Jede/r vierte Deutsche ist tätowiert. Das hat eine Statista Umfrage aus dem Jahr 2017 ergeben. Und 21 % weitere Prozent haben keins, denken aber darüber nach, sich tätowieren zu lassen.

Wie viele Menschen genau in Deutschland tätowiert sind, ist jedoch unklar. Die Uni Bochum schätzt, dass es acht bis zehn Millionen sind, die Uni Leipzig geht eher von 16 Millionen Menschen aus.

Klar ist: Vor allem junge Leute lassen sich Tattoos stechen. Die Tendenz ist jedoch, dass sich immer mehr Frauen und auch Ältere dazu entscheiden.

Bei Frauen sind vor allem Bilder am Fuß oder Knöchel beliebt, bei Männern an den Armen.  An zweiter Stelle stehen bei beiden Geschlechtern der Rücken oder die Schultern.

Die Zahlen zeigen, dass Tattoos heute in der Mitte des Gesellschaft angekommen sind. Sie werden nicht mehr nur noch von gesellschaftlichen Randgruppen wie Gefängnisinsassen oder Prostituierten gestochen, jede/r kennt nun mindestens eine Person, die tätowiert ist.

Von den Bedenken des Bundesinstituts für Risikobewertung (Farbpigmente könnten aus dem Tattoo ins lymphatische System abwandern) lassen sich die wenigsten Deutschen beeindrucken.

Tattoos hatten lange und haben übrigens auch heute noch religiöse Bedeutungen. Der Soziologe Oliver Bidlo spricht von der "Sehnsucht der Tätowierten nach höheren Sphären und dem Unvergänglichen".

Das Tattoo ist aber auch ein festes ästhetisches Merkmal, das in manchen gesellschaftlichen Bereichen, wie dem Profifußball z.B., fast schon zum Must geworden ist. Das hat natürlich auch den Blick auf diese früher verpönte Praxis verändert.

Was früher als gesellschaftliche Abweichung und Devianz gesehen wurde, ist heute zur Norm geworden. Das sieht man auch an den Tattoo-Studios. Früher befanden sich die eher finsteren Studios in "randständigen Stadtlagen", heute sind die Studio hell und offen und sind in "1a-Lagen großer Städte" umgezogen.

Es gibt viele unterschiedliche Tattoo-Traditionen – das japanische Tattoo, das Tribal Tattoo, das Maori Tattoo, das polynesische Tattoo, usw. Uns interessiert für alle China Liebhaber/innen in diesem Artikel aber besonders das chinesische Tattoo.

Wie steht es nun um das chinesische Tattoo? Solltest Du es versuchen...oder lieber sein lassen?

Für einen erweiterten Blick auf die Kultur Chinas empfehlen wir Dir außerdem unseren Überblicksartikel zu den Künsten, den altertümlichen Traditionen und der Geschichte Chinas!

Chinesisches Tattoo: Geschichte und Symbolik

Das chinesische Tattoo, bei dem Dir mit Tinte chinesische Schriftzeichen oder Motive unter die Haut gespritzt werden, wird heute als Kunstform anerkannt.

Allerdings ist es wie bei allen anderen Tattoos auch: Wenn es einmal da ist, bleibt es auch. Es gibt zwar die Entfernung per Laser, die birgt aber gewisse Risiken und die Haut ist danach nicht etwa wie neu, sondern oftmals vernarbt.

Kennst Du die Song Dynastie?
Unter dem Kaiser Song wurde das Tattoo populär. Er musste jedes Jahr 200 000 Ballen Seide an die Liao-Dynastie der Kitan senden. | Quelle: Wikimedia Commons

Außerdem solltest Du Dir auch Deiner Wahl sicher sein. Das Tattoo ist permanent, es bleibt ein Leben lang, Du solltest also auf jeden Fall auch die Bedeutung des chinesischen Ideogramms überprüfen, das Du Dir tätowieren lässt.

