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Wie Du am besten die chinesische Phonologie erlernst?

Von Florence, veröffentlicht am 09/04/2019 Blog > Sprachen > Chinesisch > Der Klang der chinesischen Sprache

„Tropfendes Wasser höhlt den Stein; eine Säge aus Seil schneidet durch Holz.“ – Chinesisches Sprichwort

Wer Chinesisch lernen will, denkt meist erst einmal an die chinesischen Schriftzeichen. Kein Wunder, es gibt mehr als 100 000 davon! Das ist aber nicht die einzige Schwierigkeit, der Du beim Chinesisch Lernen begegnen wirst. Es gibt nämlich auch noch eine andere Herausforderung: die Aussprache. Chinesisch ist nämlich eine Tonsprache.

Aber was ist das genau, eine Tonsprache? Die deutsche Sprache kennt solche tonalen Variationen nicht. Wie lernst Du diese tonalen Unterschiede zu erkennen und richtig anzuwenden? Das werden wir uns jetzt gemeinsam in diesem Artikel anschauen, Ton für Ton. Auf geht’s!

Hochchinesisch ist eine Tonsprache

Was ist eine Tonsprache? Bei einer Tonsprache geht mit der Änderung der Tonhöhe oder des Tonverlaufs in einer Silbe in der Regel auch eine Änderung der Bedeutung des entsprechenden Wortes einher.

Das ist eine Schwierigkeit im Chinesischunterricht: So lange Du die richtige Betonung nicht beherrschst, wirst Du in der Regel nicht verstanden…

Aber sei beruhigt: Wir lernen heute die Töne des Hochchinesischen. Die meisten anderen chinesischen Sprachen haben nicht vier oder fünf, sondern viel mehr Töne. Wenn wir uns mit der Kantonesischen Sprache befassen würden, müsstest Du z.B. 9 Töne lernen. Wusstest Du, dass Tonsprachen heute die häufigsten aller weltweit gesprochenen Sprachen ausmachen? Andere Tonsprachen sind: Vietnamesisch, Yoruba, Apache, Panjabi, Litauisch, Norwegisch, Kroatisch uvm.

Kennst Du die vier Töne des Hochchinesischen? Das sind die vier Töne des Hochchinesischen. | Quelle: Wikimedia Commons

Wie funktioniert also konkret so ein Ton? Die deutsche Sprache ist relativ „monoton“, das gilt aber nicht für die chinesische Sprache. Sie ist tonal und monosyllabisch. Das heißt, dass die Töne ein essentieller Teil der Grammatik und morphologischen Syntax ausmachen.

Achtung: Die Töne in einer Tonsprache sind nicht mit dem Akzent (wie in Spanisch gebräuchlich) oder der Intonation (im Englischen sehr wichtig) zu verwechseln.

65% der weltweiten Sprachen sind tonal, und so auch das vom Mandarin abgeleitete Hochchinesisch. Die wenigsten Deutschen sind jedoch mit einer Tonsprache vertraut, daher ist es manchmal schwer, diese Funktionsweise der chinesischen Sprache zu integrieren. Abhängig davon wie du Deine Stimme modulierst, ob du in die hohen oder tiefen Töne gehst, wird das Wort und der ganze Satz also eine neue Bedeutung annehmen. Es gibt vier Töne (der neutrale Ton wird manchmal als der fünfte gezählt):

  • Der erste Ton (ˉ) ist der hohe Ton, er hat ein gleichmäßig hohes Niveau,
  • Der zweite Ton (ˊ), ist der steigende Ton, er ist ein vom mittleren Niveau aufsteigender Ton,
  • Der dritte Ton (ˇ), ist der fallend-steigende Ton, er sinkt vom knapp mittleren Ton nach unten und steigt dann etwas stärker,
  • Der vierte Ton (ˋ), ist ein scharf abfallender Ton,
  • Der neutrale Ton, der fallende Ton, wird manchmal als fünfter Ton betrachtet.

Wenn man die Anzahl der chinesischen Schriftzeichen und die möglichen Töne miteinander kombiniert, dann kommen dabei 400 bis 2000 mögliche Kombinationen heraus!

