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Die Besonderheiten beim Männer- und Frauen-Boxen

Von Anna, veröffentlicht am 30/04/2019 Blog > Sport > Boxen > Inwieweit unterscheidet sich der Boxsport bei Männern und Frauen?

Beim Boxen musst Du das, was Du bist, opfern für das, was Du werden willst.“  – Julien Lorcy

Und ob Mann oder Frau, die Ziele können ganz unterschiedlich sein: gesünder leben, den Körper definieren, fitter werden, professionelle(r) Boxer(in) werden …

Traditionell gilt Boxen ja eher als männlicher Sport, aber seit einigen Jahren schon werden verschiedene Arten von Boxtraining auch bei Frauen immer beliebter – und das aus gutem Grund! Egal, ob Fitnessboxen, Kickboxen, Thaiboxen oder klassisches Boxen (Englisches Boxen) – Frauen entdecken den Sport immer mehr für sich!

Boxen ist eine der ganzheitlichsten Sportarten überhaupt. Praktisch jeder Muskel des Körpers wird trainiert und auch andere Aspekte wie Ausdauer, Koordination, Reaktionsschnelligkeit usw. kommen nicht zu kurz. Doch was sind die Unterschiede zwischen Boxen für Männer und Boxen für Frauen?

Genau dieser Frage wollen wir jetzt etwas genauer auf den Grund gehen. Wir schauen uns an, inwiefern sich die Stile, Techniken, Ziele und das Training unterscheiden.

Bereit? Dann ab in den Ring und los geht’s!

Frauen-Boxen vs. Männer-Boxen: die Unterschiede

Die Kunst des Boxens ist eine uralte Kampfsportart, die auf den antiken Faustkampf und die Pankration zurückgeht. Beide Disziplinen dienten zur Vorbereitung auf echte Kämpfe. Somit handelte es sich von der Antike bis kurz vor der Entwicklung des modernen Boxsports um eine rein männliche, ja maskuline Disziplin, die mit dem Stählen des Körpers vor dem Krieg und zur Kampfvorbereitung ganz allgemein assoziiert wurde.

Boxen nur Männer? Frauen haben den Boxsport längst auch für sich entdeckt. | Quelle: Pexels

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird Boxen offiziell zu den Kampfsportarten gezählt und wird so auch ab 1901 zur einer olympischen Disziplin. Doch erst mehr als ein Jahrhundert später wird Boxen auch für Frauen olympisch, nämlich im Jahr 2012!

Männer- und Frauen-Boxen unterscheiden sich also auch deshalb, weil es anfangs gar nicht denkbar war, dass Frauen sich diesem Sport widmen könnten. Der Kampfaspekt, die Aggressivität und Gewalt führen dazu, dass man ihn traditionell einfach eher mit Männern in Verbindung bringt. Frauen fehlt das Zeug zum Boxen? Totaler Quatsch, wie man heute an den vielen erfolgreichen Boxerinnen sieht!

Doch auch heute sieht man immer noch zuerst große Boxer (männlich) vor sich, wenn man das Wort hört, was auch normal ist, wenn man bedenkt, dass die männliche Boxgeschichte einfach viel weiter zurückreicht.

In Deutschland wurde Frauen-Boxen erst 1996 legalisiert – unglaublich, oder? Und Deutschland stellte auch erst einen Frauenkader fürs Boxen zusammen, als klar wurde, dass die Disziplin für Frauen olympisch wird. Damit hinkte man hinter vielen anderen Ländern hinterher, nicht zuletzt Frankreich, wo es bereits ein starkes Frauen-Box-Team gab, das man dann zum Sparring nach Deutschland einlud. Manche Boxdisziplinen sind bei den Frauen beliebter als andere:

  • Französisches Boxen (Savate), das als sanfter gilt als das Englische Boxen
  • Aerobox, das ein sanftes Fitness-Boxtraining ist
  • Kickboxen oder Thaiboxen, bei denen das Kardio-Workout stärker betont wird

Bei den Männern sind eher die klassischen Boxarten beliebt:

  • Englisches Boxen (das klassische Boxen, wie man es heute meistens im Fernsehen sieht)
  • Muay Thai bzw. Thaiboxen, mit die effektivste Boxart
  • Chinese Boxing, das viele verschiedene Elemente von Kampfsportaten in sich vereint

Natürlich gibt es keinen Grund, warum Frauen nicht auch die klassischen Boxstile machen können und Männer, die Boxen eher als Bestandteil ihres Fitnessprogramms sehen, die sanfteren. Wir erwähnen lediglich die Tendenzen, die in der Praxis zu sehen sind.

Bei den „eher weiblichen“ Boxarten und „eher männlichen“ Boxarten unterscheiden sich die Techniken, die Intensität und oft auch die Ziele der Sportler/-innen. Und natürlich sind auch die Vorurteile gegenüber manchen Boxstilen stärker ausgeprägt als gegenüber anderen.

