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Privatunterricht auf dem afrikanischen Kontinent

Von Christine, veröffentlicht am 09/10/2017 Superprof Blog DE > Privatunterricht > Nachhilfe suchen > Wie gestaltet sich Nachhilfeunterricht in Afrika?

Hast Du Dich schon einmal gefragt, wie Private Nachhilfe-Kurse auf der ganzen Welt aussehen?

Dies kann ein guter Ansatz sein, um sich die Bildungsprobleme überall auf der Welt bewusst zu machen.

Blickt man beispielsweise auf die südliche Hälfte der Erdkugel, so ist Afrika mit mehr als 1,2 Milliarden Menschen einer der bevölkerungsreichsten Kontinente der Welt.

Werfen wir doch hier einmal einen Blick auf den außerschulischen Unterricht entlang der Mittelmeerküste oder in der Sahara.

Entdeckt mit mir den Schulunterricht in der Savanne…

Das Bildungssystem in Afrika

Wie mir selbst auch, ist Dir das afrikanische Schulsystem sicher fremd. Lass uns dieses Bildungssystem einfach einmal ganz allgemein anschauen – Du wirst erstaunt sein.

Die am häufigsten von Fachleuten gestellte Frage ist, ob das afrikanische Bildungssystem ein koloniales Erbe sei.

Denn Afrika wurde lange Zeit von französischen, englischen und belgischen Kolonialmächten regiert. Die Amtssprachen in den Metropolen dieses Kontinents geben davon Zeugnis.

Das staatliche Bildungssystem der Länder steckte bis dahin noch in den Kinderschuhen.

Heute haben staatliche und öffentliche Grundschulen allmählich die traditionelle Schulbildung für Kinder abgelöst. Auch eine Sekundarstufe wurde hinzugefügt.

Verwaltet wird dieses Bildungssystem, wie bei uns auch, von den Ministerien. Die Bildungsausgaben betragen flächendeckend aber immer weniger als 20 % der jeweiligen Staatshaushalte.

Den Zustand des Bildungswesens in Afrika kann man getrost als „bunt“ bezeichnen.

Im Rahmen des Programms EFA (Education for All) 2015 hat die UNESCO den afrikanischen Kontinent auf Platz eins der Liste der Länder gesetzt, für die hoher Handlungsbedarf besteht.

Denn das riesige Territorium des südlichen Kontinents hat ein extrem inhomogenes Bildungswesen.

Die Nachhilfe ergänzt auch für afrikanische Verhältnisse gut funktionierende Bildungssysteme. In einigen Ländern Afrikas funktioniert das Bildungswesen leidlich. | Quelle: pixabay

Allerdings: Keinem Staat im südlich der Sahara gelegenen Afrika ist es bisher gelungen, die von den Vereinten Nationen im Jahr 2000 gesetzten Ziele zu erreichen.

Die Einschulungsquote für die Grundschule liegt immer noch deutlich unter 60%.

Nigeria hat beispielsweise erhebliche Schwierigkeiten mit den Vorgaben, während Burundi, Kap Verde, Mauritius, Ruanda, São Tomé und Principe, Sambia und Tansania zu den Ländern gehören, in denen das Bildungswesen bereits gute Fortschritte macht.

Bezogen auf die Alphabetisierung entsteht also ein Afrika der zwei Geschwindigkeiten. Die Republik Südafrika beispielsweise hat eine der höchsten Alphabetisierungsraten in Afrika.

In Afrika stellt sich die Situation bezogen auf Bildung und Lernen ganz anders dar als auf den anderen Kontinenten, wenn man die Situation vor allem im Vergleich mit dem Angebot an Nachhilfeunterricht in Europa, Nachhilfe in Nordamerika und dem extrem geförderten Nachhilfemarkt in Asien betrachtet!

Privatunterricht auf dem afrikanischen Kontinent

Da die öffentlichen Bildungssysteme in Afrika unterdurchschnittlich abschneiden (in einigen Ländern zeigt sich sogar ein Rückgang der Alphabetisierung), entstehen immer mehr private Schulen.

Ihre Lehrer und Tutoren sind jedoch nicht immer gut qualifiziert – zum Teil sogar schlecht qualifiziert.

Dabei erfordert die Lehrertätigkeit durchaus spezifische Fähigkeiten. Denn nur gute Nachhilfe reduziert schulisches Versagen.

Einige dieser privaten Schulen werden von religiösen Gemeinden geleitet und können Abendkurse mit sehr variablen Gebühren oder sogar kostenlosen Unterricht anbieten.

Damit versuchen die gemeinnützigen Institutionen den Rückzug des Staates aus dem Bildungswesen zu kompensieren.

Neben diesen philantropischen Lehrveranstaltungen können wohlhabende Eltern ihren Kindern auch maßgeschneiderte Nachhilfe anbieten.

