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Die Geschichte des Schlagzeugs: Ein historischer Überblick

Von Yeliz, veröffentlicht am 11/06/2019 Blog > Musik > Schlagzeug > Die Geschichte des Schlagzeugs: Ein historischer Überblick

Woran denkst Du, wenn Du an Trommeln denkst?

An die großen Trommeln eines klassischen Orchesters, an Pauken oder Feldtrommeln? Das Rock-Schlagzeug mit der Snare Drum und den Tom-Toms? Die Bongos des Reggaes? Das Tamburin des Tangos? Die Bodhrán der traditionellen irischen Musik?

Die Geschichte der Trommeln ist eine der ältesten und führte zu vielen verschiedenen Formen von Schlaginstrumenten. Lasst uns einmal zum Ursprung zurückkehren und herausfinden, wie es überhaupt zu den Trommeln kam.

Wer erfand die Trommeln?

Die allerersten Schlaginstrumente waren wahrscheinlich Knüppel irgendeiner Art – einfach zwei Stöcke, die man gegeneinander schlagen konnte.

Jetzt stell Dir vor, dass im Laufe der Zeit die Stöcke flachgedrückt und sogar miteinander verbunden wurden – es wurde zu dem Instrument, das uns heute als Kastagnetten bekannt ist.

Eines der frühesten bisher entdeckten Instrumente ist eine Art Raspel aus eingeschnittenen Mammutknochen – dieses Instrument wurde auf ein Alter von ca. 70.000 Jahren geschätzt und in Belgien gefunden.

Auch wenn es sich definitiv um Idiophone oder Perkussion Instrumente handelte – es waren noch keine Trommeln.

Perkussion Instrumente entstanden zwar früh, doch sind sie noch keine Trommeln! | Quelle: Pixabay

Was ist eine Trommel?

Es ist nahezu unmöglich, zu sagen, wer zuerst entdeckt hat, dass das Klopfen eines Stockes gegen etwas Hohles einen lauteren Klang erzeugt als das einfache Zusammenklopfen zweier Stöcke.

Trommeln haben einen Resonanzkörper, der den Klang verstärkt. Das bedeutet, der Körper ist von innen hohl – sei es ein Topf, ein Kürbis oder ein ausgehöhltes Holzstück. Viele Trommeln haben auch eine vibrierende Membran aus gespannten Fellen oder ähnlichem.

Sie können mit einem kleinen Schlägel (wie dem für eine Bodhrán), Trommelstöcken oder den Händen geschlagen werden.

Trommeln des Alten Ägyptens und Mesopotamien

Einige der ersten archäologisch dokumentierten Trommeln stammen aus den frühen Zivilisationen Mesopotamiens und Ägyptens. Das war eine rechteckige Rahmentrommel, eine sogenannte Tof, die ungefähr um 2700 v. Chr. bezeugt wurde.

Einige Reliefs aus der Zeit von 2000 v. Chr. zeigen große, menschenhohe Trommeln, die von Priestern gespielt werden.

Die früheste bekannte Trommelspielerin ist eine Priesterin namens En-men-ana aus der Zeit um 2280 v. Chr. – sie diente im Tempel des Mondes Egipar in Ur.

Alle mesopotamischen Trommeln werden mit den Händen gespielt, genau wie die ägyptischen Trommeln. Im Niltal gab es bei Militärparaden lange Trommeln um die Schultern und Tänzer und Musiker spielten die Rahmentrommeln in Größe eines Tamburins.

Eine zylindrische Doppelkopftrommel wurde im Grab von Djehuti gefunden, der ca. 2000 v. Chr. begraben wurde.

Während diese Kulturen wahrscheinlich schon während der Jungsteinzeit Trommeln besaßen, stammen die frühesten dokumentierten Funde aus China um 5500–2350 v. Chr. – diese Trommeln waren mit Krokodilhaut bespannt.

Griechische und römische Trommeln

Das antike Griechenland hatte Rahmentrommeln (Typanon), die sich im 3. Jahrhundert n. Chr. in Rom in das Tamburin verwandelten.

Seltsamerweise scheinen die Römer noch nie eine Art Kesseltrommel benutzt zu haben, sondern nur kleinere Handtrommeln.

Das einzig andere Schlaginstrument, das sie benutzten, waren Hand-Becken und ihre Verwandten, die Crotales.

Viele der älteren Trommeln wurden zuerst mit den Händen gespielt! | Quelle: USAID Africa / Visualhunt

Die Trommeln im Mittelalter und während der Renaissance in Europa

Die meisten der wichtigsten Arten von Trommeln, die wir heute spielen, stammen aus dem Mittelalter oder entstanden kurz danach.