Schauen wir uns diese verschiedenen Formen und ihre Besonderheiten mal etwas genauer an …


Um ehrlich zu sein, habe ich bisher noch nie „Mixed“-Boxkurse gesehen und mich immer gefragt, warum das so ist. Inzwischen habe ich verstanden, dass die mentale Herangehensweise von Männern und Frauen beim Boxen einfach eine ganz andere ist … Valerie, 29.


Männer-Boxen – Fokus: Kampf!

Stell Dir einen Boxring vor, in dem sich zwei Boxer im Clinch befinden. Da kommen einem gleich Bilder von Muhammad Ali, Mike Tyson und Max Schmeling in den Kopf, oder?

Warum ist Männerboxen bekannter? Die großen Boxkämpfe im Fernsehen finden meistens zwischen Männern statt. | Quelle: Pixabay

Und natürlich nicht zu vergessen: Filme und berühmte Szenen wie aus „Rocky“, wo einige Minuten zwischen Sieg und Niederlage entscheiden und hartes Training und eiserne Nerven im Kampf einen zur Legende machen. Und genau das verbinden wir mit dem typischen Männer-Boxen, oder? Harte Typen, gestählte Körper und krasse Boxkämpfe, manchmal bis zum K.o.

Und bei aller Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern ist es doch so, dass das männliche Hormon Testosteron dabei eine wichtige Rolle spielt und dazu beiträgt, dass das klassische Boxen trotz allem eher als männlich wahrgenommen wird. Besonders bei diesen Disziplinen ist das der Fall:

  • Kickboxen („full contact“): wird aufgrund seiner Herkunft in manchen Ländern auch „Amerikanisches Boxen“ genannt.
  • MMA (Mixed Martial Arts): sehr harte Boxart, die maßgeblich durch die UFC bekannt und beliebt wurde.
  • Muay Thai bzw. Thaiboxen: Hier spielen Ellenbogen- und Knietechniken sowie das Clinchen eine wichtige Rolle.
  • Lethwei oder Burmesisches Boxen: eine der härtesten Boxarten, die barfuß und mit Handbandagen ausgeübt wird.

Zusätzlich zu der körperlichen Vorbereitung auf den Kampf und das Pushen des Körpers ans Limit spielt auch das Mentale eine extrem wichtige Rolle. Man braucht eine gute Strategie, denn Boxen ist so viel mehr als einfach nur „Prügeln“. Und trotzdem gilt auch dieses legendäre Zitat:


Everyone has a plan until they get punched in the mouth.” („Jeder hat einen Plan, bis er eins in die Fresse bekommt.“) – Mike Tyson


Es kann immer einen unerwarteten Schlag geben, aber es ist wichtig, dass man die Aktionen des Gegners so gut wie möglich antizipieren kann. Trotzdem bleiben das klassische Boxen und auch die anderen bei Männern beliebten Boxarten ziemlich hart und gewalttätig und werden nicht zuletzt deshalb auch eher von Männern bevorzugt (Ausnahmen bestätigen die Regel …).

Was den männlichen Boxsport noch auszeichnet? Die starke Mediatisierung natürlich! Die großen Wettkämpfe der Geschichte und die riesigen Spektakel in den Hallen und im Fernsehen haben meistens männliche Boxer als Akteure und um die großen Namen ranken sich zahlreiche Legenden.

Doch natürlich gibt es auch bekannte Boxerinnen: Sagen Dir Regina Halmich oder Susianna Kentikian etwas? Wenn nicht, schau Dir die beeindruckenden Karrieren mal an …

Boxen für Frauen: zwischen Kampf und Fitnesstraining

Wie gesagt: Nicht erst seit gestern haben Frauen Kampfsportarten für sich entdeckt. Und das ist auch nicht verwunderlich, denn abgesehen von der Kraft und einer gewissen Aggressivität geht es insbesondere um Fitness, Selbstbeherrschung, Disziplin, Taktik und eine mentale Stärke – alles Eigenschaften, in denen Frauen den Männern in nichts nachstehen.

Natürlich gibt es auch Frauen, die Boxen als Leistungssport betreiben und entsprechend Wettkämpfe bestreiten, aber oft boxen Frauen auch nur als regelmäßiges Training, um sich richtig auszupowern.

