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Der Satzbau in der chinesischen Grammatik

Von Florence, veröffentlicht am 09/04/2019 Blog > Sprachen > Chinesisch > Der Satzbau in der chinesischen Grammatik

„Wenn Du es eilig hast,
setze Dich….“ Chinesisches Sprichwort

Mit 60 000 Ideogrammen ist das Chinesisch Lernen sicher kein kleines Unterfangen. Allerdings ist die chinesische Grammatik wiederum sehr viel leichter, als Du es vielleicht erwartet hattest. Es gibt keinen Genus (maskulin/feminin/…), keine Konjugation (nur modale Aspekte) und keinen Numerus (Einzahl/Plural).

Wenn Du schreiben lernen möchtest, fragst Du Dich sicherlich, wie man einen chinesischen Satz aufbaut. Welche grammatikalischen Regeln musst Du befolgen, welche Feinheiten solltest Du bei der phonetischen Transkription und der Übersetzung vom Chinesischen ins Deutsche beachten? Hier unsere Tipps, damit Du schnelle Fortschritte beim Schreiben und Sprechen machen kannst!

Die allgemeinen chinesischen Grammatikregeln für den Satzbau

Am schwierigsten wird es sein, all die chinesischen Sprachzeichen auswendig zu lernen. Denn der Satzbau ist im Grunde sehr einfach. Die Grundstruktur des chinesischen Satzes ist: Subjekt, Verb 1 und/oder Verb 2, Komplement. Das war’s! Es gibt modale oder zeitliche Partikel, aber nur, wenn:

  • Es ich um einen Fragesatz handelt, dann fügst Du „ ? “ (mǎ) hinzu,
  • Es sich um einen Verneinungssatz handelt, dann fügst Du “ (bù) hinzu,
  • Der Satz in der Vergangenheit stehen soll, dann fügst Du „ “ (le) hinzu.

In 80% der Fälle ist der Aufbau eines chinesischen Satzes ganz einfach: Subjekt + Verb + Komplement.

Was bei uns oft ein Adverb ist (wie „sehr“ z.B.) nimmt im Chinesischen die Form eines bestimmten Verbs an, das einem Hilfsverb angehängt wird. Außerdem stehen die Verben immer im Infinitiv, das ist eine Besonderheit der chinesischen Sprache, durch die sie sich sehr von unseren europäischen Sprachen unterscheidet.

Kennst Du das komplexeste chinesische Schriftzeichen? „Biáng“ ist das komplexeste chinesische Schriftzeichen. Es hat 58 Striche und bezeichnet eine Nudelart. | Quelle: Wikimedia Commons

Aber das ist doch eine gute Nachricht für uns! Wir brauchen die chinesischen Verben nicht zu konjugieren. Keine Vergangenheit, keine Zukunft oder Gegenwart, Du musst nur einige Partikel auswendig lernen. Wenn Du einen chinesischen Satz konstruierst, musst Du immer daran denken, dass das Verb im Infinitiv stehen bleibt:

  • 我很好。=> Mir geht es gut,
  • 你很好。=> Dir geht es gut,
  • 他很好。=> Ihm geht es gut.

Im Russischen z.B. spielt die Reihenfolge der Wörter keine große Rolle. In der chinesischen Sprache jedoch schon. Du musst Dir also genau merken, an welche Stelle das Verb kommt.

Eine andere Regel, die die Grundlagen der chinesischen Grammatik ausmacht: Alle Wörter in einem chinesischen Satz, die nicht das Subjekt sind, also Adverbien, Negationen, Orts- oder Zeitangaben und Präpositionen werden hinter das Verb gesetzt.

Du solltest auch das Verb „sein“gut kennen. Im Chinesischen wird es nämlich genutzt, um Situationen zu beschreiben, aber nicht Zustände (wie bei uns). Das siehst Du an folgendem Satz:

你作什麼(么)工作 ?  我是工程 師(师) => Was ist Dein Beruf? Ich bin Ingenieur.

Gut zu wissen: Das Verb „sein“ wird vor Nomen nur genutzt, wenn es den Beruf, familiäre Beziehungen oder den Ursprung einer Person beschreiben soll.

Es gibt noch eine andere sehr spezifische chinesische Verbform, die es bei uns gar nicht gibt: die adjektivischen Verben! Schauen wir uns diese Verben einmal näher an.

Eine ganz besondere chinesische Verbform: die adjektivische Verben

Bei uns sind es Adverbien, aber wusstest Du, dass an ihrer Stelle in China adjektivische Verben benutzt werden? Manche chinesische Adjektive bringen nämlich schon das Verbsein mit sich. Im Deutschen sagst Du z.B.: „gut sein“, im Chinesischen wird das zu . Im Deutschen brauchst Du das Verb „sein“ + ein Adjektiv. Im Mandarin reicht das adjektivische Verb, das Hilfsverb fällt weg.