In der Mittelschicht ist es nicht ungewöhnlich, dass Familien Opfer bringen, um für den Privatunterricht zu Hause zu zahlen.

Die Menschen verbinden damit die Hoffnung, ihrer Tochter oder ihrem Sohn den sozialen Aufstieg zu ermöglichen.

Meist wird die Nachhilfe von unabhängigen Verbänden oder Lehrkräften angeboten, seltener über kommerzielle Plattformen.

Leider gibt es in Afrika Fälle, in denen auch die Nachhilfe oder die Hausaufgabenhilfe institutionalisiert ist und die Korruption auch diese Strukturen durchdringt.

So nötigen manche Lehrer die Eltern, sie für die Lehrtätigkeit zu zahlen. Gedroht wird andernfalls mit mehr oder weniger schlechten Noten.

Dieses eher gewinnorientierte als pädagogische Handeln der Lehrer hat in einigen Staaten dazu geführt, dass Privatunterricht ganz und gar verboten ist.

Privatunterricht als Garant für schulische Bildung? Hilfe zur Selbsthilfe gilt auch für das Bildungssystem Afrikas, das durch privaten Unterricht erreicht werden kann. | Quelle: pixabay

Wenn Du Dich mit dem niedrigen afrikanischen Bildungsstandard beschäftigst, wirst Du bemerken, dass Nordafrika und die Länder, in denen das französische Bildungssystem schon lange besteht, nicht so sehr betroffen sind. Dazu zählen beispielsweise Algerien oder Marokko. Da dort schulischer Erfolg und die Aussicht auf einen Platz auf einer internationalen Schule (z.B. ein französisches Lycée) einen hohen Stellenwert hat, wird dort häufig Nachhilfe gesucht.

Und überall dort, wo es die Verfügbarkeit neuer Technologien erlaubt, ist es für die Schüler natürlich möglich – vor allem für englischsprachige oder französischsprachige Kinder – auf westliche Online-Tutoring-Gateways wie Squla oder LiveMentor zuzugreifen.

Die Nachhilfesituation in Afrika ähnelt durchaus den Zuständen in Lateinamerika.

Hilfsorganisationen und Schulmaterial

Die OECD-Bildungshilfe für die ärmsten Länder wird zurückgefahren.

Die Ausgaben hatten sich in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends verdoppelt, sanken dann aber von 5,6 Milliarden Euro jährlich im Jahr 2010 auf 4,6 Milliarden Euro im Jahr 2012.

Um dieses Bildungsdefizit auszugleichen, unterstützen viele nichtstaatliche Organisationen Haus- oder Gruppenkurse, Nachhilfe und Hausaufgabenhilfe, indem sie ehrenamtliche Tutoren schicken oder finanzielle Unterstützung gewähren.

Diese Hilfe, die größtenteils dank der Großzügigkeit privater Spender ermöglicht wird, stützt sich sowohl auf große Organisationen, aber auch auf viele regionale und bescheidene Vereinigungen.

In diesem Zusammenhang sei beispielsweise die Initiative des Bretonen Jean-Pierre Levaire genannt, der 2014 die Organisation Soleils d’Afrique schuf.

Das grundlegende Bildungsziel ist Alphabetisierung durch Nachhilfe: Lesen, Schreiben und Rechnen sind im 21. Jahrhundert ein Muss.

Daher stehen vor allem Förderkurse im Mittelpunkt aller Strategien, mit dem Ziel, Schulversagen in den Kernfächern zu reduzieren.

Die Länder, die am meisten von dieser – auch monetären – Unterstützung für Nachhilfeleistungen profitieren, sind afrikanische Länder.

Dabei ist festzustellen, dass die ehemaligen Kolonien häufig von der Spendenbereitschaft ihrer ehemaligen Kolonialherren profitieren. Das französischsprachige Afrika ist zum Beispiel Hauptnutznießer französischer Spenden.

Diese Spenden kompensieren die Armut afrikanischer Länder, wie es die Vereinten Nationen wünschen.

Nordafrika und das südliche Afrika schaffen es dank ihrer wirtschaftlichen Entwicklung sogar, sich selbst besser zu entwickeln als Schwarzafrika, Zentralafrika und Westafrika.

Nachhilfe und humanitäre Mission in Afrika

Die von humanitären Organisationen gewährten Fördermittel für die Bildung sind in erster Linie für die Menschen gedacht.

In den Regionen, wo die Rate der Analphabeten sehr hoch ist und wo schwierige Bedingungen herrschen, finden sich viele Bildungsmissionen.

Project-Abroad bietet zum Beispiel jungen Menschen an, an Hochschulen und Universitäten in Senegal Englischkurse zu geben oder im Sommer in Äthiopien als Tutor tätig zu sein.

