„Takt ist eine schreckliche Sache. Wenn man ihn nicht hat, regt sich jeder auf. Wenn man ihn hat, merkt es kein Mensch.“ Shirley MacLaine

Laut verschiedener Umfragen, ist die Gitarre das beliebteste Instrument in Deutschland. Knapp ein Sechstel der befragten Musizierenden spielen akustische oder elektrische Gitarre (15.9%).

Darunter sind Gitarren Anfänger, leidenschaftliche Hobbygitarrist*innen und Profimusiker*innen. Welches Niveau man genau hat, egal auf welchem Instrument, ist schwierig einzuschätzen. Es gibt keine handfesten Kriterien, die man zur Bestimmung des Levels heranziehen könnte.

Egal ob klassische Gitarre, Westerngitarre oder E-Gitarre, auf jedem Niveau gibt es so einiges zu lernen. Und man kann durchaus einige Punkte nennen, mit derer Hilfe Du einschätzen kannst, an welcher Stelle der Leiter zwischen Anfänger und Profi Du Dich gerade befindest.

Für alle die, die sich keinen Gitarrenunterricht nehmen und sich mit dieser Frage an ihre Lehrer*innen wenden können, haben wir hier einen Leitfaden zusammengestellt, mit dem Ihr Euch selbst evaluieren könnt.

Gitarre -Anfänger

Wenn man mit dem Gitarre spielen anfängt, ist man ganz klar ein Anfänger. Man hält das Instrument zum ersten Mal in den Händen und muss erstmal ganz grundlegende Dinge, wie die Namen der Saiten lernen.

Das Wichtigste beim Gitarre Lernen für Anfänger ist, sich von den eventuellen anfänglichen Schwierigkeiten nicht entmutigen zu lassen. Die Haltung des Instruments, das runterdrücken der Saiten an der richtigen Stelle, die Koordination beider Hände… das ist ziemlich viel auf einmal.

Vertraue Deinem Körper und Deinem Gehirn; sie brauchen etwas Eingewöhnungszeit. Wenn Du aber mehrmals wöchentlich für mindestens eine Viertelstunde übst, werden sie recht schnell lernen, was zu tun ist und Du wirst Dich schon etwas sicherer fühlen.

In erster Linie geht es darum, erste einfache Griffe zu lernen, ohne lange nach der richtigen Position suchen zu müssen und die Finger so sauber aufzusetzen, dass die Saiten gut klingen können. Mit der rechten Hand wirst Du die Saiten zupfen oder darüberstreichen, damit ein Klang entsteht.

Auch die besten Gitarristen der Welt haben einmal so angefangen!

Um über das Gitarre Anfänger Stadium heraus zu kommen, musst Du regelmäßig üben.
Ohne zu üben wirst Du Gitarre Anfänger bleiben. | Quelle: Panita Ppunpuang via Unsplas | Quelle: Panita Ppunpuang via Unsplash

Aber auch wenn man, die Gitarre sicher in den Händen hält und erste Akkorde spielen kann, ist man noch lange nicht über das Anfänger Niveau heraus. Dazu muss man erst noch einige weitere Lernetappen hinter sich bringen.

Anfänger mit Vorkenntnissen

Ganz klar, wer nur alle paar Jahre einmal fünf Minuten lang eine Gitarre in die Hand nimmt, wird bereits dieses Niveau ziemlich sicher nie erreichen. Wenn Du aber regelmäßig übst, wirst Du Dich ziemlich schnell als Anfänger mit Vorkenntnissen bezeichnen können.

In diesem Stadium kannst Du die einfacheren offenen Akkorde greifen und flüssig wechseln. Gleichzeitig bist Du in der Lage mit der rechten Hand die Saiten sauber zu zupfen oder anzuschlagen, und dabei im Takt zu bleiben.

Auf diesem Niveau kannst Du bereits erste Lieder mit wenigen Akkorden begleiten. Wenn Du das nächste Mal mit Freunden um ein Lagerfeuer herumsitzt, nimmst Du die Gitarre am besten gleich mit und begleitest sie beim Singen. So kannst Du am besten lernen, entspannt zu spielen und dabei auch noch Anderen eine Freude machen.

