Lange habt Ihr darüber nachgedacht, ob Euer Kind eine Lese und Rechtschreibschwäche hat, inzwischen habt Ihr aber Sicherheit. Die Diagnose steht: LRS, auch Lese- und Rechtschreibschwäche oder Lese- und Rechtschreibschwierigkeit genannt.

Für Neulinge im Thema: LRS bezeichnet die Schwierigkeit beim Lesen- und Schreibenlernen. Meistens fällt diese Schwierigkeit in der Grundschule auf und stellen Kinder sowie Eltern vor Herausforderungen: Denn trotz Lesen und Schreiben Üben klappt es einfach nicht richtig. Wörter werden beim Vorlesen nicht richtig ausgesprochen und Fehler schleichen sich beim Schreiben überall ein. 

In unserem Artikel über Beispiele und die LRS Definition erfahrt Ihr noch mehr zu dieser Schwierigkeit.

LRS kann aber glücklicherweise behandelt werden. Mit einer guten Therapie könnt Ihr Euer Kind also auf das weitere Schulleben und auf das darauffolgende Berufsleben vorbereiten. Denn schließlich begleitet uns das Lesen und Schreiben ein Leben lang.

Deshalb ist es auch so wichtig zu wissen, was bei einer Lese- und Rechtschreibschwäche zu tun ist. Wir von Superprof geben Euch Tipps und Ratschläge, erklären Euch, wer die LRS Diagnose stellt, stellen Euch die Grundzüge der Therapie vor und informieren Euch darüber, was Eltern von LRS Kindern beachten sollten.

Übrigens: Auch Erwachsene können LRS haben. Auch wenn es dabei meist um eine nicht erkannte LRS im Kindesalter handelt, sind Erwachsene, denen das korrekte Lesen und Schreiben schwer fällt, ebenfalls jeden Tag beeinträchtigt.

Lese- und Rechtschreibschwäche: Wer stellt die Diagnose und wie?

Wenn Ihr als Eltern schon zu Hause beim Hausaufgaben Machen festgestellt habt, dass das richtige Lesen und Schreiben für Euer Kind schwer ist, habt Ihr schon mal viel richtig gemacht. Denn nicht nur Lehrern in der Schule, sondern auch Eltern fällt nach einer Weile auf, wenn ein Kind beim Lesen und Schreiben mehr Schwierigkeiten als andere Kinder hat.

LRS sorgt für Zweifel und Fehler beim Schreiben.
Beim Schreiben stehen lauter Fragezeichen im Gesicht - typisch bei LRS. | Quelle: Unsplash

Wenn Ihr dann Klarheit haben möchtet, wendet Ihr Euch bestenfalls an Experten, die mit Eurem Kind Tests durchführen, sodass hinterher feststeht, ob Euer Kind tatsächlich LRS hat. Denn wem das Lesen und Schreiben schwer fällt, kann auch nur rechtschreibschwach sein, aber auch Legasthenie haben.

Wenn Ihr noch einmal nachlesen möchtet, was der Unterschied zwischen LRS und Legasthenie ist, empfehlen wir Euch unseren Artikel zum Thema.

Die Diagnose LRS stellen Ärztinnen und Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, aber auch Kinder- und JugendpsychotherapeutInnen.

Ihr könnt Euch zur Diagnose auch an die LOS Institute wenden. Die gibt es überall in Deutschland, auf der Webseite könnt Ihr herausfinden, welches LOS Institut in Eurer Nähe ist. Dort arbeiten LRS Experten, die Euch und Eurem Kind bei der Diagnose LRS helfen, aber auch Behandlungen anbieten.

Die Diagnose LRS wird mithilfe eines diagnostischen Rechtschreibtests durchgeführt. Schreib.on ist zum Beispiel solch ein Test, der wissenschaftlich fundiert ist anschließend von einem Pädagogen interpretiert wird. Diesen Test könnt Ihr auch zu Hause machen. Ziel des Tests ist, Hinweise darauf zu finden, welche Lernschritte des Kindes noch nicht vollzogen sind. Dies lässt auch auf die Fördermaßnahmen schließen.

Wichtig ist, nicht einfach nur die Fehler beim Schreiben zu zählen. Stattdessen muss die Qualität der Fehler untersucht werden. Zudem hilft der Test dabei, herauszufinden, welche der grundlegenden Rechtschreibstrategien beim Schreiben angewendet wird:

  • Die alphabetische Strategie
  • Die orthographische Strategie
  • Die morphematische Strategie
  • Die wortübergreifende Strategie
  • Die logographemische Strategie

Bei der alphabetischen Strategie werden Lauten bestimmte Buchstabenverbindungen zugeordnet. "Fahrrad" wird zum Bespiel "farat" geschrieben, was beim lauten Vorlesen leicht zu erkennen ist. Wer diese Strategie anwendet, schreibt, wie man spricht.

