Wissenschaftler aus Leipzig haben herausgefunden, dass sich das Gehirn von Jazzpianisten nicht nur gegenüber dem Gehirn von Nicht-Musikern, sondern auch vom Gehirn von Klassikpianisten unterscheidet. Während des Klavier Spielens laufen im Gehirn der Künstler je nach Musikstil unterschiedliche Prozesse ab.

Während ein klassischer Künstler in der Regel ein komponiertes Werk auf seine Weise interpretiert, entsteht im Jazz vieles im Moment selbst; durch Improvisation und gemeinsamen Spielen mit den Bandkollegen.

Jazz ist eine sehr vielfältige Musik, die einem stetigen Wandel unterzogen war und ist. Unter den Musikern, die maßgeblich an diesen Entwicklungen beteiligt waren, finden sich auch in jeder Ära Klavierspieler.

Die ersten Jazz Pianisten

Während das Klavier im „archaischen Jazz“ der Street Band keinen Platz hatte, entwickelte sich neben her ein Klavierstil, der heute als erste eigenständige Jazzform gilt: der Ragtime. Über diesen Weg fand das Piano schließlich auch Eingang in die Jazzbands.

Scott Joplin

Der Pianist aus Texas gilt als einer der wichtigsten Ragtime-Komponisten, er wird sogar als „der Vollender des Stils“ gesehen.  Unter seinen rund 80 Rags, sind „The Entertainer“ und „Maple Leaf Rag“ die bekanntesten Werke, die bis heute große Bekanntheit und Beliebtheit genießen.

Jelly Roll Morton

Auch Jelly Roll Morton ist eine der prägenden Figuren des frühen Jazz und gibt Lust auf's Jazz Piano Lernen. Er befreite den Ragtime von den manchmal starren Vorgaben und ließ ihn mit Elementen des Blues verschmelzen.

Mit seiner New-Orleans-Jazz-Band „The Red Hot Peppers“ setzte er neue Maßstäbe bezüglich der Kompositionen, Arrangements und Tonaufnahmen. Das Klavier ist nicht nur Teil der Rhythmusgruppe, sondern tritt auch als gleichberechtigtes Solo Instrument in Erscheinung.

Stride Piano – ein Klavierstil für Virtuosen

Der Musik- und Klavier-Stil wurde um das Jahr 1920 entwickelt und geht auf den Ragtime zurück. Die Stücke sind aber nun nicht mehr auskomponiert, sondern zu einem großen Teil improvisiert. Eine der großen technischen Schwierigkeiten liegt darin, dass große Intervall mit nur einer Hand gespielt werden, was schon rein anatomisch nicht allen Pianisten möglich ist.

James P. Johnson

Der Musiker aus New York gilt als Vater des Stride-Pianos. Er nutzte wie kein anderer zuvor die Klaviertatstatur auf voller Länge und wusste es die harmonischen Möglichkeiten des Instruments voll auszuschöpfen.

James P. Johnsons Stück „Carolina Shout” prägte die nachfolgende Generation von Jazzpianisten maßgeblich. Es galt gewissermaßen als Test-Aufgabe an der es sich zu beweisen galt.

Fats Waller

Johnsons Schüler Thomas „Fats“ Waller brachte das Stride-Piano zu seinem Höhepunkt. Ihm gelang es selbst das banalste Stück in ein interessantes Werk zu verwandeln. Gekonnt wechselte er von leichten, subtilen Klängen und Harmonien zu harten kraftvollen Sounds.

Neben seinen herausragenden Fähigkeiten am Klavier besaß er eine unglaubliche Gesangsstimme und bestach mit energiegeladener und humorvoller Bühnenpräsenz.

Mit einem feinen Gespür für rhythmische Feinheiten und seinen langen Fingern, mit denen er fast anderthalb Oktaven abdecken konnte, machte er das Stride-Piano zu einem der führenden Stile im Swing.

Fats Waller führte die Orgel im Jazz ein und ist Komponist der Jazz Standards Honeysuckle Rose und Ain’t Misbehaving‘.

Art Tatum

Art Tatum gilt bis heute als einer der besten Pianisten aller Zeiten und über alle Stile hinweg. Von Geburt an fast blind, lernte er das Klavier Spielen durch sein außergewöhnliches Erinnerungsvermögen und absolutes Gehör.

