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Nachhilfeunterricht im europäischen Raum

Von Christine, veröffentlicht am 05/09/2017 Blog > Privatunterricht > Nachhilfe suchen > Der Markt für Nachhilfe in Europa

„Das Wichtigste ist, Lust und Liebe zur Sache zu wecken, sonst erzieht man nur gelehrte Esel.“

Dieses berühmte Zitat von Montaigne (1533-1592) steht für eine Erziehungsphilosophie, die in den Kindern Lust und Liebe zum Lernen wecken soll, das heißt Intelligenz und Denkfähigkeit zu entwickeln.

Denn es nutzt nichts, nur auswendig Gelerntes wiedergeben zu können, ohne zu verstehen, wie man das Wissen einsetzen kann.

Eine Erkenntnis, die sich selbst fünf Jahrhunderte später noch nicht überall in den europäischen Bildungssystemen durchgesetzt hat….

Bevor wir uns also die Situation von Nachhilfe & Privatunterricht im Rest der Welt anschauen, lass uns auf dem alten Kontinent bleiben und uns hier den Markt für Nachhilfe genauer anschauen.

Die Bildungssysteme sind in Europa sehr heterogen: Im Norden, in Skandinavien, hochgelobt und im Süden heftig kritisiert. Und dazwischen gibt es viele Nuancen.

Es wird oft behauptet, dass der Anstieg an privater Nachhilfe in direktem Zusammenhang mit den (gefühlten) Unzulänglichkeiten der nationalen Bildungssysteme steht.

Aber ist dann dieses Phänomen in allen europäischen Ländern zu beobachten? – Nein! Und genau das ist interessant.

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Nachhilfe in den romanischen Ländern

Im Süden und Osten der EU scheint die Schule nicht mehr die Erwartungen der Eltern für ihre Kinder erfüllen zu können. Das Vertrauen in die nationalen Bildungssysteme nimmt ab.

Die Eltern stürzen und stützen sich zunehmend auf Privatschulen, Privaten Unterricht, Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung, um die gewünschten Fortschritte bei ihren Kindern zu erzielen.

Laut einer Studie aus dem Jahr 2012 von Mark Bray, Direktor des Centre for Comparative Education Research der University of Hong Kong, wurde schon damals die Wertschöpfung Privater Nachhilfe je nach Land in Europa auf mehrere hundert Millionen bis mehrere Milliarden Euro geschätzt.

  • Frankreich: 2,2 Mrd. Euro
  • Deutschland: 1,5 Mrd. Euro
  • Griechenland: 950 Mio. Euro
  • Spanien: 450 Mio. Euro
  • Italien: 420 Mio. Euro
  • Rumänien: 300 Mio Euro

Nachhilfe kann für Kinder zum Stressfaktor werden. Mit durchschnittlich ein bis zwei Stunden Privatunterricht pro Woche zu Hause bleibt Kindern oft nur noch wenig Zeit zum Spielen. | Quelle: Pexels

Alle diese Länder – außer Deutschland – waren im vergangenen Jahrzehnt am stärksten von Wirtschaftskrisen, Rezession und Massenarbeitslosigkeit betroffen.

Der Wettbewerb um Arbeitsplätze nahm rasant zu. Und deshalb waren und sind noch immer viele Studenten sogar mit einem guten Hochschulabschluss arbeitslos. Dadurch nimmt das Vertrauen in das nationale Bildungssystem ab.

Mit anderen Worten: Selbst ein guter Abschluss ist kein Garant mehr für einen guten Arbeitsplatz.

Die gestiegene Arbeitslosigkeit hat dazu geführt, dass sich viele Absolventen als private Nachhilfelehrer für Fremdsprachen, Geschichte, Geographie oder Naturwissenschaften (Mathematik, Physik, Chemie, Biologie) selbstständig gemacht haben, um Geld zu verdienen.

Darüber hinaus ist der Privatunterricht beziehungsweise die private Nachhilfe deutlich besser geeignet, um Lernstoff zu wiederholen. Oder um Schüler mit Lernschwierigkeiten zu fördern.

Eltern, die einen Teil ihres Haushaltseinkommens für einen privaten Nachhilfelehrer aufwenden, fühlen sich für die Bildung ihrer Kinder verantwortlich. Der private Nachhilfeunterricht wird dabei als Instrument gesehen, das gegen Schulversagen und damit einhergehende spätere Armut helfen soll.

Vor allem in Asien wird dieses Leistungsprinzip im Rahmen von Privater Nachhilfe stark vorangetrieben.

Der irrwitzige Wettlauf um den frühesten Abschluss (G8 – Abitur in acht Jahren), der Konkurrenzkampf an den Schulen und das reine Leistungsdenken im Unterricht sind zusätzliche Faktoren, die Eltern veranlassen, ihre Kinder zu Hause (zusätzlich) unterrichten zu lassen.

In Südeuropa wird Nachhilfe als Mittel zur wirtschaftlichen Absicherung gesehen. Leistungsförderung durch private Nachhilfe gilt in vielen südeuropäischen Ländern als Absicherung gegen Armut und Arbeitslosigkeit. | Quelle: Visualhunt

Gymnasiasten benötigen besonders häufig Nachhilfe – europaweit

In Europa hat heute bereits mehr als ein Drittel der Gymnasiasten Förderunterricht erhalten.

