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Welche Zeitformen werden im Chinesischen verwendet?

Von Florence, veröffentlicht am 09/04/2019 Blog > Sprachen > Chinesisch > Welche Zeitformen gibt es im Chinesischen?

„Der beste Zeitpunkt, einen Baum zu pflanzen, ist vor zwanzig Jahren. Der zweitbeste Zeitpunkt ist heute.“ – Chinesisches Sprichwort

Die chinesische Sprache ist einzigartig. Sie ist eine der wenigen Sprachen, die keine Zeitformen kennt. Aber wie es das soeben genannte chinesische Sprichwort ja auch selbst schon sagt: Der beste Zeitpunkt, um etwas Großartiges zu tun (wie wäre es mit Chinesisch lernen?), liegt entweder in der Vergangenheit…oder jetzt! Eine kleine Info vorab: Die Zeit wird im Chinesischen durch das Anhängen von Partikeln oder durch die Nutzung von Zeitadverbien ausgedrückt.

Wie kannst Du also im Chinesischen die Vergangenheit, den Präsenz, die Zukunft, das Passiv, usw. ausdrücken? Welche Zeitformen gibt es im Chinesischen überhaupt? In diesem Artikel erhältst Du eine erste Sicht in die Funktionsweise der chinesischen Zeitformen.

Wie wird in der chinesischen Sprache die Vergangenheit ausgedrückt?

Die chinesische Sprache (Hochchinesisch) ist nicht wie die meisten anderen Fremdsprachen. Die Bewohner/innen der Stadt Guizhou oder Guangzhou drücken die Zeit nicht so wie die Deutschen oder Engländer/innen aus. Seit mehr als tausend Jahren nutzen die Chinesen/innen Partikel, um zu zeigen, ob sie über die Vergangenheit, das Präsenz oder die Zukunft sprechen.

Jede/r Lernende wird sich über diese Nachricht freuen: Verben werden im Chinesischen nicht konjugiert! Die Zeit wird durch die Partikel oder Adverbien ausgedrückt.

Um Chinesisch zu lernen, musst Du erst einmal die grammatikalische Struktur der Verben verstehen: Es gibt keine!

Warst Du schon einmal im Himmelstempel? Bei einer Reise nach Peking solltest Du unbedingt den Himmelstempel besuchen. | Quelle: Pixabay

Was die Vergangenheit angeht, gibt es drei wichtige Marker, die Du kennen musst. Das sind folgende:

  • 过, guò, um eine abgeschlossene Vergangenheit zu bezeichnen,
  • 了, le, beschreibt die Veränderung eines Zustandes,
  • Die Struktur 是… 的, shì … de, um einen besonderen Aspekt zeitlich auszudrücken, wie z.B. den Ort, die Art, oder das Ziel.

Wie Du schon gemerkt hast, drücken diese drei Marker unterschiedliche Aspekte der Vergangenheit aus: entweder eine punktuelle Handlung, eine vergangene Handlung, oder eine Handlung, die eine Situationsveränderung beschreibt.

Hier einige Anwendungsbeispiele, damit Du diese Partikel besser verstehst:

Der Marker guò (过) wird an das Verb angehängt, um den Aspekt der unbestimmten Vergangenheit zu bezeichnen. Die Handlung ist abgeschlossen, hat irgendwann stattgefunden, und hat eventuell noch einen Bezug zum Präsenz, oder war ein besonderes Erlebnis. Es wird im Grunde hervorgehoben, dass die Handlung überhaupt stattgefunden hat. Dieser Satz ist ein Beispiel:

  • 我*去*过*法国 (was übersetzt heißt: „ich-gehen-Vergangenheit-Frankreich“ ): ich bin nach Frankreich gegangen => die Handlung ist vorbei, es ist aber nicht ganz klar, wann sie stattgefunden hat (und sie hat eventuell noch einen Bezug zum Präsenz, das hängt vom Kontext ab).

Der Marker le (了) ist etwas komplexer. Er wird benutzt, um folgende Handlungen auszudrücken:

  • Eine einfache Handlung, die vollendet ist (steht oft mit einer bestimmten Zeitangabe, wird ebenfalls nach dem Verb eingesetzt, wie hier: 我买了一本书。(„ich-kaufen-Vergangenheit-Klassifikator-Buch“) => ich habe ein Buch gekauft,
  • Um einen Situationswechsel zu zeigen, wie bei 我*知道*了我不要了 ( „ich-wissen-Vergangenheit-ich-Negation-Partizip-verstehen ») => ich weiß, ich habe verstanden (Subtext: Vorher war mir das noch nicht klar, nun schon).

