Privatunterricht Sprachen Nachhilfe Musik Sport Kunst & Freizeit
Teilen

Wie entstand das lateinisches Alphabet

Von Elissa, veröffentlicht am 23/05/2019 Blog > Sprachen > Latein > Lateinisches Alphabet: Ursprung und Geschichte

Die Geschichte Roms ist eng mit seinen Schriftstellern verknüpft. Aber welches Alphabet verwendeten die großen Schriftsteller des Römischen Reiches, wie Cicero, Titus Live oder Julius Caesar?

Die römischen Buchstaben waren im Laufe der Jahrhunderte vielen Einflüssen ausgesetzt, aber bevor sie zum den Buchstaben des römischen Alphabets wurden, waren sie einfach nur eine Keilschrift, die bereits vier Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung auftauchte.

Ihr möchtet mehr über die Ursprünge und die Entwicklung des lateinischen Alphabets und des Schriftsystems erfahren? Superprof erklärt euch alles Wissenswerte!

Eine Chronologie des lateinischen Alphabets

In der lateinischen Sprache sind die römischen Buchstaben, wie wir sie heute verwenden, nicht einfach magisch über Nacht aufgetaucht.

Das Schreiben mit Groß- und Kleinbuchstaben, wie es heute im Lateinunterricht gelehrt wird, ist durch einen langen Prozess mit vielen Einflüssen entstanden.

Zur Zeit der Hieroglyphen war die Schrift noch eine Bilderschrift. Die Hieroglyphen gehören zu den ältesten Schriftsystemen der Welt. |Quelle: Pixabay

Wir beginnen mit der Erfindung der Schrift und den Einflüssen, die darauf folgten:

  • 3.700 v. Chr.: Die Sumerer entwickelten als erstes Volk eine Schrift passend zu ihrer Sprache. Sie verwendeten eine Keilschrift, bei der man mit einem Keil Formen in weichen Ton formte. Dabei entsprach anfangs jedes Zeichen einem Wort, doch im Laufe der Jahre entwickelten die Sumerer eine Form der Silbendarstellung. Die sumerische Schrift gilt als das älteste Schriftsystem der Welt.
  • 3 100 v. Chr.: Im alten Ägypten tauchen die Hieroglyphen auf, wobei die Ägypter ähnlich wie die Sumerer eine Schrift entwickelten, die aus Laut- und Bildzeichen bestand. Die ägyptische Schrift war ursprünglich eine reine Bilderschrift. Die einzelnen Hieroglyphen repräsentierten dabei Gegenstände und verschiedene Lebewesen: Pflanzen, Tiere, Menschen, Götter…Fachleute unterscheiden zwischen drei verschiednen Zeichenarten: die Lautzeichen (Phonogrammen), die mit den Lauten der gesprochenen Sprache korrespondieren sollten, die Bildzeichen (Ideogrammen), die für ganze Wörter oder Begriffe standen und die Deutzeichen (Determinativen), die zur Kennzeichnung einer Begriffsklasse dienten.
  • 2500 v. Chr.: In Mesopotamien wird die Keilschrift verfeinert. Mit der Schrift aus Mesopotamien war man in der Lage, jede Idee zu Papier zu bringen.
  • 2000 v. Chr.: Die ägyptischen Schriftgelehrten entwickelten ein Alphabet mit 26 Buchstaben, das sich schnell zwischen Sklaven, Söldnern und Ausländern verbreitete, die sich in Ägypten aufhielten.
  • 1500 v. Chr.: Das aus ägyptischen Hieroglyphen abgeleitete protosemitische Alphabet taucht erstmals auf. Es bildet den Ursprung aller Konsonantenschriften. Es ist ein lineares Alphabet, das aus 23 Zeichen besteht.
  • 1000 v. Chr.: Die Phönizier verwendeten das protosemitische Alphabet und wandelten es in ein vereinfachtes, nicht piktografisches Alphabet der Konsonantenschrift um. Diese Alphabet wurde verwendet, um Phönizisch, eine semitische Sprache, zu übersetzen. Dieses im Mittelmeerraum verbreitete Alphabet wurde von den Kaufleuten entsprechend den im Ursprungsland vorhandenen Kulturen entwickelt.
  • 850 v. Chr.: Die Griechen übernahmen das phönizische Alphabet. Dies war auch das erste echte Alphabet, weil es keine Silben mehr besaß und es wird heute noch in Griechenland verwendet. 
  • 775 v. Chr.: Die Etrusker übernahmen nach einer griechischen Invasion das griechische Alphabet und entwickelten diese weiter, bis das lateinische Alphabet des antiken Roms entstand.
  • 650 v. Chr.: Die Römer übernahmen das etruskische Alphabet, um die lateinische Sprache schreiben zu können und verbreiteten eine modifizierte Version in ganz Europa: das lateinische Hochschulalphabet.

