilfelehrern, die klassischen Privatunterricht vor Ort und Nachhilfe online per Video-Unterricht anbieten.

Eine Alternative zum Sitzenbleiben ist die Individuelle Förderung.
Individuelle Förderung statt Durchfallen - die Zukunft? | Quelle: Unsplash

Natürlich gilt auch dabei: In besonderen Fällen sollte auf keinen Fall auf ein Wiederholungsjahr verzichtet werden. Zum Beispiel wenn Schülerinnen oder Schüler lange krank waren oder ihre Entwicklung etwas verzögert ist. Wir haben für Euch herausgefunden, wer bei der Versetzung eigentlich das letzte Wort hat.

Auch sollten wir nicht um alles in der Welt Kinder zum Weitermachen anhalten, die vielleicht sogar auf der falschen Schule sind. Wer lieber eine andere Schulform bräuchte, kann natürlich auch wechseln.

Nach wie vor ist Deutschland immer noch sehr ungleich, was das Durchfallen betrifft. Während in Bayern Sitzenbleiben ein wichtiges bildungspolitisches Instrument ist, wird die Versetzung in Berlin eher locker gehandhabt.

Trotzdem scheint die individuelle und gezielte Förderung genau das Mittel zu sein, das sich in Deutschland durchsetzt. Hamburg hat das Sitzenbleiben schon abgeschafft. In Europa sind bislang Island und Norwegen die einzigen Länder, in denen Schülerinnen und Schüler nicht mehr durchfallen können. Wir können also gespannt darauf sein, was die Sitzenbleib-Zukunft in Deutschland bringt.

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Eva