Der strukturelle Marker shì…de (是… 的) drückt ebenfalls einen Aspekt der Vergangenheit aus, wie hier:

  • 她是在大学见到的他 => Sie hat ihn an der Universität kennengelernt,
  • 他是昨天去上海的 => Gestern ist sie nach Shanghai gegangen.

Um eine Reise nach China vorzubereiten, oder das China kennenzulernen, das seit der Kulturellen Revolution existiert, ist ein wenig Wissen in Sachen Zeitformen sehr nützlich. So verläuft die Kommunikation auch viel reibungsloser, ob sie nun an einem chinesischen Flughafen, im Museum oder Supermarkt stattfindet.

Die Besonderheiten der Gegenwart im Chinesischen

Weißt Du wie man den Präsenz im Chinesischen ausdrückt? Der Präsenz wird für Handlungen genutzt, die gerade stattfinden. | Quelle: Visualhunt

Der Vorteil beim Chinesisch lernen, ist dass Du zusätzlich zu den Phonemen nicht noch viele unterschiedliche Konjugationsformen lernen musst, wie es ja beiden meisten anderen Sprachen üblich ist. Wenn Du die chinesische Zeitnutzung verstehen willst, musst Du Dir einfach die verschiedenen Zeitpartikel merken. In der Vergangenheit waren es drei, in der Gegenwart sind es sogar nur zwei:

  • 着, zhe, drückt den durativen Aspekt und die Gleichzeitigkeit zweier Handlungen in der Gegenwart aus,
  • 正在, zhèngzài, ist ein Adverb, das so viel aussagt, wie „dabei sein zu…“.

Wenn Du eine wortwörtliche Übersetzung vom Chinesischen ins Deutsche machst, wirst Du natürlich noch nicht das Endresultat vor Augen haben. Um den Satz verständlich zu machen, musst Du den Satz noch einmal rekonstruieren und umbauen.

Der erste Fall drückt also die Gleichzeitigkeit zweier Handlungen aus. Wie ist in diesem Satz, wo eine Handlung parallel zu einer anderen verläuft: 我笑着吃 => Ich esse lachend. Der zweite Fall drückt den progressiven Aspekt einer Handlung aus, die Handlung dauert bis zum gegenwärtigen oder zu einem anderen Zeitpunkt an : 我正在做吃的 => Ich bereite gerade das Essen vor.

Eine kurze Erinnerung: die Verben bleiben immer im Infinitiv, unabhängig von Zeit und Person. Das siehst Du hier am Verb SEIN (是) :

Chinesisch Transkription Deutsche Übersetzung
shì ich bin
shì du bist
shì er ist

Das hast Du sicherlich schon längst verstanden: Um die Zeitpartikel zu erkennen, musst Du die chinesischen Schriftzeichen und Ideogramme kennen und den Sinn eines Satzes einigermaßen verstehen.

Um Dich im Chinesischen ausdrücken zu können, musst Du schon einige hundert Zeichen kennen. Es gibt insgesamt mehr als 60 000 chinesische Schriftzeichen!

Wir haben uns die Partikel der Vergangenheit und der Gegenwart angeschaut. Wenden wir uns nun der Zukunft und dem Passiv zu!

Die Nutzung des Futurs im Mandarin

Kennst Du die futuristische Stadt Shanghai? Es gibt zwei Partikel, um im Chinesischen den Futur auszudrücken. | Quelle: Pexels

Die chinesische Grammatik ist ohne die Zukunftsform nicht vollständig! Die Partikel der Zukunft sind absolut notwendig. Du solltest folgende drei Partikel auswendig kennen:

  • 要, yào, ein Äquivalent des Verbes „wollen“,
  • 将, jiāng, bezeichnet etwas in ferner Zukunft,
  • 以后, yǐhòu, heißt „nach“ und kann Ereignisse bezeichnen, die nach anderen Ereignissen stattfinden.

Wenn Du einen Satz im Futur ausdrücken willst, musst Du folgende Struktur benutzen: 以后 + Subjekt + Verb + Adverbiale (Ort, Zeit, Umstand). Dieser Partikel steht immer am Anfang des Satzes!

Der Marker 以后, yǐhòu kann auch auf folgender Weise übersetzt werden: „in der Zukunft“, „bald“, „später“, das hängt ganz vom Kontext des Satzes ab.

