Römische Kunst ist überall, auch wenn du gerade nicht in Rom bist. Ob Kolosseum, Pantheon, realistische Kaiserbüsten oder die bunten Mosaike aus Pompeji: Die Römer haben Bilder, Gebäude und Alltagsgegenstände geschaffen, die bis heute wie echte Zeitmaschinen wirken.
Römische Kunst war vielseitig und allgegenwärtig.
Sie begegnete den Menschen im Alltag genauso wie an öffentlichen Orten.
🏛️ Architektur – Tempel, Thermen, Amphitheater, Aquädukte
🗿 Bildhauerei – Statuen, Porträtbüsten, Reliefs
🎨 Malerei – Wandmalereien (Fresken), vor allem in Wohnhäusern
🧩 Mosaikkunst – Bilder aus kleinen Stein- oder Glasstücken
🏺 Kunsthandwerk – Keramik, Schmuck, Glas, Gebrauchsgegenstände
Typisch für römische Kunst: Realismus, Funktionalität und Machtinszenierung
Wir erklären dir, wie römische Kunst entstanden ist, was sie von griechischer Kunst unterscheidet und warum sie so oft mit Macht, Technik und Propaganda zusammenhängt. Wir schauen uns die wichtigsten Bereiche an: von monumentaler Architektur über Skulpturen und Wandmalerei bis hin zu Kunsthandwerk, das sogar in ganz normalen römischen Häusern zu finden war.
Die Kunst des alten Roms hat die Kunst der westlichen Welt über Jahrtausende beeinflusst.
Ursprung und Entwicklung der römischen Kunst
Um zu verstehen, wie sich die römische Kunst entwickelte, lohnt sich zunächst ein Blick auf die Kulturen, von denen die Römer besonders stark beeinflusst wurden.
Die antike römische Kunst erstreckt sich über fast 1.000 Jahre und drei Kontinente, von Europa bis nach Afrika und Asien. Die Anfänge der römischen Kunst beginnen natürlich mit der Gründung der Römischen Republik 509 v. Chr. und dauern bis 330 v. Chr. - oder auch viel länger, wenn wir die byzantinische Kunst mit einbeziehen. Römische Kunst kommt in vielen Materialien, darunter Marmor, Malerei, Mosaik, Edelsteine, Silber- und Bronzearbeiten oder auch Terrakotten.
Die Stadt Rom war ein kultureller Schmelztiegel, und die Römer nahmen künstlerische Einflüsse aus den Kulturen, die sie umgaben und ihnen vorausgingen, auf. Wir finden also griechische, etruskische und ägyptische Einflüsse in der gesamten römischen Kunst. Das heisst jedoch nicht, dass die gesamte römische Kunst nur ein Abklatsch der Kunst anderer Kulturen war.
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Einfluss der Etrusker und Griechen
Die römische Kunst entstand also nicht „aus dem Nichts“, sondern entwickelte sich aus den Einflüssen anderer Kulturen rund um das Mittelmeer. Besonders prägend waren die Etrusker, die vor den Römern große Teile Italiens besiedelten.1
Von ihnen übernahmen die Römer wichtige Elemente der Grabkunst, der Wandmalerei und der Bauweise. Etruskische Gräber waren oft reich bemalt und zeigten Alltagsszenen, Feste oder religiöse Rituale. Das ist ein Ansatz, der später auch in der römischen Kunst wiederzufinden ist.
Noch stärker war der Einfluss der Griechen. Griechische Tempel, Statuen und Gemälde galten als Vorbilder für Schönheit und Harmonie. Viele griechische Kunstwerke wurden nach Rom gebracht, kopiert oder von römischen Künstlern nachgeahmt.2
Dabei übernahmen die Römer Formen, Proportionen und Techniken der griechischen Kunst, passten sie jedoch an ihre eigenen Bedürfnisse an. Griechische Kunst war oft idealisierend, während die Römer begannen, realistischer zu arbeiten.
Eigenständige römische Stilmerkmale
Trotz dieser Vorbilder entwickelte sich mit der Zeit eine eigenständige römische Kunst. Typisch für sie ist vor allem ihr Pragmatismus: Kunst sollte nützlich sein, Eindruck machen und klare Botschaften vermitteln. Statt idealer Schönheitsbilder legten römische Künstler großen Wert auf Realismus. Das zeigt sich besonders in Porträtbüsten, die Falten, Narben oder Alterszüge bewusst darstellen.
