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Alles, was Du über die chinesische Grammatik wissen musst!

Von Florence, veröffentlicht am 18/04/2019 Blog > Sprachen > Chinesisch > Alles, was Du über die chinesische Grammatik wissen musst!

„Lernen ist wie Rudern gegen den Strom – wer aufhört, treibt zurück.“ – Chinesisches Sprichwort

Die meisten Menschen, die eine neue Sprache lernen, haben am meisten vor einer Sache Angst: der Grammatik! Vor allem wenn es sich um eine sowieso schon komplexe Sprache wie die chinesische handelt. Wusstest Du, dass es in der chinesischen Sprache zwischen 400 und 2000 Tonkombinationen gibt? Du hast dir also einiges vorgenommen.

Jetzt fragst Du Dich: Wie Chinesisch Lernen? In diesem Artikel wirst Du alles über die chinesische Grammatik erfahren, was Du wissen musst: die Zeiten, die gängigsten chinesischen Verben, den Satzaufbau in Mandarin, die verschiedenen Töne, die Du für eine richtige Aussprache kennen musst. Auf die Plätze, fertig, los!

Die Tempora der chinesischen Sprache

Wenn Du an Grammatik denkst, denkst Du bestimmt auch gleich daran: die vielen Zeiten und die Konjugation der Verben. Jetzt kommt aber die gute Nachricht: Es gibt im Chinesischen keine Zeiten! Kein Plusquamperfekt oder kein Futur II wie im Deutschen.

In der chinesischen Sprache werden zeitliche Marker benutzt, um anzugeben, ob man sich in der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft befindet. Um Chinesisch zu sprechen und Dich zeitlich zu situieren, solltest Du die drei wichtigsten Marker für die Vergangenheit kennen:

  • 过, guò, dieser Partikel bezeichnet eine abgeschlossene Vergangenheit,
  • 了, le, er beschreibt die Veränderung eines Zustandes,
  • Die Struktur 是… 的, shì … de, um einen besonderen Aspekt zeitlich auszudrücken, wie z.B. den Ort, die Art und Weise, oder das Ziel.

Kennst Du die chinesische Tempelarchitektur? Wie drückst Du die Vergangenheit in Chinesisch aus? | Quelle: Unsplash

Um einen Satz in der Gegenwart zu verorten, werden diese zwei Marker benutzt:

  • 着, zhe, drückt den durativen Aspekt und die Gleichzeitigkeit zweier Handlungen in der Gegenwart aus,
  • 正在, zhèngzài, ist ein Adverb, das so viel aussagt, wie „dabei sein zu…“.

Eins ist natürlich klar: Wenn Du einen Satz aus dem Chinesischen ins Deutsche übersetzt, solltest Du erst Wort für Wort übersetzen, dann aber den Satz noch einmal neu ordnen, um eine sinnvolle Aussage zu erhalten.

Um den Futur zu markieren, solltest Du folgende drei Marker kennen:

  • 要, yào, ein Äquivalent des Verbes „wollen“,
  • 将, jiāng, bezeichnet etwas in ferner Zukunft,
  • 以后, yǐhòu, heißt „nach“ und kann Ereignisse bezeichnen, die nach anderen Ereignissen stattfinden.

Im mündlichen Sprachgebrauch wird der zeitliche Marker 将 (jiāng) eher zu « 会 (huì) ».

Wenn wir schon bei der (abwesenden) Konjugation der Verben sind, müssen wir auch über die Passivform sprechen. In der chinesischen Sprache wird sie anders als im Deutschen durch Präpositionen ausgedrückt und hat eine negative Konnotation. Das sind die wichtigsten Marker der chinesischen Passivformen:

  • Die Präposition  被, bèi, die quasi systematisch genutzt wird,
  • Die Präposition (ràng) und (jiào), was z.B. 衣服叫雨淋湿了gibt=> Die Kleider sind vom Regen durchnässt,
  • Die Präposition 给 (géi), ersetzt die klassische Präposition und verleiht Nachdruck. Das sieht so aus: 她给地震吓坏了=> Sie wurde vom Erdbeben (stark) mitgenommen,
  • Die Präposition 由 (yu) kann auch genutzt werden, wie z.B. in folgendem Satz: 总统由议会任命 => Der Präsident wird vom Parlament ernannt.

Du weißt jetzt, wie man in der chinesischen Sprache die Zeiten ausdrückt. Wenden wir uns nun den Verben zu!

Die gebräuchlichsten chinesischen Verben

Ein Anfänger stellt sich die Konjugation der chinesischen Verben meist sehr komplex vor. Hier ist jedoch de zweite gute Nachricht: Die chinesischen Verben werden nicht konjugiert, sie stehen immer im Infinitiv! Wie bei den zeitlichen Markern, werden die Verben mit externen Elementen verbunden, in diesem Fall sind es Partikel, die nach dem Verb kommen und Aufschluss über folgende Aspekte der Handlung geben:

  • Die Zeitform,
  • Den Aspekt,
  • Den Modus
  • Die Aktionsart.