Um die verschiedenen Tonhöhen und daher die Form jedes Tons angeben zu können, hat der chinesische Sprachwissenschaftler Zhao Yuanren ein Notationssystem für die Töne entwickelt. Die Tonhöhen werden mit den Zahlen 5 bis 1 dargestellt. 5 stellt dabei die höchsten Töne, und 1 die tiefsten Töne dar. Die Tonform der vier Töne ergibt sich dann durch die Verkettung der Zahlen, die die Tonänderung innerhalb des Tons darstellt:

  • Der erste Ton: /55/,
  • Der zweite Ton: /35/,
  • Der dritte Ton: /214/,
  • Der vierte Ton: /51/,
  • Der neutrale Ton: /11/.

Kennst Du die Tonformen der vier Töne im Hochchinesischen? Das sind die Tonformen der vier Töne im Hochchinesischen. | Quelle: Wikimedia Commons

Bist Du bereit, noch mehr ins Detail zu gehen, und Dir jeden Ton genauer anzuschauen?

Der erste Ton (阴平)

Das ist der einfachste Ton des Hochchinesischen, weil es der neutralste ist. Der erste Ton (ˉ) hat folgende Eigenschaften:

  • Er ist hoch,
  • Er ist konstant,
  • Mehr gesungen als gesprochen,
  • Die Tonstärke ist gleichbleibend.

In phonetischer Transkription wird dieser Ton durch einen Balken über dem Vokal dargestellt. Das berühmteste Beispiel ist: (die Mutter). Der Ton entspricht in etwa dem Laut, den Du machst, wenn Dich Dein Arzt darum bittet einmal „Aaaaaa“ zu machen. Du musst die ganze Zeit den gleichen Ton halten, das ist für Anfänger manchmal gar nicht so einfach.

Viele Romanisierungen des Chinesischen nutzen diakritische Zeichen (Akzent/Balken) auf dem Vokal, um die Töne darzustellen. Für Muttersprachler geht die richtige Aussprache jedoch aus dem Bedeutungskontext hervor.

Der erste Ton ist recht einfach zu erkennen und ermöglicht Dir einfache Sätze zu machen.

Der zweite Ton (阳平)

Der zweite Ton, geschrieben (ˊ), wird nicht umsonst „steigend“ genannt. Er steigt von der unteren bis mittleren in die hohe Tonlage. Er ist etwas kürzer als der erste Ton und die Tonstärke nimmt im Verlauf der Silbe zu. Damit kannst Du Folgendes ausdrücken:

  • Die Überraschung,
  • Das Erstaunen,
  • Eine Frage, wie wenn Du zum Beispiel am Telefon „Hallo?“ sagst.

Kannst Du eine Frage auf Chinesisch stellen? Der zweite Ton wird oft für Fragen benutzt. | Quelle: Visualhunt

Die Veränderung der Bedeutung eines Wortes durch den Ton kannst Du an diesem Beispiel sehen. Der erste Ton macht aus „mā“-> die Mutter, der zweite Ton macht aus „má“ -> den Hanf. Der zweite Ton wird auch für rhetorische Fragen oder für Fragen wie „Wo befindet sich David?“ benutzt.

Der dritte Ton (上声)

Für eine/n Europäer/in, der/die nach China reist, ist der dritte Ton (ˇ) der ungewohnteste. Er ist auch schwer zu transkribieren. Bei diesem Ton sinkt die Tonhöhe aus dem mittleren Niveau nach unten und steigt in der Regel wieder in das mittlere Niveau.

Er wird mit einem Hatschek dargestellt.

Der dritte Ton ist komplex, denn er unterliegt, abhängig davon wo sich das Wort in dem Satz befindet, einigen Änderungen.

Er ist der längste der vier Töne und die Tonstärke ist anfangs am lautesten, fällt dann ab und steigt am Ende der Silbe wieder an. Oft musst Du die Endsilben verdoppeln, das ergibt dann „ma-aa-a“. Das nutzt Du, wenn Du überrascht bist, wie wenn Du „Was?!“ sagst.

Durch Tonsandhis (vom Kontext abhängige Tonänderungen) treten bei diesem Ton Ausnahmen auf. Du musst also einige grammatikalische Regeln beachten:

  • Wenn auf eine Silbe im dritten Ton eine weitere Silbe im dritten Ton folgt, wird die vorhergehende Silbe oft im zweiten Ton ausgesprochen (Achtung: in der Schrift bleibt die vorhergehende Silbe aber im zweiten Ton),
  • Wenn auf eine Silbe im dritten Ton eine Silbe in einem anderen Ton als dem dritten folgt, wird die vorhergehende Silbe im halb-dritten Ton ausgesprochen, das heißt, dass nach dem Fallen die Steigung ausgelassen wird.