Dementsprechend schnell ist auch die Zahl der Nachhilfelehrer gestiegen. Viele Nachhilfe-Organisationen sind in allen großen Städten angesiedelt, wie z. B. in Deutschland die Schülerhilfe oder der Studienkreis. So werden zum Beispiel zum Suchen nach Nachhilfe Berlin und andere Städte zu einer sicheren Nummer.

Darüber hinaus haben sich in den letzten Jahren immer mehr Plattformen für Nachhilfe Online etabliert. Sie stellen den persönlichen Kontakt zu Privatlehrern her.

Einige von ihnen, wie beispielsweise Superprof, sind sehr jung und dennoch bereits auf dem Weg zur Internationalisierung.

So ist Superprof neben Frankreich und Deutschland bereits in Italien, Belgien, UK, Luxemburg und der Schweiz präsent, kauft Wettbewerber in Spanien und Mexiko, hat sich in Kalifornien und Brasilien niedergelassen und streckt nun auch seine Fühler nach Indien aus.

Zur Situation des Nachhilfemarktes in Nordamerika findest Du hier genauere Informationen, während wir uns an anderer Stelle auch der Bedeutung von Nachhilfeunterricht auf dem lateinamerikanischen Kontinent widmen.

Gerade bei den Gymnasiasten ist der Bedarf an Nachhilfe in Europa besonders hoch:

  • 83 % der maltesischen Gymnasiasten,
  • 69% der griechischen Gymnasiasten,
  • 36% der französischen Gymnasiasten in Frankreich und immerhin noch
  • 21% der deutschen Gymnasiasten

nehmen zusätzlichen Nachhilfeunterricht zu Hause.

Kann private Nachhilfe Bildungschanchen ausgleichen?

Und welchen Effekt hat der private Unterricht für die Schüler?

Nach einer aktuellen Studie der Hans Böckler Stiftung bekommen nicht die Kinder aus bildungsfernen Schichten die meiste Nachhilfe (13%), sondern die Sprösslinge wohlhabender Familien (30%).

Bildungsungleichheit kann durch private Nachhilfe nicht ausgeglichen werden. Nicht sozial Schwache aus bildungsferneren Schichten bekommen die meiste Nachhilfe, sondern Gymnasiasten mit gut verdienenden Eltern. | Quelle: Hans Böckler Stiftung

Das bedeutet, dass Kinder, die in der Schule erfolgreich sind, aber aus finanziell abgesicherten Verhältnissen kommen, durch die Nachhilfe noch besser werden sollen. Hier sind meist die Abstiegsängste der Eltern treibende Kraft.

Es bedeutet aber auch, dass Kinder aus bildungsfernen, sozial schwachen Verhältnissen nicht die Möglichkeit haben, von privater Nachhilfe oder privatem Unterricht zu Hause zu profitieren.

Privater Unterricht wird daher die Bildungschancen nicht egalisieren, sondern, im Gegenteil, die Bildungsungleichheiten verschärfen.

Private Nachhilfe in den nordeuropäischen Ländern

In Großbritannien, Irland und Deutschland ist die private Nachhilfe ebenfalls sehr weit entwickelt, allerdings aus anderen Gründen als in Südeuropa. In Skandinavien dagegen ist sie marginal.

Die Angelsachsen nutzen private Nachhilfe als Intensivkurse vor Prüfungen oder dem Schulwechsel. Gefragt sind vor allem die Nachhilfekurse in Mathematik.

In Großbritannien gibt es drei Hauptgründe für private Nachhilfe:

  • Fachkenntnisse verbessern
  • Selbstbewusstsein stärken
  • bessere Studienleistungen erzielen

Auch in diesen Ländern nutzen Kinder aus sozial schwachen Familien das Angebot privater Nachhilfe weit seltener.

Mit 15 Jahren haben bereits 43% der Kinder, deren Eltern einen Hochschulabschluss besitzen, Nachhilfeunterricht erhalten.

Haben die Eltern „nur“ Abitur – und keinen Hochschulabschluss – so sind es nur 19% der Kinder, die zu Hause zusätzlich unterrichtet werden.

„Eine wichtige Ursache für schichttypische Bildungschancen sind schichttypische Schulleistungen. Der französische Soziologe Raymond Boudon (1934-2013) nennt diese die ‚primären Effekte‘ der schichttypischen Bildungsungleichheit. […] Die schichtspezifische Sozialisationsforschung hat bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren die große Bedeutung der schichttypischen Lernmilieus in den Familien herausgearbeitet: Die größeren finanziellen Ressourcen und der bessere kulturelle Anregungsgehalt in den statushöheren Familien fördern die Entwicklung von Fähigkeiten und Motivationen, die gute Schulleistungen und eine erfolgreiche Bildungskarriere begünstigen – wie zum Beispiel kognitive und sprachliche Fähigkeiten, Leistungsmotivation oder den Glauben an den Erfolg individueller Anstrengungen.“ [Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung]

Einfacher ausgedrückt könnte man daraus folgenden Schluss ziehen:

Einkommensschwache Familien bevorzugen kurze Ausbildungswege. Denn lange Studiengänge sind teuer.