Fortgeschrittener Anfänger

Dieses Stadium ist das „riskanteste“. Viele Hobby Gitarrist*innen geben sich bereits jetzt mit dem Gelernten zufrieden und arbeiten nicht mehr weiter. Das ist natürlich nicht schlimm, wenn es genau das Niveau ist, das sie erreichen wollten und die Übezeit jetzt lieber in etwas anderes investieren wollen.

Es ist aber auch oft zu beobachten, dass Gitarrenschüler ab diesem Moment nicht mehr viel dazu lernen, weil sie ganz einfach ihr Niveau falsch einschätzen.

Gitarre spielen lernn und Freunden eine Frede machen.
Traue Dich, anderen etwas auf der Gitarre vorzuspielen, Du kannst dabei viel lernen. | Quelle: Nathan Bang via Unsplash

Ein fortgeschrittener Anfänger kennt bereits viele (oder alle) grundlegenden Gitarrengriffe und ist rhythmisch sicher. Wahrscheinlich hat er auch bereits angefangen die Barré-Griffe zu lernen oder weiß zumindest den Kapodaster gekonnt einzusetzen, um die meisten Lieder solide begleiten zu können.

Bei Feiern, auf denen gemeinsam gesungen werden soll, bist Du ein beliebter Gast, weil Du auf die Wünsche der anderen eingehen kannst und mit Hilfe von Chord Sheets aus dem Internet, die Lieblingslieder Deiner Freunde begleiten kannst.

Vielleicht hast Du sogar schon gelernt, selbst zu singen, während Du Dich auf der Gitarre begleitest. Deine Akkordwechsel sind flüssig und Du kannst den Rhythmus je nach Song variieren, vielleicht sogar schon einige bekannte Riffs nachspielen und an der richtigen Stelle einfügen.

Du kannst auf jeden Fall schon gut Gitarre spielen, aber vielleicht willst Du ja noch etwas mehr als das! Dann ist es wichtig zu wissen, dass es noch endlos viel zu entdecken und zu lernen gibt. Nur wenn Du Dir dessen bewusst bist, wirst Du nicht jahrelang, oder vielleicht sogar für immer, auf diesem Niveau stehen bleiben.

Mittelstufe - zwischen Anfänger und Fortgeschrittene

Du bist bereit, die nächste Etappe auf dem Weg zum fortgeschrittenen Niveau in Angriff zu nehmen? Dann wird es ab jetzt richtig spannend!

Wichtig ist, dass Du weiterhin regelmäßig übst, um Neues zu festigen und zu einer Gewohnheit werden zu lassen. Egal welches Level man als Gitarrist*in hat, man kommt immer wieder in die Situation, mit einer neuen Technik erstmal überfordert zu sein und sich wie ein blutiger Anfänger zu fühlen.

Lass Dich davon nicht demotivieren. Mit etwas Zeit und Geduld, wirst Du es hinkriegen. Denke in diesen Momenten zurück, was Du bereits alles gelernt hast, wie schwierig das teilweise war und wie leicht es Dir heute fällt.

Die Grenze des Lernbaren ist da erreicht, wo Du aufgibst und nicht mehr weitermachst. Vergleiche Dich auch nicht zu sehr mit anderen, die gleichlange spielen wie Du. Jeder lernt anders und in seinem eigenen Tempo, alle haben unterschiedliche Stärken und Schwächen. Und zu guter Letzt, hängt das Niveau natürlich nicht davon ab, wie lange man schon spielt, sondern wie viel und was man tatsächlich geübt hat.

Spätestens jetzt wirst Du Dich auf eine Entdeckungsreise auf dem Gitarrengriffbrett begeben und es genau kennenlernen. Es ist auch der Moment, an dem Du an etwas Musiktheorie für Gitarre nicht mehr vorbeikommst (im Idealfall, hast Du Dich bereits als Anfänger*in etwas damit beschäftigt).

Auf der Gitarre hat man nie ausgelernt.
Bleibe neugierig und offen, für alles, was man noch auf der Gitarre lernen kann. | Quelle: Jared Muller via Unsplash

Um komplexere Akkorde zu verstehen, unterschiedliche Griffe für denselben Akkord auszuprobieren, Akkordfolgen nachvollziehen zu können und nicht zuletzt improvisieren zu lernen, brauchst Du einige Grundlagekenntnisse der Harmonielehre.