Der vierte Ton (去声)

Dieser Ton (ˋ) nimmt den umgekehrten Verlauf zum zweiten Ton. Er ist:

  • Absteigend,
  • Sehr hoch (am Anfang),
  • Der kürzeste der vier Töne.

Der vierte Ton fällt scharf nach unten und die Silbe wird kürzer und mit mehr Affekt ausgesprochen. Die Aussprache ähnelt der deutschen Aussprache eines Befehl „Komm!“. Dargestellt wird er durch einen Gravis, wie in mà (Beleidigung).

Chinesische Schriftzeichen sind anders als das lateinische Alphabet: sie sind in ihrer Aussprache sehr wandelbar.

Im Allgemeinen ist die Intonation beim vierten Ton also etwas trocken. Wenn Du einen Befehl geben willst, passt sie sehr gut, wie in „Nein und nochmals nein!“.

Der fünfte/neutrale Ton (轻声) 

Europäer/innen haben manchmal Schwierigkeiten den fünften Ton zu verstehen. Er ist nicht immer Teil des chinesischen Schriftsystems, und wird auch nicht immer als Ton angesehen.

Um wirklich Chinesisch zu sprechen, solltest Du jedoch den fünften Ton kennen, und aufmerksam nach ihm Ausschau halten.

Wieviele chinesische Töne kennst Du? Töne sind wie Farben: Es gibt sehr viele und sie drücken alle etwas unterschiedliches aus. | Quelle: Pexels

Der fünfte Ton klingt kurz und leicht, ein wenig so wie die deutsche Sprache (man spricht auch von der „Abwesenheit des Tons“). Deswegen gibt es auch kein Akzent auf dem Wort, man schreibt einfach nur ma (um wieder das gleiche Beispiel zu benutzen). In vereinfachter Form: Mit dem fünften oder neutralen Ton willst Du einfach etwas sagen.

So lernst Du die chinesischen Töne schneller

Um gut Chinesisch zu sprechen und vor allem auch verstanden zu werden, musst Du die Töne des Hochchinesischen beherrschen. Warum? Weil du mit einer deutschen Betonung definitiv nicht verstanden werden wirst…egal ob Du Dich in Peking oder in Taïwan befindest! Außerdem musst Du die richtige Betonung aber auch kennen, um Deine chinesischen Gesprächspartner zu verstehen: Fragt Dich jemand gerade etwas? Gibt Dir jemand einen Befehl? Wird etwas erklärt?

Schon in den alten Schriften des berühmten chinesischen Philosophen Konfuzius gab es die verschiedenen Töne!

Um zu lernen, wie man die Töne richtig ausspricht, wird vor allem eines helfen: die Praxis! Wenn Du nicht die Möglichkeit hast, nach China zu gehen, um dort Chinesisch Lesen und Schreiben zu lernen, die Nuancen zwischen den verschiedenen Tönen, die chinesische Kunst und den Konfuzianismus zu erforschen, dann bleibt Dir noch eine andere Möglichkeit: das Internet!

Du wirst dort viele Online Tutorials und Podcasts finden, mit denen Du Dein Ohr an die verschiedenen chinesischen Töne gewöhnen, aber auch Deine eigene Aussprache schulen kannst.

Um die verschiedenen Töne der chinesischen Sprache zu veranschaulichen, wird meist folgendes Beispiel benutzt: 妈骂马吗?=> mā mà mǎ ma?

Das heißt wortwörtlich „Mutter, Pferd, schimpft, Fragepartikel“, also „Schimpft die Mutter das Hanfpferd?“.

Ein Beispiel, das zeigt wie wichtig es ist, ein Fingerspitzengefühl in Sachen Tonalität zu haben. Sonst sind Missverständnisse garantiert!

Wenn Du Dir sicher sein willst, dass Du die Töne richtig lernst, kannst Du Chinesischunterricht in Berlin oder in jeder anderen großen Stadt nehmen. So machst Du schnelle Fortschritte, im Mündlichen wie auch im Schriftlichen. Denn wie es ein schönes chinesisches Sprichwort ja auch so richtig sagt: 学而不思则罔﹐思而不学则殆, „Lernen, ohne zu denken, ist verlorene Mühe. Denken, ohne etwas gelernt zu haben, ist gefährlich.“

Übe Dein Hochchinesisch also am besten nicht alleine, damit Du Dir auch sicher bist, dass Du alle Töne richtig lernst!

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