Das chinesische Tattoo liegt heute in westlichen Ländern im Trend. Das war aber nicht immer so. Die Geschichte des Tattoos reicht 3500 Jahre zurück.

In der chinesischen Kultur wurde das Tattoo ursprünglich als Foltermethode für Gefangene benutzt.

In anderen Kulturkreisen, auch das kannst Du nachschlagen, wurde das Tattoo aber auch als therapeutisches Mittel eingesetzt. So z.B. in der Jungsteinzeit. Das Tattoo wurde dort als Heilmittel gegen Arthrose eingesetzt: Im Jahre 1991 wurde in den italienischen Alpen der über 7300 Jahre alte mumifizierte Körper eines Mannes gefunden. Es wurden zahlreiche Tattoos an seinen Gelenken gefunden.

Der Kunsthistorikerin und Philosophin F. Borel zufolge war es in China jedoch anders: "in China gehörte das Tattoo zu den fünf Strafen, neben dem Tod, der Kastration, der Amputation der Nase und der Füße. Das Tattoo funktioniert, weil es eine demütigende Markierung ist, und öffentlich und einfach zu identifizieren ist, strikt kodifiziert und von Region zu Region unterschiedlich ist."

Im kollektiven chinesischen Unterbewussten wird dem Tattoo also noch viel Misstrauen entgegengebracht, denn das Tätowieren wird mit Kriminalität, mit Gefängnisinsassen oder mit Mafia-Gruppen in Verbindung gesetzt.

Die Bedeutung des Tattoos hat sich mit der Zeit jedoch gewandelt. Heutzutage wird es mehr als ein persönliches, ästhetisches Merkmal gesehen.

Tattoos waren in der Tang Dynastie (618-907), der Song Dynastie (960-1279) – dem goldenen Tattoozeitalter – und der Ming Dynastie (1368-1644) sehr beliebt, die Menschen haben vom 10. bis zum 13. Jahrhundert Nadeln und Chinatinte benutzt, um sich Glückstattoos stechen zu lassen.

Das asiatische und spezifischer das chinesische Tattoo inspiriert sich stark von chinesischer Mythologie und manchmal auch westlicher Symbolik:

  • Die Drachen: Mythisches Tier, das seit der Antike verehrt wird, es symbolisiert den Herrscher, die Weisheit, die Kraft und verheißt Gutes,
  • Die Fische: Der Koi Karpfen, Symbol für Stärke, Zielstrebigkeit, Liebe und Männlichkeit,
  • Der Buddha,
  • Die Blumen: Lotusblumen (Symbol für Vitalität, Liebe und Glück), Kirschblüten,
  • Chinesische Tierkreiszeichen mit einer anderen Symbolik für jedes einzelne der zwölf chinesischen Sternzeichen,
  • Die westlichen Sternzeichen,
  • Die Kanjis oder chinesischen Schriftzeichen.

Du bist soweit, Du hast Dir ein Motif für Dein erstes chinesisches Tattoo ausgesucht. Jetzt solltest Du das Motif noch unbedingt einmal von einem/r Chinesen/in überprüfen lassen. Denn wenn Du die chinesische Sprache nicht zu 100% beherrschst, können Fehler unterlaufen, die Du nachher nicht mehr korrigieren lassen kannst...

Lass Dich auf Chinesisch Tätowieren: Preise und worauf Du achten solltest

In der chinesischen Sprache ist jedes Ideogramm mit einer starken Symbolik versehen, die mit bestimmten Gefühlen, Konzepten und philosophischen Bedeutungen zusammenhängen kann (vor allem die chinesischen Sprichwörter).