Schon früh entwickelte er eine eigene Spielweise, eine Mischung aus Stride, Swing und Klassik, der die nachfolgenden Generationen von Jazz Pianisten prägte. Er gilt zwar nicht als Begründer eines eigenen Stils, sondern viel mehr als Vollender bisheriger Entwicklungen und Wegbereiter für den Modern Jazz.

Selbst sein Vorbild Fats Waller wurde zu einem seiner größten Bewunderer. Bei einem Auftritt, bei dem Tatum zu Gast war, soll Waller gesagt haben; „Ich spiele bloß Klavier, heute Abend ist aber Gott im Haus.

Swing Pianisten und Big Band Leader

Bereits Jelly Roll Morton hatte das Klavier auch im Kontext einer Band zu einem Soloinstrument gemacht. Ein weiterer Meilenstein in dieser Entwicklung wurde von Earl Hines gesetzt. In seiner Zusammenarbeit mit Louis Armstrong entwickelte er den sogenannten trumpet style, die Wiedergabe von Armstrongs Trompetenspiel auf dem Klavier. Damit öffnete er die Tür für das Swing-Piano als Soloinstrument.

Count Basie

In die Musikgeschichte eingegangen ist Count Basie vor allem als Bandleader, Arrangeur und Komponist. Nichtsdestotrotz gehört auch er zu den wichtigen Pianisten des Swing.

Seine Bandkompositionen und -arrangements kamen ohne komplizierte Harmonien aus und selbst ein großes Orchester bildete eine lockere du zugleich kraftvolle rhythmische Einheit. Dies erlaubte ihm, am Klavier minimalistische, aber wirkungsvolle Einwürfe zu spielen, die sich problemlos gegen die Big Band durchsetzen konnten.

Duke Ellington

Auch Duke Ellington gehört zu den Jazzpianisten, die sich vor allem als Swing Bandleader einen Namen machten. Er selbst sagte einmal, dass nicht das Klavier, sondern das Orchester sein Instrument sei.

Während er als Bandleader zu den „Genies des 20. Jahrhunderts“ gezählt wird, wird seine Originalität als Pianist oft übersehen. Jedoch lag sein großes Talent unter anderem darin, mit seinem Klavierspiel das ganze Orchester zu steuern.

Auch seine Soli lebten von einer unglaublichen Vielseitigkeit und Sensibilität hinsichtlich der Dynamik, Rhythmik und Harmonik.

Die Pianisten des Modern Jazz

Mit dem Bebop brach eine neue Ära der Jazz Musik an. Von nun an verstand sie sich nicht mehr als Unterhaltung, sondern als experimentelle Kunstform. Die Songstrukturen und Akkorde wurden komplexer, die Rhythmik freier, die Improvisationen abstrakter.

Thelonious Monk

Als einer der Mitbegründer des Modern Jazz nimmt Thelonious Monk eine wichtige Position in der Geschichte des Jazz Piano ein.

Seine Kompositionen und Improvisationen zeichnen sich durch ihre Eigenwilligkeit und Originalität aus. Es geht nicht um Virtuosität oder Perfektionismus in der Technik und den Harmonien, sondern um eine ganz individualistische Ausdrucksweise.

In seiner Spielweise finden sich Brüche mit der konventionellen Rhythmik und eine Vorliebe für Disharmonien.

In Zusammenarbeit mit dem legendären Saxofonisten John Coltrane entstand das Album "Thelonious Monk with John Coltrane". Eine der bedeutendsten Kollaborationen der Jazzgeschichte. John Coltrane sagte über seinen Künstler Kollegen: „Wenn ein Musiker einen kleinen Funken der Inspiration braucht, einen Impuls, dann muß er nur in der Nähe Monks sein, und Monk wird ihn ihm geben.”

Bill Evans

Auch Bill Evans ist eine der prägenden Figuren des Modern Jazz, die ein unumgehbares Vorbild für nachfolgende Generationen wurden. Er gilt gemeinhin als „der Romantiker unter den Jazzern“.

Geprägt von der Klassik, spielte er die reichen Jazz-Akkorde subtil und differenziert, den einzelnen Klängen ihren ganz eigenen Wert verleihend.

Einen wichtigen Beitrag leistete Evans auch zu der Weiterentwicklung des Zusammenspiels im Trio. Die starre Rollenverteilung wurde aufgelöst und damit der Weg für gemeinsames Improvisieren geebnet.

Free Jazz

Der Höhepunkt der freien Improvisation in einem Kollektiv findet sich im Free Jazz. Obwohl teilweise immer noch bekannte Kompositionen oder harmonische und strukturelle Absprachen als Grundlagen genommen werden, werden im Free Jazz die Konventionen der Rhythmik und Harmonik aufgelöst.