Die römische Kunst entwickelte sich über viele Jahrhunderte und lässt sich grob in drei Phasen einteilen:
🔹 1. Römische Republik (ca. 500–27 v. Chr.)
Starker Einfluss der Etrusker und Griechen
Zweckmäßige, eher schlichte Kunst
Beginn realistischer Porträtkunst
Architektur noch stark an Vorbildern orientiert
🔹 2. Römische Kaiserzeit (27 v. Chr.–ca. 300 n. Chr.)
Blütezeit der römischen Kunst
Monumentale Bauwerke (Kolosseum, Pantheon)
Kunst als Macht- und Propagandamittel
Detailreiche Reliefs, realistische Kaiserporträts
🔹 3. Spätantike (ca. 300–500 n. Chr.)
Wandel der Stilformen
Weniger Realismus, mehr Symbolik
Übergang zur frühchristlichen Kunst
Kunst dient stärker religiösen Zwecken
Ein weiteres zentrales Merkmal ist die Funktionalität. Römische Kunst war eng mit Architektur, Politik und Alltag verbunden. Gebäude wie Amphitheater oder Thermen waren nicht nur schön, sondern dienten konkreten Zwecken.
Gleichzeitig wurde Kunst gezielt zur Machtinszenierung und Propaganda genutzt. Kaiser ließen sich als starke Herrscher darstellen, Siege wurden in Reliefs verewigt und öffentliche Bauwerke sollten die Größe des Römischen Reiches zeigen.
Die Römer strebten griechische Bildungs- und Kunstideale an. Römische Bürger zeigten gerne ihr gehobenes Niveau, indem sie in ihren Villen Statuen nach griechischen Vorbildern aufstellten.
Viele Römer gaben dafür Kopien berühmter griechischer Werke in Auftrag. Einige griechische Statuen überlebten überhaupt nur durch die Kopien, die die Römer haben angefertigten lassen!
Bei den Kopien handelte es sich aber auch häufig eher um Variationen als um direkte Kopien. Es wurden kleine Änderungen vorgenommen. Die Variationen waren oft sogar ziemlich humorvoll und stellten das ernste Element der griechischen Kunst auf den Kopf. So gibt es beispielsweise eine hellenistische Skulptur des enthäuteten Halbgottes Marsyas als Messergriff!
Architektur: Monumentale Bauwerke des Römischen Reiches
Die Architektur gilt als die beeindruckendste Kunstform der Römer. Mit ihr zeigten sie Macht, technischen Fortschritt und Organisationstalent und prägten Städte im gesamten Reich von Britannien bis Nordafrika.
Tempel und religiöse Bauten

Tempel in Rom bildeten das Zentrum des religiösen Lebens. Das Pantheon in Rom, das bis heute fast vollständig erhalten ist, ist ein bekanntes Beispiel.
Die riesige Kuppel mit der Öffnung (Oculus) war eine technische Meisterleistung und symbolisierte die Verbindung zwischen Göttern und Menschen.
Rundtempel wie der Vestatempel waren ebenfalls von Bedeutung: Hier wurde das heilige Feuer der Göttin Vesta bewacht.
Im Unterschied zu griechischen Tempeln waren römische Tempel meist frontal ausgerichtet. Sie standen auf einem Podium, waren nur von vorne zugänglich und dienten stärker der Inszenierung. Während griechische Tempel damit eher harmonisch in die Umgebung eingebettet waren, wollten römische Tempel beeindrucken und dominieren.
Öffentliche Bauwerke
Besonders sichtbar wird römische Architektur in den öffentlichen Bauwerken. Das bekannteste ist das Kolosseum in Rom, ein riesiges Amphitheater für Gladiatorenkämpfe und Großveranstaltungen. Es bot Platz für zehntausende Zuschauer und zeigte, wie perfekt die Römer Massenunterhaltung organisierten.

Auch Thermen waren wichtige Treffpunkte: Sie dienten nicht nur der Körperpflege, sondern auch als Orte für Sport, Gespräche und Entspannung. Aquädukte wie der Pont du Gard in Frankreich versorgten Städte über weite Strecken mit Wasser. Hinzu kamen Basiliken als Gerichts- und Markthallen sowie ein dichtes Netz aus Straßen, das das gesamte Reich verband.