Kennst Du chinesische Künstler/innen?
Du kannst Dich für Dein Tattoo von chinesischen Künstler/innen inspirieren lassen. | Quelle: Pexels

Tätowierer/innen in Deutschland haben selten chinesische Sprachkompetenzen. Sie werden das Tattoo also einfach von dem Modell kopieren, das Du ihnen gegeben hast, oder das sie schon im Tattoostudio vorliegen haben. Wenn Du auch kein Chinesisch lesen kannst, gibt es für euch keine Möglichkeit, zu überprüfen, ob das Tattoo auch richtig ist.

So kann es dann passieren, dass Du am Ende ein japanisches Hirogana anstatt eines chinesischen Ideogramms trägst, oder dass Dein neues Tattoo den Krieg und den Tod symbolisiert anstatt der von Dir gewünschten Liebe und des langen Lebens...

Es macht also Sinn, ein wenig Chinesisch zu lernen und in Deiner Stadt eine/n Chinesisch Lehrer/in aufzusuchen. Wenn Du das chinesische Alphabet, den Grundwortschatz und die Mythologie etwas kennst, wirst Du Fehler in Tattoo-Motiv schnell erkennen!

Worauf solltest Du also am meisten achten, wenn Du Dir ein schönes chinesisches Tatto stechen lässt? Auf die Bedeutung!

Wir raten Dir, Dich wirklich über die Symbolik Deines zukünftigen Tattoos zu informieren und ein wenig herumzufragen, bevor Du Dich auf den Weg ins Tattoostudio machst.

Nur zur Info, und vielleicht hast Du die Stories auch selbst schon im Internet gelesen, Stars wie Coolio, N. Richie, Robbie Williams, B. Spears, Rihanna und David Beckham haben Tattoos mit falscher Rechtschreibung erhalten!

Chinesisch lernen, es vielleicht sogar fließend sprechen oder eine/n Chinesisch Muttersprachler/in um Rat bitten, das sind die besten Tipps, die wir Dir beim Stechen einen chinesischen Tattoos geben können.

Wie wäre es, Du feierst das chinesische Neujahr oder das Frühlingsfest und behältst die Erinnerung daran für immer auf Deiner Haut?

Kommen wir nun zum Preis. Ein Tattoo kostet Dich natürlich auch etwas. Desto erfahrener (und meist besser) der/die Tätowierer/in ist, desto tiefer musst Du ins Portemonnaie greifen. Zu einem/r Anfänger/in zu gehen, ist nur bedingt zu empfehlen...

Wurdest Du schon einmal von einem Tattoo enttäuscht?
Manchmal sieht das Tattoo nicht so aus, wie man es sich vorgestellt hat. | Quelle: Pexels

Du möchtest Dir chinesische Kalligrafie, ein buddhistisches Zeichen, einen chinesischen Drachen für's Neujahr oder Deinen Vornamen auf Chinesisch tätowieren lassen? Das kann teuer werden!

Der Preis wird von Anbieter/in zu Anbieter/in variieren. Das hat man Dir vielleicht nicht vorher im Chinesisch Unterricht gesagt. Aber im Grunde ist es nicht anders als bei einem Sportcoach oder einem/r Sprachlehrer/in auf Superprof. Der Preis hängt von der Expertise, der Komplexität des Tattoos und den Hygienestandards ab.

Die Stelle an die das Tattoo kommen soll – das Schulterblatt, die Brust, der Nacken, das Fußgelenk, die Bizeps, der Hals  – bestimmt ebenfalls den Preis. Manche Körperpartien sind glatter und einfacher zu tätowieren als andere. Das hat einen Einfluss auf die Arbeitszeit und die Komplexität, also auch auf den Preis.

Im Schnitt bezahlst Du für das Tätowieren 80 bis 150€ die Stunde (Chinesisch Unterricht Berlin).

Einige Tipps, wie Du die chinesische Schrift schneller lernen und Dein Sprachniveau verbessern kannst, geben wir Dir in einem weiteren Artikel!

