„Die Bass-Gitarre ist der Motor der Band“ Suzi Quarto

Bassist*innen stehen oft im Hintergrund und Zupfen fast gelangweilt an ihren vier Saiten. Soweit das Klischee. Aber Bass spielen ist viel mehr als das: Der Bass bringt die Menschen zum Tanzen, treibt die Band an, bremst sie, wenn nötig ist, und gibt ihr das musikalische Fundament.

Wenn Du Dich dazu entschieden hast einen Bass zu kaufen und ihn spielen zu lernen, wirst Du ein vielseitiges Instrument in den Händen halten, mit dem Du einen wichtigen Beitrag zu einem gelungenen Konzert leistest.

Das reicht Dir als Motivation noch nicht aus? Entdecke mit uns 10 gute Gründe Bass spielen zu lernen.

Der Bass ist mehr als nur eine tiefe Gitarre

Ein weiteres gängiges Klischee: Bass ist einfacher zu spielen als Gitarre. Das kommt vielleicht daher, dass sich die beiden Instrumente erstmal sehr ähnlichsehen, die Bassgitarre aber zwei Saiten weniger hat.

Die Basssaiten sind auf die Töne E – A – D – G gestimmt; die gleichen Töne also wie vier obersten Gitarrensaiten, nur eine Oktave tiefer. Weniger Saiten heißt weniger Töne. Das ist für Anfänger*innen tatsächlich eine gute Neuigkeit.

Zudem ist die Orientierung etwas einfacher, da die Bassgitarre durchgehend in Quarten gestimmt ist. Die für Gitarrenanfänger*innen oft verwirrende H-Saite, die aus diesem System rausfällt, ist bei einem Bass nicht vorhanden.

Ein dritter Grund für die Annahme, dass Bass ist leichter als Gitarre zu lernen sei, ist, dass keine komplizierten Akkorde gegriffen werden müssen.

Trotzdem müssen auch beim Bassspielen die Finger so trainiert werden, dass sie weit gespreizt werden können, um auch weit auseinanderliegende Bünde erreichen zu können. Auch sind Basssaiten sehr viel dicker als Gitarrensaiten.  Deine Finger müssen ganz schön kräftig sein, um sie sauber runterdrücken zu können.

Der Einstieg auf dem Bass wird Dir vielleicht etwas leichter fallen als auf der Gitarre, da es schon nach was klingt, wenn man den Grundton eines Akkordes spielt und die Band den Rest macht. Du wirst also wahrscheinlich schneller das Gefühl haben, Songs gut begleiten zu können.

Damit sind aber die Möglichkeiten der Bassgitarre noch lange nicht ausgeschöpft. Auch nach einigen Jahren Bassunterricht, kannst Du immer noch was dazulernen, um Dein Spiel interessanter zu gestalten.

Der Bass gibt den Takt an

EinBass ist in der Band nicht weniger wichtig als die Gitarren.
Der Bass bietet das Fundament für den Rest der Band. | Quelle: Sam Moqadam via Unsplash

Im Blues, Rock, Jazz oder Pop – einen Bass wirst Du in fast jedem Musikstil hören. Und das aus gutem Grund: er gehört zu den Instrumenten der Rhythmusgruppe, die für einen soliden Beat sorgen.

Höre Dir mal Songs an, die nur mit Gitarre oder Klavier anfangen und dann kommen nach und nach andere Instrumente dazu. Sobald der Bass einsetzt wirst Du anfangen mit dem Fuß zu wippen und das Gefühl haben, im Song angekommen zu sein. Er gibt den Grundbeat vor, an dem sich die anderen orientieren.

Bereits als Anfänger*in wirst Du nach kürzester Zeit die wichtigste Aufgabe erfüllen können: den Anfang eines neuen Taktes klar zu definieren. Später wirst Du dann immer mehr Schläge pro Takt spielen, um den Rhythmus vorzugeben.

Um ein*e gute*r Bassist*in zu werden, brauchst Du also ein gutes Rhythmusgefühl. Wenn Du das noch nicht hat, wirst Du es beim Bassspielen lernen.

Der Bass steht nicht in Konkurrenz zum Schlagzeug

Der Bass ist in den meisten Bands nicht das einzige Instrument der Rhythmusgruppe. Oft gibt es noch ein Schlagzeug und vielleicht sogar weitere Perkussionsinstrumente, die für den Rhythmus verantwortlich sind. Je nachdem kann auch die Gitarre zu der Rhythmusgruppe gezählt werden, wenn sie nicht gerade ein Solo spielt.

