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China, ein Land, eingebettet in ein mehrsprachiges Gebiet 

Von Elissa, veröffentlicht am 07/03/2019 Blog > Sprachen > Chinesisch > Die Sprachen Chinas: Ein kurzer Überblick

Eine Frage, die sich viele Auswanderer stellen, die einen längeren Aufenthalt in China planen…Muss ich Mandarin oder Kantonesisch sprechen?

Diese Frage sagt viel über die Komplexität des Kung Fu-Landes aus, vor allem bezogen auf den Dialog und die Verständlichkeit der Sprache für Ausländer.

In China haben sich die tausendjährige Geschichte des Imperiums und die Wanderung der Bevölkerung und Kultur auf die vielen Sprachen und Dialekten des Landes der Mittel ausgewirkt.

Das wirkt zunächst für einen Schüler verwirrend, der Mandarin-Chinesisch lernt, aber es gibt für alle diese chinesischen Sprachen eine gemeinsame Sprachlogik.

Vergleichbar mit dem Erlernen einer neunen romanischen Sprache, wie Spanisch, Italienisch oder Französisch für jemanden, der Latein kann, ist das Studium einer weiteren chinesischen Sprache faszinierend, da es viele Ähnlichkeiten und Besonderheiten gibt.

Wir werden versuchen mit Weitsicht die Struktur der chinesischen Sprache besser zu verstehen, um langwierige Missverständnisse zu vermeiden, die Vorurteile, falsche Überzeugungen und irrige Aussagen verbreiten.

Wie sieht die sprachliche Landschaft in China aus?

In China findet man viele verschiedene Dialekte. China ist ein riesiges Land und dementsprechend gibt es viele unterschiedliche Sprachen. | Quelle: Pixabay

Derzeit werden in China 81 Sprachen gesprochen. Ein Kreuzworträtsel wäre hier sicher komplizierter als bei uns…

Aufgrund ihrer unterschiedlichen schriftlichen und mündlichen Kenntnisse sprechen 55 nationale Minderheiten ihre eigene Sprache. Minderheiten verwenden manchmal mehrere Sprachen gleichzeitig, um zu kommunizieren.

49 der 81 in China erfassten Sprachen sind nach der Nationalität benannt, die sie verwendet. Mit anderen Worten:

  • die Sprache „Han“ wird von den „Han“ verwendet
  • das „Zhuang“ von die „Zhuang“
  • und ebenso die Sprache „Bouyei“ von den „Bouyei“

Wartet ab, es wird noch komplizierter …

Bei den restlichen 32 Sprachen, die es noch im Land gibt, ist der Name ganz unterschiedlich von der Nationalität derer, die sie verwenden. (Ja, ich weiß…)

Ein konkretes Beispiel sind die 90.000 Tibeter, deren Muttersprache… wait for it … das „Gyalrong“ ist und nicht „tibetisch“.

Aber keine Panik! China arbeitet mit einem gut organisierten System zur Sprachklassifizierung, das dazu dient, die chinesischen Sprachen in eine Reihe von Sprachgruppen einzuteilen.

Dieses Modell zur Sprachklassifizierung basiert auf Kriterien, die die Entfernung zwischen den Sprachen und Dialekten angeben, sowie auf anderen spezifischeren Bedingungen, wie der Geschichte der Region, der ethnischen Identität oder der Entwicklung der Nationalität im Bezug auf die Sprache.

Weit weg von Worten, weit weg vom Herzen …

Diese Sprachen, die noch in Dialekte, Sub-Dialekte und Jargons unterteilt sind, können manchmal eine sprachliche Barriere darstellen, die die Kommunikation eines jeden Einzelnen beeinträchtigt (wir denken nur an den Turm von Babel…).

Um die sprachlichen Schwierigkeiten einzuordnen:

  • In Südchina findet man Minderheitensprachen und Dialekte, die soweit voneinander entfernt sind, dass die Hoffnung auf einen Dialog in etwa so sind, wie die Hoffnung, die Chinesische Mauer zu umlaufen.
  • Im Norden Chinas ist die Situation anders, weil die Dialekte mehr Ähnlichkeiten aufweisen und es so mehr Möglichkeiten gibt, miteinander zu sprechen.