Die orthographische Strategie meint das Schreiben nach wortbezogenen Regeln. Dass mal ein h verwendet wird, um einen Vokal lang zu sprechen ("Zahl") und mal ein ie ("Ziege"), muss auswendig gelernt werden. Genauso verhält es sich mit dem Unterschied zwischen F und V ("Fliege"/"Vater").

Lesen und Rechtschreiben kann trainiert werden, vor allem in einer Therapie.
Wer die Rechtschreibstrategien beherrscht, kann leichter lesen und schreiben. | Quelle: Unsplash

Die morphematische Strategie wird dadurch gekennzeichnet, dass die Schreibweise eines Wortes vom Wortstamm abgeleitet wird. "Fahrrad" kommt von fahren und von Rad, somit kann "Fahr" und "rad" zusammengesetzt werden. Diese Bausteine helfen dabei, Wörter richtig zu schreiben.

Bei der wortübergreifenden Strategie wird nach satzbezogenen Regeln geschrieben. Zum Beispiel: Steht ein Wort am Anfang des Satzes, wird es generell groß geschrieben. Oder: "Darf ich zusehen?" im Vergleich zu "es gibt nichts zu sehen" hilft dabei zu erkennen, ob getrennt oder zusammen geschrieben wird.

Bei der logographemischen Strategie schreibt man nach Wortbildern. Ganze Wörter werden wie Bilder im Kopf gespeichert, zum Beispiel das n und das m, da sie leicht verwechselt werden können.

Wenn die verwendeten Rechtschreibstrategien bekannt sind, kann die Förderung und Therapie individueller auf den oder die Betroffene(n) zugeschnitten werden.

Für mehr Infos über LRS und Legasthenie geht es hier entlang!

LRS in einer Therapie behandeln - wann, wie und wo?

Ganz wichtig ist, es nicht bei der Diagnose LRS zu belassen. Sobald die Diagnose vorliegt, solltet Ihr mit der Behandlung beginnen. Denn wird eine Lese-Rechtschreib-Schwäche oder sogar Legasthenie nicht behandelt, bleiben die Probleme beim Lesen und Schreiben ein Leben lang.

Außerdem gibt es Folgeerscheinungen von LRS. Dazu gehören Schulangst, Konzentrationsprobleme und ein schwaches Selbstbewusstsein. Kein Wunder, denn wer ständig frustriert darüber ist, trotz Üben schlecht im Lesen und Schreiben zu sein, geht ungern zur Schule und zweifelt an sich selbst. Auch deshalb ist es wichtig, so früh wie möglich mit der LRS Behandlung zu beginnen.

Wir haben Euch schon von den LOS Instituten erzählt - die sind eine sehr gute Anlaufstelle für eine LRS Therapie und sind deutschlandweit präsent. Bei anderen Therapeuten solltet Ihr auf die Zertifizierung durch den Bundesverband Legasthenie und Dyskalulkulie achten. Damit stellt Ihr sicher, dass der Therapeut eine entsprechende Ausbildung abgeschlossen hat und auf LRS-Förderung spezialisiert ist.

LRS mit einer Therapie zu behandeln, führt zu mehr Spaß an Schule.
Damit Hausaufgaben wieder Spaß machen, empfehlen wir Euch die LRS Behandlung. | Quelle: Unsplash

LRS wird individuell behandelt, deshalb geben wir Euch einen allgemeinen Überblick über Förderansätze. Vor allem knüpft die Förderung an bereits bestehende Fähigkeiten des Kindes an. Außerdem wird das phonologische Bewusstsein gefördert. Zum phonologischen Bewusstsein gehört:

  • Das Zerlegen der Wörter in Silben
  • Das Zusammenfügen der Silben zu Wörtern
  • Die Fähigkeit, Anlaute zu erkennen
  • Die Fähigkeit, aus Lauten ein Wort zu bilden
  • Die Fähigkeit, ein Wort in Laute zu zerlegen

Einige LRS Trainings sind in mehrere Schritte zerteilt: Die erste Phase heißt logografische Stufe. Dort erlernen Betroffene die Buchstaben-Laut-Erkennung. Einzelne Buchstaben werden hier mit bestimmten Lauten verbunden. Darauf folgt die alphabetische Stufe mit Sprach- und Hörübungen. Schließlich lernt Euer Kind in der orthografischen Stufe, Rechtschreibregeln anzuwenden und zu verinnerlichen. Hier erkennt Ihr sicherlich wieder die Rechtschreibstrategien, die wir Euch weiter oben vorgestellt haben. Nach und nach werden sie erlernt.