Cecil Taylor

Der Jazz Pianist und Dichter begann nach seinem Studium der Harmonielehre und Komposition seine Karriere als Swing- und Bebop-Pianist. Sehr schnell begann er aber seinen eigenen Stil zu entwickeln, der ihn zu einem der Innovatoren der „freien Musik“ machte.

Seine typische Spielweise beruht auf die häufige Verwundung von Clustern (Klanggebilde aus nahe beieinander liegenden Tönen) und polyrhythmischen Strukturen, die zu außergewöhnlich komplexen Improvisationen führten.

Cecil Taylor betonte immer wieder, dass er in seinen Improvisationen neue Formen zu kreieren suchte.

Fusion – die Verschmelzung von Jazz und Rock

Herbie Hancock

Herbie Hancock ist Mainstream wahrscheinlich bekannteste unter den Pianisten des Modern Jazz.

Viele seiner Kompositionen, wie Watermelon Man oder Cantaloupe Island sind zu Klassikern geworden und werden bis heute von Musikern unterschiedlicher Genres immer wieder neu arrangiert und eingespielt oder dienen anderen Jazzmusikern als Improvisationsgrundlage. Seine eigenen Improvisationen kann man als „funky“ bezeichnen.

Als musikalisches Chamäleon trat er in unterschiedlichen Formen des Jazz und auch anderen Musikstilen in Erscheinung. Vor allem ist er aber einer der Fusion-Vorreiter.  Ab den 1970er Jahren spielte er vornehmlich elektrische und elektronische Instrumente ein; darunter E-Pianos, Hammond-Orgeln und verschiedene Synthesizer.

Chick Corea

Auch der Pianist Chick Corea ist seit den 1960er Jahren einer der einflussreichsten Jazz Musiker und Mitbegründer des Jazzrock. Er ist aber genauso im Post-Bop, Latin Jazz, Free Jazz und der Klassik zu Hause.

Seinen Stil kann man als farbenfrohe Lyrik, ohne viel Phrasierung dafür mit intensiven und vielseitigen Akkorden und Akkordwechseln beschreiben.

Der 1941 geborene Pianist ist bis heute in verschiedenen Formationen aktiv und wurde 2020 für sein Album Antidote, zum 23. Mal in seiner Karriere, mit einem Grammy Award ausgezeichnet.

Jazz Piano – herausragende Solisten

Die Liste von Jazz Pianisten, die die eine oder andere Form geprägt haben, oder aber als herausragende Künstler in mehreren Kategorien herausstechen, könnte noch lange fortgesetzt werden. Zum Abschluss möchte ich Dir noch zwei Künstler vorstellen, die unbestritten zu den besten ihres Fachs gehören.

Keith Jarrett

Von 1969 bis 1971 war Keith Jarrett Mitglied der Jazzrockformation von Miles Davis. In den darauffolgenden Jahrzehnten setzte revolutionierte er das unbegleitete Solospiel am Klavier. Seine oft ausschweifenden Improvisationen sind dank unzähliger Livemitschnitte umfänglich dokumentiert.

Keith Jarrett ist nicht nur Jazz-, sondern auch Klassik Pianist und probiert sich immer wieder auf Jazz untypischen Instrumenten aus.

Oscar Peterson

Es ist nicht möglich über erfolgreiche Jazzpianisten zu sprechen, ohne Oscar Peterson zu erwähnen. Als er 2007 starb, hatte er eine 65-jährige Karriere hinter sich.

Von Duke Ellington wurde er, nicht zu Unrecht, der „Maharja der Tasten“ genannt, dessen Spiel sich durch feingliedrige Verzierungen und einen ausgeprägten Swing auszeichneten.

Während er sich als Begleiter vornehm zurückhielt, zauberte er als Solomusiker ein Klangvolumen auf die Tasten, für das andere eine ganze Big Band brauchen.

Diese Liste soll Dir einen Überblick geben, anhand dessen Du Dich selbst auf eine Entdeckungsreise des Jazz Piano begeben kannst. Wenn Du den Stil gefunden hast, der Dir am besten gefällt, wirst Du darin noch viele weitere interessante Musiker entdecken.

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Chantal

Die Entdeckungsreise des Lebens führte mich von Bern über Berlin in die Bretagne. Theater und Musik sind mein Zuhause, Neugier und Leidenschaft mein Antrieb.