So gliedern sich die Kinder einkommensschwacher Familien in den Arbeitsmarkt eher wieder bei unterqualifizierten Arbeitsplätzen ein. Sie haben wenig Vertrauen in das Bildungssystem. Und dennoch ist es weniger wahrscheinlich, dass sie zu Hause Privaten Nachhilfeunterricht erhalten.

Eltern mit hohem Einkommen tragen die Kosten der Hochschulbildung, weil sie einen sozialen Aufstieg ermöglichen wollen. Deshalb ist auch der Nachhilfeunterricht zu Hause sehr gefragt. Denn das Ziel heißt: akademischer Erfolg und Exzellenz.

Finnland gilt als Musterbeispiel in Sachen Schulbildung! In Finnland erhalten die Schüler den notwendigen Nachhilfeunterricht an den Schulen durch angestellte Lehrer. Privater Unterricht zu Hause ist hier nicht nötig. | Quelle: Visualhunt

Sieger in der staatlichen Bildungspolitik ist aber eindeutig Finnland. Nachhilfe beziehungsweise individueller Förderunterricht beginnt in Finnland bereits in der Grundschule – und wird auch genau dort durch die Lehrer durchgeführt.

Um kumulative Defizite ab der Grundschule zu vermeiden, kann jedes Kind eine individuelle, kostenlose Bildungsförderung erhalten.

Die Nachhilfekurse werden in Form eines individuellen Coachings durchgeführt, je nach den akademischen Schwierigkeiten eines jeden Schülers.

Es liegt komplett in der Verantwortung des Lehrers: Dieser wird in jeder Schulklasse von einem Kollegen unterstützt, der für einen reibungslosen Ablauf des Unterrichts sorgt.

In Skandinavien ist es also nicht nötig, Privatunterricht zu Hause zu nehmen. Wenn dennoch die Schulschwierigkeiten anhalten und die individuelle Betreuung nicht ausreicht, können sich Familien jetzt an Online-Tutoren-Websites wenden.

Schulförderung in osteuropäischen Ländern

Zu den osteuropäischen Ländern gehören Griechenland und die ehemaligen Sowjetblockländer: Ukraine, Litauen, Lettland, Estland, Polen, Rumänien, Bulgarien, Ungarn, das ehemalige Jugoslawien, die Tschechische Republik, die Slowakei und Lettland.

In diesen Regionen ist – betrachtet man Europa – der Privatunterricht zu Hause am weitesten verbreitet.

Das hättest Du nicht erwartet, oder?

Denn mit dem Zusammenbruch des Sowjetblocks 1991 und seit dem Ende der Balkankriege in den späten 1990er Jahren brach der Arbeitsmarkt für Privatdozenten an staatlichen Einrichtungen zusammen. Die Gehälter sanken drastisch.

Im Privatunterricht sahen diese Lehrer und pädagogischen Berater eine Chance. Deshalb boten immer mehr Lehrer aus staatlichen Schulen und Einrichtungen auch zu Hause Privatunterricht an, um ihr geringes Einkommen aufzubessern.

Sie ermöglichten Schülern mit Lernschwierigkeiten, die sie auch an öffentlichen Schulen unterrichteten, Förder- und Auffrischungskurse in privatem Rahmen.

Für den Forscher Mark Bray, dessen Studie bereits erwähnt wurde, hat hier das Angebot die Nachfrage geschaffen: Es ging schlicht um das Überleben der Lehrer.

Die Öffnung der osteuropäischen Länder für die freie Marktwirtschaft hat auch eine beschleunigte Entwicklung von Online-Tutorenkursen ermöglicht.

Und, Lust in Prag Nachhilfe zu geben? Reise nach Prag, um den Charme der Tschechischen Republik zu genießen und Privatunterricht zu geben. | Quelle: Visualhunt

Prag, Kiew, Bratislava, Belgrad, Sarajevo, Bukarest, Sofia, Budapest, Warschau, Vilnius und Riga sind Städte, in denen sich der Markt für Privatunterricht in den allgemeinbildenden Fächern (Fremdsprachen, Mathematik, Physik, Chemie, Geschichte und Geographie) rasant entwickelt!

Dabei wird derjenige, der privaten Unterricht zu Hause erteilt, seinem Niveau und seiner Erfahrung entsprechend bezahlt.

Nachdem wir nun die Tournee durch Europa beendet haben: Würdest Du jetzt gerne Privatlehrer für ausländische Gymnasiasten werden? Pädagogische Beratung anbieten und zum Lernerfolg der Schüler beitragen?

Dann kannst Du Unterricht in Deutsch oder Nachhilfe in Mathematik geben – von Lissabon bis Tallinn, von London bis Sofia.

Und was meinst Du – in welcher(/n) europäischen Region(en) findest Du die meisten Nachhilfeschüler?

Na ja, falls Dir keine dieser Regionen gefällt – schau Dich doch auf dem Markt für Nachhilfe in Afrika mal um.

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