Hier einige Beispiele, damit Du ganz in das chinesische Futur eintauchen kannst:

  • 我*要*去法国 (ich-Zukunftspartikel-gehen-Frankreich) => Ich werde nach Frankreich gehen (hier wird eine baldige, sicher stattfindende Handlung ausgedrückt),
  • 以后 我 要 去 中国 => Eines Tages werde ich nach China gehen (hier wird eine sicher stattfindende Handlung ausgedrückt, dessen Zeitpunkt aber noch unklar ist),
  • 以后 我 要 开 一 个 公司 => In der Zukunft will ich mein Unternehmen gründen (hier wird ein Wunsch für die Zukunft ausgedrückt, ohne genauere Zeitangabe).

Tipp: Im Mündlichen wird der Zeitmarker 将 (jiāng) eher mit 会 (huì) ausgedrückt.

Die Präposition 会 (huì) drückt übrigens etwas aus, das passieren wird oder vielleicht sogar gerade schon anfängt:

  • 考 上 大学 => Er wird eine Prüfung an der Universität machen,
  • 明天 你 来 吗 ?=> Wirst Du morgen kommen?

Wir können es also nicht genug wiederholen: Bevor Du Chinesisch bilingual wirst, musst Du erst einmal die chinesischen Schriftzeichen kennenlernen. Es steht Dir also ein ganz schönes Programm bevor!

Das Passiv in der chinesischen Grammatik

Hast Du schon einmal einen echten Panda gesehen? Eher aktiv oder passiv? | Quelle: Visualhunt

Die meisten chinesischen Sätze folgen der Struktur SVO (subjekt-Verb-Objekt oder Adverbial). Es gibt jedoch auch passive Sätze, in denen sich die Satzstruktur etwas verändert. Im Chinesischen gibt es drei Gründe, um das Passiv zu benutzen:

  • Um negative Auswirkungen zu beschreiben,
  • Um der Person oder dem Objekt, das von der Handlung betroffen ist, besondere Bedeutung zu verleihen,
  • Um den/die Urheber/in der Handlung nicht nennen zu brauchen.

Achtung: Im Chinesischen haben Passivformen anders als im Deutschen oft eine negative Konnotation.

Um die Passivität auszudrücken, brauchst Du den grammatikalischen Marker 被, bèi. Es müssen zusätzlich einige Veränderungen im Satz vorgenommen werden:

  • Das Akkusativobjekt wird das Subjekt, das zum Verb passt, sonst funktioniert 被 nicht,
  • Das Verb kann nicht einfach sein, es braucht einen Partikel, ein Komplement oder eben noch ein passendes Objekt.

Die Umwandlung sieht dann z.B. so aus: 男孩 吃 了 热狗 (der Junge hat den Hot-Dog gegessen) wird 热狗 男孩 吃 了 (der Hot-Dog wurde vom Jungen gegessen). Im Passiv kann der Urheber auch weggelassen werden: 热狗 吃 了 (der Hot-Dog wurde gegessen), was den Satz noch einfacher macht.

Das Passiv kann in ganz bestimmten Fällen auch noch mit anderen Zeitmarkern ausgedrückt werden:

  • Die Präposition (ràng) und (jiào), was z.B. 衣服叫雨淋湿了gibt=> Die Kleider sind vom Regen durchnässt,
  • Die Präposition 给 (géi), ersetzt die klassische Präposition und verleiht Nachdruck. Das sieht so aus: 她给地震吓坏了=> Sie wurde vom Erdbeben (stark) mitgenommen,
  • Die Präposition 由 (yu) kann auch genutzt werden, wie z.B. in folgendem Satz: 总统由议会任命 => Der Präsident wird vom Parlament ernannt.

Der Passiv kann auch benutzt werden, um eine Negation auszudrücken, aber das ist ein Thema für sich und verdient einen eigenen Artikel. Nur kurz vorweg: Man gebraucht dafür die Präposition 没有 (méiyǒu) und meist die Struktur Subjekt + Negation + Passivmarker + Urheber + Verb.

Wenn Du einwandfrei chinesisches Mandarin lernen willst, musst Du also auch einige Zeitpartikel auswendig lernen. Jede Zeitform hat ihre Partikel und Besonderheiten, ob es sich nun um die Satzstruktur oder die Zeitnuance handelt, die ausgedrückt werden soll. Die richtige Platzierung der Partikel ist das A und O, damit jeder Deiner chinesischen Sätze auch gut verständlich ist!

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