Das ist Sinn und Sache des adjektivischen Verbs. Um es in einfachen Worten zu sagen: Dieses Verb trägt Hilfsverb + Adjektiv schon in sich. Hier ein Beispiel: 我好 => „Ich bin gut“ / “ Mir geht es gut„.

Warst Du schon einmal in Peking? Chinesische Kalligraphie vor dem Himmelsaltar in Peking. | Quelle: Visualhunt

Das ist jedoch nicht alles! Du musst wissen, dass das adjektivische Verb immer komparativ benutzt wird. Wie Du in jedem Chinesischkurs in Berlin oder München lernen wirst, ist der Subtext hier: „es geht mir gut, im Vergleich zu jemandem anderen“.

Merke: Benutze also nie das Verb “ shi „, „sein“, um diese Adjektive auszudrücken.

Und wie nutzt man diese adjektivischen Verben jetzt genau? Hier einige gängige Anwendungsweisen:

  • 热, Rè => warm/heiß sein,
  • 冷, Lěng => kalt sein,
  • 忙, Máng => beschäftigt sein,
  • 累, Lèi => müde sein,
  • 坏, huài => böse oder schlecht sein,
  • 聪明, cōngmíng => intelligent sein.

Konkret gibt das z.B. solche Sätze:

  • 他 聪明 。=> Er ist intelligent (wortwörtlich : „er“, „intelligent“),
  • 她()热。 => Ihr ist sehr heiß.

Das Wort in Klammern ist das Adverb 很 (hěn), das im traditionellen Chinesisch so viel wie „sehr“ heißt. Achtung allerdings: Im Mündlichen muss dieses Adverb stark hervorgehoben werden, damit auch wirklich verstanden wird „ihr ist sehr heiß“, sonst wird Dein Gesprächspartner nur „ihr ist heiß“ hören.

Der einfache Satz im Chinesischen

Es gibt bis zu sechs Kategorien chinesischer Schriftzeichen und tausende und abertausende verschiedene Zeichen. Man kann daraus schnell schließen, dass es sicherlich sehr schwer sein muss, einen chinesischen Satz zu formen… Falsch gedacht! Das einfachste an der chinesischen Sprache ist nämlich ihre Grammatik! Es gibt keine Konjugation und Du musst Dir nur einige Strukturen merken, die sehr einfach sind. Ein wahrer Segen für jede/n Chinesisch Beginner/in!

Bist Du schon einmal einem Panda begegnet? An die einfachen chinesischen Sätze kannst Du ganz entspannt heran gehen. | Quelle: Pixabay

Die Stellung des Verbs ist sehr wichtig. Es kommt in jedem Fall immer nach dem Subjekt, damit der Satz verständlich bleibt. Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten:

  • Subjekt + Prädikat,
  • Subjekt + Verb + Komplement.

Für die erste Möglichkeit, hier einige Beispielsätze:

  • 他 (Subjekt) 笑。(Verb) => „er“, „lachen“ => er lacht,
  • 我 (Subjekt) 去。(Verb) => „er“, „weggehen“ => er geht weg,
  • 中国人喝茶。=> Die Chinesen trinken Tee.

Und hier noch einige Sätze, um die zweite mögliche Satzstruktur zu veranschaulichen:

  • 他 (Subjekt) 说 (Verb) 中文。(Komplement) => „er“, „sprechen“, „Chinesisch“ => Er spricht Chinesisch,
  • 我 (Subjekt) 想 吃 (Verb) 中国 菜。(Komplement) => „ich“, „wollen“, „chinesisches Essen essen“ => Ich möchte Chinesisch essen,
  • 我们 (Subjekt) 要 买 (Verb) 电脑 (Komplement) => Wir gehen einen Computer kaufen,
  • 你 (Subjekt) 要 做 (Verb) 什么?(Komplement) => Was willst Du machen?

Sätze ohne Verb fallen im Chinesischen in die Kategorie der einfachen Sätze. Mit ihnen kannst Du z.B. Auskunft über das Alter, die Herkunft, das Datum, die Uhrzeit oder den Preis geben. Hier einige Beispiele:

  • 你几岁? => Wie alt bist Du?,
  • 我十岁 => Ich bin 10 Jahre alt,
  • 你哪儿的人?我北京人。=> Woher kommst Du? Ich bin aus Peking,
  • 他是老师 => Er ist Professor,
  • 几点了?现在三点了。=> Wie spät ist es? Es ist drei Uhr.