Viele moderne Musikinstrumente kamen aus dem Nahen Osten, die von Kreuzzügen überbracht wurden.

Kesseltrommeln

Die Vorfahren der modernen Orchesterpauke kamen aus dem Mittleren Osten. Wahrscheinlich als eine Entwicklung der Topftrommeln, dessen Felle sich über einen Keramiktopf spannten, kamen die Nakers im 13. Jahrhundert über Europa als Trommelpaare in die Region.

Schrauben, mit denen Du die Felle spannen konntest, tauchten um das 16. Jahrhundert auf, als die Kesseltrommel zu einer beliebten Komponente zu den Trompeten wurde.

Im 17. Jahrhundert wurden für sie immer aufwändigere Stücke geschrieben, mit denen sie aus der Orchestermusik nicht mehr wegzudenken waren.

Snare Drum

Im Mittelalter tauchten doppelseitige Trommeln mit unter der Unterschale gespannten Seilen auf.

Eine davon ist die sogenannte Tabor, eine kleine Trommel, die an der Schulter hing und mit einem Trommelstock geschlagen werden konnte. Diese Trommel wurde einhändig gespielt, währen die andere Hand eine Pfeife spielte – eine kleine Drei-Loch-Flöte.

Die Kombination von Flöte und Trommeln wurde besonders vom Militär bevorzugt, obwohl sie dort oft von zwei verschiedenen Musikern gespielt wurde.

Der erste dokumentierte Einsatz dieser Kombination aus Snare Drum und Schwegelpfeife war 1386 in der Schweiz.

Im Laufe der nächsten Jahrhunderte gehörte die Snare Drum zu den grundlegenden Instrumenten beim Militär. Sie wurde mit der Zeit größer und wurde irgendwann mit zwei Trommelstöcken gespielt – für den richtigen Rhythmus beim Marsch.

Die großen Trommeln wurden auch für Signale genutzt.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts fand die Snare Drum ihren Weg in Musiksäle und, ganz langsam, auch in Orchester.

Durch Dixieland und später auch den Jazz bekam die Snare Drum eine feste Rolle in den Drumsets der Musik.

Während früher die Schlingen aus z.B. Seilen gespannt wurden, wurden sie nach und nach durch Metallschlingen ersetzt. Die Schalen bestanden aus Holz, Kunststoff oder Metall.

Heute gibt es mehrere verschiedene Arten der Snare Drum:

  • Die Piccolo-Snare
  • Die Marschtrommel (tiefer und unter größerer Spannung mit Hilfe eines Trommelschlüssels)
  • Die Pipe-Band Snare
  • Die Schlagzeug-Snare (ein Drittel bis halb so tief wie die Marschtrommel)
  • Caixa malacacheta  (wird meist in der brasilianischen Sambar-Musi verwendet, sie hat Drähte am oberen Trommelfell)

Alle diese Snares können mit Drumsticks oder Brushes gespielt werden. Die Wahl der Snare Drum und dem entsprechenden Trommelstock hängt ganz vom Musikstil ab, den Du spielen möchtest.

Der Snare Drum gelang ihr Durchbruch erst mit dem Militär und dann mit dem Jazz. | Quelle: Pixabay

Basstrommel

Die Basstrommel (oder auch Kick Drum) stammt aus der Türkei. Ihr Vorgänger ist die Davul, eine Zylindertrommel mit zwei Trommelköpfen, die jeweils mit zwei verschiedenen Sticks getrommelt werden – das höhere Fell wird mit einer dünnen Gerte und das tiefere mit einem massiven Schlägel geschlagen.

Insgesamt gab die Trommel einen tieferen Klang her als die meisten anderen traditionellen Trommeln. Die Davul wurde vertikal am Hals aufgehängt, sodass beide Trommelköpfe geschlagen werden und erklingen konnten.

Obwohl bekannt ist, dass die Davul mindestens seit dem 14. Jahrhundert existiert, stammt das erste Gemälde von ihr erst aus dem Jahr 1502. Sie wurde im Militär und in der traditionellen türkischen Musik verwendet.

Die Basstrommel kam mit der Expansion des Osmanischen Reichs im 18. Jahrhundert nach Europa und wurde mit Begeisterung in die Militärmusik integriert.

Aber auch Komponisten begannen, die Basstrommel in ihre Werke zu integrieren – wie zum Beispiel in Die Entführung aus dem Serail von Mozart.