Ein Besonderheit am Frauen-Boxen sind daher die Schwerpunkte, die man in der Regel in Kampfsportkursen für Frauen setzt:

  • Ein Training, bei dem man aus sich rauskommt
  • Selbstverteidigungskurse
  • Training zur Schnelligkeit, Kraft, Ausdauer und Beinarbeit
  • Fitnesstraining für bessere Ausdauer und einen definierten Körper
  • Kardio-Training

Außerdem gibt es auch einige Trainingsprogramme mit Boxelementen, die extra für Frauen entwickelt wurden oder die eher bei Frauen beliebt sind (während Männer eher die klassischen Boxarten praktizieren):

  • Fitnessboxen
  • Kardio-Boxen
  • Bodypump
  • Französisches Boxen (Savate)

Was ist besonders am Frauen-Boxen? Inzwischen gibt es verschiedene Box-Trainings extra für Frauen. | Quelle: Pixabay

Es gibt nichts Besseres, um sich auszupowern, fit zu werden (bzw. zu bleiben) und gleichzeitig sein Selbstbewusstsein zu pushen! Meistens geht es bei diesen Trainings für Frauen eher um diese Aspekte, als darum, eine Gegnerin zu besiegen. Aber wie gesagt: Ausnahmen bestätigen die Regel. Bei Fitness-Box-Trainings für Frauen legt man oft auch mehr Wert auf das Aufwärmen und Ausdehnen, um so zusätzlich noch die Beweglichkeit zu stärken.

Sich richtig austoben, danach eine schöne Dusche, und schon fühlt man sich wie neugeboren!

Der Boxsport für beide Geschlechter: die gemeinsamen Vorteile

Abgesehen von Schlägen ins Gesicht – also wenn man mal nur vom Training und nicht echten Kämpfen ausgeht – hat Boxen nur Vorteile für Körper und Gesundheit.

Boxerinnen und Boxer lieben den Sport, weil sie so:

  • An ihrer Ausdauer und Kondition arbeiten können
  • Ein effektives Kardio-Training absolvieren
  • Muskeln aufbauen und verschiedenste Körperpartien definieren (z.B. Sixpack)
  • Schnelligkeit, Reaktion, Kampfgeist, Fairness und viele weitere sportliche Aspekte trainieren können

Diese Arten bzw. Niveaus gibt es im Boxen (für Frauen und Männer):

  • Amateurboxen
  • Freefight
  • Crosstraining
  • Kickboxen
  • Fitnessboxen
  • Selbstverteidigungsboxen
  • uvm.

Und das sollte beim Boxen nicht fehlen (egal, ob Mann oder Frau):

  • Kopfschutz (je nach Boxart)
  • Boxershorts/Sporthose
  • Boxhandschuhe bzw. Bandagen
  • Gürtel (je nach Kampfsportart und Niveau verschiedene Farben)
  • Mundschutz
  • Lendenschutz (für Männer)
  • Punching-Ball
  • Sandsack/Boxsack
  • Hanteln (fürs Krafttraining)
  • usw.

Wo kann man Kickboxen trainieren? Boxen und Kickboxen kann man fast überall trainieren, wo es einen Boxsack hat. | Quelle: Pixabay

Natürlich sind Boxstudios, Fitnessstudios und Sporthallen am besten ausgerüstet, aber Boxen bzw. verwandte Übungen kann man fast überall trainieren:

  • In einer kleinen Halle mit Boxsack oder Punching-Ball; besonders gut zum Üben des Schlags und als Ausdauertraining
  • Im Freien (am Strand oder in einem Park/auf einer Wiese), um verschiedene Bewegungsabläufe (z.B. Beinarbeit) und Schläge ins Leere zu trainieren
  • In einem Boxclub, wo man auch gegen echte Gegner antreten kann
  • In einer klassischen Sporthalle, in der Kurse und Schnupper-Events stattfinden können
  • Workshops mit ehemaligen oder aktiven Boxern an einem Ort eurer Wahl

Es gibt auch gemischte Boxkurse, wobei diese eher selten sind. Wenn, dann können solche gemischten Trainings in Boxclubs/Boxstudios vorkommen, aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass eine Frau gegen einen Mann im Ring antritt, weil die Kraftunterschiede meist einfach zu groß sind. Einzige Ausnahme: wenn es darum geht, Selbstverteidigung zu trainieren.

Dadurch, dass Frauen- und Männerboxen eine andere Tradition, andere Techniken und oft auch unterschiedliche Ausrichtung haben, ist es auch irgendwie normal, dass die Geschlechter in diesem Bereich – wie so oft im Sport – eher unter sich bleiben.

Doch unterm Strich ist Boxen Boxen, egal ob für Männer oder Frauen. Es ist gut für die Fitness, Ausdauer, Kraft, Disziplin, Schnelligkeit, Reaktionsfähigkeit und das Mentale – und davon können alle profitieren, ganz egal, welchen Geschlechts, welcher Herkunft usw.

Denkst Du, Boxen wären vielleicht auch etwas für Dich? Dann schau Dich jetzt um und finde ein Fitness- oder Boxstudio in Deiner Nähe, das entsprechende Kurse anbietet oder suche Dir einen eigenen Personal Trainer mit Boxerfahrung, um ein maßgeschneidertes Training zu erhalten. Auf Superprof kannst Du einfach Deine Stadt eingeben und Dich durch die Profile klicken.

Viel Spaß und gut Box!

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