Mandarin

Welche Stellung hat Mandarin in der Geschichte chinesischer Sprachen?

Die erste Sprache in China ist Mandarin. Mandarin ist die am meisten vertretene Sprache in China | Quelle: Visualhunt

Auch ohne die Kalligraphie werdet ihr verstehen, dass die erste und am meisten gesprochene Sprache in China Mandarin ist oder 普通話 / 普通话, pǔtōnghuà, (allgemein übliche Verkehrssprache) oder auch 漢語 / 汉语 Hànyǔ ( „Sprache des Hàn“ dominierende ethnische Gruppe in China), mit mehr als 955 Millionen Muttersprachlern.

Seit 1956 Amtssprache der Volksrepublik China, war Mandarin einst die Sprache der im Norden des Landes lebenden chinesischen Gemeinden.

Deshalb meinen Ausländer, wenn sie sagen, dass sie „Chinesisch lernen“ eigentlich Mandarin, weshalb diese Kurse die gefragtesten darstellen, weil die Sprache offiziell von mehr als 70% der Chinesen gesprochen wird.

Was heute als Hochchinesich bezeichnet wird, ist eigentlich das Mandarin der Region Peking, in der sich die Ming-Kaiser einst niederließen. Pekings Mandarin wird oft als die Standardvariante dieser Sprache in der reichen antiken Literaturgeschichte angesehen und weist immer noch einige Besonderheiten auf, einschließlich des Akzents.

Die Vielfalt der Akzente – je nach Region mehr oder weniger stark ausgeprägt – ändert nichts: In ganz China wird Hochchinesisch gesprochen! Vor allem, weil Hochchinesisch in allen chinesischen Schulen für die Ausbildung jüngerer Generationen unterrichtet wird.

Darüber hinaus spricht man nicht nur in China Mandarin, es zählt auch zu den Sprachen in Taiwan und Singapur.

Die Sprache wird auch in Unternehmen verwendet, da nur 25% der Chinesen Englisch sprechen und so hat Mandarin trotz der Schwierigkeit der chinesischen Schriftzeichen, der Pinyin Phonetik und der Töne auch international an Bedeutung gewonnen. 

Sich seiner wirtschaftlichen Macht bewusst, versucht China heute seine Sprache über Konfuzius-Institute in der Welt zu verbreiten. 

Ein ehrgeiziges Ziel, was aber nicht unrealistisch scheint. Mittlerweile bieten auch viele Schulen und Universitäten in Deutschland Chinesisch als Fremdsprache neben Englisch, Spanisch, Französisch oder Italienisch an.

Genug Daten zur sprachlichen Demographie!

In diesem großen Land, mit mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern, spricht man manchmal von der Gefahr des Kantonesisch, da es die Pläne der kommunistischen Führer zerstören würde, die Mandarin als Verkehrssprache der Nation auserkoren haben.

Aber wenn es eine chinesische Sprache gibt, die man bevorzugen sollte, dann ist es diese!

Kantonesisch

Kantonesisch ist in China weit verbreitet. Kantonesisch spricht man vor allem in Hongkong. | Quelle: Pixabay

Es besteht kein Zweifel daran, dass es in einem Land so groß wie dem Land der Mitte nicht nur Mandarin als einzige Volkssprache geben kann…

Vor allem in Bezug auf Struktur, verwendete Zeichen und Aussprache von Mandarin zu unterscheiden, wird Kantonesisch von mehr als 71 Millionen Sprechern gesprochen (fast so viele Menschen, wie in Deutschland leben!).

Das bezieht sich sowohl auf die Sprachgruppe – in der es viele einzelne Dialekte gibt – als auch auf die kantonesische Sprache, die genauso wie Mandarin standardisiert wurde.