Sie müssen alle zusammenarbeiten und sich aufeinander einlassen. Konkurrenzdenken ist beim gemeinsamen Musizieren eher hinderlich. Es ist auch gar nicht nötig. Auch wenn alle diese Instrumente grob in eine Gruppe eingeteilt werden können, haben sie innerhalb derer doch unterschiedliche Aufgaben.

Auf dem Schlagzeug kann man zwar, je nachdem welche Trommel oder welches Becken zum Einsatz kommt, eine Vielzahl an unterschiedlichen Sounds kreieren, diese sind aber immer rein perkussiv. Das heißt, dass sie keinen Einfluss auf die Harmonie haben.

Während das Schlagzug sich also nur mit Rhythmus beschäftigt, hat der Bass auch eine harmonische Funktion. Und damit sind wir auch schon beim nächsten Punkt.

Der Bass schafft das harmonische Grundgerüst

Die Basslinie gibt sozusagen die Akkordfolge in vereinfachter Form wieder. Zu Beginn eines Taktes wird in der Regel der Grundton gespielt, danach können andere Akkordtöne folgen. Das gibt sowohl den Zuhörer*innen als auch Deinen Mitmusiker*innen eine Orientierung.

Es ist auch oft zu hören, dass der Bass einen Übergang zu einem neuen musikalischen Teil gestaltet, in dem er am Ende eines Taktes einen oder mehrere Töne spielt, die das Ohr zu dem nächsten Akkord hinleiten.

Nicht nur rhythmisch, auch harmonisch sorgst Du auf dem Bass für das Gerüst.
Deine Töne leiten das Publikum und die Band durch den Song. | Quelle: Tatiana Zanon via Unsplash

Deine Mitmusiker*innen werden sich also nicht nur rhythmisch, sondern auch harmonisch an Dir orientieren. Ist ein*e Gitarrist*in auf einmal verloren und weiß nicht mehr, welchen Akkord es zu spielen gilt, wird er*sie womöglich aufhören zu spielen und darauf achten, was Du gerade spielst.

Wenn Du gleichmäßig weiterspielst, wie geprobt, wird es sich womöglich nicht mal nach einem Fehler anhören. Der Song bleibt im Flow. Beim nächsten Akkordwechsel, kann der*die Kollegin dann ganz genau heraushören, wo ihr gerade seid und wieder einsteigen.

Die Vorteile von Basssaiten

Du hast eher dicke Finger und schaffst es beim besten Willen nicht, auf der Gitarre nur eine einzelne Saite zu berühren? Dann wirst Du Dich auf der Bassgitarre sofort wohl fühlen. Die Basssaiten sind nicht nur dicker, sie liegen auch deutlich weiter auseinander als Gitarrensaiten. Es ist also kein Problem auch mit dickeren Fingern sauber spielen zu können.

Egal wie Deine Finger aussehen, der große Abstand der Saiten hat auch den Vorteil, dass es einfacher ist mit der Anschlaghand die richtige Saite zu treffen.

Um richtig gut Bass zu spielen geht es aber nicht nur darum, die richtige Saite zu treffen. Es gilt auch verschiedene Nuancen im Anschlag gezielt einsetzen zu können. Und da hast Du, aufgrund ihrer Dicke, bei Basssaiten fast unendlich viele Möglichkeiten.

Mit der Wahl der Saiten, einem Plektrum oder weiterem Bass Zubehör, kannst Du den Sound beeinflussen.

Der Bass als Solo-Instrument

Mittlerweile sollte klar sein, dass Bassist*innen, auch wenn sie im Hintergrund stehen, eine wichtige Position und Funktion in einer Band einnehmen.

Ab und zu treten sie aber auch in den Vordergrund, um ein Solo zu spielen. Und dabei müssen sie sich vor den Kolleg*innen, die sechs Saiten zur Verfügung haben keineswegs verstecken. Es stehen ihnen so einige Mittel zur Verfügung, um ein Solo interessant zu gestalten und das Publikum in ihren Bann zu ziehen.

  • Pizzicato (Fingerpicking): Die häufigste Spieltechnik auf dem E-Bass; die Saiten werden abwechslungsweise mit Zeige- und Mittelfinger gezupft (Zwei-Finger-Technik); wahlweise kann auch nur ein oder drei Finger zum Einsatz kommen.
  • Slapping: Es wird mit dem Daumen auf die Saite geschlagen; der Sound wird sehr perkussiv.
  • Popping oder Pucking: Die Saiten werden leicht angehoben, sodass sie gegen die Bundstäbchen knallen.
  • Tapping: Es wird auf Höhe der Bünde auf die Saiten gehämmert.