Gesundheitliche Risiken von Tattoos

Abgesehen vom hohen Preis gibt es einen anderen Aspekt, den Du beachten solltest: Sich Tätowieren zu lassen, kann zu gesundheitlichen Problemen führen. Auch wenn die meisten Menschen das Tätowieren als gesundheitlich unbedenklich erachten und und in der Tat nur selten etwas passiert, besteht das Risiko jedoch trotzdem.

Gesundheitliche Probleme entstehen in 2 bis 3% der Fälle. Das klingt nach wenig, auf der Welt sind das aber immerhin einige Millionen Menschen.

Warst Du schon einmal in China?
Du könntest Dir das Tattoo auch auf einer Reise in China stechen lassen! | Quelle: Pexels

Viele Menschen machen sich Sorgen, wenn es um chemische Schadstoffe in der Nahrung (Pestizide, Glyphosat) oder Kosmetika geht. Diese könnten Allergien auslösen, endokrine Disruptoren darstellen oder krebserregend sein. Tattoofarben können aber ebenfalls Schadstoffe enthalten.

Das Problem ist nämlich, dass bisher nur wenige Schadstoffe in Tattoofarben verboten sind, und die Inhaltstoffe sogar oft falsch angegeben werden. So können sich darin schädliches Aluminium, Baryum, Kadmium, Kobalt, Kupfer, Eisen, Quecksilber, Blei, Chrom, Mangan, Nickel, Antimon, Strontium, Vanadium, Kohlenwasserstoffe, usw. befinden.

Bevor Du Dir also für das chinesische Neujahr ein Tattoo stechen lässt, solltest Du Dir das wirklich genau überlegen und nur zu einem Studio Deines Vertrauens gehen.

Die Tätowierer/in ist kein geschützter Beruf und die benutzte Tinte ist nicht reglementiert. Sie wird einfach im Internet bestellt und manchmal handelt es sich sogar um Kalligrafie- oder gar Druckertinte!

Diese Tinte und ihre Inhaltsstoffe wandern übrigens im Körper herum. Sie finden sich an anderen Stellen im Körper wieder und können sich z.B. in der Niere ablagern, was zu Problemen führen kann. Das lernst Du nicht unbedingt im Chinesisch Unterricht!

Abgesehen von den Schwermetallen und anderen schädlichen Inhaltsstoffen gibt es auch noch ein anderes Risiko: Das einer Infektion! Wenn das Studio nicht einwandfrei steril arbeitet, kannst Du Dir verschiedene Pilze, Bakterien oder Viren, ev. sogar schwerwiegende Krankheiten wie eine Hepatitiserkrankung oder den HIV-Virus einfangen.

Außerdem kann ein Tattoo kaum noch spurlos entfernt werden. Und die Entfernung birgt an sich auch wieder Gesundheitsrisiken. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Entfernung oder eventuelle Folgeschäden nicht. Diese Kosten müsstest Du also selbst bezahlen.

Du solltest auf hohe Qualitätsstandards achten: Der/die professionelle Tätowierer/in sollte Dich vor dem Stich detailliert mündlich und schriftlich über alle möglichen Risiken informieren. Du solltest fragen, ob es im Studio einen separaten Raum für das Stechen gibt, ob die Nadeln und Instrumente steril sind. Auch die Farbtuben sollten steril sein und nur einmalig verwendet werden. Das Wasser zum Verdünnen der Farbe sollte aus sterilen Einwegpackungen stammen.

Wenn Du nach all diesen Überlegungen zu dem Schluss gekommen bist, dass Du Dein Sternzeichen in chinesischer Kalligraphie als Tattoo verewigt sehen willst, dann nichts wie los! Aber vergiss nicht: Es hält ewig.

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Florence

Meine Städte sind Berlin und Paris, aber mein Herz gehört der Welt, den Menschen und unterschiedlichen Kulturen: Ich reise und übersetze leidenschaftlich gerne. Meine Neugier und mein Wissensdurst kennen keine Grenzen!