Möglich wurde all das durch technische Innovationen: Rundbögen, Kuppeln und römischer Beton erlaubten große Spannweiten und stabile Bauwerke – viele davon stehen bis heute.
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Wohnarchitektur
Auch das Wohnen war im alten Rom stark von Architektur geprägt. Wohlhabende Römer lebten in einem Atriumhaus mit einem offenen Innenhof, der Licht und Regenwasser sammelte. Reiche Familien besaßen zudem luxuriöse Villen, oft mit Gärten, Säulenhallen und prachtvoll geschmückten Räumen.
Die Mehrheit der Stadtbevölkerung wohnte jedoch in Insulae, mehrstöckigen Mietshäusern, die oft eng und einfach gebaut waren. Unabhängig vom sozialen Status spielten Wandmalereien und Mosaike eine große Rolle: Sie schmückten Wohnräume, zeigten Landschaften, Götter oder Alltagsszenen und machten Kunst zu einem festen Bestandteil des täglichen Lebens.
Bildhauerei: Von Statuen bis zu Reliefs
Die römische Bildhauerei unterscheidet sich deutlich von der griechischen: Statt idealer Schönheitsbilder stand hier der Realismus im Vordergrund.3 Besonders typisch sind Porträtbüsten, die Gesichter mit Falten, Narben oder ernsten Mienen zeigen. Sie sollten den Charakter, die Erfahrung und den gesellschaftlichen Rang einer Person widerspiegeln und nicht perfekte Schönheit.
Eine zentrale Rolle spielten Kaiserbilder. Statuen von Herrschern wie Augustus oder Marcus Aurelius waren im ganzen Reich verbreitet und dienten gezielt der politischen Propaganda. Kaiser wurden als starke Feldherren, gerechte Herrscher oder von den Göttern begünstigte Figuren dargestellt. So sollte Macht sichtbar und dauerhaft festgehalten werden.

Kaiser Hadrian zum Beispiel war als grosser Kunstliebhaber und Bewunderer alles Griechischen bekannt. Der Kaiser selbst begann, wie man auf offiziellen Porträts und Büsten sieht, einen griechischen "Philosophenbart" zu tragen.
Das Dekor in seiner weitläufigen Villa Adriana oder Hadriansvilla in Tivoli umfasst Mosaike wie das Kentauren-Mosaik, ein Teil der Fußbodenverzierung des Speisezimmers.
Besonders erzählerisch sind auch die historischen Reliefs. Ein berühmtes Beispiel ist die Trajanssäule in Rom. In einem spiralförmigen Relief wird dort der Sieg Kaiser Trajans über die Daker dargestellt – Szene für Szene, fast wie ein antiker Comic. Solche Reliefs verbanden Kunst mit Geschichtsschreibung und machten römische Erfolge für alle sichtbar.
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Malerei und Mosaikkunst
Neben Architektur und Bildhauerei spielte auch die Malerei eine große Rolle in der römischen Kunst. Sie machte Häuser lebendig, erzählte Geschichten und zeigte, wie wohlhabend eine Familie war.
Römische Wandmalerei
Besonders viele römische Wandmalereien kennen wir aus Pompeji und Herculaneum. Diese Städte wurden im Jahr 79 n. Chr. durch den Ausbruch des Vesuvs verschüttet. Die Asche konservierte ganze Häuser mitsamt ihren Fresken. Das war zwar eine Tragödie, aber gleichzeitig ein echter Glücksfall für die Archäologie.
Die römische Wandmalerei wird meist in vier pompejanische Stile eingeteilt:
- Erster Stil: Nachahmung von teurem Marmor durch Farbe: Wände sollten edel wirken.
- Zweiter Stil: Illusionsmalerei mit Säulen, Fenstern und Landschaften, die Tiefe vortäuschen.
- Dritter Stil: Schlichte Flächen mit feinen, dekorativen Motiven und kleinen Bildfeldern.
- Vierter Stil: Mischung aller Stile, sehr bunt und detailreich, oft mit mythologischen Szenen.
Die Malereien schmückten Wohnräume, erzählten Geschichten aus der Götterwelt oder zeigten idyllische Landschaften.