Neben diesen Techniken für die Schlaghand, die Du bei einem Solo einsetzen kannst, gilt es mit der Greifhand Töne zu einer Melodie zu kombinieren. Auch mit „nur“ vier Saiten hast Du mehr als genug Töne zur Verfügung, um ein tolles Solo zu gestalten.

Auf dem E-Bass kannst Du ein beeindruckendes Solo improvisieren.
Mit verschiedenen Anschlagstechniken kannst Du viel aus dem E-Bass rausholen. | Quelle: Sam Moqadam via Unsplash

Mit dem Bass das Gehör schulen

Wir haben es bereits angesprochen: der Bass gibt das harmonische Grundgerüst eines Songs vor. Du musst also sehr zuverlässig die richtigen Töne treffen, um Deine Bandkolleg*innen nicht zu verwirren und alles durcheinander zu bringen.

Dafür ist es hilfreich, wenn das musikalische Gehör gut ausgebildet ist und Du „vorherhören“ kannst, welcher Ton als nächstes gespielt werden muss. Damit bist Du als Bassist*in aber nicht alleine. Gehörbildung gehört zu den Grundlagen für alle Musiker*innen.

Und jetzt kommst: als Bassist*in hast Du sogar einen riesigen Vorteil. Das Gehör schult man durch regelmäßiges Bass Üben am Instrument, aber auch durch gezielte Übungen und vor allem aktivem Musikhören. Beim aktiven Musikhören geht es darum, genau zu beobachten, was in einem Song passiert; rhythmisch und harmonisch.

Gitarrist*innen hören dann besonders gerne auf die Gitarre, Pianist*innen auf das Klavier, und so weiter. Alles wird aber empfohlen, vor allem am Anfang, auf den Bass zu hören, da man so lernen kann, Akkordfolgen aus einem Stück herauszuhören. Für Dich fällt also gewissermaßen ein Arbeitsschritt weg, weil Du Dich von Anfang an auf Dein Instrument konzentrieren kannst.

Lass Deiner Kreativität freien Lauf

Bass spielen macht Spaß.
Bassisten stehen keineswegs nur gelangweilt auf der Bühne rum. | Quelle: Anton, Mislawsky via Unsplash

Egal ob beim Solo oder einer groovigen Begleitung: auf dem Bass rockst Du jede Bühne. Schon mit kleinen Veränderungen kannst Du einem Song einen ganz neuen Charakter verleihen. Probiere es mal mit einem Walking Bass, wie er im Jazz sehr beliebt ist, oder füge in einer Ballade perkussive Elemente ein, um sie perkussiver zu gestalten.

Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Probiere alles Mögliche aus (natürlich erstmal im Proberaum). Wenn etwas nicht gut klingt, lässt Du es halt wieder und suchst etwas Neues. Mit der Zeit wirst Du ein Gefühl dafür entwickeln, wann was besonders gut funktioniert und freier spielen können.

Bassgitarren sind vielseitig einsetzbar

In so gut wie jedem Musikstil kommt ein Bass zum Einsatz. Du schränkst Dich also mit der Wahl des Instruments in keiner Weise ein. Wenn ein E-Bass zu kräftig sein sollte, kannst Du einen Akustikbass zur Hand nehmen oder Dich vielleicht sogar dazu entscheiden noch Kontrabass spielen zu lernen.

Paul McCartney von den Beatles, Steve Harris von Iron Maiden und der Jazz-Kontrabassist Charles Mingus haben’s vorgemacht, mit einem Bass ist man nirgendwo fehl am Platz.

Sei originell: spiele Bass

Ganz zu Beginn habe ich das Klischee des gelangweilten und langweiligen Bassisten erwähnt. In der Zwischenzeit sollte klar geworden sein, wie weit das von der Realität entfernt ist.

Wenn Du das Bass spielen liebst und weißt, welche Möglichkeiten Du damit hast, wirst Du zu einem*einer gefragten Musiker*in. Gute Bassist*innen sind selten und in jeder Band gern gesehen!

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Chantal

Die Entdeckungsreise des Lebens führte mich von Bern über Berlin in die Bretagne. Theater und Musik sind mein Zuhause, Neugier und Leidenschaft mein Antrieb.