Diese Partikel können also die Zeit und den Aspekt ausdrücken. Die Frage 你叫什么 ?, wird wortwörtlich so übersetzt „wie-sein-Vorname-Sie“, und wird in korrektem Deutsch zu: Was ist Ihr Vorname?

Hilfsverben werden auch benutzt, sie geben unter anderem den Modus an:

  • 要 (yào) => wollen,
  • 想 (xiǎng) => beabsichtigen zu,
  • 愿意 (yuànyì) => wünschen,
  • 会 (huì) => wissen (etwas machen können) / es ist wahrscheinlich dass,
  • 可能 (kěnéng) => möglich sein,
  • 可以 (kěyǐ) => können,
  • 必须 (bìxū) => verpflichtet sein,
  • 应该 (yīnggāi) => sollen.

Kennst Du chinesisches Porzellan? Für jeden Tee eine chinesische Teekanne und für jede Handlung ein chinesishes Verb! | Quelle: Unsplash

Du solltest zuallererst das Verb sein (shì) kennen:

  • Das chinesische Verb „sein“ beschreibt keine Zustände (wie „er ist groß“, siehe etwas tiefer),
  • Du kannst „sein“ nicht benutzen, um anzugeben, wo Du Dich befindest oder in welcher Situation Du bist (man nutzt dafür 在 (zài)),
  • Das Verb „sein“ kann auch benutzt werden um „das stimmt“ auszudrücken.

Achtung! Es gibt einige Ausnahmen bei der Transkription, denn in manchen Kontexten, in denen wir an das Verb „sein“ gewöhnt sind, kommt es gar nicht im Chinesischen vor.

  • 有用 (yǒuyǒng) =>nützlich sein,
  • 有效 (yǒuxiào) =>  effektiv sein,
  • 有名 (yǒumíng) => berühmt sein,
  • 有意思 (yǒu yìsi) => interessant sein,
  • 有钱 (yǒuqián) => reich sein.

Manche Verben werden mit „sein“ verbunden und drücken so einen Zustand aus:

  • 大 () => groß sein,
  • 小 (xiǎo) => klein sein,
  • 好看 (hǎokàn) => schön sein,
  • 贵 (guì) => teuer sein.

Die wichtigsten Tätigkeitsverben sind:

  • 看, kàn => schauen,
  • 走, zǒu => gehen,
  • 拿, nǎ => nehmen,
  • 跑, pǎo => laufen,
  • 坐, zuò => sitzen,
  • 学习, xuéxí => lernen,
  • 停止, tíngzhǐ => stoppen,
  • 买 oder 卖, maí => kaufen oder verkaufen,
  • 写, xiě => schreiben.

Wenn Du nach China reist, oder einfach nur ganz in die chinesische Kultur eintauchen und bilingual werden willst, wirst Du die wichtigsten Verben des Wollens und Wünschens brauchen:

  • 要, yào => wollen,
  • 给, géi => geben, schenken,
  • 要饭, yáofán => bitten,
  • 问, wèn => fragen,
  • 觉得, juéde => finden, denken (wertschätzend),
  • 学(习), xué (xí) => lernen.

Wenn Du einige Zeit in China verbringen willst, ob auf Reisen oder für einen Sprachaufenthalt, werden Dir folgende Satzbeispiele bei der Meisterung Deines Alltags behilflich sein:

  • 打电话, dâdiànhuà => telefonieren (mit einem Freund, oder einem Hotel), 
  • 回答, huídá => antworten (das Telefon, Menschen, auf Fragen), 
  • 抽烟, chöuyän => rauchen (wenn Du z.B. wissen willst, ob es erlaubt ist),
  • 打水, dâshuî => Wasser nehmen (um auf eine Wanderung zu gehen, um es sofort zu trinken), 
  • 找, zhâo => suchen (den Weg, Deine Freunde, einen bestimmten Ort), 
  • 等, dêng => warten (auf jemanden), 
  • 说话, shuöhuà => sprechen (mit den Einwohnern, Freunden, dem Touristenführer).

Wenn Du die chinesischen Schriftzeichen sowie diese Verben kennst, wirst Du schon sehr weit kommen! Alles andere lernt sich bei einem Chinesischkurs in Berlin oder Hamburg.

Der Satzbau im Mandarin

Die Zeiten und Verben musst Du natürlich kennen, aber wie kannst Du wirklich mit chinesischen Muttersprachlern diskutieren, wenn die Wörter in Deinen Sätzen nicht in der richtigen Reihenfolge stehen?