Nach und nach bekam die Basstrommel auch einen festen Platz im Orchester – die harten Stöcke wurden durch einen gepolsterten Hammer ersetzt. Die Basstrommel für Orchester war im Allgemeinen auch größer als die, die für Märsche benutzt wurde.

Der erste Trommelwirbel bekam seinen Platz in Berlioz‘ Symphonie Fatastique (1830) und entwickelte sich langsam zu einem festen Element in der klassischen Musik.

Die Basstrommel wurde auf einem Trommelständer platziert, wodurch der Winkel des Kopfes an die Bedürfnisse des Schlagzeugers angepasst werden konnte.

Eine Zeit lang, im 19. Jahrhundert, gab es eine beliebte Version, die Gong Trommel genannt wurde, bei der nur ein Kopf senkrecht wie bei einem Gong runter hing.

Kick Pedal

Mit der Ankunft des Jazz, wurde auch das Schlagzeug als solches, wie wir es heute kennen, populär und die Basstrommel wurde Teil des Schlagzeug-Sets.

Sie wurde mit einem Trommelpedal betätigt, welches einem Schlagzeuger ermöglichte, mehrere verschiedene Instrumente gleichzeitig zu spielen.

Das Pedal wurde von ein paar kreativen Jazz- und sogar auch Orchestermusikern erfunden, die es nach ihren Bedürfnissen zu Hause herstellten. Aber um mit schnelleren Rhythmen mithalten zu können, war ein effektiveres Pedal erforderlich.

1909 ließ die Ludwig Drum Company eine verbesserte Version eines Basstrommelpedals patentieren.

Geschichte und Herkunft der Trommeln in Afrika

Wir verbinden afrikanische Musik unmittelbar mit der Trommel – das ist in unseren Köpfen eine feste Einheit.

Während es in der Musik des afrikanischen Kontinents mit Sicherheit auch andere Instrumente gibt, werden viele Zeremonien und Feste ausschließlich mit Trommeln begleitet.

Die afrikanische Djembé

Die Djembé ist aus einem Stück Hartholz geschnitzt und mit Ziegenleder bespannt – obwohl auch das Leder anderer Tiere und Rohleder verwendet werden kann.

Im Allgemeinen geben dickere Felle, wie z.B. das einer Kuh, wärmere Obertöne und dünnere Felle, wie z.B. das einer Ziege, schärfere Töne mit weniger Obertönen.

Die Djembé kommt aus Westafrika und ist wahrscheinlich zwischen 400 und 800 Jahre alt. Sie wurde traditionell nur von Schmieden gefertigt, die der Volksgruppe der Malinke in den heutigen westafrikanischen Ländern angehörten.

Das Trommeln ist vielerorts in Westafrika eine erbliche Tätigkeit.

Traditionell erst nur in den Gegenden des alten Mali-Reiches (Guinea, Mali, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Gambia, Senegal) zu finden, wurde die Djembé in den 1960er Jahren immer bekannter als Les Ballets Africains sie auf ihren Europa-Tourneen einsetzten.

Viele Emigranten brachten die Djembé mit in die Vereinigten Staaten und sie wurde bei den modernen Künstlern sehr beliebt.

Die Djembé ist eine beliebte traditionelle Trommel aus Westafrika. | Quelle: Pixabay

Die afrikanische Sprechtrommel oder auch Talking Drum

Eine weitere westafrikanische Trommel, die internationales Interesse gefunden hat, war die Sprechtrommel. Sie hat ihre Tradition in Senegal, Nigeria, Benin, Ghana, Nordkamerun und im westlichen Tschad.

Es handelt sich um eine Trommel in Form einer Sanduhr mit entweder einem Trommelkopf oder zwei Trommelköpfen, die durch Stränge miteinander verbunden sind – dadurch kann die Tonhöhe der Trommeln eingestellt werden.

Der Trommler hält die Trommel unter seinem Arm und kann auf die Spannschnüre drücken, um die Tonhöhe innerhalb eines Trommelschlages zu verändern. Die Sprechtrommel wir mit einem geschwungenen Trommelstock gespielt.

Ihren Namen hat die Sprechtrommel von der Art und Weise, wie sie die Klangfarbe und den Ton der menschlichen Sprache nachahmen kann, obwohl sie natürlich nicht zwischen Vokalen und Konsonanten unterscheiden kann.

Außerdem hatten die Trommeln ihre eigene Sprache, sodass Dörfer miteinander kommunizieren konnten.

Das Trommeln bedeutete also auch, Wörter und dazugehörige Phrasen zu lernen, die ihnen einen Zusammenhang gaben. Es gab sogar eine Art Trommelliteratur mit Gedichten und Geschichten in der Trommelsprache.

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