Das lateinische Schriftsystem ist undatiert. Das Studium alter Bücher beweist das und zeigt die Entwicklung eines Dialekts und einer Schrift.

Wie sieht das römische Alphabet aus?

Das römische Alphabet hatte in seiner früheren Version nur 20 Buchstaben. Es gab kein G, J, U, W, Y und Z.

Viele Buchstaben der lateinischen Schrift (wie in vielen alten Sprachen) lassen sich direkt von den griechischen Buchstaben ableiten, ohne dass sich die Schreibweise ändert: A, B, E, I, K, M, N, O, T und X. Das K wird sehr selten benutzt, man findet viel eher das C.

Andere Buchstaben wurden neu gestaltet, um die Buchstaben C, L, S, P, R und D des römischen Alphabets zu bilden. Die Buchstaben V, F und Q  wurden von den Griechen nicht mehr verwendet, aber fanden ihre Funktion im Römischen Reich.

Die griechischen Buchstaben waren Ursprung für die lateinischen. Die lateinischen Buchstaben haben ihren Ursprung im griechischen |Quelle: Pixabay

Im dritten Jahrhundert wurden G, Y und Z durch Ableitung des griechischen Alphabets hinzugefügt, um insbesondere das Schreiben von Fremdwörtern zu erleichtern. Es dauerte bis ins Mittelalter, bis die Buchstaben J, U und W erschienen, die das Schreiben bestimmter Wörter erleichtern sollten und für eine bessere Unterscheidungen zwischen Konsonanten und Vokale sorgten.

In der Tat dienten das J und das U sowohl als Konsonanten als auch als Vokal.

Das römische Alphabet ist der Ursprung unseres lateinischen Alphabets.

Die Schreibweise der römischen Buchstaben

Eine neue Sprache zu erlernen, die nicht unsere Muttersprache ist und die noch dazu heutzutage nicht mehr gesprochen wird, ganz wie das Altgriechisch, ist keine leichte Augabe.

Deshalb empfiehlt es sich als Lateinschüler, die verschiedenen Schriftarten zu verinnerlichen, um zu lernen, wie man die lateinischen Phoneme ausspricht, sodass man sich der Sprache phonologisch annähern kann.

Die Römer verwendeten vier Hauptschriften, um ihre Buchstaben zu schreiben. Welche Schrift man wählte, hing vom gewählten Schreibmedium und dem Empfänger des Textes ab:

  • Capitalis
  • Kursivschrift
  • Capitalis quadrata
  • Capitalis rustica

Die lateinischen Buchstaben waren für Denkmäler bestimmt und wurden demnach in Stein und Marmor eingraviert. Aber es dauerte noch einige Zeit, bis Capitalis als Name für die Schrift auftauchte.

Denn es waren nicht die Römer, die der Schrift ihren Namen gab. Er entstand lange nach der Zeit der griechischen und römischen Macht in den Druckereien der Welt, in denen man die Vorlagen für die Großbuchstaben oben im Schank verstaute. Sie thronten also am Kopf des Schrankes und Kopf heißt auf Latein caput, aus dem dann Capitalis wurde.

Zu Beginn war die Schreibrichtung nicht definiert, die Römer schrieben von links nach rechts und dann wieder von rechts nach links, wenn sie am Ende des Blattes angekommen waren. Erst im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde die Links-Rechts-Richtung endgültig übernommen.

Außerdem fällt auf, dass die Wörter früher in Großbuchstaben geschrieben und nicht getrennt wurden. Irgendwann wurden sie durch einen Punkt getrennt, aber von Leerzeichen war man noch weit entfernt. 

Die Kursivschrift wurde im Alltag für Briefe, Geschäftsunterlagen und Gesetze verwendet, denn sie ermöglichte eine flüssige, verbundene Schrift. Auch die Studenten verwendeten diese Schriftart, die auf unterschiedlichen Medien geschrieben werden konnte, ob Papyrus oder Tafeln auf Wachs, Holz oder Ton. Man schrieb entsprechend des verwendeten Mediums mit einem Stift, einer Feder oder einem Pinsel.

In Kursivschrift zu schreiben ging schneller und einfacher als in Großbuchstaben oder der Capitalis rustica, da man in raschen und flüssigen Bewegungen dynamisch Buchstaben aneinander reihen konnte.

Oft wurde Latein nur in Großbuchstaben geschrieben. Früher wurde Latein nur in Großbuchstaben geschrieben. |Quelle: Pixabay

Mit der Zeit entwickelte sich die moderne Schreibweise. So wurden seit dem 4. Jahrhundert nicht mehr nur Großbuchstaben, sondern auch Kleinbuchstaben verwendet. Aus dieser Entwicklung heraus entstanden die westgotische Schrift und die Schriften des französischen und britischen Reiches. 