Mosaike als erzählende Kunst
Mosaike bestanden aus vielen kleinen Stein-, Glas- oder Keramikstücken, den sogenannten Tesserae. Sie wurden vor allem auf Böden, aber auch an Wänden und Decken eingesetzt: in Villen, Thermen oder öffentlichen Gebäuden.

Die Motive waren vielfältig: Alltagsszenen, Tiere, geometrische Muster, aber auch mythologische Geschichten oder historische Ereignisse. Ein berühmtes Beispiel ist das Alexander-Mosaik aus Pompeji, das eine Schlacht darstellt und fast wie ein gemaltes Bild wirkt.
Wer waren die römischen Künstler?
Wir wissen nicht viel darüber, wer die Künstler im Alten Rom waren, da es an Material aus dieser Zeit wie Verträgen oder Briefen mangelt.
Die Künstler des Römischen Reiches sind weitgehend eine anonyme Gruppe. Wir kennen nur die Namen von etwa acht Malern und einigen Bildhauern wie etwa Dioskourides, von dem bekannt ist, dass er den Siegelring von Kaiser Augustus geschnitzt hat und der seine Werke signierte.
Kunsthandwerk: Alltagsgegenstände mit künstlerischem Wert
Römische Kunst beschränkte sich nicht nur auf Tempel, Statuen oder Wandmalereien. Auch im Alltag der Menschen spielte Kunst eine wichtige Rolle, vor allem im Kunsthandwerk. In den Städten arbeiteten zahlreiche Töpfer, Glasbläser, Goldschmiede, Schmiede und Weber, die Gegenstände herstellten, die nützlich und zugleich dekorativ waren.
Römische Kunst zeigt, wie Menschen lebten und wie sie gesehen werden wollten.
🔹 Kunst und sozialer Status
Reiche Römer schmückten ihre Häuser mit Mosaiken, Fresken und Statuen. Je aufwendiger die Kunst, desto höher das gesellschaftliche Ansehen.
🔹 Kunst im Alltag vs. Kunst der Eliten
Während Eliten luxuriöse Villen und Porträts besaßen, begegnete einfache Kunst allen: in Thermen, auf Straßen, in Werkstätten oder auf Gebrauchsgegenständen.
🔹 Mode, Schmuck und Körperbilder
Kleidung, Frisuren und Schmuck waren wichtige Statussymbole. Auch Körperbilder in Statuen und Fresken zeigten Macht, Jugend oder Würde – besonders bei Kaisern.
Typisch für das römische Kunsthandwerk waren Amphoren, also große Tonkrüge für Wein, Öl oder Getreide. Sie wurden in riesigen Mengen produziert und oft mit Stempeln versehen, die den Hersteller oder die Herkunft angaben.
Auch Schmuck aus Gold, Silber oder Edelsteinen war weit verbreitet – Ringe, Armreifen oder Broschen zeigten den sozialen Status ihrer Träger. Daneben gehörten Lampen, Geschirr, Spiegel oder Werkzeuge zu den kunstvoll gestalteten Gebrauchsgegenständen des Alltags.
Hergestellt wurden diese Objekte in Werkstätten, den sogenannten Tabernae, die sich meist im Erdgeschoss von Wohnhäusern befanden. Werkstatt und Verkaufsraum waren oft ein und derselbe Ort. Besonders spannend: Viele Produkte wurden bereits in Serienproduktion gefertigt. Das zeigt, wie gut organisiert das römische Handwerk war.
Referenzen
- Delvoye, C. (1978). Maja Sprenger et Gilda Bartolini, Die Etrusker. Kunst und Geschichte. Aufnahmen von Max und Albert Hirmer. L’Antiquité Classique, 47(2), 725–727. https://www.persee.fr/doc/antiq_0770-2817_1978_num_47_2_1921_t1_0725_0000_3
- Blick in Raum 4 der Dauerausstellung der Antikensammlung im Alten Museum (Obergeschoss): Römische Skulptur nach griechischem Vorbild :: Antikensammlung :: museum-digital:staatliche museen zu berlin. (2025, February 7). https://smb.museum-digital.de/object/268528
- Marinelli, A. (n.d.). How Greek Ideals Shaped Roman Statues and Blended Realism with Idealism | TheCollector. TheCollector. https://www-thecollector-com.translate.goog/greek-influence-roman-statues/?_x_tr_sl=en&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=de&_x_tr_pto=sge&_x_tr_hist=true
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