Allerdings dauert solch eine Therapie in etwa 80 bis 120 Therapiestunden. Sowohl zeitlich als auch finanziell ist dies also ziemlich aufwändig. Wir wollen Euch aber unbedingt ermutigen, Euch davon nicht abhalten zu lassen! Die Therapie wird sich auszahlen und Euer Kind auf seine Zukunft vorbereiten.

Selbst wenn eine Freizeitaktivität deshalb für eine bestimmte Zeit eingestellt werden muss oder Ihr weniger gemeinsam Zeit zu Hause verbringen könnt, ist eine LRS Behandlung absolut notwendig. Außerdem hat die LRS Therapie nicht nur den Vorteil, dass Euer Kind anschließend besser Lesen und Schreiben kann. Sondern eine Förderung ist auch für das Selbstbewusstsein Eures Kindes super. Hat es vorher unter Schulangst oder ADHS gelitten, verbessern sich meist auch diese Begleiterscheinungen von LRS mit einer Therapie. Schule, Lesen und Schreiben machen nämlich viel mehr Spaß, wenn das mit Erfolg verknüpf wird!

Leider wird die LRS Förderung nicht von den Krankenkassen übernommen. Da eine Einzelstunde zwischen 50 und 80 Euro kostet, müsst Ihr leider mit einer finanziellen Belastung von 150 bis 240 Euro pro Monat rechnen. Bei Eurem Jugendamt könnt Ihr einen Antrag auf Eingliederungshilfe stellen. Wenn dieser bewilligt wird, dann übernimmt das Jugendamt die Kosten für die LRS Therapie.

Was Erwachsene tun können

Als Eltern von einem Kind mit LRS: Die Dos und Don'ts

Indem Ihr diesen Artikel lest, seid Ihr als Eltern schon auf dem richtigen Weg. Denn am wichtigsten ist, dass Ihr die Lese- und Rechtschreibprobleme Eures Kindes nicht einfach so hinnehmt, sondern aktiv werdet.

Mehr Infos dazu, wie Ihr eine LRS erkennen könnt, geben wir Euch in unserem Artikel!

Eine LRS Behandlung erfordert viel Mut, lohnt sich fur Euer Kind aber.
Der Beginn einer Therapie ist nicht leicht, Durchhaltevermögen lohnt sich aber! | Quelle: Unsplash

Ihr könnt Eurem Kind helfen, indem Ihr zunächst keine Angst vor der Diagnose habt. LRS ist keine tödliche Krankheit und vor allem: LRS kann behandelt werden! Wenn Ihr Euch als Eltern also dafür einsetzt, den Schritt, eine Therapie zu beginnen, gemeinsam mit Eurem Kind zu gehen, dann habt Ihr alles richtig gemacht.

Eltern sind in den meisten Fällen jedoch keine Therapeuten und können deshalb zu Hause auch nicht das leisten, was ein Therapeut in der LRS Behandlung bewirkt. Wenn bei Euch das Hausaufgaben Machen eine Konfliktsituation ist und oft in Streit und Tränen endet, dann ist Euch geraten, davon etwas Abstand zu nehmen.

Lasst die Arbeit Therapeuten machen und lehnt Euch selbst etwas zurück. Denn wenn es beim Thema Lesen und Schreiben zu Hause immer nur Streit gibt, fällt es Euch, aber vor allem Eurem Kind schwerer, hier wieder entspannter zu agieren. Das ist aber ganz wichtig, damit das Selbstwertgefühl und die Motivation für Schule und Hausaufgaben nicht zu sehr leiden.

LRS im Erwachsenenalter: So könnt Ihr Euch helfen

Wenn Ihr auch im Erwachsenenalter nach wie vor Probleme mit dem Lesen und Schreiben habt, steht dies oft dem beruflichen Erfolg im Weg. Neben einem niedrigen Selbstwertgefühl und Selbstzweifeln führt dies dazu, dass Ihr Euch vor Aufgaben drückt, die mit Lesen und Schreiben zu tun haben.

Gebt Euch einen Ruck und macht den schreib.on Test. Den könnt Ihr bequem zu Hause machen. Hinterher bekommt Ihr ein ausführliches Gutachten, das Euch Klarheit darüber verschafft, ob Ihr individuelle pädagosiche Förderung braucht.

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Eva

Halb in Berlin, halb in Paris lebe ich meine Leidenschaften für guten Wein und schöne Fahrräder aus. Ich bin immer für spannende Aktivitäten zu haben und ständig auf der Suche nach interessanten Themen, die ich in meinen Artikeln mit Euch teile!