Du kannst die einfachen chinesischen Sätze also sehr schnell meistern. Allerdings brauchst Du aber auch noch andere Lernsteine, um so weit zu kommen: einen chinesischen Grundwortschatz, die richtige Aussprache und Kalligraphie-Kenntnisse.

Chinesische Sätze können aber auch komplexer aufgebaut sein. Wusstest Du das? Wir schauen uns das jetzt genauer an.

Die chinesische Sprache und ihre komplexen Sätze

Sobald Du im Chinesischkurs oder Chinesisch Unterricht etwas fortgeschritten bist, Du also die nötigen Grundkenntnisse hast und kein Deutsch-Chinesisch Wörterbuch mehr brauchst, wird Dein/e Chinesisch Lehrer/in anfangen komplexe Sätze mit Dir zu konstruieren.

Hast Du schon einmal in professionellem Rahmen Chinesisch gesprochen? Bei einem Business Treffen sind komplexe chinesische Sätze gefordert. | Quelle: Visualhunt

Um diese komplexen Sätze zu bauen, brauchst Du Konjunktionen. Folgende Konjunktionen werden oft benutzt:

  • 可是, (kêshì), die Konjunktion „aber“ :  我有两个妹妹可是()没有姐姐 => Ich habe zwei kleine Schwestern, aber ich habe keine große Schwester,
  • 也 (yê), die Konjunktion „auch“ : 我有茶也有咖啡 => Ich habe Tee, ich habe auch Kaffee,
  • 因为 (yïnwèi), die Konjunktion „weil“ : 我去商店因为我没有咖啡了 => Ich gehe in den Laden, weil ich keinen Kaffee mehr habe,
  • 的时候 (deshíhòu), die Konjunktion „wenn“, zu nutzen in folgendem Fall z.B. : 我冷的时候(我)喝茶 => Ich trinke Tee, wenn es kalt ist.

Entdecken wir nun gemeinsam einige komplexe Sätze!

Die Fragestellung im Chinesischen

Es gibt zwei unterschiedliche Interrogativsatzformen im chinesischen Mandarin:

  • Fragen, auf die man mit ja oder nein antwortet,
  • Fragen, auf die man nicht wirklich antwortet.

Uns interessiert hier nur der erste Fall. Mit diesen Formulierungen kannst Du auf Fragen antworten wie: „Geht es Dir gut?“ (und nicht „Wie geht es Dir?“).

Du musst dann diesen Satzbau benutzen: Kompletter Satz (Subjekt/Verb/Komplement) + 吗 (ma). 

Ein Beispiel: 你好吗 ? => Geht es Dir gut?.

Merke: Anders als bei vielen europäischen Sprachen wird hier bei einer Fragestellung nicht die Satzordnung verändert (Subjekt und Verb tauschen nicht die Plätze).

Die Verneinung im Chinesischen

Die Verneinung wird in drei Kontexten benutzt und mit einem bestimmten Partikel ausgedrückt:

  • Um eine negative Handlung zu beschreiben in der Form von „nicht…“,
  • Für ein negatives Imperativ,
  • Für eine Verneinung in der Vergangenheit.

Im ersten Fall wird die Präposition 不 (bù) benutzt, wie in : 她长得不漂亮。=> Sie ist nicht schön.

Für das Imperativ wird entweder die Präposition 别 (bié) benutzt oder aber die Präposition 不许 (bùxǔ), wohlwissend, dass beide vor das Verb platziert werden. Das gibt z.B.:  不许大声说话! => Sprich nicht so laut!.

Endlich, für die Vergangenheit wird die Präposition 没 (méi) oder 没有 (méiyǒu) benutzt, wie Du in diesem Satz sehen kannst: 我没去上班 => Ich bin nicht arbeiten gegangen.

Wie Du vielleicht schon weißt, sind Relativsätze in der chinesischen Sprache recht komplex, deswegen werden wir an dieser Stelle nicht über dieses Thema sprechen. Es verdient seinen eigenen Artikel!

Egal ob Du einen Chinesischkurs in einer Sprachschule, mit einem/r  Chinesisch Privatlehrer/in oder Online machst, Du wirst bald lernen, worauf Du bei der chinesischen Sprache ganz besonders acht geben musst. Die Morpheme, die monosyllabische Struktur, die Kalligraphie… Chinesisch ist komplex und zwar nicht nur was die Sprache angeht, sondern auch die Kultur und Geschichte sind einen genaueren Blick wert. Wir wünschen Dir viel Spaß beim Entdecken der chinesischen Kulturschätze!

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