Im Grunde sind chinesische Sätze sehr einfach aufgebaut. Es gibt drei unterschiedliche Satzstrukturen:

  • Entweder wir haben eine Konstruktion Subjekt + Prädikat,
  • Oder eine Konstruktion Subjekt + Prädikat + Komplement (80% der Sätze im Chinesischen),
  • Oder es handelt sich um eine komplexe Satzstruktur, bei Verneinungs- oder Fragesätzen z.B.

Warst Du schon einmal in China? Bei einer Reise nach China hast Du die Möglichkeit viel Chinesisch zu sprechen! | Quelle: Unsplash

Gut zu wissen:

  • Wenn es sich um einen Fragesatz handelt, musst Du ?“ (mǎ) hinzufügen,
  • Wenn es sich um eine Verneinung handelt, musst Du不“ (bù) hinzufügen,
  • Wenn der Satz in der Vergangenheit stehen soll, fügst Du 了“ (le) hinzu.

So wird auf Chinesisch ein einfacher Satz geformt. Die Stellung des Verbs ist sehr wichtig. Es kommt in jedem Fall immer nach dem Subjekt, damit der Satz verständlich bleibt. Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten:

Für die erste Struktur, hier einige Beispielsätze:

  • 他 (Subjekt) 笑。(Verb) => „er“, „lachen“ => er lacht,
  • 我 (Subjekt) 去。(Verb) => „er“, „weggehen“ => er geht weg,
  • 中国人喝茶。=> Die Chinesen trinken Tee.

Und hier noch einige Sätze, um die zweite mögliche Satzstruktur zu veranschaulichen:

  • 他 (Subjekt) 说 (Verb) 中文。(Komplement) => „er“, „sprechen“, „Chinesisch“ => Er spricht Chinesisch,
  • 我 (Subjekt) 想 吃 (Verb) 中国 菜。(Komplement) => „ich“, „wollen“, „chinesisches Essen essen“ => Ich möchte Chinesisch essen,

Wenn Du einen Fragesatz formulieren willst, solltest Du Deinen Satz auf folgende Art und Weise aufbauen: Kompletter Satz (Subjekt/Verb/Komplement) + 吗 (ma). 

Für einen Verneinungssatz nutzt Du die Präposition 不 (bù), wie in : 她长得不漂亮。=> Sie ist nicht schön. Für das Imperativ wird entweder die Präposition 别 (bié) benutzt oder aber die Präposition 不许 (bùxǔ), wohlwissend, dass beide vor das Verb platziert werden. Das gibt z.B.:  不许大声说话! => Sprich nicht so laut!.  Für die Vergangenheit wird die Präposition 没 (méi) oder 没有 (méiyǒu) benutzt, wie Du in diesem Satz sehen kannst: 我没去上班 => Ich bin nicht arbeiten gegangen.

Bist Du bereit für die Töne der chinesischen Sprache?

Die Töne der chinesischen Sprache

Hochchinesisch ist eine Tonsprache. Was heißt das konkret? Dass mit einer Änderung der Tonhöhe oder des Tonverlaufs in einer Silbe in der Regel auch eine Änderung der Bedeutung des entsprechenden Wortes einhergeht. Die wenigsten Deutschen sind jedoch mit einer Tonsprache vertraut, daher ist es manchmal schwer, diese Funktionsweise der chinesischen Sprache zu integrieren.

65% der weltweiten Sprachen sind tonal!

Warst Du schon einmal in einer chinesischen Schule? Bei einem Schulaustausch in China lernst Du schnell die richtigen Töne erkennen. | Quelle: Unsplash

Abhängig davon wie du Deine Stimme modulierst, ob du in die hohen oder tiefen Töne gehst, wird das Wort und der ganze Satz also eine neue Bedeutung annehmen. Wenn Du also einen Ton falsch aussprichst, wirst Du eventuell von Chinesisch Muttersprachlern nicht verstanden werden!

Es gibt vier Töne (der neutrale Ton wird manchmal als der fünfte gezählt):

  • Der erste Ton (ˉ) ist der hohe Ton,
  • Der zweite Ton (ˊ), ist der steigende Ton, 
  • Der dritte Ton (ˇ), ist der fallend-steigende Ton, 
  • Der vierte Ton (ˋ), ist ein scharf abfallender Ton,
  • Der neutrale Ton, der fallende Ton, wird manchmal als fünfter Ton betrachtet.

Die Tonhöhen werden mit den Zahlen 5 bis 1 dargestellt. 5 stellt dabei die höchsten Töne, und 1 die tiefsten Töne dar. Die Tonform der vier Töne ergibt sich dann durch die Verkettung der Zahlen:

  • Der erste Ton: /55/,
  • Der zweite Ton: /35/,
  • Der dritte Ton: /214/,
  • Der vierte Ton: /51/,
  • Der neutrale Ton: /11/.

Jeder dieser Töne hat seine Eigenheiten. Am besten lernst Du sie durch die Sprachpraxis mit einem/r Chinesisch Muttersprachler/in. Viel Spaß beim Lernen!

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