Für das Solospiel (ob improvisiert oder nicht) wirst Du Techniken wie Bending, Slides, Hammer On und Pull Off erlernen. In der Begleitung werden alterierte und erweiterte Akkorde ein Thema und die Akkorde werden an unterschiedlichen Stellen des Griffbretts gespielt; um beim Akkordwechsel Zeit zu sparen, oder die Begleitung abwechslungsreicher zu gestalten.

Mit der rechten Hand werden schwierigere Rhythmen und Schlagmuster geübt, Alternate und Hybrid Picking wollen fleißig trainiert werden und Finger Picking erfordert eine gute Koordination beider Hände.

Theorieeinheiten kannst Du mit Übungen auf der Gitarre ergänzen, damit sich das Wissen festigt und Du es auch gleich praktisch anwenden kannst. Übe regelmäßig die pentatonische Tonleiter, Dur Tonleiter und Moll Tonleiter in verschiedenen Lagen. Je sicherer Du sie beherrschst, umso freier wirst Du auch improvisieren können.

Ergänzend kannst Du beim Gitarre Üben versuchen, Akkordfolgen von Liedern herauszuhören und nachzuspielen. Damit schulst Du nicht nur Dein Gehör, sondern bekommst auch ein Gefühl für Harmonien. Das hilft Dir schlussendlich beim Improvisieren und wenn Du vielleicht sogar eigene Songs schreiben willst.

Beim Improvisieren lernen, geht man am besten in kleinen Schritten voran und erwartet erstmal nicht zu viel von sich. Auch eher einfache, langsame Soli können toll klingen! Nimm nach jedem erfolgreichen Schritt den nächsten in Angriff. Wenn die gängigsten Tonleitern gut sitzen, kannst Du Dich nach und nach anderen Skalen widmen - mixolydisch, dorisch, lydisch…

Wenn Du autodidaktisch lernst und nicht weißt, wie Du Dir all diese Dinge selbstbeibringen kannst und womit Du überhaupt anfangen sollst, ist jetzt ein guter Moment, um Dich an einen Gitarrenlehrer zu wenden. Er kann Dir dabei helfen, Ordnung in das Ganze zu bringen und Dich durch dieses Stadium hindurchführen, ohne Dich zu überfordern.

Gitarre – Fortgeschrittene

Wann das Fortgeschrittenen-Niveau erreicht ist, ist sehr schwer zu definieren. An der Gitarre hat man nie ausgelernt. Je mehr Du lernst, umso mehr wirst Du entdecken, was es noch alles zu lernen gibt. Das hießt auch sehr gute fortgeschrittene Gitarristen, können nicht alles und üben immer noch fleißig weiter.

Auch wenn Du das Gitarre Level fortgechritten erreicht hast, hast Du nicht ausgelernt.
Ach Fortgeschrittene Gitarristen können immer Neues dazu lernen. | Quelle: Miguel Angel Hernandez via Unsplash

Fortgeschrittene Gitarrist*innen sind rhythmisch sicher, kennen eine Vielzahl an Akkorden und ihre Umkehrungen und sind in der Lage, sie spontan einzusetzen. Ein Solo zu improvisieren macht ihnen vor allem Spaß und sie müssen dabei nicht mehr allzu viel über Theorie nachdenken. Sie spielen frei und legen Gefühl in ihr Spiel.

Auf diesem Niveau fühlt man sich im Zusammenspiel mit anderen wohl und kann auf sie hören und eingehen, anstatt verkrampft darauf zu achten, selbst alles richtig zu machen.

Um das zu erlangen, kannst Du nicht früh genug damit anfangen, in der Gruppe zu spielen. Suche Dir schon als Anfänger Leute mit denen Du Dich wohl fühlst. Ihr könnt euch gegenseitig unterstützen, motivieren und voneinander lernen.

Du siehst, es ist kaum möglich unterschiedliche Niveaus zu definieren. Am Ende ist es aber auch nicht wichtig, ein konkretes Level angeben zu können. Das Wichtigste ist der Spaß am Musik machen!

Das eigene Niveau einzuschätzen sollte höchstens dazu dienen, sich darüber bewusst zu werden, wie viel man noch lernen kann und was vielleicht als nächstes kommen könnte. Ab einem gewissen Punkt hängt das aber auch von dem Musikstil ab, den Du spielen möchtest.

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Chantal

Die Entdeckungsreise des Lebens führte mich von Bern über Berlin in die Bretagne. Theater und Musik sind mein Zuhause, Neugier und Leidenschaft mein Antrieb.