Privater Unterricht durch NGOs im Outdoor-Klassenzimmer. Für die Schulen in Afrika fehlen häufig sogar Klassenzimmer. | Quelle: pixabay

Ein Ausstieg für eine humanitäre Bildungsmission während des Schuljahres oder für ein Sommercampus-Programm zieht immer mehr europäische Schüler und Junglehrer an.

FMH (Frauen in der humanitären Mission) bietet zum Beispiel eine Partnerschaft mit Coordination SUD (Solidarity Emergency Development) an.

In deren Rahmen kann man für den Sommer nach Togo, Burkina Faso, Benin oder Kamerun reisen. Hier ist Privatunterricht vor allem für AIDS-Waisen vorgesehen.

Letztere stellen eine Bevölkerungsgruppe dar, die besonders anfällig für Schulversagen und Analphabetismus ist und der Vorrang eingeräumt werden sollte.

Diese nicht-staatlichen Organisationen geben sich aber nicht damit zufrieden, einfach nur Nachhilfekurse anzubieten. Sie nutzen ihre Präsenz auch, um die afrikanische Bevölkerung in vielerlei Hinsicht zu unterstützen.

Neben der Verteilung gebrauchter Schulbücher und gebrauchter Notebooks versorgen sie die Schülerinnen und Schüler mit gebrauchter Kleidung, mit Schuhen und anderen Gegenständen.

Das ermöglicht es den Eltern, ihre Ersparnisse für andere Zwecke – wie Lebensmittel, Wohnen, Hochschulbildung etc. – zu schonen.

Vincents und Serenas Alltag als Privatlehrer in Madagaskar

Unter diesen vielen Freiwilligen, die unsere Bewunderung verdienen, sind auch zwei Franzosen, Vincent und Serena. Sie gehören zu den vielen Freiwilligen der katholischen Organisation Fidesco (derzeit 130 Freiwillige in 21 Ländern!).

Vincent und Serena kommen aus Südwestfrankreich. Sie beschlossen 2016, für zwei Jahre nach Madagaskar zu fliegen.

Ihre Mission finanziert sich hauptsächlich durch Spenden von Verwandten, Freunden und Nachbarn und hilft den Töchtern der Nächstenliebe von Farafangana.

Serena verließ die Schule mit der Aufgabe, die Bücherei und die Schreibwaren der Schule zu verwalten.

Einmal vor Ort wurde aber ihr Aufgabengebiet schnell größer: Sie befasst sich insbesondere mit dem Fundraising, zum Beispiel für den Bau einer Oberschule, der Bereitstellung von Schulgeld für Kinder und der Bereitstellung von Ausrüstung und Ausbildung, damit Lehrerinnen und Lehrer im Internet nach Unterrichtsmaterialien suchen können.

Vincent unterrichtet Französisch – hauptsächlich in Schülergruppen – in der Mittelstufe. Er ist auch als Tutor tätig und bietet Nachhilfeunterricht für Gymnasiasten im letzten Jahr der Sekundarstufe an.

Darüber hinaus gibt er zusammen mit einigen madagassischen Leuten Konversations- und Lesekurse (auf Französisch).

Neben dem Nachhilfeunterricht in der Sekundarstufe gibt er außerdem Nachhilfe während der Unterrichtsstunden in der Bibliothek, sowie Hausaufgabenhilfe und individuelle Betreuung.

Und nun stell Dir vor, es gäbe viele Serena und Vincents. Stell Dir deren Tätigkeiten multipliziert mit der Anzahl der freiwilligen Lehrer in ganz Afrika vor.

Dann bekommst Du langsam eine Ahnung davon, welche pädagogische Arbeit bereits geleistet wird, und wie viel trotz allem noch zu tun bleibt!

Humanitäre Organisationen versorgen die Schüler nicht nur mit Wissen sondern auch mti Kleidung und Materialien. Afrikanische Schüler sind oft mit viel Lernwille bei der Sache. | Quelle: pixabay

Kurzum, Nachhilfeunterricht in Afrika wird durch das Unvermögen der nationalen Bildungssysteme notwendig.

Aufgrund der begrenzten finanziellen Ressourcen der Staaten und der Menschen in Afrika werden aber weiterhin großzügige Spenden notwendig und das Lehren häufig ein Ehrenamt sein.

Dennoch sind es all diese Anstrengungen wert, um die Vernetzung von Privatunterricht, privater Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung auf dem afrikanischen Kontinent zu verstärken.

Bildung für alle bleibt eine Baustelle, die unbedingt zu einem erfolgreichen Abschluss geführt werden muss.

Wie sieht es mit Dir aus? Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, ob Du Dich an dieser großartigen Mission der Alphabetisierung Afrikas beteiligen kannst?

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