Man findet im Kantonesischen:

  • Satzstrukturen, deren Ordnung sich komplett  von Mandarin unterscheiden
  • Grammatische Anwendungen, die aus dem alten China stammen
  • Spezielle Schriftzeichen

Oft verbindet man Kantonesisch mit der Vorstellung einer traditionellen Sprache, aber eigentlich weist die Sprache heutzutage viele Spuren von Modernisierung und Standardisierung auf, da die Menschen in vereinfachter Version schreiben, wenn sie eine SMS schicken oder online chatten.

Auch wenn nicht viele Ausländer wissen, dass in China mehrere Sprachen gesprochen werden, gibt es einige Menschen mit einem ausgeprägten Interesse für die chinesische Kultur, die Kantonesisch – gesprochen in Hongkong, Macau, in Großteilen der Provinz Guangdong, in Teilen von Guangxi und in Südostasien – den anderen Sprachen und Dialekten Chinas vorziehen.

Tatsächlich wird Kantonesisch aber nicht nur in den Großstädten Guangzhou und Hongkong gesprochen, sondern auch in vielen chinesischen Diasporagemeinden in Südostasien und in einigen Chinatowns weltweit, die Sprache hat einen großen Einfluss und eine Kultur entwickelt, die die internationale Gemeinde anspricht.

Das Image der Kantonesischen Sprache, verstärkt durch kantonesisches Kino, Cantopop-Musik und den globalen Status von Hongkong, ist für einige Politiker verwirrend anzusehen, die der Meinung sind, dass diese Sprache eine Gefahr für Mandarin darstellen könnte

Unabhängig davon sind die meisten Lieder, die den Cantopop ausmachen, in Hochchinesisch geschrieben und werden nur auf Kantonesisch ausgesprochen. So bleibt die kantonesische Sprache dem Klischee treu, eine „alternative“ Version von Mandarin zu sein, die sich nur in ihrer Aussprache unterscheidet, obwohl sie eigentlich eine ganz andere Struktur aufweist.

Heutzutage wird Kantonesisch – bezogen auf die Anzahl der Sprecher – als die zweite lebende Sprache in China wahrgenommen, wobei es im Hinblick auf die Sprachgruppen nur an dritter Stelle hinter einer bestimmten Gruppe Platz findet, dem sogenannten „Wu“.

Wu

Viele Dialekte und Sprachen Chinas sind nicht mehr so vorzufinden, wir im Alten China. Die meisten chinesischen Sprachen haben sich mit der Zeit entwickelt und stark verändert. | Quelle: Pixabay

Das Wu (吴语 / 吳語 / wúyǔ) umfasst viele verschiedene Dialekte und einer der bekanntesten ist das Shanghaiisch, das von den Einwohnern von Shanghai gesprochen wird.

Wu, das um die Mündung des Jangtsekiang herum gesprochen wird, also in Shanghai, Jiangsu und Zhejiang, hat etwa 77 Millionen Sprecher, und es wird angenommen, dass 7 bis 8 Prozent der Chinesen die Sprache immer noch praktizieren.

Als „zweite Sprache in China“ anerkannt, verdankt der „Wu“ diesen Adelstitel der Tatsache, dass es im Gegensatz zum „standardisierten“ Kantonesisch aus vielen einzelnen Dialekten besteht.

Manchmal wird Wu als eigenständige Sprache wahrgenommen, manchmal als chinesischer Dialekt, aber so oder so ist Wu für Ausländer nicht wirklich zugänglich und selten werden Mandarin-Kurse angeboten, deren Inhalt das Wu ist.

Ein Mitglied der „sino-tibetischen“ Sprachfamilie – wie Mandarin, Kantonesisch und Min – hat Wu im Laufe der Jahre eine beachtliche Entwicklung in der Lautbildung durchgemacht.

Früher bestehend aus 8 Tönen, die sich zu 5 zusammengefügt haben, wird das zeitgenössische Wu nur mit 2 Tönen gesprochen. Ein seltenes sprachliches Phänomen im Vergleich zu Mandarin.

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