Die Capitalis quadrata diente als Buchschrift der Römer, die die ersten Bücher auf Pergament schrieben. Ein Block gehefteter beschriebener Pergamentblätter hieß Kodex.

Zum Schreiben verwendeten die Römer Schilf oder eine Feder. Die Schriftart wurde hauptsächlich verwendet, um prestigeträchtigen Manuskripte zu schreiben, das es deutlich länger brauchte, um die Buchstaben zu schreiben. Die Buchstaben orientierten sich geometrisch an Vierecke, Dreiecke und Kreise, was der Schrift auch ihren Namen gab.

Die Schrift ähnelt der klassischen Capitalis, allerdings fehlen hier Abkürzungen, Interpunktionen und die Trennung zwischen Wörtern.

Die Capitalis rustica wurde zwischen dem 1. und dem 9. Jahrhundert verwendet. Sie entstand aus der Entwicklung der Capitalis quadrata. Die Schrift wurde oft in Bronze, Elfenbein oder Stein eingraviert, weil sie weniger Platz beanspruchte als die klassische römische Capitalis.

Das lateinische Zahlensystem

Man könnte meinen, dass die schönen lateinischen Buchstaben eine gute Vorlage für das Zahlensystem waren. Tatsächlich könnte man meinen, das C sei eine Abkürzung für Centum (Hundert) und das M für Milia (Tausend). Aber so ist es nicht und das verdanken wir den Etruskern.

So wurden nach dem Vorbild der Zahlschrift der Etrusker folgende Zahlen eingeführt:

  • I: Eins
  • V: Fünf
  • X: Zehn
  • L: Fünfzig
  • C: Hundert
  • D: Fünfhundert
  • M: Tausend

Die Zahlen werden von links nach recht und von der größten bis zur kleinsten Ziffer geschrieben. Um herauszufinden, um welche Zahl es sich handelt, musste man die Ziffern also addieren. Eine Regel: Man wiederholt eine Zahl nie mehr als viermal.

Aber wie schrieb man dann 4999?

Die Lösung war die subtraktive Schreibweise, mit der die Römer nie mehr als drei gleiche Zeichen nebeneinander schreiben mussten, um eine Zahl auszudrücken. Aber es dauerte bis ins Mittelalter, bis sich das Zahlensystem nach einigen Irrtümern zu dem entwickelte, was wir heute kennen:

  • Die 9 schrieb man nach dem additiven Prinzip so: VIIII
  • Dank der subtraktiven Schreibweise wurde daraus IX, man musste also 10-1 subtrahieren, um auf die 9 zu kommen.

Für alle Zahlen über 5.000 suchten die Römer verschiedene Lösungen. Ursprünglich verwendete man Kreise um Striche herum, um Zahlen im Tausender und Hunderttausender Bereich auszudrücken. Aber Kreise waren nicht so einfach auf einen Stein zu meißeln.

Dann wurden die Tausender mit einem horizontalen Balken über einer Zahl ausgedrückt. Die Hunderttausender wurden durch einen Rahmen um die Zahl herum kenntlich gemacht.

Irgendwann schrieb man II.C für 200 oder III.M für 3.000.

Eher kompliziert, findet ihr nicht? Aber nicht verzagen: Mit etwas Übung und Zeit werdet irgendwann auch Latein sprechen, wie damals.

Oft findet man römische Zahlen auf den Ziffernblättern der Uhren. Die Zifferblätter vieler Uhren werden mit römischen Zahlen beschrieben. |Quelle: Pixabay

Heute verwenden wir kaum noch die römischen Zahlen. Im normalen Alltag wurden sie von den arabische Zahlen abgelöst. 

Auch in der Mathematik und Arithmetik werden die Dezimalzahlen in arabischer Schrift geschrieben. Die römischen Zahlen verwendet man heute für Namen von Königen (Ludwig XIV, Heinrich V…), für Jahresangaben an alten Gebäuden, für die Zifferblätter auf Uhren, für Gliederungen in Büchern etc. 

Mittlerweile ist ihre Verwendung aber nicht zwingend und so verschwinden die römischen Zahlen langsam aus unserem Alltag. Aber wir werden sie bestimmt noch lange auf den Armen, Rücken oder Beinen stolzer Eltern sein, die sich das Geburtsdatum ihrer Kinder in römischen Zahlen haben tätowieren lassen.

Teilen

Wir freuen uns über Feedback von unseren Lesern
Enthält dieser Artikel die Informationen, nach denen Du gesucht hast?

Dieser Artikel war totaler Käse? Wirklich?Okay, beim nächsten Mal wird's besserNur Durchschnitt? Was fehlte Dir konkret?Danke Dir! Stelle verbliebene Fragen gerne untenWir freuen uns, dass wir Dir helfen konnten :) (Aktuell gibt es hierzu noch keine Bewertung)
Loading...
avatar